Jan 23 2010

Charlie und Brown in Mönckersheim (I)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Krimi.

Alf Kimmel und der Fall Peanuts

Ein Kriminalroman in unregelmäßigen Fortsetzungen

So, den kennen sie gar nicht? Das ist doch der Kimmel. Alf Kimmel. Wissen Sie, was das für einer ist? Das ist ein Privatdetektiv. Nein, nein, nicht einer von der Sorte. Ich meine, der spioniert nicht den Kassenfrauen vom Lidl nach, ob sie auf dem Klo rauchen oder Leergut-Bons einstecken. Und der schnüffelt nicht nach Angestellten, die sich krank gemeldet haben. Das ist nicht einmal so einer, der Eifersuchts- und Ehegeschichten behandelt, so mit Vaterschaft und DNA oder so. Ehrlich, der muss nicht mal sein Geld mit dem Detektivspielen verdienen. Der hat da im Hinterhaus so eine kleine Galerie. Kunst und alte Bücher, so Atlanten und Gedichte und was weiß ich. Es kommen immer mal wieder Leute von weit weg zu ihm, die irgendwas suchen. Nicht grade oft, aber immer mal wieder…

Weiterlesen »

Keine Kommentare

Jan 22 2010

Die Götter der Dummheit

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Politik.

Die Dialektik der Dummheit in der spätkapitalistischen Gesellschaft sieht folgendermaßen aus: Es ist eine Dummheit, die nicht aus einem Mangel ersteht, sondern die im Gegenteil aus dem Überfluss produziert wird: Alles, was man bräuchte, um nicht dumm zu sein, ist nicht nur vorhanden, sondern mehr oder weniger auch kostenlos – Information, Lehre, Vorbilder, Anschauungsmaterial, Freizügigkeit, sogar, bis zu einem gewissen Grad: Zensurlosigkeit. Na schön, ich bin erschöpft, na schön, ich hab’ da jetzt keinen Kopf für, na schön, Alltag und Beruf machen mich fix und fertig. Die Sucht nach Unterhaltung entsteht als auf den Kopf gestellter Kapitalismus-Protestantismus: Weil Arbeit so sehr Pflicht, Strafe und Selbstdisziplinierung ist (und natürlich, ein bisschen Spaß muss da doch auch sein: Vor allem Disziplinierung der anderen), weil Arbeit so hundeelend anstrengend ist, muss der Rest des Lebens das Gegenteil von anstrengend sein. Ist aber Thomas Gottschalk, Big Brother oder Traumschiff das Gegenteil von anstrengend? Ist die BILD-Zeitung das Gegenteil von anstrengend, nur weil es keine Nebensätze gibt? Weiterlesen »

Ein Kommentar

Jan 15 2010

Sie sagen: Nichts

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Politik.

Der Außenminister der schwarz/gelben Koalition, Guido Westerwelle, ist zweifellos der Idiot der Familie an Angela Merkels Tisch. Beim „Dreikönigstreffen“ der Liberalen hieß es in seiner Rede: „Die Zeit, wo wir uns im Gestrüpp der Tagespolitik verheddert haben in den letzten zehn Jahren, sie muss ein Ende haben. Es geht um die langen, die großen Linien. Und deswegen wollen wir eine geistig-politische Wende in diesem Land.“ (nach tagesschau.de)

Natürlich musste es zunächst scheinen, der Außenminister wolle beweisen, dass er nicht nur englisch nicht kann, sondern auch bereit ist, die Sprache Goethes und Heines auf Veronica Pooth-Niveau zu senken. Weiterlesen »

Ein Kommentar

Jan 13 2010

Der Charakter ist das Schicksal

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Kultur.

Der Charakter ist das Schicksal, das hat der Schauspieler Oskar Werner gesagt; damals probte er gerade seinen „Hamlet“. Mit Francois Truffaut geriet er bei den Dreharbeiten zum „Fahrenheit“-Film in Streit, weil der Regisseur seiner Meinung nach nicht genug betonte, dass sein „Feuerwehrmann“ einen faschistischen Charakter hatte. Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen. Oskar Werner, dem als Deserteur Verfolgten, wäre es weiß der Himmel nicht leicht gefallen, sich in einen Faschisten zu verwandeln, für die Dauer der Dreharbeiten. Trotzdem war er zu dem Opfer eher bereit als dafür, die Beziehung zwischen Charakter und Schicksal zu verwässern, wie es seiner Meinung nach der unentschlossene Menschenfreund Truffaut machte. Weiterlesen »

Keine Kommentare

Jan 08 2010

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 1/10

Veröffentlicht von unter Filmwissenschaft, Kunst.

Der Angriff der Kunst-Filme auf die Filmkunst

Eine kurze Geschichte des Kinos geht ungefähr so: Geboren aus dem Geist des Jahrmarkts, dann wandernd zwischen Schnaps-Destillen, Hinterzimmern von Wäschereien und verlassenen Kirchen (jedenfalls in Amerika, wo man es mit dem Sakralen und dem Profanen eher pragmatisch hält), konnte Film erst als eigenständiges Medium erkannt werden, als es feste Häuser, schließlich gar „Paläste“, Stars und „Autoren“ und so etwas wie eine Theorie entwickelt hatte. Aus den bewegten Bildern von boxenden Kängurus, Damen im Bade und Kaiser Wilhelm (oder seinem Double) auf der Truppenparade entstanden zwei Tendenzen, die man bis heute gegeneinander zu halten pflegt: Die Tendenz Lumière, die kinematografische Abbildung der Welt wie sie ist, mehr oder weniger, wo man Arbeiter beim Verlassen der Fabrik sehen kann, und die Tendenz Méliès, das Kino aus Zauber- und Traummaschine, mit der man auf den Mond gelangen und den Teufel aus dem Kasten springen kann. Weiterlesen »

Keine Kommentare

Dez 29 2009

„Nicht in unserem Namen!“

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Demokratie, Gesellschaft.

Bitte unterstützt unsere Kampagne „Nicht in unserem Namen!“

und sendet ein E-Mail mit Eurer Zusage und einer kurzen persönlichen Stellungnahme an:

nicht-mit-mir@oeku-buero.de

oder per Fax: 089 – 48 76 73

Am 5. Februar 2010 will Oberbürgermeister Christian Ude die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der „46. Münchner Sicherheitskonferenz“ zu einem festlichen Empfang im Alten Rathaussaal einladen. Dort möchte der OB im Namen der Stadt München Regierungschefs, Militärexperten und Minister, Politiker und Diplomaten der führenden Nato-Staaten, Generäle der Nato und der Bundeswehr sowie Wirtschafts- und Rüstungsmanager begrüßen und damit diese Militärkonferenz im Namen aller Münchner und Münchnerinnen legitimieren. Weiterlesen »

Keine Kommentare

Dez 28 2009

DIE SANDKASTEN-PROTOKOLLE (V) Winterausgabe

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

-       Is’ doch geiler Schnee, oder? Machen wir einen Schneemann.

-       Oder wir machen eine Schneefrau.

-       Du Sau!

Keine Kommentare

Dez 22 2009

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 3/09

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Kultur, Kunst.

Von Differenz und dummen Dingen

Die Frage, warum eigentlich etwas ist, und nicht vielmehr nichts, das ist das eine. Das andere aber ist: Warum gibt es eigentlich so vieles und nicht eines? Warum zum Beispiel gibt es nicht ein Tier und eine Pflanze, die sich auf endlosem Kreis voneinander ernähren? Oder warum gibt es Kulturen, Klassen, Geschlechter und nicht einfach den einen, multikulturellen, metrosexuellen und arbeitend-zufriedenen Menschen? Historisch gesehen ist das so einfach wie den Tod erklären: Es ist nützlich (vielleicht nützlich genug, um das ganze System überhaupt am Laufen zu halten). Aber das Historische ist ja keine Antwort, außer, dass es so ist, weil es so geht. Weiterlesen »

Keine Kommentare

Dez 10 2009

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

Weihnachten

Lange hatte Herr Kainer diesmal auf den Herrn Reiner warten müssen. Was ihm sonst nichts ausgemacht hätte, denn Herr Kainer empfand insofern durchaus „afrikanisch“ als er Nichts Tun (und wir meinen Nichts wenn wir Nichts sagen) als Wohltat empfand. Indes ist Nichts Tun in der Vorweihnachtszeit (oder überhaupt) bei Zeit- und Raumgenossen hierzulande nicht sonderlich beliebt, weshalb sie alles unternehmen, um derlei zu unterbinden. Und mag Nichts Tun auch eine Wohltat sein, so ist doch gestörtes Nichts Tun die schiere Plage.

„Nun, Herr Reiner, ich sehe Sie haben Weihnachtseinkäufe gemacht“ meinte Herr Kainer, entschlossen, sich nicht einmal von gestörtem Nichts Tun und vier bis sechs ausgebeulten Plastiktaschen in der Hand seines schwitzenden Freundes aus der Ruhe bringen zu lassen. „Haben Sie alles bekommen?“ Weiterlesen »

Keine Kommentare

Nov 30 2009

WEITERES ÜBER DUMME DINGE

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

Man erinnert sich: An bestimmten Orten der Welt, zum Beispiel in einem „real sozialistischen“ Staat oder am untersten Ende der Einkommensskala in den noch realer existierenden kapitalistischen Staaten, war einst der Besitz einer Levy’s Jeans oder der Genuss einer Marlboro-Zigarette höchster Traum, obwohl durchaus klar war, dass Jeans, die nur die Hälfte von den Levy’s kosteten ebenso gut waren wie andere Zigaretten mindestens ebenso gut schmeckten. Es war, was man begehrte, die Metaphorik, es war das Image, es war die Erzählung. Weiterlesen »

Keine Kommentare

« Zurück - Weiter »