Okt 09 2011

Bahn frei!

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

Wie unser System funktioniert (für die da oben) und nicht funktioniert (für uns hier unten) zeigt eine Meldung der dpa vom 8. Oktober: „Bahn steuert zwei Milliarden Euro Gewinn an. Die Bahn will in diesem Jahr die Marke von zwei Milliarden Euro beim Gewinn übertreffen: ‚Wir sind das einzige Bahnunternehmen Europas, das in der Krise Gewinne gemacht hat’, sagte Bahnchef Rüdiger Grube.“

Wer sich über Unpünktlichkeit, schlechten Service, unverschämte Preisgestaltung, bürokratischen Wahnsinn, Weiterlesen »

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Okt 08 2011

Nachschrift zu den „BLÖDMASCHINEN“ (6)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

Natürlich kann man eine „Finanzkrise“ als eine Systemkrise verstehen. Trotzdem kann es nicht schaden, sich gelegentlich ein Bild von den Menschen zu machen, die dahinter stecken.

Dazu zwei „Nachrichten“  aus der Financial Times Deutschland vom Freitag, dem 7. Oktober 2011:

„Es gibt ja viele gute Gründe, zu einer Messe zu fahren. Bei der Immobilienmesse Expo Real, die diese Woche in München stattfand, kamen weiter Argumente hinzu – zumindest für die Damen. Als Münchner Veranstaltungstipp riet das Branchenblatt ‚Immobilien Zeitung’ im Messeplaner zum Besuch einer Tabledance-Bar, wo sich täglich wohlgeformte Herren entblättern. Weiterlesen »

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Okt 07 2011

Werwolf Geschichten

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

1

„Wir sind eine tolle Truppe“, sagte der Werwolf stolz. „Ja, uns entgeht so leicht nichts“, pflichtete der Waswolf bei. „Wir kennen uns aus!“ rief der Wiewolf fröhlich. „Karte und Gebiet“ murmelte der Wowolf. „Historisch genau“ meinte der Wannwolf.

„Äh, Jungs, ich habe da noch eine kleine Frage.“, grummelte der Warumwolf.

„Das musste ja kommen“, seufzte der Werwolf. „Es ist immer das Gleiche“, stimmte der Waswolf ein. „Das kennen wir schon!“ rief der Wiewolf barsch. „Sicher wie die Sonne in der Wüste!“ führte der Wowolf aus. „So wird das nie was mit unserer Truppe“ klagte der Wannwolf. „Warum?“ fragte der Warumwolf.

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Okt 06 2011

Anmerkungen über “Atmosphäre”

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Filmwissenschaft, Semiotik.

1: Vom Atmen der Bilder

Atmosphäre. Das ist eines jener merkwürdigen Worte mit mehrfacher Bedeutung, die erst in einem merkwürdigen Medium wie dem Kino wieder ein Ganzes meinen. Es spricht, ganz materiell, von jenem Raum um die Erde, in dem wir atmen können, ganz ideell von der Aura eines Raumes, und schließlich von der Stimmung eines Kommunikationsvorgangs. (Übrigens war früher die Atmosphäre eines Gespräches vielleicht angenehm, während heute eher die „Chemie“ zwischen zwei Politikern nicht stimmt, und auch im Kino bewerten wir gern die Chemie zwischen Stars, wenn es nicht gleich darum geht, ob es zwischen ihnen „knistert“: Physik!) Atmosphäre ist zugleich nicht sichtbar und eine Voraussetzung der Sichtbarkeit. Man kann sagen: Atmosphäre ist das Kino der Wirklichkeit.

Es ist das Unsichtbare, das durch das Sichtbare ausgedrückt wird. Die Einstellung der Kamera und ihre Bewegung auf Objekte, Architekturen, Landschaften und Personen, die uns auf der einen Seite in einer bestimmten Form vertraut sind, auf der anderen Seite uns auch etwas zu sagen haben (die also in dem Versuch gezeigt werden, ihre Fremdheit zu überwinden). Für die Kamera werden die Dinge arrangiert, um einerseits Informationen zu übermitteln, wobei Zeichen und Bezeichnetes beinahe identisch sein sollen. Weiterlesen »

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Sep 16 2011

REVOLUTION! Eine bayerische Tragödie in drei Akten

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

1. Akt

Das Paar vor dem Fernseher

Er

I woas net. Muas des sei? Imma da söbe Kas.

Sie

Jo, genau. Imma da söbe Kas.

(Vorhang)

2. Akt

Das Paar vor dem Fernseher

Er

I woas net. Imma müasn’s ois anderscht macha. Des war frühra do so sche. Weiterlesen »

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Sep 11 2011

Kleinigkeiten (13)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

Wir wissen nicht genau, was andere Nationen in Zeiten schwieriger Probleme machen, das ist eine kulturelle Gemengelage. Wir wissen nur, was Deutschland in Zeiten schwieriger Probleme macht. Man wirft die größten, beinahe schon vergessenen politischen Dumpfbacken in die rhetorische Schlacht und lässt sie brachialpopulistischen Unfug verbreiten. Brüderle, Oettinger, die gibt’s noch, echt jetzt. Und Wolfgang Schäuble, der eine „mentale Abkehr“ vom „extremem Pumpkapitalismus“ fordert, während Oettinger pumpkapitalistische Sünder an den Fahnenhalbmast-Pranger stellen will (warum fallen Deutschen eigentlich immer als erstes Fahnen ein?). Die alte Frage: Sind die so blöd, oder halten sie nur uns für so blöd? Und man weiß immer noch nicht, was von beidem schlimmer ist.

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Neues aus dem Kulturleben. Til Schweiger soll „Tatort“-Kommissar werden. Super. Weiterlesen »

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Sep 09 2011

Haribo macht F.A.Z. LeserInnen froh (und Thomas Gottschalk sowieso) Oder non olet again

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Medien, Werbung.

Dies also ist eine „Nachricht“ in der „Zeitung für Deutschland“:

„Thomas Gottschalk verteilt Bären

Der Showmaster Thomas Gottschalk wird am 3. Oktober ziemlich viel zu tun haben. Auf dem großen Umzug, den Bonn bei seinem ‚Deutschlandfest’ am Tag der Einheit veranstaltet, will der Moderator schwarz-rot-goldene Gummibärchen verteilen. 150.000 Beutel mit ‚Einheitsbären’ hat ein Bonner Süßwarenhersteller für Gottschalks Einsatz bereitgestellt. Dass der Bär das Berliner Wappentier ist, fügt sich gut. Denn beim zentralen Deutschlandfest in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn wird Berlin zwanzig Jahre nach dem Bundestagsbeschluss, Parlament und Regierung vom Rhein an die Spree zu verlegen, ohnehin eine große Rolle spielen. Auf der Bonner Adenauerallee wird es gar ein kleines Brandenburger Tor und einen Berliner Fernsehturm geben. Und damit sich die ehemaligen Hauptstädter nicht nur mit Bären stärken müssen, gibt es auch Currywurst und Berliner Weiße.“

Nationalchauvinismus, Eventkultur, Promiauftrieb, bärenstarke Schleichwerbung und extrem schlechter Geschmack: Das ist die Mischung, aus der man „Nachrichten“ macht, die man unter der Rubrik „Persönlich“ auf die Seite „Deutschland und die Welt“ packt. Töörrröööö! Eine F.A.Z. kostet 2 Euro. Eine Packung „Goldbären“ von Haribo kostet 89 Cent. Und was kostet eine unabhängige Presse? Unbezahlbar.

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Sep 09 2011

Titelschutz (10)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Kultur.

In meiner Liebingsrubrik „titelschutz“ im Börsenblatt des deutschen Buchhandels begann mal wieder alles mit einem Stück konkreter Poesie:

Schatz, wir müssen reden. Oder wenigstens lesen:

„Wir sind schwanger!“

„Ich bin schwanger!“

„Kinder, Kinder“

„klein und groß“

„keine und große“

„männergesundheit“


Ansonsten lernen Manager demnächst aus der Heiligen Schrift:

„Führungsprinzipien der Bibel“ Weiterlesen »

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Sep 08 2011

Non olet

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

Wir leben ja, sagt man, im „post-ideologischen Zeitalter“. Da ist es sehr schön zu wissen, wie das politische Praxis wird, hierzulande. Nicht, dass Thilo Sarrazin 5.000 Euro dem Kreisverband Berlin-Neukölln der SPD spendet ist besonders überraschend. Aber die „Non olet“-Begründung der stellvertetenden SPD-Kreisvorsitzenden Kirsten Flesch (der taz gegenüber geäußert) ist schon aufschlussreich dreist: „Wir sind nicht so ideologisch verbohrt, dass wir im Wahlkampf eine solche Spende ablehnen“. Das ist vielleicht ein Schlüsselsatz für unsere Politik derzeit.

Wir sind nicht so ideologisch verbohrt, um nicht mit jedem blutsäuferischen Diktator Waffengeschäfte zu machen. Unsere Universitäten sind nicht so ideologisch verbohrt, dass sie die freundlichen Übernahmeangebote der Wirtschaft ablehnten. Weiterlesen »

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Sep 03 2011

Zirkus Capitali (2)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

Wenn wir den Kapitalismus erst einmal in Entertainment verwandelt haben, dann verwandeln sich die Zyklen auch in „Nummern“. So folgt, nicht nur bei Air Berlin auf den dummen August des (Kaputt-) Wachsens, Hunoldo zum Beispiel, der Weiße Clown des (Kaputt-) Sanierens, Mehdornino zum Beispiel. Weil eine Börsenkapitalisierung von unter 250 Milliarden Euro so weit unter der der Konkurrenz liegt und Hunoldo seinen Trick, das Geldverbrennen mit läppischen 3,7 Milliarden Euro Jahresumsatz und 8.900 Mitarbeitern, als one trick pony absolvierte, wirbelt der weiße Clown im Circus Kapitali nun mit Arbeitsplätzen, Angeboten und Service herum und spricht, wie wir es von den weißen Clowns kennen, böse Machtworte. Der dumme August im Circus Kapitali frisst, klaut und stopft sich die Taschen voll, das Publikum staunt, und dann kommt der weiße Clown, und er sagt: Es gibt nichts mehr. Weiterlesen »

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