Jul
29
2009
Das Schöne ist in der Welt der Zeichen das, was „Charisma“ in der Welt der Menschen und ihrer Beziehungen ist: Eine Möglichkeit, aus eigener Kraft die Macht der Regeln, der Unterdrückungen, der Ordnungen, der Bürokratien, der Konventionen, der kleinen und großen Unterschiede, der Bildung, der Sprache und so weiter zu überwinden. Die Faszination, die vom Schönen ausgeht, ist stärker als die Macht der etablierten Herrschaft, die sich ausdrückt in einer Ordnung der Zeichen. Weiterlesen »
Jul
25
2009
Die bürgerliche Kultur zu retten, ist es vermutlich zu spät
Das Grauen gegenüber den stets neuen Geschmacklosigkeiten und Debilitäten der populären Kultur im Allgemeinen und des vergehenden Leitmediums Fernsehen im Besonderen ist vor allem die andere Seite des Grauens gegenüber dem Verschwinden der bürgerlichen Kultur. Diese wiederum besteht aus nichts anderem als aus Differenzierung: Sie ist entfernt vom Kindischen, Regressiven, Sexuellen, Rohen, Gewalttätigen, Dummen, sie ist, mit einem Wort, vom Körperlichen entfernt. Aber sie differenziert sich nur auf der Ebene der Codes, auf einer tieferen Schicht der ästhetisch-politischen Praxis schließt sie sie nicht aus, sondern umschließt sie auch. Das Lustige und Spannende an der „bürgerlichen Kultur“ ist es, dass genau das, was sie sich äußerlich vom Leibe hält, in ihrem Inneren immer wieder aufbricht. Weshalb sie sich ja auch, ganz zu Recht, selber nicht geheuer ist. Weiterlesen »
Jul
14
2009
„Einige wollten den Roman als eine Art kinematographisches défilé der Dinge. Diese Vorstellung war absurd“. So schrieb Marcel Proust. Einige andere aber wollten das Kino als eine Art romanesken Reigen der Dinge. Diese Vorstellung war genau so absurd.
Sherlock Holmes und das Denkverbot: Man kam überein, das Richtige nur dadurch zu erhalten, dass das Falsche ausgeschlossen wurde. Schritt für Schritt werden alle Alternativen beiseite gelegt, und was am Ende übrig bleibt, das wäre, nun ja, die Wahrheit. Die Welt ist das sorgsam geschiedene Material, das erschöpfend behandelt wird. So wurde die Sherlock-Holmes-Wissenschaft zum Todfeind intellektueller Offenheit: Die Widersprüche sind nicht nur zwischen den Dingen, sondern in den Dingen zu beschreiben. Weiterlesen »