Sep
13
2009
Auch diesmal bleibt natürlich alles ganz anders. Denn erstens, das haben wir ja jetzt oft genug gehört: Ab jetzt wird nicht mehr direkt, sondern taktisch gewählt. Man befindet sich in einer Art Koalitions-Toto, wo man nicht nur auf Sieg, sondern auch auf Platz, oder, nach dem Vorbild unserer famosen Finanzmanager, sogar auf Niederlagen setzen kann. Wer, zum Beispiel, noch an die Sozialdemokratie glaubt (doch, so was gibt’s!), der wählt jetzt die FDP um eine Wiederholung der großen Koalition zu verhindern, die das endgültige Verschwinden des sozialdemokratischen Projekts noch einmal deutlich machen würde. Oder ein CDUler wählt die Linke, damit seine Partei endlich aufwacht und wieder auf die antikommunistische Pauke hauen kann. Jedenfalls weiß jede Wählerin und jeder Wähler: Wenn ich die Partei wähle, die ich eigentlich wählen würde, dann kriege ich garantiert nicht die Regierung, die ich eigentlich hätte haben wollen. Wir nennen das jetzt „cross voting“. Weiterlesen »
Sep
12
2009
Schwanenscheiße
Der Verkehr am Mittleren Ring, das tut er gerne, brach einmal wieder zusammen. Die Pflicht ruft, und als letzten Aufschrei der individualistischen Revolte werfen sich die Menschen in ihre Automobile. Der Bus ist nämlich schweinegrippenvoll und kommt auch nicht schneller voran.
Die Herren Reiner und Kainer saßen am Ufer des Kleinhesseloher Sees und genossen den Beginn eines sonnigen Herbsttages, der es sich nicht leicht machte. Weiterlesen »
Sep
09
2009
Da sitze ich also wieder an meinem Computer, trinke viel zu süßen schwarzen Kaffee und schaue aus dem Fenster. Ein Rotschwänzchen vergnügt sich im Holunderstrauch, wie jeden Morgen. Oder ist es eher Arbeit, Nahrungsmittelbeschaffung, und wo liegen da bei einem Rotschwänzchen die Grenzen?
Na egal, ich werde etwas über die Wahl schreiben. Das ist definitiv Arbeit und kein Vergnügen. Weiterlesen »
Sep
05
2009
Der Mensch unserer Zeit wird erst gecoacht, dann gecasted und schließlich gerated. Und dann wieder von vorn. (Früher war das Erziehung, Konkurrenz und Erfolg und auch nicht viel besser. Man wusste nur, dass es ungerecht, gewalttätig und demütigend war.) Neben der politischen und der ökonomischen Macht geht das, was wir früher einmal „Definitionsmacht“ nannten, in die Hände jener über, die coachen, casten und raten. Die Macht der Coacher, Caster und Rater entsteht einerseits durch eine populistisch-mediale Rückkopplung, andererseits durch Akte der Selbstermächtigung. Die Antwort auf ökonomische Krisen ist das Anwachsen der Coaching-, Casting- und Rating-Industrie. Weiterlesen »
Sep
04
2009
Auf der Homepage der Bavaria GmbH finden Sie alle aktuellen Werbemittel und Geschenkideen der CSU, die Sie dort auch online bestellen können.
Wir würden uns freuen, wenn Sie auch dadurch Ihr Interesse an der Politik der CSU und an der Partei zum Ausdruck bringen.
“Und, Herr Kainer, was wählen Sie?”
“Ich glaub, ich wähle die Freiheit, lieber Herr Reiner.”
“Was für eine Freiheit wollen Sie denn wählen? Wir haben doch schon lauter Freiheiten. Und eine ist freier als die andere!” Weiterlesen »
Sep
01
2009
Wenn die Dummheit mehrheitsfähig geworden ist, und zwar in eben jener Form, die unentwegt nicht nur Dummheit, sondern auch das Bekenntnis zur Dummheit verlangt, dann ist Nicht-Dummheit (was immer das sein mag, vielleicht beginnt es mit nicht mehr als einem kleinen Unbehagen daran, dass es offensichtlich gesellschaftliche Apparate gibt, in denen jeder, der Geld oder Macht oder einen sogenannten Promi-Status hat, einen Blödsinn vor sich hinreden darf – der Moderator hat immer den andächtigen Dackelblick dazu -, den wir in einem Face-to-Face-Gespräch mit Nachbarn nicht hinnehmen würden) keine Auszeichnung, sondern ein Stigma. Es geht nicht mehr allein darum, dass etwas Dummes gesagt werden kann, sondern dass die Form der Gespräche bereits Dummheit implizieren muss. Würde irgend jemand irgendwann bei Anne Will, nur zum Beispiel, etwas Kluges sagen, so hätte er nicht nur etwas Skandalöses getan, sondern auch das ganze Sendeformat in Frage gestellt, was durchaus einem unflätigen Benehmen in einer Kirche gleichkäme. Jede Talk Show definiert den in einem Segment des Publikums verbindlichen Grad an Dummheit. Und daran sehen wir auch, dass selbst eine durch und durch dumme Gesellschaft selbst in ihren Dummheitsmaschinen immer noch eine Klassengesellschaft ist, in der sich, wer die Dummheit bei Anne Will genießt, sich als etwas Besseres fühlen darf als jener, der sich nachmittägliche Schmuddel-Talkshows „reinzieht“. Weiterlesen »
Aug
28
2009
In keinem Land gibt es einen Mangel an Menschen, die bereitwillig Befehle ausführen. Auch nicht, vielleicht erst recht nicht, wenn diese Befehle die Lüge, die Folter, den Mord mit einschließen. Manche Länder freilich scheinen solche Menschen mehr als andere hervorzubringen, manche Länder wollen offenbar kaum andere Menschen dulden.
Das Ziel einer Gesellschaft, die Freiheit und Demokratie zu ihrem Wert gewählt hat, müsste es sein, Menschen hervorzubringen, die nicht bereitwillig jedem Befehl gehorchen. Wir haben das gründlich vergessen. Schauen wir uns unseren faden Wahlkampf an: Nirgendwo, wirklich nirgendwo geht es darin um die Freiheit selbstbestimmter Menschen. Weiterlesen »
Aug
26
2009
Dummheit ist, so scheint’s, nicht das Problem, sondern der Inhalt unserer Kultur. So hörten wir vor Jahr und Tag einen Politikwissenschaftler von einem „Recht auf Dummheit“ in der Demokratie sprechen. Er meinte damit nicht jene mehr oder weniger selbst verschuldete Unmündigkeit, aus der uns die Aufklärer zu führen versprachen, sondern eine durchaus industriell produzierte, Staat, Gesellschaft und Individuum wohl tuende Dummheit, an die alle Kommunikationsmittel angeschlossen sind. Eine Art von Dummheit, die man nicht hat, die man nicht einmal „bekommt“, sondern eine Dummheit, die man sich holen muss. Tag für Tag.
Gibt es das Recht auf Dummheit in einer Gesellschaft, die sich frei wähnt? Weiterlesen »
Aug
13
2009
Hülle und Fülle
„Sagen Sie, Herr Reiner“, meinte Herr Kainer, der seinen Freund versonnen auf eine Abbildung in seiner Zeitung blicken sah, „Was halten Sie denn vom “Busen-Wahlkampf?“.

„Da gibt es für mich leider nichts zu halten“, entgegnete der.
„Nein, ich meine: Was denken Sie darüber?“
„Ich decke gar nichts darüber“.
„Denken!“
„Wie bitte?“ Weiterlesen »