Archiv für die 'Politik'-Kategorie

Aug 11 2010

Hilf dir selbst

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Politik.

Eine Regierung, die darauf verzichtet, ihrem Kapitalismus „Manieren beizubringen“, erzeugt nicht nur neue Klassen, sondern vor allem einsame Menschen. Betrachtet man die einschlägigen Sendungen unseres Fernsehens, in denen sich das Medium als beherzter großer Bruder von Geschädigten, Betrogenen und Bedrängten inszeniert (dieser „große Bruder“ hilft indessen nur, während er die Skandale entpolitisiert), fällt vor allem die Fassungslosigkeit der Betroffenen auf, mit der sie zur Kenntnis nehmen, mit welcher Gleichgültigkeit sie von ihrer Regierung, ihrem Staat, ihrem Rechtssystem, den Geschäftemachern und Bürokraten geopfert werden.

Hilf dir selbst, grinst der postdemokratische Staat, nachdem er dem Einzelnen alle Instrumente weggenommen hat, sich zu helfen. Weiterlesen »

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Aug 09 2010

Kleinigkeiten (4)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Arbeit, Bayern, Demokratie, Gesellschaft, Politik.

Es mag ja sein, dass die Wahrheit immer einfach und konkret ist. Wer weiß das schon, hat sie doch noch niemand gehabt, gesehen oder gehört. Egal. Wenn die Wahrheit auch einfach wäre, so ist es der Weg dorthin doch niemals. Aufgabe der Kritik ist es nicht nur, einfache Wahrheiten in Aussicht zu stellen, sondern auch den schwierigen Weg dorthin zu beschreiben. Der Versuch, einen schwierigen Gedanken in einfachen Worten auszudrücken, ist eine mindere Form der Lüge. Aber umgekehrt ist es natürlich auch nicht besser.

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Wir Bayern, Angehörige eines tückischen kleinen Bergvolkes, verzeihen einem betrügerischen Gewaltmenschen schon gerne einmal mit dem bei Preußens gern zitierten Spruch: „Aber ein Hund ist er schon“.

Aber jetzt haben wir einen Horst Seehofer, und der wäre gern so einer, von dem man das sagt.

Er ist aber kein Hund, sondern nur ein Opportunist. Ein Hund wird man so leicht nicht, und schon gar nicht bloß, weil man es gern werden will. Und wenn man sich dann auch noch beim Hund-Sein von Krawattenbürscherln aus dem hohen Norden beraten lassen muss: Aus ist es, Horst, sag’ ich. Zefix! Das reicht ja noch nicht einmal für einen Dackel.

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Arbeit im Spätkapitalismus ist ein Witz. Kein guter. Weiterlesen »

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Aug 05 2010

Die FAZ Schlagzeile (1)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Politik.

Schlagzeile der F.A.Z. vom Donnerstag, den 05. August 2010:

„Westerwelle ist mit sich und der Regierung zufrieden“

Soll niemand sagen, wir hätten keinen Humor.

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Jul 31 2010

Kleinigkeiten (2)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Denken, Gesellschaft, Politik.

Wenn man sagt: Der Sinn des Lebens ist das Leben (und fast alle nicken bedächtig und verständig mit dem Kopf), so macht man sich den Abgrund nicht recht klar zwischen dem Satz: “Selbstverständlich lebe ich.” und der Frage: “Wie verständlich lebe ich?” (Für mich und für die anderen.) Mehr als selbstverständlich, und zugleich weniger, nämlich verständlich zu leben, dürfte einem alten Griechen, auch wenn er nicht allzu großen philosophischen Ehrgeiz besaß, als erstrebenswert erschienen sein. Vor dem Anspruch verständlich zu leben flüchten wir Heutigen uns lieber, wenn auch in die unterschiedlichsten Richtungen.

Was uns auf die schmerzhafte Frage bringt: Warum eigentlich waren diese alten Griechen so klug? Und warum sind wir so hemmungslos blöde?

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Als Angela Merkel eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Bett zu einer ungeheuren Birne verwandelt.

Die Birne als politische Metapher entstammt einerseits einer gewissen Kopfform von Herrschern, etwa der des französischen „Bürgerkönig“, der übrigens sowohl den verbliebenen Adel als auch etwas geistreichere Bürger in das trieb, was damals zum ersten Mal so genannt wurde, nämlich eine „innere Emigration“, oder der des deutschen Kanzlers vor dem Agenda-G. Schröder. Weiterlesen »

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Jul 27 2010

Marktwirtschaft für Afghanistan!

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Politik.

Der, nun ja, FDP-Haushaltspolitiker Koppelin erkannte angesichts der Lage in Afghanistan, die nun auch noch leckt, butterflymesserscharf: „Wir haben zu viel Planwirtschaft in der Bundeswehr“. Endlich begehrt mal jemand gegen diese verborgene Form des geistigen Sozialismus bei unserer Verteidigung der Freiheit am Hindukusch auf! Auch für den Krieg muss nämlich gelten: Das regelt der Markt! Was verballert wird, schafft Nachfrage. Das Schlachtfeld ist auch nur ein Markplatz, wenn auch ein etwas riskanter Bereich. Es gilt den Markt zu pflegen, wenn es sein muss, mit kleinen Waffen-Geschenken. Ein Bonus-System muss her für wirtschaftlich geführte Massaker. Wenn der Krieg schon eine PR-Veranstaltung der Rüstungsindustrie ist, dann sollen auch die richtigen Leute daran verdienen, unsere neoliberalen Herzchen zuerst. Und sozial ist, was Profit, quatsch, was Arbeit schafft. Schafft also ein, zwei viele Afghanistan, macht das Militär marktfähig (hey, vielleicht gehen wir demnächst damit an die Börse!) und lasst endlich, nun ja, FDP-Haushaltspolitiker den Wehr-Etat verteilen!

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Jun 08 2010

Ist es reaktionär, komisch zu sein?

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Demokratie, Gesellschaft, Politik.

Das Komische, na klar, hat einerseits einen unbezweifelbar therapeutischen Zweck (wer sich krank lacht, will sich in Wahrheit gesund lachen); es hilft dem Unterdrückten (was Sexualität, Politik, Religion, Mamma und den Polizisten anbelangt) zum hinterrücksen Ausdruck. Aber genau da haben wir es schon. Die komische Umgehung der Zensur ist immer auch ihre Bestätigung.

Unsere mediale Lachkultur freilich (und sie geht einer nicht unerheblichen Anzahl von Menschen zunehmend auf die Nerven) leidet erst einmal unter einem sehr erheblichen Mangel an Zensur. Das widerspricht dem ollen Sigmund Freud doch fundamental, der behauptet hat, auch diesbezüglich sei das Komische vor allem eine Antwort auf die Repression. Nun sehen wir, dass in einer Gesellschaft, in der was Sexualität, das Bild und den Text dazu, anbelangt, eigentlich beinahe nichts verboten ist, alle Welt in Zoten, Obszönitäten und lustspielhaften Umkreisungen der Geschmacklosigkeit schwelgt. Weiterlesen »

Ein Kommentar

Mai 25 2010

Kritik & Zukunft

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Denken, Gesellschaft, Krise, Politik.

Die offene Kritik

Wenn man die Dinge kritisiert, wie sie sind, müsste man es im Namen einer besseren Möglichkeit oder gar im Namen der offenen Zukunft machen. Was aber, wenn es keine Zukunft gibt? (Und unendlich viele Möglichkeiten, die sich nicht als „richtig“ und „falsch“ ausweisen können.)

No Future – nicht in der Form, dass es kein Morgen gibt. Keine Entwicklung mehr, keine Geschichte. Sondern in der Form, dass es keine lineare Entwicklung, kein Projekt, in Wahrheit nicht einmal eine Hoffnung gibt. (Auf diesen Teil der philosophischen Grundfragen, „Was darf ich hoffen?“, fällt uns derzeit nicht wirklich etwas ein.) Weiterlesen »

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Mai 05 2010

Was die “Rettung von Griechenland” anbelangt…

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Demokratie, Gesellschaft, Krise, Politik.

Komplexreduzierung daily

Was die „Rettung von Griechenland“ anbelangt, bescheißt uns die Regierung gerade wieder nach Strich und Faden; selbst der F.A.Z. fällt auf, dass eine Politik, die ausschließlich im Interesse der Banken funktioniert, gleichsam automatisch eine Politik gegen das eigene Volk sein muss (man sagt es nur nicht so). Und die BILD-Zeitung formuliert das diesbezügliche Unbehagen nach dem Muster seltsam rassistisch anmutender Kampagnen um (als müsste um jeden Preis der Welt verhindert werden, dass die Beschissenen dieser Erde sich solidarisieren).

Die Art, wie demokratische Regierungen die Bevölkerung bescheißen, funktioniert am Ende in der Regel immer, denn sie bedienen sich dabei der Medien, die sie perfekt zu bedienen gelernt haben (wenn auch mal, wie man so sagt, über die Bande). Politiker, die es lernen, mit Medien umzugehen, verlernen zuerst, mit echten Menschen umzugehen, und dann verlieren sie die Fähigkeit, überhaupt noch mit der Wirklichkeit umzugehen. Außer natürlich mit der Wirklichkeit des Kapitals.

Bei jeder solchen Krise, so scheint es, kann auch die demokratische oder eben postdemokratische Herrschaft nachher genau so weiter machen wie bisher. Aber jedes Mal erzeugt sie eine nächste Gruppe von Menschen, die nicht mehr mitmachen, die das alles nichts mehr angeht, die leer gewordene Rituale der Demokratie nicht mehr füllen wollen.

Die Geschichte der Demokratie ist dann zu Ende, wenn die Anzahl jener, die nicht mehr mitmachen, mehr oder weniger identisch mit der Anzahl der Wahlberechtigten in einer Gesellschaft ist (abzüglich von Mafia- und Parteimitgliedern). Lang kann das nicht mehr dauern. Dann muss eine demokratische Regierung wohl tatsächlich Brechts Vorschlag befolgen, das Volk auflösen und sich ein neues wählen. Naja, wenn es noch eines gibt jedenfalls.

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Mrz 19 2010

Der Idiot der Familie (4)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Politik.

Versuch über negative Karnevalisierung der Politik

In Wahrheit ist Guido Westerwelle wohl die Wiederkehr von Möllemann in anderer Form. ER hat wohl versucht, mit der karnevalisierten Politik ernst zu machen. Haider hatte Erfolg, Berlusconi hat Erfolg, Dressmänner haben Erfolg, wie viel Erfolg muss ein teutonischer Haider-Berlusconi haben (auch wenn er, two dressmen dressing, gegen seinen Konkurrenten zu Guttenberg als Dressman keine echte Chance hat). Die Karnevalisierung der Politik ist deswegen „nötig“, weil die notwendige Klientel (diejenigen Menschen, die eine FDP nicht aus „Überzeugung“ sondern aus Interesse wählen) und die notwendige Stimmenzahl nicht übereinstimmen. Weiterlesen »

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Mrz 06 2010

Der Idiot der Familie (3)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Politik.

Zu Guido Westerwelle fällt mir nichts mehr ein.

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