Jan
15
2010
Der Außenminister der schwarz/gelben Koalition, Guido Westerwelle, ist zweifellos der Idiot der Familie an Angela Merkels Tisch. Beim „Dreikönigstreffen“ der Liberalen hieß es in seiner Rede: „Die Zeit, wo wir uns im Gestrüpp der Tagespolitik verheddert haben in den letzten zehn Jahren, sie muss ein Ende haben. Es geht um die langen, die großen Linien. Und deswegen wollen wir eine geistig-politische Wende in diesem Land.“ (nach tagesschau.de)
Natürlich musste es zunächst scheinen, der Außenminister wolle beweisen, dass er nicht nur englisch nicht kann, sondern auch bereit ist, die Sprache Goethes und Heines auf Veronica Pooth-Niveau zu senken. Weiterlesen »
Nov
04
2009
Unsere Demokratie ist eine Herrschaftsform. (Wir vergessen das sehr gern oder verstecken es, wenn wir vom Volk als Souverän sprechen und ähnlichem Blödsinn.) Sie ist legitimiert dadurch, dass sie sich als die mildeste, menschlichste und vernünftigste Form von Herrschaft gibt, so far. Deswegen verstehen wir sie nur in Bezug auf die ihr zuvor gehenden oder ihr entgegen stehenden Herrschaftsformen. Feudalismus, absolute (wenn auch meinethalben aufgeklärte) Monarchie, Diktatur, Terror, populistische und mafiöse Herrschaftsformen à la Berlusconi, usw. Wir verstehen sie indessen offenbar nicht als Übergang zu einer nächsten Herrschaftsform, die möglicherweise ein Schritt zu einem alten Traum ist (Alptraum auch, hier und dort), nämlich zu einer herrschaftsfreien Menschenwelt.
Von der Herrschaftsfreiheit sind wir weiter entfernt denn je, wie es scheint. Weiterlesen »
Nov
04
2009
Die Wahlmüden des Alltags
Ein leichter aber hartnäckiger Regen hatte die Herren Reiner und Kainer in ein Wirtshaus getrieben, das von außen gesehen diesen Namen noch verdiente. Herr Keiner legte die Zeitung zur Seite, als die Kellnerin mit dem frischen Weißbier kam.
„Wenn man so die Galerie unserer neuen Regierunge anschaut“, meinte er, „muss man schon sagen: Wir haben es der Welt gezeigt“.
„Was haben wir der Welt gezeigt?“, frug Herr Kainer erstaunt. „Dass wir eine normale demokratische Nation sind?“
„Aber nein“ versetzte Herr Reiner. „Wir haben der Welt gezeigt, dass wir Deutschen Humor haben“.
Er wischte sich den Schaum vom Mund. Vom Weißbier, wohlgemerkt.
Okt
26
2009
Nein, natürlich nicht, sagen die Politiker, Werbefritzen und Fernsehmacher. (Man darf es nur nicht überfordern, man muss es ein bisschen an der Hand nehmen.) Die Vorstellung von einem dummen Volk ist nicht erlaubt, weil es mit einem dummen Volk keine Demokratie geben kann. Ist das Volk also klug? Je nun…
Der einzig wirkliche Vorteil des Volkes ist dieser: Es existiert nicht. Das Volk ist ein Phantasma, egal ob es sich dabei um ein nationales oder ein soziales Konstrukt handelt. Es gibt nur: Leute, die Beziehungen untereinander haben. Zugegeben: Solche Beziehungen neigen gelegentlich dazu, zu klumpen. Dann werden aus Gewohnheiten Überzeugungen und aus Wiederholungen Ideologien. Das Volk existiert nicht, aber es kocht in Blasen aus Alltag und Geschichte immer wieder auf. Weiterlesen »
Sep
28
2009
Wahlmüdigkeit
Zwei Herren, nicht eben enthusiastisch, waren damit beschäftigt, Wahlplakate von Laternenpfählen zu entdrahten, auf denen ein gewisser Herr Westerwelle behauptet, Arbeit müsse sich wieder lohnen. Da die beiden mit dem Abdrahten von Wahlplakaten beschäftigten Herrn ziemlich sicher waren, dass sich ihre Arbeit im Leben nicht lohnen würde, vermeinten sie in den Blicken zweier anderer Herren, die auf einer Parkbank saßen und ihnen aufmerksam zusahen, einen gewissen milden Spott zu spüren. Aber den Herren Reiner und Kainer, um niemand anderen handelte es sich bei den beiden Sitzenden, war heute gar nicht nach Spott zumute. Nicht einmal nach mildem.
„Jetzt bin ich extra wählen gegangen“, seufzte Herr Reiner, „und jetzt schauen Sie sich das an. Wir haben eine Wirtschaftskrise und die Leute wählen genau die Partei, die alles das noch mehr machen will, was in die Krise geführt hat. Das versteht doch das gesamte deutsche Feuilleton nicht.“ Weiterlesen »
Sep
15
2009
Horst Geyer definierte 1954 in seinem Buch „Über die Dummheit“ eben die Dummheit als „Zustand, bei dem ein normaler, erwachsener, durchschnittlich begabter Mensch Antworten gibt, die sich in der Mitte zwischen Schwachsinn und Unwissenheit befinden und auf unfreiwillige Weise komisch wirken“.
Für Letzteres bedürfte es ein Subjekt, irgendjemand muss sich trauen, eine Mischung aus Schwachsinn und Unwissenheit komisch zu finden, ohne sich dabei als arrogant und überheblich vorzukommen. Wenn der Schwachsinn bei einem durchschnittlich begabten Menschen diagnostiziert wird, dann geht es eben nicht um einen Menschen, der nicht denken kann, sondern um einen, der nicht denken will. Und Unwissenheit in einer Informationsgesellschaft kann nicht mit einem Mangel an Medien und Archiven des Wissens erklärt werden. Weiterlesen »
Sep
14
2009
„Haben Sie das Fernsehduell zwischen Merkel und Steinmeier gesehen?“
„Nein, aber ich habe ein sehr interessantes Interview mit einem Medien-Coach gehört. Frau Merkel hat nämlich vorher ein bisschen grimmassiert, und dann sich beim Luftholen zu schnell von einem Journalisten unterbrechen lassen, von dem man das ja kennen müsste, wenn man sich richtig vorbereitet hätte, und der Steinmeier, der habe einen ‚Stockfehler’ begangen, als er vom lebendigen Erzählen wieder zum Argumentieren überging. Und so weiter. Und Zögern, Nachdenken und Ehrlich-Sein bezeichnete der Medien-Coach als die schlimmsten Fehler, die ein richtig medien-gecoachter Politiker begehen könne. Wissen Sie was? Wir sollten gleich die Medien-Coachs gegeneinander antreten lassen. Vielleicht hätten dann unsere Politiker ein bisschen mehr Zeit zum Nachdenken. Vom Ehrlich-Sein wollen wir noch gar nicht reden.“
Sep
13
2009
Auch diesmal bleibt natürlich alles ganz anders. Denn erstens, das haben wir ja jetzt oft genug gehört: Ab jetzt wird nicht mehr direkt, sondern taktisch gewählt. Man befindet sich in einer Art Koalitions-Toto, wo man nicht nur auf Sieg, sondern auch auf Platz, oder, nach dem Vorbild unserer famosen Finanzmanager, sogar auf Niederlagen setzen kann. Wer, zum Beispiel, noch an die Sozialdemokratie glaubt (doch, so was gibt’s!), der wählt jetzt die FDP um eine Wiederholung der großen Koalition zu verhindern, die das endgültige Verschwinden des sozialdemokratischen Projekts noch einmal deutlich machen würde. Oder ein CDUler wählt die Linke, damit seine Partei endlich aufwacht und wieder auf die antikommunistische Pauke hauen kann. Jedenfalls weiß jede Wählerin und jeder Wähler: Wenn ich die Partei wähle, die ich eigentlich wählen würde, dann kriege ich garantiert nicht die Regierung, die ich eigentlich hätte haben wollen. Wir nennen das jetzt „cross voting“. Weiterlesen »
Sep
12
2009
Schwanenscheiße
Der Verkehr am Mittleren Ring, das tut er gerne, brach einmal wieder zusammen. Die Pflicht ruft, und als letzten Aufschrei der individualistischen Revolte werfen sich die Menschen in ihre Automobile. Der Bus ist nämlich schweinegrippenvoll und kommt auch nicht schneller voran.
Die Herren Reiner und Kainer saßen am Ufer des Kleinhesseloher Sees und genossen den Beginn eines sonnigen Herbsttages, der es sich nicht leicht machte. Weiterlesen »
Sep
09
2009
Da sitze ich also wieder an meinem Computer, trinke viel zu süßen schwarzen Kaffee und schaue aus dem Fenster. Ein Rotschwänzchen vergnügt sich im Holunderstrauch, wie jeden Morgen. Oder ist es eher Arbeit, Nahrungsmittelbeschaffung, und wo liegen da bei einem Rotschwänzchen die Grenzen?
Na egal, ich werde etwas über die Wahl schreiben. Das ist definitiv Arbeit und kein Vergnügen. Weiterlesen »