Apr
18
2011
Klasse! Necla Kelek, unsere „Islamkritikerin“ vom Dienst, bekommt erst einmal einen „Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit“, hält dann in der Frankfurter Paulskirche (wie war das mit dem „Besetzen“ der Begriffe und Räume des Gegners in der postmodernen Rhetorik?) eine Dankesrede, und bekommt gleich für diese Dankesrede den nächsten Preis, diesmal von der bundesweit tätigen Denkfabrik namens „re:publik – Institut für Zukunftspolitik“, und zwar als „Bester Redner“ (als „Bester Redner“ wird Christian Lindner, der Generalsekretär der FDP ausgezeichnet; Sigmar Gabriel war auch schon dran, und Jürgen Trittin hat die Laudatio gehalten, ja, das nennen wir eine Demokratie). Wer oder was ist aber das Jede Postdemokratie hat die politische Kultur, die sie verdient. Es bedarf einer politischen Unkultur, um die Verwandlung von Demokratie in Postdemokratie zu bewerkstelligen. Institut für Zukunftspolitik? Wir erfahren, abgesehen davon, dass es regelmäßig ein „Journalistenfrühstück“ gibt (die Jungs kriegen sonst aber auch wirklich nichts zu beißen!) zumindest mal, wer bislang zu den Sponsoren von re:publik (ein junger, innovativer think tank, der sich für eine zukunftsfähige Politik in Deutschland einsetzt) gehört: Deutsche BP, Deutsche Post AG, Außenministerium der Republik Österreich, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung der Republik Österreich, Bundesministerium für Bildung und Forschung der Bundesrepublik Deutschland, Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke (BAG BBW), Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.. Sagen wir mal: Nicht gerade der Club der lauteren nichtkommerziellen Philanthropen. Weiterlesen »
Okt
13
2010
Das Projekt der Selbstauflösung des guten Bürgertums in Deutschland ist auch an scheinbaren Kleinigkeiten abzulesen. Manche von ihnen lösen indes dieses „Man fasst es einfach nicht“-Gefühl aus, Da druckt die Süddeutsche Zeitung doch glatt eine Anzeige der „Jungen Freiheit“, dem publizistischen U-Boot der Rechtsextremen, und als engagierte Menschen in einem Brief dagegen protestieren, wird das einfach ignoriert. Ja, hören denn Demokratie und Humanismus jetzt schon bei so wenig Geld auf?
Dass bei Amazon.de der Thilo Sarrazin die Verkaufsliste anführt, das wundert nicht so sehr. Aber man reibt sich doch die Augen, wenn 62 % der taz-Leser der Meinung sind, Horst Seehofer habe recht. Weiterlesen »
Sep
15
2010
Sarrazin, sagte eine Buchhändlerin zur anderen in meiner Lieblingsbuchhandlung, das ist bei uns der neue Harry Potter. Das kaufen die nicht ein Mal, das kaufen sie gleich mehrere Male. Zum Verschenken und so. Das Buch muss man einfach haben als Deutscher. Damit man mitreden kann.
Das erinnert mich, sagt die andere (manchmal zweifelt sie an ihrer Berufswahl), an das Buch, das unsere Großeltern alle haben mussten. Wie hieß es doch gleich?
Sep
11
2010
„Zur Strecke gebracht“ (Überschrift der F.A.Z. auf Seite 1 vom 11. September zum Rücktritt von Thilo Sarrazin: „Die Eile, in der das Staatsoberhaupt die ‚einvernehmliche’ Lösung begrüßte, spricht Bände“, und „Die Bank halte ihre früheren wertenden Äußerungen zu Sarrazin nicht aufrecht, erklärte der Vorstand. Sie behauptet also nicht mehr, dass seine Thesen ‚diskriminierend’, ‚provozierend’, ‚abwertend’ seien und dass er dem Ansehen der Bundesbank Schaden zugefügt habe“). Weiterlesen »
Sep
10
2010
Schön, dass die F.A.Z. wieder mal, wie sagt man in diesen Kreisen: „Flagge zeigt“. Wenn die BILD schon riesentitelt: „Das wird man doch noch sagen dürfen“, dann will das, nun ja, bürgerliche Blatt nicht hinten anstehen und benutzt für den selben Unfug ein paar Worte mehr: „Was darf man in dieser Republik sagen und schreiben, ohne die mitunter bis zur Existenzgefährdung reichende ‚Menschenverachtung’ zu erfahren, die Sarrazins Kritiker nur bei ihm erkennen können?“ Und schon ruft der Fall wieder „die Frage auf, wie weit in Deutschland die Meinungsfreiheit reicht“. Interessanterweise taucht diese Frage in, nun ja, bürgerlichen deutschen Zeitungen stets auf, wenn wieder mal einer oder eine von rechtsaußen „Tabus bricht“, „politische Korrektheit vermissen lässt“ oder eben „Denkanstöße gibt“. Weiterlesen »
Sep
09
2010
Jede Kultur bekommt die Skandale die sie verdient. Und jede politische Kultur bekommt die populistischen Zündler, die sie verdient. Wie die einen ihm dann klammheimlich zustimmen, die anderen sich empört zeigen, allesamt ihm aber das Brennmaterial liefern, das hat mittlerweile seine feste Dramaturgie in den europäischen Demokratien. In den Erscheinungen der Rechtspopulisten bündeln sich nicht nur die verborgenen Impulse von Missgunst, Aggression und ganz einfach Dummheit, sie scheinen, wie andernorts die begnadeten Komiker etwas von der verborgenen Seele einer Gesellschaft auszudrücken, etwas, von dem man nicht gern spricht, und dem man doch auf Schritt und Tritt begegnet, genau das, was einem gebildeten Menschen am eigenen Land so furchtbar peinlich ist. Weiterlesen »
Sep
06
2010
Oder Warum müssen eigentlich alle mitmachen, ob sie es wollen oder nicht?
I
Der alte Spruch „Geld stinkt nicht“ hat natürlich immer noch seine Berechtigung, insofern man es einem Hundert-Euro-Schein nicht anriecht, ob er mit Kaltgetränken oder Kalaschnikows verdient wurde, ob er Teil einer Wahlkampfspende, einer Lohnausgleichszahlung oder eines Manager-Bonus ist. Aber es stimmt auch das beinahe genau so alte Sprichwort: „Hier riecht’s nach Geld“.
Leider riecht es immer lauter und immer obszöner nach Geld, und für besonders feine Nasen beginnt die Unterscheidung zwischen Riechen und Stinken zweifelhaft zu werden. Zum Beispiel so wie bei dem jungen Bankangestellten, der sich Anlageberater nennt und offensichtlich ein kleines Vermögen für die richtigen Krawatten, das richtige Haargel und das richtige Rasierwasser ausgibt. Also, für ihn scheint es das Richtige, für uns Dummies des Kapitalismus, riecht es, wenn es so nach Geld riecht, vor allem laut und obszön. Weiterlesen »
Aug
31
2010
„Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln“, schreibt Necla Kelek in der F.A.Z. Na, Bravo! Vielleicht sollte man auch noch mal die Ansprachen eines gewissen Hynkel, alias Charles Chaplin aus „The Great Dictator“ (Sie erinnern sich: „Sauerkraut mit de Wiener Schnitzel. Und de Jüden! Ah, de Jüden!“) dahingehend befragen, ob man sie nicht diskutieren müsse, statt darüber zu lachen. Und die BILD, scheinheilig wie immer: „Alle gegen Sarrazin!“. Das ist gemein! Alle gegen Hynkel, auch gemein. „Der Eindruck drängt sich auf, hier solle eine überfällige Debatte mit den bewährten Begriffen wie Rassismus und Populismus kontaminiert werden“. Schreibt Frau Kelek, die eine Soziologin in Berlin ist. Vielleicht möchte sie ein Sauerkraut-und-Wiener- Schnitzel-Seminar einrichten, um zu beweisen, dass man Rassismus und Populismus ganz übel kontaminiert, wenn man sie bewährterweise „Rassismus“ und „Populismus“ nennt. Oder Sauerkraut „Sauerkraut“.
Heil Hynkel, Frau Kelek, und frohes Schaffen noch, wenn Sie mit Thilo Sarrazin „die Diskussion um Armut aus der materiellen Abhängigkeit befreien“ möchten. Wo die Armut doch eindeutig in den Genen liegt.
Aug
17
2010
„Die Linke, die sich zu verlieren drohte, rückt gegen den gefährlichen Indianer da draußen zusammen. Aber vielleicht wollte Sloterdijk genau das, uns den reaktionären Reduktionismus einer überlebten geistigen Formation, einer Schwund-Linken vor Augen führen“, so endet eine, nun ja, Rezension des Bändchens „Angriff der Leistungsträger?“ Das Buch zur Sloterdijk-Debatte in der F.A.Z., in der der Autor, Wolfgang Kersting, mir, der ich das Buch noch nicht gelesen habe, konsequent verweigert, eines der Argumente darin, die es ihm offensichtlich zu zerfetzen Herzensangelegenheit ist, einmal vorzustellen. Schreibt man jetzt so? Behauptet man einfach, „nahezu alle Texte unterbieten das Niveau ihres Anlasses eklatant“ ohne diesen Texten die Chance zur Selbstverteidigung zu geben? Oder gilt nicht nach wie vor, dass man jemandem, der Blödsinn schreibt den Blödsinn auch nachweist, bevor man es Blödsinn nennt? Und gälte es nicht sowieso, durch einen Zeitungsartikel, nur zum Beispiel, Feuer und Vergnügen in eine Debatte zu bringen, statt bloß ein Weltbild zu rahmen? Weiterlesen »
Aug
16
2010
Wenn coole Leute Kritik hören, die sie nicht hören wollen, dann setzen sie eine Sonnenbrille und ein überlegenes Grinsen auf und sagen: „Ja, ja! Früher war alles besser!“. Sie unterschlagen damit den Gegenstand der Kritik (egal auf welchem Niveau und aus welcher Perspektive), nämlich dass es (was immer es ist) seit früher nicht im versprochenen bzw. möglichen Maße besser geworden ist. Denn früher war in der Tat insofern immer alles besser, als ja noch mehr Möglichkeit, noch mehr „Zukunft“ war. Weiterlesen »