Die Kunst ist noch stets dasjenige verrichtende Geschehen, das die Natur nachahmt. Nur geht es nun nicht mehr darum, wie einst, mit möglichst viel verschiedener prozessualer Technik die Erscheinungen des Natürlichen nachzuahmen, sondern vielmehr darum, eben das Prozessuale des natürlichen Lebens nachzuahmen. Die Kunst will nicht mehr einen Körper nachmachen (als Zeichnung, Gemälde oder Skulptur), sondern sie will so körperlich wie möglich sein (beim Herstellen von allem möglichen, oder doch mehr des Gerade-noch-unmöglichen). Das Technische in der Kunst wiederum ahmt hier nicht die Technik der zweiten Natur (der Industrie und Kommunikation) nach, sondern das Technisch-Prozessuale des wirklichen Lebens.
Natur, natürlich, gibt es nicht. Allerdings gibt es tausende von Grenzen zwischen „Natur“ und, nun, etwas anderem.
Eine der Grenzen liegt gewiss in der Sprachlosigkeit. Natur, Kunst und Technik sind „sprachlos“, aber auf sehr verschiedene Weisen. Während die Natur mehr oder weniger auf ewig „sprachlos“ sein soll, soll sich die Technik auf die Sprache zu bewegen (sie soll früher oder später als Diskurs ein Bewusstsein bekommen), während sich die Kunst von der Sprache weg bewegen soll, im Sinne eines „Über-Sprache-Hinausgehens“: Die Kunst ist eine Explosion der Sprachlichkeit, die Technik eine Implosion.
Die Frage ist stets: Würden Natur, Technik und Kunst auch ohne Sprache „funktionieren“? Bei der Natur nehmen wir es gar als moralische Prämisse: Ökologisches Empfinden entsteht aufgrund des, nun ja, Dogmas: Die Natur kann ohne den Menschen auskommen, aber der Mensch nicht ohne Natur.
Bei der Technik genießen wir gelegentlich die Un-Sprachlichkeit ihrer Protagonisten, die Hilflosigkeit der Bedienungsanleitungen, den Kürzel-Jargon etc.
Bei der Kunst geraten wir, mit einer gewissen Wollust, an den Punkt, an dem man „eigentlich in Worten nicht mehr ausdrücken“ kann, was einen in Beziehung auf das Werk bewegt. Weiterlesen »