Archiv für die 'Kunst'-Kategorie

Mai 04 2015

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 3/15: Auf dem Weg zu einem fragmentarischen Theorem zum Vergnügen am Unsinn der Kunsttheorien

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Niemand weiß genau, was Kunst ist. Mit diesem Einleitungssatz hat man schon halb gewonnen, und eben auch halb verloren.

Die Wahrheit einer Theorie besteht in ihrer umstürzlerischen Kraft. Was sie wert ist, mag man später ermessen, im Augenblick ist sie so gut als sie „stunning“ ist. Die Theorie ist so stark wie der Unterschied zwischen dem Vorher und dem Nachher.

Das Theorem gegen die Theorie hat da, machen wir uns nichts vor, wenig Aussichten. Es ist wohl der wilden aber zumindest hierzulande akademisch und überhaupt nicht übermäßig geschätzten Form des Essay zuzuschlagen.

Eine Theorie ist der Versuch (aha!) eine (neue) Ordnung in einen Verhau zu bringen, den man mithilfe ihrer als solchen erkannt hat.

Über das, was eine Theorie ist, gibt es nur Theorien.

Wenn man sagt, dass nichts so praktisch ist, wie eine gute Theorie, möchte man, dass sich Theorie und Praxis umarmen. Geschwisterlich, sozusagen. Weil man, nur zum Beispiel, über Kunst gar nicht reden kann, wenn man keine Theorie zu ihr hat.

In der Praxis nämlich verhält es sich so, dass die meisten Menschen mit einem Haufen Theorien herumlaufen, ohne es zu wissen.

Theorien, die nicht wissen, dass sie Theorien sind, sind oft geistige Krankheitserreger.

Der Mensch besteht zu einem großen Teil aus Theorien. Das fängt schon in frühester Kindheit an. Die anderen Menschen, zumeist mit der Mutter angefangen, sind zuerst die Bausteine einer Theorie der Welt.

Die Kunst ist das Ende der Theorie, nicht nur, weil sie, nach landläufiger Auffassung, aus Prinzip jeder Theorie von ihr widersprechen muss, sondern auch, weil sie den Verhau, den die Theorie ordnen will, viel mehr liebt. Die Kunst ist die Verteidigung des Verhaus gegen die Theorie.

Das Leben ist mehr als Verhau und Theorie, sagt T. (Manchmal gibt es Zitronenmarmelade zu Schwarzbrotscheiben.)

Theorie ist eine Organisation von Wissen und Nichtwissen. Dumme Theorien sind Organisationen von lauter Wissen oder Organisationen von lauter Nichtwissen Weiterlesen »

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Mai 04 2015

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 2/15: Kunst & Glamour

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Heute, da das Bewusstsein der Herrschenden

mit der Gesamttendenz der Gesellschaft zusammenzufallen beginnt,

zergeht die Spannung von Kultur und Kitsch.

Theodor W. Adorno

 

„Nächstes Wochenende rollen sie wieder durch die Stadt – die dunklen Limousinen, mit denen das Berliner Gallery Weekend seine VIPs befördert. Aufgereiht werden die Wagen vor den Galerien und den Locations der Empfänge bereitstehen, in diesem Jahr vor dem Kino International und dem 1968 wieder aufgebauten Kronprinzenpalais: Renommierbauten der DDR als Alleinstellungsmerkmale im internationalen Kunstbetrieb.“ So beginnt der Bericht der Süddeutschen Zeitung über den mittlerweile etablierten Halb-Luxus- und Halb-Trash-Karneval der Kunstszene in Berlin.

Natürlich war Kunst schon immer mehr als Kunst. Nicht nur als Drumherum sondern auch als Mittendrin. Immer mischte sich in die Aura von Freiheit und Befreiung die Idee von entfesseltem Hedonismus, hemmungsloser Emotion und Karnevalisierung. Und immer wieder nahm das Drumherum solch groteske Züge an, dass Menschen sich empören mussten. Die einen, gewiss, weil ihnen sauertöpfisch und neidig das Zuviel an Sex & Drugs & Rock’n’Roll aufstieß, oder auch an Arroganz, Snobismus und performativer Distinktion, die anderen aber, eher mittendrin, mussten argwöhnen, dass das Eigentliche, nämlich die Kunst selber, nur noch Vorwand und Maske wäre. Künstler liebten es, sich snobistisch unter Snobs zu verhalten, betont unrasiert unter Menschen zu erscheinen, deren Rasierwasser das Jahresgehalt eines Straßenbahnfahrers ausmachen soll, genau so „ordinär“ daherzureden wie die, von denen sich die oligarchen Insassen des Events so aggressiv unterscheiden wollen. Viele hielten diese weitere Umdrehung der Karnevalisierung schon für so etwas wie Subversion. Eine Zeit lang jedenfalls.

Vorwand für was? Für die kultivierte Verachtung der Wohlhabenden gegenüber dem Rest der Welt? Für die Erzeugung eines Milieus, in dem sich gefahrlos überschüssige, mehr oder weniger kreative und sexuelle Energie der herrschenden Klasse entsorgen ließe? Für jene urbane Dynamik, an deren plot points doch immer wieder nur das eine steht: Die Verdrängung der Habenichtse durch die Gewinner? Für die Wichtigtuereien einer Spezial-Journaille, die atemlos die Hypes aneinander reiht und der Szene ansonsten konsequent alles Störende vom Leib hält? Als Maskenball geschmeidiger Beziehungen zwischen Politik und Wirtschaft? Als Spiegelsaal des Finanzkapitalismus und Modenschau für Spät-Luxus in einer entluxurifizierten Welt? Als Inszenierung für ein Schauspiel des „Geht doch“? Weiterlesen »

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Apr 18 2015

AUS DEM LYRISCHEN GESAMTWERK VON EDGAR P. KUCHENSUCHER (9)

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KUCHENSUCHERS KUNSTGEDICHTE

 

Tage des Herrn D.

Am ersten Tage malt der Otto

Schwere Köppe nach sei’m Motto:

Die Welt ist hässlich wie sie ist

Am zweiten Tag zeigt er den Mist,

Den Menschen mit ihr angestellt

Am dritten Tag Spitzhund, der bellt

Kriegsgewinnler und Versehrte

Der Maler uns darauf verehrte

Am fünften ist er selber dran

Schonungslos schaut er sich an

Am sechsten zeigt die Pinselei

Eine Riesenschweinerei

Am siebten Tag malt Otto Dix

Mal nix.

 

Museumsbesuch

Auf einmal malte Emil Nolde

So wie keiner malen sollte

Gelbe Fratzen, schwerer Himmel

Man fragt sich doch: Was will der Lümmel?

Sind Damenwangen etwa weiß?

Ich bitte Sie: Was soll der Scheiß! Weiterlesen »

Ein Kommentar

Mrz 20 2015

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 1/15: Nachschrift zu „Kunst frisst Geld – Geld frisst Kunst“ (3)

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Es war eine vergleichsweise kurze Zeit, in der Kunsthandel als honoriges Unternehmen gelten durfte. Ein Unternehmen wie Christie’s, gegründet als Christie, Manson und Woods, in der King Street von London, florierte, weil es die Not französischer Adeliger auszunutzen verstand, die im Exil nach der Flucht vor der Revolution ihr Hab und Gut versetzen mussten. Im 19. Jahrhundert etwa widmete sich die angesehene Bonner Arztfamilie Hanstein nebenher diesem Gewerbe. Da dies aber als durchaus anrüchig galt, besorgte man sich lieber einen maskierenden Firmennamen: „Matthias Lempertz“, unter dieser Bezeichnung geraume Zeit die Nummer eins unter den Kunsthäusern im westlichen Nachkriegsdeutschland. Die Anonymität war zu dieser Zeit von den Vermittlern auf die Kunden übergegangen. Im August 1965 formulierte das Bildungsbürger-Brevier „Westermanns Monatshefte“ das so: „Ihre Namen werden von den Händlern mit äußerster Diskretion wie ein Steuergeheimnis gehütet, um die Finanzämter nicht auf die Vermehrung des Privatvermögens der Sammler hinzuweisen.“

Das alles hat also seine Geschichte, nur über die Summen, die damals als „Rekorde“ galten, würden wir heute lachen, und die rekordigsten der Rekorde zahlten damals noch die Museen. Weiterlesen »

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Sep 23 2014

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 4/14: Nachschrift zu „Kunst frisst Geld – Geld frisst Kunst“ (2)

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Die fünf Sphären der Kunst

Kleiner Vorschlag für eine Diskurs-Architektur

Es ist durchaus möglich, dass es in der Kunst eine Sphäre gibt, die sich mehr oder weniger nur wiederum dem Künstler (oder, ein wenig allgemeiner, immerhin dem „künstlerisch empfindsamen“ Menschen) erschließt. Nennen wir dies den „heißen Kern“. Was darin geschieht, kann ebenso gut das Großartigste von allem oder eine Angelegenheit von wenig Belang für den Rest der Welt sein. Es ist, für den Kunst-Diskurs, die Kritik zum Beispiel, so abenteuerlich wie gefährlich in diese Sphäre einzudringen (weshalb man schon von einer außergewöhnlich wagemutigen Angelegenheit sprechen darf, wenn diese innerste Sphäre auch nur gestreift wird). Es ist der Drang, dass etwas entstehe, etwas eigenes und neues. Ohne diesen heißen Kern existiert die Kunst nicht, aber für ihn allein tut sie es auch nicht.

Die zweite Sphäre bildet eine grandiose, immerwährende und immer erneuerte Metapher, das Schöpferische und die Freiheit betreffend. Nach den Worten von Plato ist das, was aus dem Zustand des Nicht-Seienden in den des Seienden gerät, nicht zu denken ohne jenes Schaffen, das bei ihm „poiesis“ hieß. Wenn also Poesie das ist, wodurch ein Nicht-Seiendes zu einem Seienden wird, dann ist Kunst der wesentliche Ausdruck einer ursprünglichen und unbedingten Schöpferkraft des Menschen und steht schon deshalb in einer ausgesprochen prekären Situation zu anderen Sinn-Systemen wie vor allem der Religion oder allen Systemen, die religionsähnliche Züge annehmen können.[1]

Diese Metapher funktioniert, weil sie einen Schöpfungsakt vor allem anderen oder jenseits alles anderen, kurz eine unbedingte Schöpfung ansieht, im Sinne der großen Anmaßung: Der Mensch ist das Wesen, das etwas erschafft. (Eine Eigenschaft, die zugleich ausgesprochen unheimlich ist, weshalb man, neben und sogar in der Kunst, die Götter zu Hilfe ruft.) Wie immer man Allianzen ausrufen mag, Kunst kann in dieser Metapher nicht durch Technik, durch Geld oder durch Organisation erzeugt werden, wenn sie sich nicht selbst aufheben will.

Es entsteht also eine zweite Gefährdung der Kunst nach der ersten: Der Unterdrückung, der Einkerkerung, der Verbannung und gar der Ermordung von Künstlern bzw. kunstempfindlichen Menschen, vor der, zum Beispiel, weder der deutsche Faschismus noch die maoistische „Kulturrevolution“ zurückschreckte. Weiterlesen »

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Sep 17 2014

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 3/14: Nachschrift zu „Kunst frisst Geld – Geld frisst Kunst“ (1)

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Der Preis eines Kunstwerks

Die Exaltationen des Kunstmarktes und die Korruption des Betriebes, den wir in „Kunst frisst Geld – Geld frisst Kunst“ zu beschreiben versuchten, sind einerseits Symptom einer Transformation der kapitalistisch-postdemokratischen Gesellschaft, andrerseits aber auch ein Symptom der Krise zwischen Kunst und Gesellschaft.

Der Preis ist eine „dezentrale Information“ über den Wert eines Dings oder einer Dienstleistung. Es soll zugleich die Informationen (nicht nur) über den Wert eines Dings oder einer Dienstleistung sammeln, sondern diesen Wert auch wieder bestimmen. (Der Preis ist ein sich zyklisch öffnendes und schließendes System.) Welche Art von Informationen in diesen Transformationsprozess einfließen, lässt sich in unterschiedlichen Modellen darstellen: Angebot und Nachfrage; Tauschwert, Gebrauchswert, Sinnwert und Prestigewert; Nützlichkeit, Schönheit, Seltenheit, Neuheit; Bedeutung und kulturelle Distinktion; Identität und Exotik (Kolonialismus), und vieles mehr.

Umgekehrt ist der Preis eine Voraussetzung für die Arbeitsteilung. Nur über den Preis lässt sich der Wert einer Ware oder eine Dienstleistung über die Macht und das Bedürfnis eines einzelnen, primären Produzenten hinaus entwickeln. Damit, natürlich, ist der Preis zugleich Schlüssel zur Entwicklung der Produktion und zur sozialen Ungleichheit. Alles, was seinen Preis hat, ist etwas fundamental anderes als das, was im Angelsächsischen in schöner Ambivalenz „free“ genannt wird.

Das Kunstwerk wird nur einerseits vom Künstler produziert, von Galeristen verkauft, vom Betrieb verwaltet und von den Käufern (anders: den Besuchern) bewertet. Das ist der Objekt-Charakter (den wir in unserem Buch als „Fetisch“ begriffen haben). Andrerseits wird das Kunstwerk, was seine soziale Wirkung anbelangt, arbeitsteilig erzeugt, und der Künstler selbst muss nicht einmal den größten Anteil an dieser Arbeit haben. Das ist der Dienstleistungs-Charakter der Kunst.

Weder der Objekt-Charakter noch der Dienstleistungscharakter eines Kunstwerks bilden eine hinreichende Erklärung und eine hinreichende Legitimation. Weiterlesen »

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Aug 15 2014

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 2/14

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Ob es die Kunst gibt oder nicht, darüber mag man verschiedener Meinung sein, nicht nur der eine so und die andere so, sondern auch mit sich selber; das kommt, wie man so sagt, auf den Zusammenhang an. Was es aber zweifelsfrei gibt, ist die Frage nach der Kunst, die sich immer wieder neu stellt, wenngleich mit etlichen Konstanten.

Die Kunst mag nämlich im anthropoligischen Sinne immer das gleiche sein, mehr oder weniger, insofern sie einem menschlichen Grundbedürfnis von Ausdruck und Freiheit entspricht. Der Mensch ist das Wesen, das Kunst macht, und der Mensch ist das Wesen, das Kunst sieht (auch da, wo sie nicht „gemacht“ ist), sind zwei leidlich umfassende Definitionen. Andererseits ist die Kunst, was das Soziale, das Kulturelle und vor allem das Politisch-Ökonomische anbelangt, mitnichten immer das gleiche. Was dies anbelangt überwiegen die Diskontinuitäten bei weitem die Kontinuitäten.

Was zwischen beidem, der anthropologischen Kontiniutät und der politisch-ökonomischen Diskuntinuität vermitteln soll, ist eine Kunstgeschichte, die Kontinuität und Diskontinuität in ein Narrativ zu bringen hat. Ein Narrativ ist eine aus Dokumenten zusammengesetzte Fiktion. Das Narrativ der Kunstgeschichte besteht in erster Linie in der Konstruktion der anthroplogischen Konstante als (teilweise unsichtbares) Skelett und historischen, soziologischen, philosophischen etc. Variablen. Die Ästhetik (als Schatten der Kunst) übernimmt indes den Ansatz einer verlässlichen Konstante, die in Historisches gespreizt wird: Jedes Kunstwerk, behauptet dieses Narrativ (und seine Protagonisten selber sind mehrheitlich davon überzeugt), ist eine Reaktion auf andere Kunstwerke (in bewusster Kontinuität bzw. bewusster Diskontinuität), so dass es die Kunst nun nicht nur als „Fixpunkt“ des Mensch-Seins, sondern auch als Linie einer konstanten Entwicklung gibt, die sich territorial und kulturell in verschiedene Linien aufspalten kann, in aller Regel aber einer Hauptlinie entlang erzählt wird. Weiterlesen »

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Apr 10 2014

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 1/14

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Was macht das Bild zur Kunst, und was macht die Kunst so begehrenswert für das Kapital?

Das Wesen des Bildes als Kunstwerk, so viel ist klar, liegt in einer Mehrdeutigkeit. Es zeigt etwas, und es ist etwas. Es zeigt etwas, das es ist, und es ist etwas, das es zeigt. Daher öffnet es den Raum der Suche, die nicht gelingen will und nicht gelingen kann, denn was es zeigt, entfernt, was es ist, und was es ist, entfernt das, was es zeigt. Der Vorgang ist mehr oder weniger „unendlich“.

Es ist zugleich Vergangenheit und Gegenwart (eine Trauer um das, was vergangen ist, und eine Lust am Gegenwärtigen). Oder, um es mit den Worten von Walter Benjamin zu sagen: Das Bild der Kunst ist „das dialektische Bild“, also eines, in dem das Vergangene mit dem Gegenwärtigen „mit einem Schlag“ zusammenfällt. Man könnte auch sagen, es ist eine Sache, die zugleich da und nicht da ist. Alles, was ich unternehme, um es zu einem endgültigen Da-Sein zu zwingen, ist zum Scheitern verurteilt. Zugleich ist es unmöglich, es nicht zu versuchen. Im religiösen Kontext würde man wohl von einer Offenbarung sprechen.

Die Offenbarung zeigt etwas, was vorher nicht gesehen werden konnte oder gesehen werden durfte. Einen Abdruck der Götter zum Beispiel. Als „Kunst“ könnte man jenen Abdruck des Nicht-Gesehenen verstehen, in dem etwas, das schon immer da war mit etwas zusammentrifft, das vollkommen flüchtig, eben durch und durch gegenwärtig ist.

Die Offenbarung wirft die Schöpfung und die Apokalypse in eins. Sie steht im Widerspruch zu jenen Göttern, mit denen man „handeln“ kann (wie mit dem christlichen Gott, dem man durch ein ihm „gefälliges“ Leben, durch gute Taten und schlichte Zahlungen an seine Vertreter, Strafen im Jenseits und nach dem „jüngsten Gericht“ abhandeln kann). Weiterlesen »

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Jan 12 2013

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 1/13

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Um ein Bild zu verstehen, muss man zwei Dinge gleichzeitig tun: Die Dinge auseinanderhalten – sie unter-scheiden – und sie „zusammen sehen“. So gibt es also keine Trennung zwischen „Lesen“ und „Sehen“. In der Praxis. Wohingegen es sehr große Unterschiede macht, wie über das Bild gesprochen werden kann. Die Lesbarkeit des Bildes (seine Dechiffrierung) und die Sichtbarkeit (seine Gegenwart) bilden eine gespannte Einheit. So gibt es Bilder, die so lesbar sind, dass sie unsichtbar werden, und (nicht nur in der Kunst) Bilder, die so gegenwärtig sind, dass sie undechiffrierbar sind. Da hätten wir an den Enden „Information“ und „Erhabenheit“, meinetwegen, doch die Sache wird komplizierter, wenn wir sie unter bestimmten Aspekten betrachten. Nehmen wir das soziale Signal. Oder „die Propaganda“. Weiterlesen »

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Dez 04 2012

Was ist eigentlich Kritik, und warum steht es derzeit bei uns so schlecht damit?

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Wenn wir uns ein reiches und erfülltes Leben in einer demokratischen Zivilgesellschaft vorstellen – und augenblicklich scheint dies das Schönste, was wir uns auf Erden vorzustellen vermögen – dann spielt Kultur dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Ein Zusammenspiel von Kunst, Alltagsleben und Wissenschaft. Kultur besteht einerseits aus schönen, interessanten, provozierenden und neuen Dingen und Ideen, die auf verschiedenste, nie ganz erklärbare Weise hervorgebracht werden, und andrerseits aus Menschen, die auf diese neuen Dinge und Ideen reagieren. Mit Wohlgefallen, Widerspruch oder Skepsis. Aber noch etwas gehört zur Kultur. Etwas, das zwischen beidem vermittelt, etwas, das beidem eine gemeinsame Sprache gibt, etwas, das aus vielen individuellen Begegnungen einen gesellschaftlichen Diskurs macht. Nennen wir es: die Kritik.

Im richtigen Leben ist Kritik etwas eher Lästiges, echt wahr. Man kann Leute nicht ausstehen, die dauernd an etwas herumzukritisieren haben. Ehepaare und Familien werden unausstehlich, wenn man einander permanent kritisiert. Und Erziehung, diese notwendige Traumatisierung – besteht sie nicht aus einer vollkommen ungleichen Verteilung des Rechtes auf Kritik und der Pflicht, sich ihr zu unterwerfen? Nichts ist am Ende demütigender, als öffentlich zur (politischen) Selbstkritik gezwungen zu werden.

Wenn sich jemand gar die Kritik als Beruf wählt, dann dürfen sie oder er nicht gerade mit einem Sympathie-Bonus rechnen. Und was haben wir für Bilder von Kritikern! Ignorante Stümper, deren Anmaßung im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Sachkenntnis steht. Sadistische Besserwisser, denen nichts solch großes Vergnügen bereitet wie die „Vernichtung“ eines Kunstwerkes durch das tückisch geschliffene Wort. Wichtigtuer und Wechsler in den Tempeln der Kultur. Weiterlesen »

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