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	<title>Das Schönste an Deutschland ist die Autobahn &#187; Kultur</title>
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	<description>Das Georg-Seeßlen-Blog</description>
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		<title>KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 3/11</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2011/10/30/kunst-zeit-schrift/</link>
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		<pubDate>Sun, 30 Oct 2011 12:39:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[12 Anmerkungen zum Verhältnis von Kunst und sozialer Bewegung
1
Jede soziale Bewegung ist zugleich eine ästhetische Bewegung. Es ist daher nicht die Frage, ob die Kunst etwas für die Bewegung tun kann (ob man, mit Bildern, mit Liedern, mit Theater oder Film, zum Beispiel, „die Welt verändern“ kann); das eine ist schlicht ohne das andere nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #888888;">12 Anmerkungen zum Verhältnis von Kunst und sozialer Bewegung</span></p>
<p>1</p>
<p>Jede soziale Bewegung ist zugleich eine ästhetische Bewegung. Es ist daher nicht die Frage, ob die Kunst etwas für die Bewegung tun kann (ob man, mit Bildern, mit Liedern, mit Theater oder Film, zum Beispiel, „die Welt verändern“ kann); das eine ist schlicht ohne das andere nicht denkbar.</p>
<p>2</p>
<p>Warum wird die Kunst in bestimmten Situationen und in bestimmten (politischen, ökonomischen, kulturellen) Milieus von solcher Bedeutung? Ganz offensichtlich ist die Spannung zwischen dem Kunstmarkt und der gesellschaftlichen Konstruktion der Kunst um etliches größer als in vielleicht „ruhigeren“ Zeiten. Die Frage ist mehr denn je: Wem gehört die Kunst.<span id="more-1416"></span></p>
<p>3</p>
<p>Schon lange nicht mehr war Kunst so sehr eine Anlage für nomadisierendes, meistens anonymes, privatisierendes (und seien wir ehrliche: kriminelles) Kapital wie derzeit; man spekuliert damit nicht anders als mit Aktien, Rohstoffen und Lebensmitteln. Es ist nicht im geringsten einzusehen, warum die Kunst in dieser Situation „unschuldig“ ist.</p>
<p>4</p>
<p>Eine Kunst, die sich – eher personal als methodisch zunächst – beherzt auf die Seite der sozialen Bewegung stellt, ist in gewisser Weise für den exaltierten Kunstmarkt verloren.</p>
<p>5</p>
<p>Das doppelte Wesen der Kunst besteht darin, entweder jenseits der Wirklichkeit zu führen, in einen utopischen, reinen oder mythischen Raum (in dem man sich „loslösen“ kann, durchaus einem religiösen Raum vergleichbar), oder aber „hinter“ die Wirklichkeit und ihre Machinationen zu sehen, die Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit zu erkennen.</p>
<p>6</p>
<p>Kunst existiert nur insofern sie – unter bestimmten Bedingungen – ökonomisiert ist. Und das trägt auch den Keim der Privatisierung in sich: Die reichen Sammler unserer Zeit unternehmen drei Strategien gegenüber dem ästhetisch-ökonomischen System Kunst, was vorher nur in Ansätzen möglich war, in einer radikalisierten Form:</p>
<p>a) Sie entziehen das Kunstwerk dem öffentlichen Gebrauch und dem öffentlichen Diskurs nach Belieben.</p>
<p>b) Sie übergeben das privatisierte Kunstwerk dem öffentlichen Blick unter der Maßgabe zurück, dass die Politik (Staat, kommunale Verwaltungen etc.) den architektonischen und logistischen Rahmen dafür bilden. Die großen Sammler „veröffentlichen“ ihre Schätze – im Klartext – dafür, dass die Gesellschaft den ab einer gewissen Sammlungsgröße absurden Preis für die Lagerung und die Organisation bezahlt. So kehrt die privatisierte Kunst als ökonomisierte in die Obhut, nicht aber in den ideellen und materiellen Besitz der Gesellschaft zurück.</p>
<p>c) Wie alle anderen Märkte auch, wo wird auch der Kunstmarkt von den Vertretern der Gewinner-Oligarchien manipuliert. So wie sich die Finanzwirtschaft eine Wissenschaft als Legitimation und als Beschwichtigungsinstrument hält, so hält sich der Kunstmarkt mittlerweile eine vollkommen hörige Kunstwissenschaft. Am Ende obliegt dieser „Szene“ nicht allein der Handel mit Kunst (die Umverteilung der ästhetischen Produktion einer Gesellschaft von unten nach oben), sondern sogar die Definition von Kunst.</p>
<p>7</p>
<p>Der Kampf um die Kunst ist entscheidend im „Klassenkampf“ eingelagert (die bürgerliche Gesellschaft konnte ohne Kunst nicht gebildet werden); er ist auch jetzt nichts anderes als der Kampf um die Vorherrschaft: Wenn die Kunst der Gewinner-Oligarchie des Neoliberalismus „gehört“, ist eine Deutungsmacht gleichsam privatisiert, die weit über das engere Feld der Kunst hinaus reicht.</p>
<p>Wir unterscheiden daher wohl zurecht drei Formen von Kunst: Kunst, die für die Sammler interessant ist, Kunst, für die sich – aus Gründen, um die noch gerungen wird – eine politische Kunstpolitik und -förderung zuständig fühlt, und schließlich eine Kunst, für die sich weder der eine noch der andere Sektor interessiert – diese Kunst kann für die soziale Bewegung von besonderer Bedeutung werden, wenn sie nicht dem Irrtum verfällt, ausschließlich diskursiven, argumentierenden, aufklärerischen, ja sogar „propagandistischen“ Zwecken zu dienen.</p>
<p>8</p>
<p>Auch jene dissidente Kunst, die sich der sozialen Bewegung verpflichtet fühlt, ist vor allem Kunst, und folgt dem Auftrag zugleich das utopische Jenseits und das verborgene Innere der öffentlich akzeptierten gesellschaftlichen Realität zu behandeln. Oberstes Gebot der Kunst bleibt also ihre Freiheit.</p>
<p>9</p>
<p>Daher definiert am Ende der Kampf um die Kunst, wenn es einen solchen gibt, auch den Begriff der Freiheit entweder im Sinne des Markt-Liberalismus oder im Sinne der demokratischen Partizipation.</p>
<p>10</p>
<p>Eine soziale Bewegung mit der Kunst, die ihr zusteht, ist stets reicher und greift in Raum und Zeit über die wesentliche Besetzung realer Zeiten und realer Räume hinaus. In ihrer Kunst ist die soziale Bewegung schon nachhaltiger als in anderen Belangen.</p>
<p>11</p>
<p>Mehrfach in der Geschichte der Kunst kam es zu Situationen der Spaltung und des Widerspruchs (zwischen kirchlicher und ziviler Kunst, zwischen aristokratischer und bürgerlicher Kunst, zwischen reaktionärer und progressiver Kunst etc.). Warum sollte es nicht zu einer Spaltung zwischen neoliberaler und dissident-demokratischer Kunst kommen?</p>
<p>12</p>
<p>Bis zu einem gewissen Grad macht die soziale Bewegung eine andere Spaltung rückgängig, die zwischen Kunst und Pop. So wie es hier auch keinen Unterschied zwischen Kultur und Politik gibt, gibt es auch keinen zwischen ästhetischer und politischer Arbeit. Dies freilich ist keinem Dogma unterworfen und schon gar keiner Rhetorik, keiner Kontrolle und keiner Definitionsmacht, sondern ausschließlich der gemeinsamen Praxis.</p>
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		<title>Titelschutz (10)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2011/09/09/1359/</link>
		<comments>http://www.seesslen-blog.de/2011/09/09/1359/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 09 Sep 2011 08:24:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[In meiner Liebingsrubrik „titelschutz“ im Börsenblatt des deutschen Buchhandels begann mal wieder alles mit einem Stück konkreter Poesie:
Schatz, wir müssen reden. Oder wenigstens lesen:
„Wir sind schwanger!“
„Ich bin schwanger!“
„Kinder, Kinder“
„klein und groß“
„keine und große“
„männergesundheit“


Ansonsten lernen Manager demnächst aus der Heiligen Schrift:
 „Führungsprinzipien der Bibel“
und das mag beinhalten:
„Geben und vergeben in einer gnadenlosen Kultur“


Gnadenlos jedenfalls mal wieder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In meiner Liebingsrubrik „titelschutz“ im Börsenblatt des deutschen Buchhandels begann mal wieder alles mit einem Stück konkreter Poesie:</p>
<p>Schatz, wir müssen reden. Oder wenigstens lesen:</p>
<p><em>„Wir sind schwanger!“</em></p>
<p><em>„Ich bin schwanger!“</em></p>
<p><em>„Kinder, Kinder“</em></p>
<p><em>„klein und groß“</em></p>
<p><em>„keine und große“</em></p>
<p><em>„männergesundheit“</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
<p>Ansonsten lernen Manager demnächst aus der Heiligen Schrift:</p>
<p><em> „Führungsprinzipien der Bibel“<span id="more-1359"></span></em></p>
<p>und das mag beinhalten:</p>
<p><em>„Geben und vergeben in einer gnadenlosen Kultur“</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
<p>Gnadenlos jedenfalls mal wieder die deutsche Küchenkultur:</p>
<p><em>„German Fashion Kitchen“</em></p>
<p><em>„german fashion kitchen“</em></p>
<p><em>„GermanFashionKitchen“</em></p>
<p><em>„germanfashionkitchen“</em></p>
<p>Egal, wie es geschrieben wird, ich will es gar nicht erst probieren.</p>
<p>Richtig hoffen lässt da eigentlich nur ein titelgeschütztes Buch:</p>
<p><em>„Dieses Buch ist vielleicht gar kein Buch“</em></p>
<p>Und (um einen großen deutschen Literaten zu zitieren): <em>„Großmutter ist vielleicht gar keine Großmutter“</em>.</p>
<p>Einen hab’ ich noch:</p>
<p><em>„Schwanzgespräche“</em>.</p>
<p>Wenn das kein Bestseller wird, sind die Kommunisten schuld.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Titelschutz (9)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2011/07/12/titelschutz-9/</link>
		<comments>http://www.seesslen-blog.de/2011/07/12/titelschutz-9/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 11 Jul 2011 22:28:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal erscheinen Titelschutz-Listen im Börsenblatt des deutschen Buchhandels wie verschollene Gedichte des post-situationistischen Lyrikers Edgar P. Kuchensucher, so etwa die des akademos-Verlags:
Wunschkind
Kinderwunsch
Lieblingskind
Wechseljahre.
Diese vier Titel sind, wohlgemerkt, geschützt „in allen Schreibweisen, Darstellungsformen, Schriften und Wortkombinationen“.
Ich nehme hiermit Titelschutz in Anspruch für vier Bücher:
Über allen Gipfeln ist Ruh
Über allen Wipfeln spürest du
Kaum einen Hauch
Warte nur balde
Beim fünften [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal erscheinen Titelschutz-Listen im Börsenblatt des deutschen Buchhandels wie verschollene Gedichte des post-situationistischen Lyrikers Edgar P. Kuchensucher, so etwa die des akademos-Verlags:</p>
<p><em>Wunschkind</em></p>
<p><em>Kinderwunsch</em></p>
<p><em>Lieblingskind</em></p>
<p><em>Wechseljahre.</em></p>
<p>Diese vier Titel sind, wohlgemerkt, geschützt „in allen Schreibweisen,<span id="more-1276"></span> Darstellungsformen, Schriften und Wortkombinationen“.</p>
<p>Ich nehme hiermit Titelschutz in Anspruch für vier Bücher:</p>
<p><em>Über allen Gipfeln ist Ruh</em></p>
<p><em>Über allen Wipfeln spürest du</em></p>
<p><em>Kaum einen Hauch</em></p>
<p><em>Warte nur balde</em></p>
<p>Beim fünften Titelschutzbuch bin ich mir über Schreibweise und Darstellungsformen noch nicht klar, aber es hat in jedem Fall etwas mit Ruhe zu tun, in allen Wortkombinationen.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Titelschutz (8)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2011/06/01/titelschutz-8/</link>
		<comments>http://www.seesslen-blog.de/2011/06/01/titelschutz-8/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 16:22:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Glauben wir etwa, zum Thema Kochen sei alles gesagt, und man könnte für den Rest des Tages den „Fernsehköchen“ die publizistischen Geldmaschinen überlassen? Weit gefehlt! Denn nach dem Titelschutz-Register im Börsenblatt des deutschen Buchhandels haben wir in nächster Zeit folgendes zu erwarten:
„Anständig kochen“
aber auch
„Braten mit Potentaten – Das Kochbuch für den angehenden Diktator“.
So werden wohl [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Glauben wir etwa, zum Thema Kochen sei alles gesagt, und man könnte für den Rest des Tages den „Fernsehköchen“ die publizistischen Geldmaschinen überlassen? Weit gefehlt! Denn nach dem Titelschutz-Register im <em>Börsenblatt des deutschen Buchhandels</em> haben wir in nächster Zeit folgendes zu erwarten:</p>
<p>„Anständig kochen“</p>
<p>aber auch</p>
<p>„Braten mit Potentaten – Das Kochbuch für den angehenden Diktator“.</p>
<p>So werden wohl in absehbarer Zeit Gutmenschen und Terroristen um die Wette kochen, was, wie wir zugeben müssen, ein Riesenschritt in Richtung menschlicher Welt wäre. (Es sei denn, die Potentaten mischen Anthrax in den Braten<span id="more-1225"></span> und die anständigen Kocher würden nur in Freiburger Veganer-Kreisen segensreich wirken wollen.) Aber was könnte man denn noch kochen? Zum Beispiel:</p>
<p>„Cakepops“ (Cake was?)<br />
„Vietnam Street Food“<br />
„Gemüse-Spaghetti“<br />
„Mini-Krapfen“ oder<br />
„Pastinake, Schwarzwurzel &amp; Co“.</p>
<p>Vielleicht auch</p>
<p>„Omas beste Rezepte“</p>
<p>Und was machen wir, rülps, nach dem Essen? Vielleicht</p>
<p>„Golfen ohne Kopf“?</p>
<p>Einen habe ich noch. Ehrlich jetzt, wir werden ein Buch bekommen mit dem Titel:</p>
<p>„Gorch Fick“.</p>
<p>Jedes Land bekommt die Bücher, die es verdient.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Kleinigkeiten (7)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2011/05/07/kleinigkeiten-7/</link>
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		<pubDate>Sat, 07 May 2011 07:17:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Friedhof wäre ein so wundervoller Ort, wenn da nur nicht so viele Tote herumliegen würden.
Kunst ist, was du machst, Kultur ist, was mit dir gemacht wird. Nur, dass es so fataler- wie glücklicherweise Kunst weder ohne Kultur gibt, noch Kultur ohne Kunst.
Der dümmste Gedanke der Welt ist derjenige, der behauptet, man sei nach etwas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Friedhof wäre ein so wundervoller Ort, wenn da nur nicht so viele Tote herumliegen würden.</p>
<p>Kunst ist, was du machst, Kultur ist, was mit dir gemacht wird. Nur, dass es so fataler- wie glücklicherweise Kunst weder ohne Kultur gibt, noch Kultur ohne Kunst.</p>
<p>Der dümmste Gedanke der Welt ist derjenige, der behauptet, man sei nach etwas angestrengtem Nachdenken wieder genau da, wo man vorher war.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Titelschutz (7)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2011/05/06/titelschutz-7/</link>
		<comments>http://www.seesslen-blog.de/2011/05/06/titelschutz-7/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 06 May 2011 15:30:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Natürlich gibt es unter den zu schützenden Titeln in der „Titelschutz“-Liste im Börsenblatt des deutschen Buchhandels solche, denen man insofern nur dankbar sein kann, da sie einem Menschen mit gesundem Menschenverstand signalisieren, was er getrost ungelesen sein lassen kann. Das reicht von
„Der Hund in deinem Kopf“
über
„Das geheime Wissen der Yoga-Hunde“
„Katzen. Französische Landsitze und ihre Bewohner“
„Gebrauchsanleitung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Natürlich gibt es unter den zu schützenden Titeln in der „Titelschutz“-Liste im Börsenblatt des deutschen Buchhandels solche, denen man insofern nur dankbar sein kann, da sie einem Menschen mit gesundem Menschenverstand signalisieren, was er getrost ungelesen sein lassen kann. Das reicht von</p>
<p>„Der Hund in deinem Kopf“</p>
<p>über</p>
<p>„Das geheime Wissen der Yoga-Hunde“</p>
<p>„Katzen. Französische Landsitze und ihre Bewohner“</p>
<p>„Gebrauchsanleitung Gast – Gäste begeistern, geschickt verkaufen“</p>
<p>„Gott kann alles“ (auch Mercedes-Benz? Flachbildfernseher?)</p>
<p>„Meine Zukunft in Listen“</p>
<p>bis zu</p>
<p>„Herzlichen Glückwunsch, mit Wünschen die von Herzen kommen“ (ich denk’ aus’m Buch?).</p>
<p>Allerdings gibt es auch Titel, die einen wirklich neugierig machen. Doch doch.</p>
<p>Zum Beispiel:</p>
<p>„Liebling, wo hast du die Eier versteckt?“</p>
<p>Also, hinter so einem Titel muss doch irgendwas stecken. Und sei’s die Erkenntnis, dass die Beknacktheit auf dem Gebiet deutscher Druckwaren immer noch nicht an ihre Grenzen gestoßen ist.</p>
<p>Einen hab’ ich noch:</p>
<p>„Wie kam die Katze auf das Sofa?“</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Weitere Bemerkungen über das Schöne</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2011/05/04/weitere-bemerkungen-uber-das-schone/</link>
		<comments>http://www.seesslen-blog.de/2011/05/04/weitere-bemerkungen-uber-das-schone/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 May 2011 10:26:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Semiotik]]></category>

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		<description><![CDATA[Schönheit entsteht aus einer Diskrepanz zwischen Aufwand und Wirkung. Daher mögen wir die „anstrengungslose“ Schönheit ebenso bewundern wie die „überanstrengte“. Anstrengungslos, also mit einem Minimum von Aufwand erzeugte Schönheit erscheint uns als die „natürliche“ (und in der „Natur“ kommt schließlich selbst eine mögliche Absichtslosigkeit hinzu). Die angestrengte Schönheit dagegen ist ein Werk der Kultur und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schönheit entsteht aus einer Diskrepanz zwischen Aufwand und Wirkung. Daher mögen wir die „anstrengungslose“ Schönheit ebenso bewundern wie die „überanstrengte“. Anstrengungslos, also mit einem Minimum von Aufwand erzeugte Schönheit erscheint uns als die „natürliche“ (und in der „Natur“ kommt schließlich selbst eine mögliche Absichtslosigkeit hinzu). Die angestrengte Schönheit dagegen ist ein Werk der Kultur und wird gern auch als „Kunst“ bezeichnet.</p>
<p>Da wir der Natur gerne eine umfassende Vernunft unterstellen (weiß der Teufel warum) sind wir der Meinung, Schönheit könne nur im Blick des Menschen (der nicht vollständig Natur sei) entstehen, während sie innerhalb der Natur nichts anderes als nützlich (bei der Fortpflanzung und ihren Wahlmechanismen zum Beispiel) sei: „Schöne“ Blumen, sollen Bienen anlocken, die Schönheit des Pfauenrades oder des Hirschgeweihs die jeweiligen „Weibchen“ beeindrucken.<span id="more-1186"></span></p>
<p>Indes argwöhnen wir, sowohl bei der Darstellung des „eitlen Pfaus“ als auch des röhrenden Hirsches, dass die produzierte Schönheit (und sogleich ist sie eben dies nicht mehr: Schönheit) am meisten dem Wesen, das sie produziert, selber gefällt. Vielleicht imponiert ja in der Tat ein „stattliches“ Hirschgeweih einer Hirschkuh viel weniger als der röhrende Hirsch selber annimmt&#8230;</p>
<p>Aber dieser Hirsch will vielleicht gar nicht nur beeindrucken (und „erobern“), sondern, wie einst der Biologe Adolf Portmann vermutete, eine innere Befindlichkeit zum Selbstausdruck bringen. (Wenn Portmann recht hatte, können wir den Unterschied von Natur und Kultur nur noch als allem immanente Dialektik begreifen. Auch Pfauen und Regenwürmern mithin.)</p>
<p>Natürlich ist die Natur kein bisschen vernünftig. Man kann ihr höchstens unterstellen, dass sie einen gelegentlich etwas schrägen Humor hat.</p>
<p>Eine alte Theorie der Schönheit lautet, es handele sich um die Demonstration von Überfluss. Ein Pfau zeige also sein Feder-Rad um zu belegen, dass er so stark ist, dass er sich das Wachstum und die Präsentation des primär „zwecklosen“ Gefieders leisten könne. Was sich zeigt ist indes vor allem der Impuls sich zu unterscheiden. Wenn es in der „natürlichen“ Sexualität überhaupt eine Wahl gibt, gibt es offensichtlich auch Ästhetik.</p>
<p>So können wir Schönheit erneut definieren aus dem Widerspruch von Anpassung und Differenz. Schön ist die erkennbare Differenz in der Sprache der Anpassung (im Gegensatz zum Bizarren und Grotesken). Deshalb können wir, sehen wir uns als Beispiel die Kunst- oder die Design-Geschichte an, gelegentlich eine „nahe liegende“ Schönheit nicht erkennen, während uns eine entfernte entzückt. Man muss wohl, um Schönheit zu erkennen, sowohl die Sprache der Differenz als auch die der Anpassung (von Wesen und Bild, Bedeutung und Zeichen usw.) kennen.</p>
<p>Sie ersteht nun, dritte Variante, aus der Ungleichheit von „Selbstausdruck“ und „Kommunikation“. Man könnte sagen, ein „schönes“ Bild bestehe aus Zeichen, die sich einerseits an sich selbst, andererseits an einen „Betrachter“ und, weil beides eine Energie des Widerspruchs erzeugt, in ein Nirgendwo versenden.</p>
<p>Sie schaffen einen Raum, dieses Nirgendwo, in dem wir uns, trotz oder vielleicht gerade wegen des anstrengenden Reagierens auf besagten Widerspruch, unglaublich wohl und glücklich fühlen.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Titelschutz (6)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2011/03/18/1086/</link>
		<comments>http://www.seesslen-blog.de/2011/03/18/1086/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 18 Mar 2011 12:23:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Manchmal, wenn ich die „Titelschutz“-Liste im Börsenblatt des deutschen Buchhandels durchstreife, überkommt mich das tiefe Glück des tataistischen Dao:
„Dann bist du seelenruhig. Mein Leben als Ritzerin“
„Movie Star – Küssen bis zum Happy End“
„Ausprobiert – Gott entdeckt“
„Du: Angedacht von A bis Z“
„Nicht der Typ für Gott“
„Das Bondage-Handbuch Spezial – Japan Bondage“
„Mein Guckloch-Fühlbuch“
„From Noob to Nerd“
„Vom Trade-Marketing [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal, wenn ich die „Titelschutz“-Liste im Börsenblatt des deutschen Buchhandels durchstreife, überkommt mich das tiefe Glück des tataistischen Dao:</p>
<p>„Dann bist du seelenruhig. Mein Leben als Ritzerin“</p>
<p>„Movie Star – Küssen bis zum Happy End“</p>
<p>„Ausprobiert – Gott entdeckt“</p>
<p>„Du: Angedacht von A bis Z“</p>
<p>„Nicht der Typ für Gott“</p>
<p>„Das Bondage-Handbuch Spezial – Japan Bondage“<span id="more-1086"></span></p>
<p>„Mein Guckloch-Fühlbuch“</p>
<p>„From Noob to Nerd“</p>
<p>„Vom Trade-Marketing zum Shopper-Marketing“</p>
<p>„Ein bisschen Glyx muss sein“</p>
<p>„Jeder ist seines Glyx eigener Schmied“</p>
<p>„Jeder ist der Schmied seines Glyx“</p>
<p>(Glyx ist übrigens, falls Sie es nicht wissen, eine Diät)</p>
<p>„Biografisches Arbeiten im Ganzheitlichen Gedächtnistraining“</p>
<p>„Einführung in die Kosmische Erziehung“</p>
<p>„Wie badet man einen Fisch?“</p>
<p>„So gelingt die Flucht aus dem System“</p>
<p>„Das ganz persönliche Gute-Laune-Orakel“</p>
<p>„Gott schmiert keine Stullen“</p>
<p>Und so geht das weiter und weiter und weiter und&#8230; einen hab’ ich noch:</p>
<p>„Toter geht’s nicht“.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Etwas vom Roten Stier, gedruckt</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2011/01/29/etwas-vom-roten-stier-gedruckt/</link>
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		<pubDate>Sat, 29 Jan 2011 15:09:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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		<description><![CDATA[Wenn man wissen will, wie sich der Konsumgüter-Markt eine gaanz, gaanz tolle Zukunft vorstellt, muss man ab und an einen Blick in das „Red Bulletin“ werfen, das so intelligenten Zeitungen wie der F.A.Z. beigelegt ist, damit die dicker aussieht, wenigstens am Wochenende. Es nennt sich ein „fast unabhängiges Monatsmagazin“, wird von, logisch, dem Getränkehersteller Red [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man wissen will, wie sich der Konsumgüter-Markt eine gaanz, gaanz tolle Zukunft vorstellt, muss man ab und an einen Blick in das „Red Bulletin“ werfen, das so intelligenten Zeitungen wie der F.A.Z. beigelegt ist, damit die dicker aussieht, wenigstens am Wochenende. Es nennt sich ein „fast unabhängiges Monatsmagazin“, wird von, logisch, dem Getränkehersteller Red Bull herausgegeben und handelt, ja, verflixt, wovon handelt das Ding eigentlich? Ich glaube, es handelt irgendwie von Extrem- und Trendsportarten, von Leuten, die echt nichts anderes zu tun haben als möglichst teuren Blödsinn möglichst überall in der Welt zu treiben, oder „Sport, Kunst, &#8230;, Abenteuer. Der lebhafte Mix über alle thematischen Grenzen hinweg“, so heißt das im Impressum; man könnte aber auch sagen, es handele sich um ein Magazin, dem es gelingt, sehr elegant, sehr teuer und einigermaßen aufgedreht unterhalb dessen zu bleiben, was man ein Thema nennen könnte.<span id="more-1011"></span></p>
<p>Die Kunst ist hier natürlich ein Event, und offenbar sind jene Sportarten die besten, die man gerade erst erfunden hat: „Der 18-jährige Hawaiianer Kai Lenny wird als Premierensieger der 2010 erstmals ausgetragenen <em>Stand Up Paddle World Tour</em> in die Geschichtsbücher eingehen“. Jedenfalls darf er zur Belohnung neben sich selbst ein „Red Bull“-Paddel vor die Kamera halten. Womit sich die jungen Herren und einige wenige Damen sich ihr Geld verdienen, wenn sie es nicht als Red Bull-Models tun, bleibt eher schleierhaft; sie sind aber jedenfalls erfolgreich, trendig und fit. Es ist offensichtlich eine Welt, der jede produktive Arbeit und jeder sinnvolle Diskurs ausgegangen ist. Hinter jedem der aufgedrehten „Ereignisse“, bei denen man sich so toll präsentieren kann, ahnt man den Abgrund von Leere und Langeweile. In einem „Hero-Blog“ betitelten Segment von „The Red Bulletin“ kann man zum Beispiel einen sehr, sehr interessanten Eintrag des BMX-Sportlers Drew Bezanson lesen: „Ich bike den ganzen Tag und kann am Abend nicht schlafen, weil ich nur an BMX denke. Ist das schlecht?“. Keine Ahnung, ob so etwas schlecht ist, ich bin ja kein Psychiater, es ist nur definitiv weniger interessant als der Zuckerkrümel auf meinem Schreibtisch. Andere Eintragung, vom Motocross-Champion James Stewart: „Eigentlich wollten wir heute fischen gehen, aber die Batterie vom Boot ist leer. Aber so toll finde ich fischen ohnehin nicht“. Jetzt weiß ich immerhin, dass ich etwas mit einem Motocross-Champion gemeinsam habe, ich finde fischen auch nicht so toll. Und von dieser unglaublich bemerkenswerten Übereinstimmung hätte ich nie erfahren ohne das „Red Bulletin“.</p>
<p>Die Zukunft besteht offensichtlich aus einer weltweiten Vernetzung betriebsnudeliger, kosmetisch und anderswie aufgemotzten Vollidioten auf der Suche nach Erfolg, Kick und Trend. Sie bilden wohl so etwas wie eine sich selbst erhaltende Szenerie: Den Superblödsinn kann man nur betreiben, wenn man andere Vollidioten findet, die dafür zahlen, dabei zuzusehen, damit man sich bei der Trend- und Neu-Sportart als lebendes Reklameschild vermarkten kann. Natürlich kommt auch die interaktive Drahtlosigkeit zu den Lesern nicht zu kurz: Wer Bilder aus dem eigenen „abenteuerlichen Alltag“ auf der entsprechenden Seite hochlädt, hat die Chance, eine „Trinkflasche des Schweizer Herstellers SIGG im speziellen Red Bulletin-Design“ zu gewinnen. Boa, ey!</p>
<p>Und worin besteht der abenteuerliche Alltag? Zweiradfahren mit Vierradfahrzeugen in Abu Dhabi, Kinopremiere des „actiongeladenen Werbespots für Northland, in dem der BASE-Jumper die Hauptrolle spielte“, Skateboarden im leeren Swimming Pool, Roller Derby in Chicago&#8230; Und abends geht es in den Club, zum Beispiel „Week End“ in Berlin. Wer geht da rein? „Der typische Week-End-Besucher ist zwischen 20 und 25, musikinteressiert und trägt enge Hosen, T-Shirt und Sonnenbrille. Typisch Berlin-Style eben“.</p>
<p>Na, und so weiter. Wer das „Red Bulletin“ liest, muss sich um die Zukunft keine Sorgen mehr machen. Sie findet nicht statt.</p>
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		<title>TRASH – Eine Liebeserklärung in zehn Kriterien</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Jan 2011 15:33:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>

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		<description><![CDATA[Trash ist eine Art von Pop-Produktion, die ökonomisch, „kulturell“ und sozial am unteren Ende der Skala angesiedelt ist (A-Film, B-Film, C-Film, Trash Movie) und dort unten die Möglichkeit hat, sich so viele Freiheiten herauszunehmen, dass man die ganze Hierarchie auf den Kopf stellt: Trash ist daher meistens an Kunst näher als an „guter Unterhaltung“.
Aber nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Trash ist eine Art von Pop-Produktion, die ökonomisch, „kulturell“ und sozial am unteren Ende der Skala angesiedelt ist (A-Film, B-Film, C-Film, Trash Movie) und dort unten die Möglichkeit hat, sich so viele Freiheiten herauszunehmen, dass man die ganze Hierarchie auf den Kopf stellt: Trash ist daher meistens an Kunst näher als an „guter Unterhaltung“.</p>
<p>Aber nicht jedes  Pop-Produkt, Film, Literatur, Comics etc. das am Ende der Produktions- und Handwerksskala angesiedelt ist, darf sich gleich mit dem Ehrentitel „Trash“ schmücken, und auch eine ganze Genre-Bezeichnung in einem Medium wie, sagen wir, Trash-Fernsehen oder Trash-Metal, ist ganz und gar keine Garantie, echten, guten Trash zu erhalten.</p>
<p>Daher also zehn Kriterien, um guten Trash von Pseudo-Trash zu unterscheiden:</p>
<p>1. Trash wird mit Leidenschaft gemacht; Berechnung (sexploitation z.B.), Low oder No Budget, handwerkliche Limitierung, „schlechter Geschmack“ und Bekenntnis zum guilty pleasure sind also allein noch nicht ausschlaggebend.<span id="more-1004"></span></p>
<p>2. Im Trash gibt es Momente der Grenzüberschreitung; Abbildungs-Verabredungen in der Medienkultur werden an einem entscheidenden Punkt außer Kraft gesetzt, ein Element des Drastischen tritt selbstbewusst in den Vordergrund.</p>
<p>3. Trash ist mehr als die Wiederholung von Genre-Formeln; irgendwo blitzt ein Element des Originalen und Originellen auf, möglicherweise an gänzlich unerwarteter Stelle.</p>
<p>4. In einem Trash-Produkt muss man sehen, dass alle Beteiligten Spaß hatten, es zu machen.</p>
<p>5. Ein Trash-Produkt wächst in seiner Bedeutung mit der Qualität und Quantität, vor allem aber mit der Empörung seiner Feinde.</p>
<p>6. Ein Trash-Produkt bildet um sich herum eine Gemeinde, eine Bewegung oder eine Szene, bzw. es kommt einer Gemeinde, einer Bewegung oder einer Szene gerade recht.</p>
<p>7. Ein Trash-Produkt entsteht in aller Regel jenseits der „üblichen“ Produktionslinien.</p>
<p>8. Ein Trash-Produkt enthält nicht nur Obszönität, Gewalt und schlechten Geschmack, sondern immer auch Blasphemie, Ketzerei und Dissidenz.</p>
<p>9. Ein Trash-Produkt gilt nach allgemein anerkannten Kriterien immer auch als „krank“, „verrückt“ oder  (mindestens) quer bzw. queer.</p>
<p>10. Trash-Produkte sind weder plan- noch wiederholbar.</p>
<p>Daher gibt es etwas, was noch langweiliger ist als Mainstream: Pseudo-Trash.</p>
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