Archiv für die 'Krise'-Kategorie

Sep 28 2009

I HIRED A FREMDSCHÄMER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Krise.

Ist es Ihnen schon aufgefallen? Dieses Wort hat Konjunktur: „Fremdschämen“. Das soll heißen, dass sich jemand geniert, weil jemand anderes so furchtbar peinlich und daneben ist. Sozialpsychologisch gesehen war „Fremdscham“ bislang eher ein Nebenschauplatz. Aber jetzt wird es Mode, Kult, nein, viel mehr, es wird soziale Praxis. Und warum? Weiterlesen »

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Sep 05 2009

COACH STEINI! CAST ANGELA! RATE OSCAR!

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Krise, Politik.

Der Mensch unserer Zeit wird erst gecoacht, dann gecasted und schließlich gerated. Und dann wieder von vorn. (Früher war das Erziehung, Konkurrenz und Erfolg und auch nicht viel besser. Man wusste nur, dass es ungerecht, gewalttätig und demütigend war.) Neben der politischen und der ökonomischen Macht geht das, was wir früher einmal „Definitionsmacht“ nannten, in die Hände jener über, die coachen, casten und raten. Die Macht der Coacher, Caster und Rater entsteht einerseits durch eine populistisch-mediale Rückkopplung, andererseits durch Akte der Selbstermächtigung. Die Antwort auf ökonomische Krisen ist das Anwachsen der Coaching-, Casting- und Rating-Industrie. Weiterlesen »

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Sep 04 2009

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Bayern, Gesellschaft, Krise, Politik, Werbung.

Auf der Homepage der Bavaria GmbH finden Sie alle aktuellen Werbemittel und Geschenkideen der CSU, die Sie dort auch online bestellen können.

Wir würden uns freuen, wenn Sie auch dadurch Ihr Interesse an der Politik der CSU und an der Partei zum Ausdruck bringen.

“Und, Herr Kainer, was wählen Sie?”

“Ich glaub, ich wähle die Freiheit, lieber Herr Reiner.”

“Was für eine Freiheit wollen Sie denn wählen? Wir haben doch schon lauter Freiheiten. Und eine ist freier als die andere!” Weiterlesen »

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Sep 01 2009

DUMMHEIT ALS KAPITAL

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Krise, Politik.

Wenn die Dummheit mehrheitsfähig geworden ist, und zwar in eben jener Form, die unentwegt nicht nur Dummheit, sondern auch das Bekenntnis zur Dummheit verlangt, dann ist Nicht-Dummheit (was immer das sein mag, vielleicht beginnt es mit nicht mehr als einem kleinen Unbehagen daran, dass es offensichtlich gesellschaftliche Apparate gibt, in denen jeder, der Geld oder Macht oder einen sogenannten Promi-Status hat, einen Blödsinn vor sich hinreden darf – der Moderator hat immer den andächtigen Dackelblick dazu -, den wir in einem Face-to-Face-Gespräch mit Nachbarn nicht hinnehmen würden) keine Auszeichnung, sondern ein Stigma. Es geht nicht mehr allein darum, dass etwas Dummes gesagt werden kann, sondern dass die Form der Gespräche bereits Dummheit implizieren muss. Würde irgend jemand irgendwann bei Anne Will, nur zum Beispiel, etwas Kluges sagen, so hätte er nicht nur etwas Skandalöses getan, sondern auch das ganze Sendeformat in Frage gestellt, was durchaus einem unflätigen Benehmen in einer Kirche gleichkäme. Jede Talk Show definiert den in einem Segment des Publikums verbindlichen Grad an Dummheit. Und daran sehen wir auch, dass selbst eine durch und durch dumme Gesellschaft selbst in ihren Dummheitsmaschinen immer noch eine Klassengesellschaft ist, in der sich, wer die Dummheit bei Anne Will genießt, sich als etwas Besseres fühlen darf als jener, der sich nachmittägliche Schmuddel-Talkshows „reinzieht“. Weiterlesen »

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Aug 10 2009

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Krise, Werbung.

Qualitätsmerkmale

Der Himmel bewölkte sich wieder einmal, und mit den Worten „verschissene Klimakatastrophe“ flüchteten die Menschen aus dem Park in ihr Wägen.

„Sehen Sie,“, sagte Herr Reiner und deutete auf eine ganzseitige Anzeige, die französische Automobile betrafen, welche einen ersten Platz im „J. D. Power Kundenzufriedenheit-Report“ erzielt hätten, und zeigte auf die großflächige Überschrift: „Qualität ist, wenn Deutsche zufrieden sind“. Weiterlesen »

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Jul 10 2009

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Bayern, Gesellschaft, Krise.

Zweiter Klasse

Es war der schiere Übermut, der Herrn Reiner und Herrn Kainer veranlasste, an einem halbschönen Sommertag einen Ausflug unternehmen zu wollen, und zwar mit der Deutschen Bahn.

„Sehen Sie sich nur diesen Bahnhof an!“, staunte Herr Reiner, der die einstige Schalterhalle nach ihrem Umbau bewunderte. „Was es hier alles zu kaufen gibt! Hier ist ein Spielplatz für Kinder. Dort gibt es Probeabonnements  für „Christ und Hund“. Und dort kann man sogar ein Automobil gewinnen“.

„Wie passend“, warf Herr Kainer ein. „Wer Glück hat, muss nicht mehr Eisenbahn fahren“. Weiterlesen »

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Jul 03 2009

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Bayern, Gesellschaft, Krise.

Zwischen Bankpark und Parkbank

Weiß und blau strahlte der Himmel über Bayern. Jedenfalls auf dem riesigen Plakat der Bier-Werbung, unter dem sich Herr Kainer und Herr Rainer auf einer Bank niedergelassen hatten.

„Wissen Sie eigentlich, Herr Reiner“, fragte Herr Kainer, „wie man dort, wo das Geld ist, die Krise nennt?“ 
„Die nennen die Krise nicht Krise?“, fragte Herr Reiner zurück. Weiterlesen »

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Jul 02 2009

DIE ZUKUNFT? FRAGT DEN WETTERFROSCH!

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Krise.

Super – Illu, oder was?

Es gilt als ausgemacht: 90% unserer Medien bestehen aus Schwachsinn, Obszönität und schlechtem Geschmack. Und warum? Na, weil es die Leute so wollen. Zwischen der Werbung wollen sie weder Politik noch Kultur, nichts Anstrengendes und nichts Intelligentes. Sondern Schwachsinn, Obszönität und schlechten Geschmack.

Aber irgendwer muss das außer den Leuten ja noch wollen. Denn die Leute wollen ja auch Mindestlöhne, Kindertagesstätten und Lehrmittelfreiheit. Aber kriegen sie das? Natürlich nicht, denn das will eben keiner außer ihnen. Weiterlesen »

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Jun 30 2009

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Bayern, Gesellschaft, Krise.

Im Englischen Garten

Herr Reiner und Herr Kainer schlenderten durch den Englischen Garten, und sprachen im Schatten ihrer aufgespannten Regenschirme miteinander. Dass sie Regenschirme bei strahlendem Sonnenschein aufgespannt hatten, brachte ihnen manchen mitleidigen oder gar missbilligenden Blick ein. Weiterlesen »

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Jun 28 2009

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Bayern, Gesellschaft, Krise.

Münchner Freiheit

Es waren eher meteorologische als ideelle Gründe, die Herrn Reiner und Herrn Kainer an diesem Tag nach dem großen Regen auf dem unförmigen Platz mit dem seltsamen Namen „Münchner Freiheit“ zusammen brachte. Seltsam ist der Name deswegen, weil kein Mensch weiss, was an einer Freiheit so spezifisch münchnerisch sein könnte, und schon gar niemand, was an München irgendeine besondere Freiheit verspräche. Weiterlesen »

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