Eins auf die Presse, mein Herzblatt (41)

Manchmal muss man Nachrichten von hinten lesen, um sie zu verstehen. Manchmal sind Anzeigen die Nachrichten begleiten, dieses „hinten“. Manchmal kann man dabei erschrecken. So zum Beispiel lesen wir auf Spiegel online: „So deutlich wie noch nie sagten die Entscheider der EU am Dienstagabend: Wir haben einen Fahrplan für den Grexit – wenn Griechenland in den nächsten Tagen wieder keine tragfähigen Reformvorschläge macht, könnten spätestens am Sonntag bei einem Gipfel mit allen 28 EU-Mitgliedstaaten wegweisende Entscheidungen fallen.“

muss man Nachrichten von hinten lesen, um sie zu verstehen. Manchmal sind Anzeigen die Nachrichten begleiten, dieses „hinten“. Manchmal kann man dabei erschrecken. So zum Beispiel lesen wir auf Spiegel online: „So deutlich wie noch nie sagten die Entscheider der EU am Dienstagabend: Wir haben einen Fahrplan für den Grexit – wenn Griechenland in den nächsten Tagen wieder keine tragfähigen Reformvorschläge macht, könnten spätestens am Sonntag bei einem Gipfel mit allen 28 EU-Mitgliedstaaten wegweisende Entscheidungen fallen.“

Manchmal muss man Nachrichten von hinten lesen, um sie zu verstehen. Manchmal sind Anzeigen die Nachrichten begleiten, dieses „hinten“. Manchmal kann man dabei erschrecken. So zum Beispiel lesen wir auf Spiegel online: „So deutlich wie noch nie sagten die Entscheider der EU am Dienstagabend: Wir haben einen Fahrplan für den Grexit – wenn Griechenland in den nächsten Tagen wieder keine tragfähigen Reformvorschläge macht, könnten spätestens am Sonntag bei einem Gipfel mit allen 28 EU-Mitgliedstaaten wegweisende Entscheidungen fallen.“

Begleitet wird dieser Text, wer hätte es gedacht, von einer großen Bank-Anzeige, Weiterlesen

Nachschriften zu „Kapitalismus als Spektakel“

Im „alten“ Kapitalismus galt immerhin als ausgemacht: Die Finanz-Spekulation war ein Sektor des Lebens, an dem ein gewisser Teil der Bevölkerung, ein wohlhabender und mehr oder weniger professioneller, mitspielen konnte oder auch nicht, und auf dem man hohe Gewinne erzielen und genau so auch alles verlieren konnte. Bürgerliche Biographien zeichneten sich durch Brüche aus: Jemand hatte spekuliert und verloren, während ein anderer noch reicher geworden war (und vielleicht das Verlieren der nächsten Generation überließ). Industrie und Handwerk, Fleiß und Bescheidung im Kleinbürgertum, schienen davon nicht betroffen. In unserem Buch „Kapitalismus als Spektakel“ schilderten wir einen Paradigmenwechsel zu einem „neuen“ Kapitalismus, in dem das Geld noch aus den allerbescheidensten Lebensumständen, die Altersvorsorge, das kleine Erbe, die bescheidene Rücklage, das Geld, mit dem man möglicherweise dem Nachwuchs ein Studium finanzieren wollte, die Sicherung des Minibetriebs und der Ich-AG etc. zwangsweise in Spekulationskapital verwandelt. Der Finanzkapitalismus besorgt sich dieses frische Spielgeld mit der tätigen Hilfe der zwei bis drei derzeit größten Blödmaschinen, nämlich des postdemokratischen Staates und seiner Rhetorik der Ökonomisierung, der populären Medien, die den Finanzkapitalismus in ein Entertainment-Format und eine Reality-Show verwandeln, und schließlich eines Experten- und Ratgeber-Karussels, das für die geschmeidige Verbindung von beidem sorgt. Wer sich dagegen wehrt, dass seine „Spargroschen“ unbarmherzig zum Börsenspiel verzockt werden (oft genug bemerkt man diese Enteignung nicht einmal, weil sie hinter den Bürotürmen der Versicherungen und Banken verborgen bleibt), der wird sie verlieren. Weiterlesen

Kapitalismus für DUMMIES (Redux)

Oder Warum müssen eigentlich alle mitmachen, ob sie es wollen oder nicht?

I

Der alte Spruch „Geld stinkt nicht“ hat natürlich immer noch seine Berechtigung, insofern man es einem Hundert-Euro-Schein nicht anriecht, ob er mit Kaltgetränken oder Kalaschnikows verdient wurde, ob er Teil einer Wahlkampfspende, einer Lohnausgleichszahlung oder eines Manager-Bonus ist. Aber es stimmt auch das beinahe genau so alte Sprichwort: „Hier riecht’s nach Geld“.

Leider riecht es immer lauter und immer obszöner nach Geld, und für besonders feine Nasen beginnt die Unterscheidung zwischen Riechen und Stinken zweifelhaft zu werden. Zum Beispiel so wie bei dem jungen Bankangestellten, der sich Anlageberater nennt und offensichtlich ein kleines Vermögen für die richtigen Krawatten, das richtige Haargel und das richtige Rasierwasser ausgibt. Also, für ihn scheint es das Richtige, für uns Dummies des Kapitalismus, riecht es, wenn es so nach Geld riecht, vor allem laut und obszön. Weiterlesen

Kritik & Zukunft

Die offene Kritik

Wenn man die Dinge kritisiert, wie sie sind, müsste man es im Namen einer besseren Möglichkeit oder gar im Namen der offenen Zukunft machen. Was aber, wenn es keine Zukunft gibt? (Und unendlich viele Möglichkeiten, die sich nicht als „richtig“ und „falsch“ ausweisen können.)

No Future – nicht in der Form, dass es kein Morgen gibt. Keine Entwicklung mehr, keine Geschichte. Sondern in der Form, dass es keine lineare Entwicklung, kein Projekt, in Wahrheit nicht einmal eine Hoffnung gibt. (Auf diesen Teil der philosophischen Grundfragen, „Was darf ich hoffen?“, fällt uns derzeit nicht wirklich etwas ein.) Weiterlesen

Sprichwörter (2)

„Geld regiert die Welt.“ (sagte meine Großmutter seufzend, als man ihr die Hälfte des Gartens nahm, damit eine Garagenzufahrt entstehen konnte.) Damals meinte das vor allem: Geld ist das Mittel jener, die sich Macht und Vorteil zu verschaffen verstehen, weil sie, woher auch immer, dieses Mittel besaßen. Aber es steckte ein klein wenig wohl schon zur Zeit meiner Großmutter darin, dass möglicherweise nicht allein diejenigen, die es haben und die es einigermaßen skrupellos einsetzen, die Welt regieren, sondern das Geld an sich.

Im Augenblick sind wir diesem Regenten auf eine Weise unterworfen, wie wir es zumindest noch nie gespürt haben: Alle sind betroffen, kein außerhalb mehr möglich (weder das Verfassen eines Haiku noch eine Liebesgeschichte denkbar ohne Geld), andere, auch nicht viel sympathischere Formen von Macht und Gewalt, Regierung, Militär, Terror, ganz und gar dem Geld unterworfen. Was kein Geldgeschäft ist, ist obskur und obszön. Weiterlesen

Was die „Rettung von Griechenland“ anbelangt…

Komplexreduzierung daily

Was die „Rettung von Griechenland“ anbelangt, bescheißt uns die Regierung gerade wieder nach Strich und Faden; selbst der F.A.Z. fällt auf, dass eine Politik, die ausschließlich im Interesse der Banken funktioniert, gleichsam automatisch eine Politik gegen das eigene Volk sein muss (man sagt es nur nicht so). Und die BILD-Zeitung formuliert das diesbezügliche Unbehagen nach dem Muster seltsam rassistisch anmutender Kampagnen um (als müsste um jeden Preis der Welt verhindert werden, dass die Beschissenen dieser Erde sich solidarisieren).

Die Art, wie demokratische Regierungen die Bevölkerung bescheißen, funktioniert am Ende in der Regel immer, denn sie bedienen sich dabei der Medien, die sie perfekt zu bedienen gelernt haben (wenn auch mal, wie man so sagt, über die Bande). Politiker, die es lernen, mit Medien umzugehen, verlernen zuerst, mit echten Menschen umzugehen, und dann verlieren sie die Fähigkeit, überhaupt noch mit der Wirklichkeit umzugehen. Außer natürlich mit der Wirklichkeit des Kapitals.

Bei jeder solchen Krise, so scheint es, kann auch die demokratische oder eben postdemokratische Herrschaft nachher genau so weiter machen wie bisher. Aber jedes Mal erzeugt sie eine nächste Gruppe von Menschen, die nicht mehr mitmachen, die das alles nichts mehr angeht, die leer gewordene Rituale der Demokratie nicht mehr füllen wollen.

Die Geschichte der Demokratie ist dann zu Ende, wenn die Anzahl jener, die nicht mehr mitmachen, mehr oder weniger identisch mit der Anzahl der Wahlberechtigten in einer Gesellschaft ist (abzüglich von Mafia- und Parteimitgliedern). Lang kann das nicht mehr dauern. Dann muss eine demokratische Regierung wohl tatsächlich Brechts Vorschlag befolgen, das Volk auflösen und sich ein neues wählen. Naja, wenn es noch eines gibt jedenfalls.

I HIRED A FREMDSCHÄMER

Ist es Ihnen schon aufgefallen? Dieses Wort hat Konjunktur: „Fremdschämen“. Das soll heißen, dass sich jemand geniert, weil jemand anderes so furchtbar peinlich und daneben ist. Sozialpsychologisch gesehen war „Fremdscham“ bislang eher ein Nebenschauplatz. Aber jetzt wird es Mode, Kult, nein, viel mehr, es wird soziale Praxis. Und warum? Weiterlesen

COACH STEINI! CAST ANGELA! RATE OSCAR!

Der Mensch unserer Zeit wird erst gecoacht, dann gecasted und schließlich gerated. Und dann wieder von vorn. (Früher war das Erziehung, Konkurrenz und Erfolg und auch nicht viel besser. Man wusste nur, dass es ungerecht, gewalttätig und demütigend war.) Neben der politischen und der ökonomischen Macht geht das, was wir früher einmal „Definitionsmacht“ nannten, in die Hände jener über, die coachen, casten und raten. Die Macht der Coacher, Caster und Rater entsteht einerseits durch eine populistisch-mediale Rückkopplung, andererseits durch Akte der Selbstermächtigung. Die Antwort auf ökonomische Krisen ist das Anwachsen der Coaching-, Casting- und Rating-Industrie. Weiterlesen

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER (07)

Auf der Homepage der Bavaria GmbH finden Sie alle aktuellen Werbemittel und Geschenkideen der CSU, die Sie dort auch online bestellen können.

Wir würden uns freuen, wenn Sie auch dadurch Ihr Interesse an der Politik der CSU und an der Partei zum Ausdruck bringen.

„Und, Herr Kainer, was wählen Sie?“

„Ich glaub, ich wähle die Freiheit, lieber Herr Reiner.“

„Was für eine Freiheit wollen Sie denn wählen? Wir haben doch schon lauter Freiheiten. Und eine ist freier als die andere!“ Weiterlesen