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	<title>Das Schönste an Deutschland ist die Autobahn &#187; Krimi</title>
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		<title>Charlie Brown in Mönckersheim (VII)</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Feb 2011 18:31:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Und unterdessen, weit zurück in New York: Henry, mit den verträumten Augen, Henry, an der Staffelei, Schweißperlen im Gesicht, kommender Stern, sagen die einen, wohl eher überschätzt, murren die anderen (dabei hat Henry es gerade mal geschafft, von seiner Kunst leben zu können), Henry also, dessen Gedanken einerseits bei seiner Arbeit sind, und andererseits bei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Und unterdessen, weit zurück in New York: Henry, mit den verträumten Augen, Henry, an der Staffelei, Schweißperlen im Gesicht, kommender Stern, sagen die einen, wohl eher überschätzt, murren die anderen (dabei hat Henry es gerade mal geschafft, von seiner Kunst leben zu können), Henry also, dessen Gedanken einerseits bei seiner Arbeit sind, und andererseits bei seinem Geliebten in Europa, drittens noch ganz woanders, erinnert Ihr Euch an diese Party, wo Schroeder den Flohwalzer als Reggae spielte, und Henry dazu Champagnergläser füllte, aus den unmöglichsten Entfernungen?, Henry mit dem Knackarsch, mit dem er für jede Jeans-Firma der zweiten Liga Reklame hätte machen können, aber so etwas kam Henry nicht in den Sinn, Henry, der Existentialist (mein Gott, wer ist heute noch „Existentialist“?), der sein kleines Nest so liebte, im dritten Stock, zugegeben, nicht gerade die beste Adresse, und der Hausmeister war ein dauerkiffender Nigerianer, der sich nicht die Mühe machte, Interesse für Malerei zu heucheln, aber Henry, der existentialistische Träumer, der sich alle paar Minuten den Schweiß vom Gesicht wischen musste, einfach um zu sehen, hier, dieser Strich war definitiv ohne jeden Anflug von Demut und musste deshalb entfernt werden, aber was heißt schon entfernt?, kein Mensch kann einen Pinselstrich entfernen, so wenig man einen Atemzug zurücknehmen kann, oder eine Liebesgeschichte (und Henry seufzte tief), man kann nur einen anderen Kontext schaffen,<span id="more-1052"></span> einen anderen Pinselstrich, der all die Demut enthält, deren es dem ersten so mangelt, magenta, nein, nicht so laut, ja Henry hatte sich angewöhnt, beim Malen zu denken, und es war schwer, denken zu müssen, ohne zu malen, diese gottverdammte Klima-Anlage und der gottverdammte kiffende Hausmeister, Henry, dessen Gedanken trotzdem, und ohne dass sich sein Denken und sein Malen um diese Gedanken scherte, um Schroeder kreisten, er hasste diese Tourneen, die auch zu nichts führten, denn weder taten sie Schroeders Musik gut, noch ihrer Beziehung, Henry, der heute nicht wie ein Jeans-Model für die zweite Liga aussah, hoffentlich war noch etwas Mineralwasser im Kühlschrank, Henry spürte mit einem mal eine große Panik in sich aufsteigen. Es begann ganz unbestimmt, aber dann war es ein wirklicher Schmerz. Irgendwo unterhalb des Herzens.</p>
<p>Und Henry wusste was das zu bedeuten hatte!</p>
<p>Es war der Sinn der Gefahr, den alle Mitglieder der Liga der gerechten Selbstverteidiger besaßen. Immer meldete er sich unterhalb des Herzens. Immer schmerzte es. Wenn einer der Schutzbefohlenen sich in einer bedrohlichen Gefahr befand, die  mit den Mitteln gewöhnlicher Menschen nicht zu bewältigen waren. Dann begann die Verwandlung. Hätte jemand zusehen können, wie Henry M. Lewis sich in den Jayguy verwandelte, er hätte das ganze Geschehen wohl auf ein paar Sekunden taxiert. Man kennt das ja aus Superhelden-Comics, zwei panels höchstens. Aber inmitten der Verwandlung gibt es eine andere Zeit, Zeit die sich zugleich unendlich dehnt und parallelisiert, als könnte man jede einzelne Zelle spüren, in einem Augenblick und in der Ewigkeit, in der sich Säuren umwandelten und die Beziehung zwischen Kern und Umgebung dramatisch änderte, als würde die Haut eine lange Geschichte der Evolution durchmachen, blitzrasch und sehr langsam, vom kristallinen zum pflanzlichen, zum tierischen, zum menschlichen, und weit darüber hinaus, alles strafft sich, dehnt sich, verhärtet, mobilisiert, bewegt und bewegt, man kann nicht sagen: Das ist ein angenehmes Gefühl, oder: Das ist ein unangenehmes Gefühl, dazu ist es zu groß, es ist eben eine Verwandlung, und eine Verwandlung ist eine Verwandlung, man kann es nur mit dem Geborenwerden oder dem Sterben vergleichen, aber das ist kein hilfreicher Vergleich, so hätte Henry denken können, wenn er noch Henry gewesen wäre, aber da war er schon der Jayguy, in seiner roten Rüstung, mit den Krallen und Sägen, den Tentakeln und Projektilen, eine lebende Waffe, nein, etwas schlimmeres, eine lebende Art von Zorn, eine Gerechtigkeitsmaschine auf der Suche nach dem, was es zu zerstören galt, nachhaltig zu zerstören, Blut, Knochenbrechen, Gedärme, das ganze Programm, Schreien, ja Schreien wollte man die Ungerechten hören, vor Schmerz und vor Angst, und am meisten vor der Gewissheit, dass nun nichts, aber auch gar nichts mehr zu machen sei, denn der Jayguy war da, oder ein anderes Mitglied der Liga der gerechten Selbstverteidiger, gekommen um Abschaum zu beseitigen, in kleine, eklige Portionen zerlegt und zerhauen, durchlöchert, durchsiebt, zerrissen wie ein Menschenpuzzle, das der begabteste Puzzler nicht mehr zu einem ganzen Menschenbild zusammen bekommt, weil ein Mensch eben mehr ist als Teile, da fließt und schwimmt alles, da pulsiert es und ist eingebettet und arbeitet zusammen, und wenn es nicht mehr am richtigen Platz ist, dann ist es nur noch eklig, wirklich eklig (trotzdem kriegen die Leute nie genug davon), und der Jayguy öffnete das Fenster und flog davon.</p>
<p>Ein Vogel? Ein Flugzeug? Mal ehrlich, kein einziger New Yorker kümmerte sich darum. Als der Jayguy seine Flughöhe erreicht hatte (das Atmen, oder etwas in der Art, besorgte ein besonders raffiniertes Teil in seiner Rüstung, wie bei allen Mitgliedern der Liga der gerechten Selbstverteidiger) konnte er sich nach und nach auf die Koordinaten für seine zornige Mission konzentrieren: Schroeder retten!</p>
<p>Hatte man ihn nicht genügend gewarnt? Warum zum Teufel wollte er ausgerechnet ins alte Naziland zurück. Dem ein paar seiner Familie nur mit höchster Not entkommen waren, und in dem die Knochen von ein paar anderen Menschen aus seiner Familie verrotteten, die die Deutschen sich nahezu totarbeiten ließen und dann, wenn sie den Prügeln, den Krankheiten und dem Hunger lange genug getrotzt hatten, in die Gaskammern schickten? Waren die Deutschen wirklich bessere Menschen geworden? Keine Ahnung. Aber musste es ausgerechnet jemand wie Schroeder sein, das herauszufinden? Einer der keiner Fliege was zuleide tun kann, der es nicht ertragen kann, wenn jemand schreit, der noch immer in den Träumen von den Erzählungen der Großeltern gepeinigt wird?</p>
<p>Die Sensoren des Jayguy gaben Alarm. Gerade hatte er die französisch-deutsche Grenze überflogen. Er spürte Schroeders Angst und seinen unterdrückten Zorn. Er lokalisierte den Ort der Ungerechtigkeit. Der Jayguy roch den Nazischweiß. Mit einem gewaltigen Schlag zerschmetterte er die Mauer. Dann stand er vor den Ungerechten. Sie sahen aus wie aus einem alten Propagandafilm. Und auch wieder nicht. Die Skinheads mit den schwarzen Jacken und den Stiefeln. Der Jayguy verbrannte zwei von ihnen im Vorübereilen mit seinem Feueratem, einem dritten brach er das Genick. Dann stand er vor Schroeders eigentlichen Peinigern.</p>
<p>„Henry!“, rief Schroeder überglücklich.</p>
<p>„Kleinen Moment, Schroeder“, entgegnete der Jayguy. „Gleich bist du frei. Ich habe nur noch ein Wort mit diesen Gentlemen zu reden“.</p>
<p>Der erste Mann, dem der Jayguy entgegentrat, pisste sich voll. Frauen im Hintergrund kreischten hysterisch. Glas splitterte. Und dann auch Knochen. Blut spritzte. Männer flehten um ihr Leben. Andere versuchten zu fliehen. Aber der Jayguy war voller Zorn. Er vergab weder den Göttern noch den Menschen. Der Jayguy war einer für die Guten, aber er konnte selber nicht gut sein. Seine Kraft kam aus dem Geist der Rache. Und deswegen machte er einen Fehler. Bei der Verfolgung zweier Männer, deren Nazischweiß ihm besonders aufgefallen war, ließ er zwischen sich und Schroeder zuviel Raum. Und in diesem Augenblick warf sich einer der gut gekleideten Männer auf Schroeder, zog eine Handfeuerwaffe, die er Schroeder an den Kopf setzte und schrie: „Wenn du noch einen Schritt machst, du kostümierter Clown, dann ist dein kleiner Judenarsch hier tot!“</p>
<p>Der Jayguy hielt inne. Rasend vor Zorn. Nur dass sich ein Teil des Zorns jetzt auch gegen ihn selbst richtete. Wie ein Idiot hatte er sich benommen, wie ein blutiger Anfänger. Die Nazis durften nicht gewinnen. Nicht noch einmal. Doch er musste zusehen, wie der Mann ausholte, um Schroeder zu schlagen.</p>
<p>„Schau her, was ich mit deiner Judentunte mache!“, schrie der Mann in geiler Erregung.</p>
<p>Und in diesem Augenblick erwachte Henry aus seinem Traum. Genau genommen war es der Künstler namens Schroeder, der aus diesem Traum erwachte. Nicht wie man sonst aus solchen Träumen erwachte. Sondern weil ihm jemand mit ziemlicher Gewalt ins Gesicht schlug.</p>
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		<title>Charlie Brown in Mönckersheim (VI)</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 15:08:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Künstler namens Schroeder hatte Angst. Das war zwar nicht ungewohntes für ihn, aber diesmal war es entschieden zu viel. Angst war der Begleiter, ach was, der Führer im Leben Schroeders gewesen, so lange er sich zurück erinnern konnte. Angst bei den Erzählungen der Großeltern von Deutschland und den Deutschen, vom Zu-Tode-Arbeiten im Lager, dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Künstler namens Schroeder hatte Angst. Das war zwar nicht ungewohntes für ihn, aber diesmal war es entschieden zu viel. Angst war der Begleiter, ach was, der Führer im Leben Schroeders gewesen, so lange er sich zurück erinnern konnte. Angst bei den Erzählungen der Großeltern von Deutschland und den Deutschen, vom Zu-Tode-Arbeiten im Lager, dem Hunger, dem Vergasen und Verbrennen. Von der Flucht aus einer Heimat, die sich in eine Hölle verwandelt hatte. In etwas Schlimmeres als die Hölle. In etwas, was man weder Gott noch den Menschen vergeben kann. Und wofür man sich auch noch schuldig fühlen musste. Weil man es überlebt hatte und jetzt in einer schmucken amerikanischen Vorstadt lebte.</p>
<p>Schroeder hatte gelernt, sich die Angst zum Freund zu machen. Angst bei den Begegnungen mit den rüpeligen Nachbarjungen, aber genau so viel Angst vor der Mutter, die ihn vor ihnen beschützte.<span id="more-1020"></span> Angst, seine Mutter könnte ins Unermessliche wachsen (dabei war sie nur ein kleines bisschen übergewichtig) und sein Vater in seinem Sessel, in dem er abends die Zeitung las, so lang weiter in sich hinein schrumpfen, bis er irgendwann verschwunden wäre. Angst vor dem morgigen Tag in der Schule, und Angst vor den endlos langen Ferien. Angst vor den Besuchern und Angst vor der Einsamkeit. Die Angst, als seine Eltern erfahren hatten, dass ihr Sohn „andersrum“ war, und jetzt die Angst davor, Henry zu verlieren. Henry, den er mehr liebte als sich selbst, was für jemanden wie Schroeder freilich kein Kunststück war. Nur wenn er vor seinem Klavier saß, dann vergaß der Künstler namens Schroeder seine Angst. Dann konnte er frech sein, und komisch, und schon mal richtig sarkastisch. Auch gegenüber Lucie, vor der er ebenfalls Angst hatte. Sogar vor Charlie Browns Seufzen hatte er Angst. Es traf ihn irgendwo in seinem Herzen. Ziemlich weit hinten, trotzdem sehr kräftig.</p>
<p>Und jetzt hatte der Künstler namens Schroeder allen Grund zur Angst.</p>
<p>Vor ihm hockte ein gewaltiger, fetter Teutone mit rasiertem Schädel. Er hatte sich auf einen Baseballschläger gestützt und grinste ihn tückisch an. Rechts oben fehlten ihm zwei Zähne.</p>
<p>„Herzlich willkommen in der Hölle“, wiederholte er sich. Er gab sich Mühe, so viel falsche Freundlichkeit zu zeigen, wie es Mafiosi im Film tun, bevor sie zu schlagen oder zu foltern anfangen. „Mister Schroeder, ich würde Sie ja gern gleich an Ort und Stelle plattmachen. Aber leider haben Sie noch eine Verabredung.“ Jetzt ließ er das mit der Freundlichkeit: „Also hoch mit Dir, du schwule Judensau!“</p>
<p>Ein paar ebenso fette Arme, wie sie der Kerl vor ihm zeigte, griffen von hinten nach Schroeder. Offensichtlich war er von einer ganzen Gruppe dieser Höllengestalten umringt. Man zerrte ihn hoch und riss an seinen Bandagen. Der Schmerz war beträchtlich.</p>
<p>Dann band ihm einer schon wieder etwas Textiles vor die Augen. Seine Hände wurden gefesselt. Schroeder hatte für einen Augenblick die Hoffnung, er werde jeden Moment aus diesem Alptraum erwachen. Alpträume war Schroeder gewöhnt. Aber diese Hoffnung schwand mit jedem Schlag, mit jedem Stoß, mit jedem Wort seiner Peiniger. „Nur für den Fall, dass du vielleicht – ich glaub’s zwar nicht – die kommenden Stunden überleben solltest. Dann wirst du dich sehr genau erinnern, was mit dir passiert ist, aber nicht mal wissen, wo deine Hölle war“.</p>
<p>Ein Meckern antwortete diesen Worten, was wohl die teutonische Art von Lachen sein sollte. Schroeder versuchte mit all seiner verbliebenen Kraft das Bild von Henry vor diesen Schrecken in der Dunkelheit zu stellen. Henry vor seiner Staffelei. Henry mit dem bezaubernden Hintern in der fleckigen Hose, hinten hingen immer die Lappen heraus, mit denen er die Pinsel säuberte. Henry mit dem wirklichen, dem reinen Lachen. Henry mit seiner Liebe. Das Bild wollte nicht bleiben.</p>
<p>Man drängte ihn vorwärts. Immer wieder gab es einen Tritt oder einen Schlag. Bei einer Treppe stieß er sich den Knöchel. Es roch vermodert. Endlich drängte man Schroeder in ein Auto und presste ihn auf den Sitz. Er spürte, dass die Kerle ihn gern noch viel schlimmer behandelt hätten, aber irgendwas hatten sie noch mit ihm vor. Oder irgendwer hatte etwas mit ihm vor.</p>
<p>Schroeder hätte jetzt gern ein Schmerzmittel gehabt. Irgendwas, was einen wohligen Nebel um ihn verbreitete. Er war zwar nicht ganz so weggetreten, wie er sich seiner Umwelt gerne präsentierte. Er wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden. Das meiste auf dieser Welt war einfach zu viel für ihn. Vor allem konnte er es nicht ertragen, nach seiner Kunst gefragt zu werden. Oder genauer nach der von früher. Er trug auch sein Bühnen-Outfit (ihm, Schroeder, brauchte nun wirklich niemand zu sagen, wie geschmacklos und obszön das war) wie eine Rüstung. Dahinter war er nicht. Da war niemand. Schroeder war nicht zugegen, auch auf der Bühne nicht. Höchstens in ein paar, ganz raren Tönen, die er manchmal, wenn ein Stück eigentlich schon beendet war, nachtupfte. Das war wie ein Echo seiner verlorenen Kindheit, ein trotziger Rülpser seines Talents. Aber ansonsten: Schroeder war nicht anwesend. Er gehörte dieser Welt nicht an. Er musste lachen, über diesen Kerl im Flittergewand, der rührseligen Hausfrauen und unsicheren Teenagern seichte Melodien vorklimperte und dabei so wahnsinnig verträumt aussah. Seine Staubsaugervertretermusik. Sein Schwiegermutter-Schmalzfick. Schroeder selbst war dieser Typ auf der Bühne nicht einmal sympathisch.</p>
<p>Aber jetzt war Schroeder hier. Sehr, sehr anwesend. Er spürte Schmerz, er spürte Angst, er spürte Erschöpfung. Er hätte gern geschlafen. Wenn er schon nicht aus einem Alptraum erwachen konnte, so könnte er vielleicht in einem kleinen Nickerchen entkommen. Jedes mal wenn er tatsächlich einzudämmern begann, bekam der Künstler namens Schroeder einen Schlag. Nicht fest genug, um ihn ernsthaft zu verletzen. Fest genug, um weh zu tun.</p>
<p>Die Fahrt dehnte sich endlos. Den Motorengeräuschen und den Sitzen nach zu urteilen handelte es sich wohl nicht um einen Wagen, der gewöhnlich von einer Gruppe alkoholisierter Skinheads benutzt wird. Der Kerl neben Schroeder roch in der Tat nach mehrfach erbrochenem Bier. Der Gestank erzeugte ein entsetzliches Würgen. Aber Schroeder war geübt darin, sich zusammen zu nehmen, um seine überlegenen Gegner nicht zu reizen.</p>
<p>Endlich hielt das Auto, und Schroeder wurde aus dem Fond gezerrt. Dann ging es wieder eine Treppe hinauf. Eine Treppe, die offensichtlich mit einem Teppich bedeckt war. Eine ziemlich lange Treppe. Und schließlich öffnete sich eine Tür.</p>
<p>Man nahm Schroeder das Tuch von den Augen. Das Licht blendete ihn zunächst so stark, dass es schmerzte. Sehr langsam gewöhnten sich diese Augen, die das Bühnenlicht gewohnt waren (es hob ihn, den Künstler namens Schroeder, hervor, ja, aber vor allem brachte es die Welt zum Verschwinden, machte aus einem bestialischen Publikum eine sanfte Woge der Zustimmung) an die Umgebung. Es war ein großer, prunkvoller Saal. Schroeder wähnte sich in einer Art Museum. Eines dieses Schlösser, die man gesehen haben muss, wenn man in Europa ist. Ein gewaltiger Kronleuchter bildete das Zentrum, zwei weitere, kleinere derselben Art flankierten das Prachtstück. An den Wänden waren Spiegel mit goldenen Rahmen und etliche Gemälde untergebracht, die irgendwelche Kriegshelden zu Pferd und dazwischen Portraits von Männern und Frauen zeigten, die hochmütig auf das Geschehen im Saal herabschauten. Dieses Geschehen bestand in einer losen Ansammlung von Menschen in feierlicher Garderobe. Einige von ihnen hielten Sekt- oder Weingläser in der Hand. Andere waren mit einem Büffet beschäftigt. Als Schroeder hereingebracht wurde, verstummte die allgemeine Unterhaltung nach und nach. Jetzt herrschte gespannte Stille.</p>
<p>Schroeder versuchte ein letztes Mal, sich einzureden, in einem sehr, sehr sonderbaren Traum zu sein. Morgen früh würde er Charlie Brown davon erzählen. Vielleicht auch Lucie. Oder diesem komischen Kerl, den man ihnen geschickt hatte. Wie hieß er noch gleich? Kimmel. Alf Kimmel. Komischer Name. Komischer Traum.</p>
<p>Kein Traum. Aus der Menge trat ein älterer Mann im dunklen Anzug auf ihn zu. „Herr Schroeder! Schön, dass Sie es doch noch einrichten konnten, uns die Ehre ihres Besuches zu erweisen. Ich hoffe die Fahrt hierher war nicht allzu strapaziös. Meine Mitarbeiter sind ein wenig ungehobelt&#8230;“</p>
<p>Wieder dieses Meckern, das ein Lachen sein soll. Warum nur war Schroeder nach Deutschland gekommen. Und ausgerechnet nach Mönckersheim. Nie, nie wieder, hatte seine Großmutter immer gesagt. Auf deutsch. (Ihr Englisch war nie besonders gut.) Nie, nie wieder. Wenn sie jetzt ihren Enkel gesehen hätte. Und wenn sie dieses Meckerlachen gehört hätte, das sich nun im Saal ausbreitete wie Wellen nach einem Steinwurf in einen See. Wenn Sie die Augen dieses Mannes gesehen hätte. Großmutter wäre noch einmal gestorben. Zum wievielten Male in ihrem Leben?</p>
<p>Und war das letzte, was ihre Geschwister gehört hatten, ein meckerndes Lachen in dieser Art gewesen? Das teutonische Mörderlachen?</p>
<p>„Wissen Sie, Herr Schroeder, dass ich ein ganz alter Freund Ihrer Familie bin? Ach, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Wo bleiben nur meine Manieren.“ Der Mann löste sich aus seiner Gruppe und trat auf den Künstler namens Schroeder zu. Das Meckerlachen war wie auf Befehl verstummt.</p>
<p>Als der Mann seinen Namen nannte, erstarrte Schroeder. Da war etwas, was stärker war als seine Angst. Es war Zorn. Heiliger Zorn.</p>
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		<title>Charlie Brown in Mönckersheim (V)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2010/12/22/charlie-brown-in-monckersheim-v/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Dec 2010 08:08:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[ KAUM ERWARTET! NIE GEWÜNSCHT. Endlich die Fortsetzung der Charlie Brown-Saga!

Der Wäscheschacht war nun entweder wirklich überaus tief, oder aber der Künstler genannt Schroeder fiel ihn sehr langsam hinunter, denn er konnte sich während des Sturzes in aller Ruhe umsehen und überlegen, was mit ihm jetzt wohl geschehen würde. Als erstes spähte er in die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="color: #800000;"> </span><span style="font-family: Verdana,Helvetica,Arial;"><span style="font-size: 12px;"><span style="color: #800000;">KAUM ERWARTET! NIE GEWÜNSCHT. Endlich die Fortsetzung der Charlie Brown-Saga!</span><br />
</span></span></p>
<p>Der Wäscheschacht war nun entweder wirklich überaus tief, oder aber der Künstler genannt Schroeder fiel ihn sehr langsam hinunter, denn er konnte sich während des Sturzes in aller Ruhe umsehen und überlegen, was mit ihm jetzt wohl geschehen würde. Als erstes spähte er in die Tiefe hinab, um zu erkennen, was ihm dort bevorstand, aber es war vor lauter Wäsche so dunkel, dass man nichts sehen konnte; dann betrachtete er die Seitenwände des Wäscheschachts und bemerkte, dass sie aus lauter Notenregalen und Wandschränken bestanden; hie und da sah er auch Landkarten und Bilder an Haken hängen: Milwaukee, Mönckersheim, Namibia&#8230; Cowboys, Indianer, Dinosaurier, Nazis. Aus einem der Regale nahm er im Vorbeisausen ein Töpfchen mit; es trug ein Etikett mit der Aufschrift „Zauerkraut“, aber zu seiner großen Enttäuschung war es leer.<span id="more-955"></span> Einfach loslassen wollte er es nicht, denn dann fiel es womöglich jemand auf den Kopf; aber dafür konnte er es rasch in einen Schrank zurückstellen, an dem er gerade vorbeistürzte. „Also wirklich!“ dachte der Künstler namens Schroeder bei sich, „nach einem solchen Sturz macht es mir bestimmt nichts mehr aus, wenn ich einmal die Bühnentreppe hinunterfalle. Da werden mich Lucy und Charlie aber für tapfer halten! Sogar nach einem Sturz ins Publikum würde ich jetzt nicht einmal mehr Mucks sagen!“</p>
<p>(Und da hatte er wahrscheinlich recht!)</p>
<p>Hinab, hinab, hinab. Wollte das denn nie ein Ende nehmen? „Wie viele Meilen ich wohl schon gefallen bin?“ sagte er laut. „Weit kann es nicht mehr sein zum Erdmittelpunkt. Das wären dann, ja: sechstausend Kilometer wären das, ungefähr wenigstens -“ (denn, wohlgemerkt, Schroeder hatte mancherlei Dinge dieser Art in der Schule lernen müssen, und wenn dies auch keine sehr gute Gelegenheit war, sein Wissen anzubringen, weil ihm nämlich keiner zuhörte, so war es doch eine gute Übung) „-ja, das dürfte wohl die richtige Entfernung sein – aber dann möchte ich doch gerne wissen, welchen Längengrad ich wohl inzwischen habe und welchen Breitengrad?“ (Was ein Längen- und ein Breitengrad war, davon hatte der Künstler namens Schroeder keine Ahnung mehr, aber zum Hersagen während des Falls waren es schön lange und gebildete Wörter.)</p>
<p>Sogleich sprach Schroeder weiter: „Es kann natürlich sein, dass ich durch die Erde einfach hindurchfalle! Das kann ja lustig werden, wenn ich bei den Menschen herauskomme, die mit dem Kopf nach unten laufen. Die ‚Antipathen’ sagt man, glaube ich –„ (und diesmal war er recht froh, dass ihm wirklich keiner zuhörte, denn das Wort klang ganz und gar nicht richtig) „- aber ich werde mich erkundigen müssen, in welchem Land ich bin, darum komme ich nicht herum. Bitte liebe Dame, können Sie mir sagen, ob hier Neuseeland oder Australien ist?“ (Und bei diesen Worten versuchte er eine Verbeugung zu machen – ein <em>Verbeugung</em>, wenn man durch die Luft saust! Glauben Sie, Sie brächten so etwas fertig?) „Die werden mich dann aber für einen schön dummen Kerl halten! Nein, das geht nicht an, dass ich mich erkundige; vielleicht steht es irgendwo angeschrieben.“</p>
<p>Hinab, hinab, hinab. Etwas anderes gab es ja nicht zu tun, und also fing Schroeder bald wieder zu reden an: „Barbie wird mich heute abend sehr vermissen, möchte ich meinen!“ (Barbie, so hieß Schroeders Katze.) „Hoffentlich denkt auch jemand an ihr Milchschüsselchen beim Nachmittagstee. Barbie, liebe Katze, ich wollte, du wärst unten bei mir! Mäuse sind hier im Schacht zwar keine, aber vielleicht fingst du eine Fledermaus, das ist ja schließlich auch eine Art Maus. Die könntest du dann atzen – ich meine, sie könnte dich – also wie sagt man? Dass Katzen Fledermäuse atzen?“ Und darüber wurde Schroeder auf einmal ganz schläfrig und sagte auf eine veträumte Weise vor sich hin: „Dass Katzen Fledermäuse atzen? Dass Fledermäuse Katzen atzen?“ und manchmal auch: „Dass Flederkatzen Mäuse atzen?“, denn weil er die Antwort ja in keinem Fall wusste, müssen Sie verstehen, war es auch ganz gleich, wie herum er fragte. Er merkte gerade noch, wie er einschlief, und hatte eben angefangen, von Barbie zu träumen, wie er mit ihr Hand in Hand spazierenging und feierlich fragte: „Also, Barbie, Hand aufs Herz: Wie stehst du zu Fledermäusen?“, da fiel er plötzlich sprash!gnarrl! in einen Haufen schmutziger Wäsche, und sein Sturz war zu Ende.</p>
<p>Ein schwarz gekleideter Mann beugte sich über den Künstler namens Schroeder und sagte auf deutsch: „Willkommen in der Hölle!“</p>
<p>„Ein Antipath!“, dachte Schroeder noch, bevor er ohnmächtig wurde.</p>
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		<title>Charlie Brown in Mönckersheim (IV)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2010/03/24/charlie-brown-in-monckersheim-iv/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Mar 2010 11:03:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Als der Künstler, genannt Schroeder, in dieser Nacht aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Mumienwesen verwandelt. Er lag auf seinem von Laken und Tüchern umwickelten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten Bauch mit den gefesselten Händen, auf deren Höhe sich die Bettdecke, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als der Künstler, genannt Schroeder, in dieser Nacht aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Mumienwesen verwandelt. Er lag auf seinem von Laken und Tüchern umwickelten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten Bauch mit den gefesselten Händen,<span id="more-619"></span> auf deren Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine ebenfalls aneinander gebundenen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen.</p>
<p>„Was ist mit mir geschehen?“ dachte er. Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges nur etwas zu kleines Hotelzimmer, lag ruhig zwischen den typischen Hotelzimmerwänden. Über dem Tisch, auf dem der Spezialkoffer mit seinem Kindheitsklavier stand, hing das Plakat, das seinen Auftritt in Mönckersheim ankündigte. Es zeigte Schroeder selbst mit einer Glitzerjacke und Pelzboa, vor dem Piano, hinter dem seine ganzen Unterarme verschwunden waren.</p>
<p>„Es ist kein Traum“, wiederholte Schroeder sich. Sein Blick richtete sich zum Fenster, und das trübe Dunkel – man hörte Regentropfen auf das Fensterplastik schlagen – machte ihn ganz melancholisch. „Wie wäre es, wenn ich noch etwas weiterschliefe, und all den Unsinn hier vergäße“, dachte er, aber das war gänzlich undurchführbar, denn er war gewöhnt auf der rechten Seite zu schlafen, konnte sich aber in seinem gegenwärtigen Zustand nicht in diese Lage bringen. Mit welcher Kraft er sich auch auf die rechte Seite warf, immer wieder schaukelte er in die Rückenlage zurück. Er versuchte es wohl hundertmal, schloss die Augen, um die hilflos ruckenden Beine nicht sehen zu müssen, und ließ erst ab, als er in der Seite einen noch nie gefühlten, leichten, dumpfen Schmerz zu fühlen begann.</p>
<p>„Ach Gott“, dachte er, „was für einen anstrengenden Beruf habe ich gewählt! Tag aus, Tag ein auf der Reise. Die Anstrengungen auf Tournee sind viel größer als das Aufnehmen zu Hause, und außerdem ist mir noch die Plage der Flugreise auferlegt, das ewige Check-In, das unregelmäßige, schlechte Essen, ein immer wechselnder, nie andauernder, nie herzlich werdender menschlicher Verkehr. Der Teufel soll das alles holen!“ Er fühlte ein leichtes Jucken oben auf dem Bauch; schob sich auf dem Rücken langsam näher zum Bettpfosten, um den Kopf besser heben zu können; fand die juckende Stelle, die mit einem gepunkteten Tuch umwickelt war, das er nicht zu beurteilen verstand; und wollte mit den aneinander gefesselten Armen die Stelle betasten, doch bei der Berührung umwehten ihn Kälteschauer. Unter den Schichten von Laken und Tüchern war der Künstler genannt Schroeder nackt.</p>
<p>Er glitt wieder in seine frühere Lage zurück. „Dieses frühzeitige Aufstehen“, dachte er, „macht einen ganz blödsinnig. Der Mensch muss seinen Schlaf haben. Andere Tourneekünstler leben wie Haremsfrauen. Wenn ich zum Beispiel im Lauf des Vormittags ins Hotelrestaurant gehe, um die Verträge zu unterzeichnen, sitzen die Herren Konzertmanager noch beim Frühstück. Das sollte ich mal versuchen, Charlie Brown würde mir was vorjammern, von wegen Künstlerdisziplin. Wie leicht ist so ein Vertrag geplatzt. Wer weiß übrigens, ob das nicht gut für mich wäre. Wenn ich mich nicht wegen Charlie und Lucie zurückhielte, ich hätte längst das Herumreisen aufgegeben. Vor den Produzenten wäre ich hingetreten und hätte ihm meine Meinung von Grund des Herzens aus gesagt. Vom Mischpult hätte er fallen müssen! Es ist auch eine sonderbare Art, sich auf das Mischpult zu setzen und von der Höhe herab mit dem Musiker zu reden, der überdies wegen der Schwerhörigkeit des Chefs ganz nahe herantreten muss. Well, die Hoffnung ist noch nicht gänzlich aufgegeben; habe ich einmal das Geld beisammen, um unsere Schulden an das Label abzuzahlen – es dürfte noch fünf bis sechs Jahre dauern – mache ich die Sache unbedingt. Dann wird der große Schnitt gemacht. Vorläufig muss ich aufstehen, der Soundcheck muss gemacht werden“.</p>
<p>Und Schroeder sah zur Weckuhr hinüber, die auf dem Kasten tickte. „Himmlischer Vater!“ dachte er. Es war halb zwei Uhr, und die Zeiger gingen ruhig vorwärts, es war sogar halb vorüber, es näherte sich schon dreiviertel. Es war Zeit für eine Pille, oder zwei. Wieso hatte der Wecker nicht geläutet, sein ganz spezieller Pillenwecker? Man sah vom Bett aus, dass er auf ein Uhr richtig eingestellt war. Gewiss hatte er auch geläutet. Ja, aber war es möglich, dieses möbelerschütternde Läuten ruhig zu verschlafen? Well, ruhig hatte er ja nicht geschlafen, aber wahrscheinlich desto fester. Was aber sollte er jetzt tun? Der Künstler, genannt Schroeder, brauchte eine Pille, oder auch zwei.</p>
<p>Und dann öffnete sich die Hotelzimmertür. Zwei weiß gekleidete Gestalten traten rasch ein. Reinigungskräfte, dachte Schroeder, und wollte sie gerade um Hilfe bitten, ihn aus der misslichen Lage zu befreien, in der er sich befand, und die ihm recht eigentlich jetzt erst zu Bewusstsein kam. Aber kaum wollte er zu sprechen beginnen, da hatten sie ihn auch schon gepackt. Einer von ihnen klebte ihm einen Streifen Klebeband über den Mund. Sehr schnell setzten Atembeschwerden ein, der Künstler, genannt Schroeder, geriet in Panik. Kräftige Hände packten ihn, als wäre er tatsächlich nichts anderes als ein Wäschebündel. Der eine warf sich das über den Rücken, der andere öffnete zuerst die Tür, dann, ein Stück den Gang hinunter, eine Klappe in der Wand. Die Wäscheklappe, dachte Schroeder. Und dann fiel er. Er fiel sehr lange.</p>
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		<title>Charlie Brown in Mönckersheim (III)</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Mar 2010 12:32:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Kurz nach eins haben Kimmel und Charlie Brown Lucy dann endlich nach oben befördern können. Sie war sturzbetrunken. Aber eben in der Art, Sie wissen schon, wie jemand, der es einfach drauf hat, betrunken zu sein. Charlie seufzte noch ein paar mal, während er tapfer den Anschein wahrte, als wäre alles in bester Ordnung. Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kurz nach eins haben Kimmel und Charlie Brown Lucy dann endlich nach oben befördern können. Sie war sturzbetrunken. Aber eben in der Art, Sie wissen schon, wie jemand, der es einfach drauf hat, betrunken zu sein. Charlie seufzte noch ein paar mal, während er tapfer den Anschein wahrte, als wäre alles in bester Ordnung. Und dann ist der Kimmel nach Hause gegangen. Ich meine, wirklich, er ist gegangen, denn die Limousine hatten sie in der Zwischenzeit schon wieder abgeholt. Der Spaziergang machte ihm jedenfalls wieder einen einigermaßen klaren Kopf. Nicht, dass er sich an Lucy Browns alkoholischem Extremsport beteiligt hätte, aber das endlose Gefasel, der kurze Blick in ein reichlich verkorkstes Leben und der ganze lange Tage machten dem Kimmel doch zu schaffen.<span id="more-598"></span> Er war einfach nur müde.</p>
<p>Aber als er gesehen hat, dass im „Schwanen“ noch Licht war, da hat sich der Kimmel doch entschlossen, noch auf ein Abend-Bier herein zu schauen. Da hab’ ich ihn getroffen, und er hat mir die ganze Geschichte erzählt. Natürlich haben wir nicht wissen können, wie sie in der Zwischenzeit weiter gegangen ist.</p>
<p>Charlie und Lucy waren noch nicht fertig miteinander, an diesem Abend. Den ganzen Tag hatte sie gekeift und er hatte geseufzt. Jetzt war es umgekehrt. Charlie redete und redete, und Lucy hätte am liebsten nur geschlafen und geträumt von einem Haus in Beverly Hills und wie sie nach einer kosmetischen Operation aussehen würde, aber da war nichts zu machen, und darum hat sie dann den Spiegel zertrümmert, und das Hotelpersonal war ziemlich in Aufregung, und keiner glaubte an einen Unfall, nur von Schroeder hörte man nichts.</p>
<p>Kimmel hat sich im „Schwanen“ zu mir gesetzt, obschon ich sagen muss, besonders begeistert hat er nicht ausgesehen. Und der Wirt war auch nicht begeistert, weil er hat sich schon auf den Feiertag gefreut. Und als erstes hat der Kimmel Geld in die alte Jukebox gegeben, die hat der Schwanen noch, eigentlich spielt nur der Kimmel damit. Weil der Wirt hat auch Radio, das ist umsonst. Und dann ist es losgegangen.</p>
<p>Twääängelding,dääng, tui,tuuui, twängel diäääh.</p>
<p>Weil der Kimmel ist auf Jimi Hendrix gestanden. Und so ein Zeug.</p>
<p>Duiiidel, duidel, duuuuidel, didadeldeeeeeeei.</p>
<p>Wie das Stück dann aus war (der Hendrix, der mag manchmal einfach nicht zum Schluss kommen, wo er doch schon so laut anfängt), hat der Kimmel mir also die Sache erzählt. Und wir haben immer noch lauter reden müssen als gewöhnlich, wegen dem Jimi Hendrix, den hat man dann noch in den Ohren. So Doiiidldiaatweeet, Sie wissen schon.</p>
<p>Duideldadadatwiettwiettwiet.</p>
<p>Man kriegt es nicht mehr los!</p>
<p>Und ich habe es ihm gleich gesagt. Das mit den Nazis und der Türkenmafia und den Hell’s Angels. Dass die nämlich unsere Stadt längst im Griff haben, jeder hat sein Revier. Jeder lässt die anderen machen, solange die ihnen nicht ins Gehege kommen. Die Polizei weiß das natürlich, und die hält sich so lang es geht heraus. Und unser Bürgermeister, der weiß das auch. Neonazis? Bei uns nicht, die kommen woanders her. Türkenmafia? Ja mei, die gibt es überall, und die bleiben nur so unter sich. Die machen das islamistisch, mit Ehrenmorden und Krummdolchen, was weiß ich. Und die Hell’s Angels? Die gibt’s in Hamburg oder in Düsseldorf, aber doch nicht in Mönckersheim. Die fünf Diskotheken, die wir hier haben. Wenn was vorkommt, sagt der Bürgermeister, dann kommt das immer von auswärts.</p>
<p>Aber ich glaube, sage ich dem Kimmel, eigentlich gibt es schon lange keine staatliche Macht mehr. Und der Bürgermeister, der hat im Privatberuf ein Baugeschäft. Und sein Schwiegersohn ist Rechtsanwalt, und auch in der Partei. Praktischerweise in der anderen. Was glaubst du, frage ich den Kimmel, wer das in der Neuberghausener Straße war, und wem das alles gehört, und wer da gearbeitet hat. Waren das vielleicht deutsche Arbeiter mit ordentlichen Papieren und Krankenversicherung und alles? Und wer hat geschaut, dass alle gespurt haben? Das haben sie sich wieder geteilt, die Neonazis, die Türkenmafia und die Hell’s Angels. Und die anderen gibt’s ja auch noch, die bei den Pizzerien abkassieren, und die die Auftragsmorde machen, und die mit den Drogen.</p>
<p>Der Kimmel hat nur mit einem Ohr zugehört, aber das eine Ohr hat gereicht, damit er nicht wieder zu der Jukebox gegangen ist, zu seinem Jimi Hendrix. Ich meine, ich habe überhaupt nichts gegen Musik. Aber so</p>
<p>Dwoidwoidwoididdeldaaadidelduiii.</p>
<p>Ich weiß nicht. Und ich sage dem Kimmel (aber der hört, wie gesagt, gar nicht richtig hin), wie das ist mit den Parteien in dieser Stadt. Also zuerst müssen die schauen, dass sie selber zu ihrem Geld kommen. Haben Sie das gehört, mit dem Ding, dem Rüttgers, oder war das der Sekt, der da 6000 Euro verlangt, nur damit ein Schmiergeldzahler erst einmal überhaupt fragen darf, ob er ein Schmiergeld zahlen darf? Bei uns machen die das eben gleich mit dem Sekt, ich meine die treffen sich in den Ratsstuben, und dann gehen sie in die Miami Bar, und wer passt auf, auf die Miami Bar? Eben. Und da machen die Parteien das unter sich aus, eigentlich genau wie die Neonazis, die Türkenmafia und die Hell’s Angels. Jetzt kommen aber noch die Russen, aber das ist eine andere Geschichte. Ich sage dem Kimmel, auch wenn er nur mit einem, oder vielleicht sogar nur mit einem halben Ohr zuhört, dass es eigentlich gar nicht mehr um Parteien, sondern nur um Bauaufträge geht. Und die Parteien, verstehen Sie, die machen das mit Leitanträgen. Also wenn die kleinen Leute in der Partei irgend etwas wollen oder eben etwas nicht wollen, dann kommen die mit einem Leitantrag daher. Genau weiß ich das auch nicht, wie das geht, auf jeden Fall geht dann immer nur das eine, wenn auch das andere geht.</p>
<p>Und schau dir unsere Heimatzeitung an, sage ich zum Kimmel. Was steht da drin? Wie super jetzt die Neuberghausener Straße aussieht (für mich sieht die einfach scheiße aus, aber um Geschmacksfragen geht’s ja jetzt nicht). Und dann Bürgermeister-Empfang. Und Sport vor Ort. Und noch ein Bürgermeister-Empfang. Und da eine Auszeichnung für einen verdienten Bürger. Hast du da je schon mal was davon gelesen, warum unser Fluss so dreckig ist? Richtig giftig. Dass die Frau, die sich aus dem Fenster hat fallen lassen, keine Familientragödie war, sondern weil sie ihr einfach die Miete nicht mehr bezahlt haben, und entlassen, und zwei kleine Kinder und alles. Und die toten Bauarbeiter in der Neuberghausener Straße? Das waren, heißt man es dann, verfeindete Gruppen.</p>
<p>Dann habe ich noch ein Bier bestellt. Obwohl der Kimmel, der war schon halb am Einschlafen. Ich weiß gar nicht, ob er folgendes noch mitgekriegt hat:</p>
<p>Also passen wenigstens Sie auf. Der Kulturdezernent, als der jetzige, der wollte früher selber Bürgermeister werden. Der hatte auch gute Chancen, so von der Partei her und von der Wirtschaft. Müller heißt er. Ja, einfach Müller. Und dann kam diese Geschichte. Der Tote in der Schwulenbar. Erinnern Sie sich? Furchtbar zugerichtet, der arme Kerl. Oder auch wieder hergerichtet, wie man es nimmt. Hingerichtet, hätte der Stoiber gesagt. Aber da sollte man jetzt eigentlich keine Witze machen. Denn erst haben sie ihn mit ich weiß nicht was allem zerschnitten, zerstochen, durchstoßen und zerschlagen. Und dann haben sie ihn wieder fein gemacht, angezogen und geschminkt und alles. Und so haben sie ihn in den Vorraum gelegt. Aufgebart. Oder wie ein Kunstwerk ausgestellt.</p>
<p>Apropos Kunst. Das war auch ein Künstler. Das hat der Kimmel natürlich gewusst, und da ist mir aufgefallen, dass er doch nicht ganz eingeschlafen war. Im Gegenteil. Das kann man beim Kimmel nie wissen, ob er schläft oder im Gegenteil hell wach ist. Jetzt war es das Gegenteil.</p>
<p>Jedenfalls, der Müller, obwohl er wahrscheinlich nichts mit dem Mord zu tun gehabt hat, jedenfalls ist da nichts aufgekommen, der Müller war, einfach wegen dem Aufenthaltsort, erst einmal weg vom Fenster. Ja, da glaubt man immer, dass wir jetzt so tolerant sind. Schwuler Außenminister und so. Aber was glaubst, wir sind hier in Mönckerhseim. Da gibt es vielleicht Neonazis, Türkenmafia und Hell’s Angels, aber sonst hat unsere Toleranz Grenzen.</p>
<p>Und vor einem Monat, oder waren es zwei, dass ich nichts Falsches sage, da haben sie den Müller dann aus der Versenkung geholt, weil der alte Kulturdezernent ist in Ruhestand gegangen und es war gerade nicht Wahl. Und eines der ersten Sachen, die er angeleiert hat, noch immer so ein bisschen im Hintergrund, war es, diesen Künstler namens Schroeder einzuladen, den halt, den der Kimmel jetzt an der Backe gehabt hat. Eigentlich hat es gar nicht zu Mönckersheim gepasst, da wäre Rammstein besser gewesen, für die Nazis, oder Motorhead für die Hell’s Angels oder Tarkan für die Türken oder Peter Maffay oder Volksmusik für den Rest. Dass es der Schroeder hat sein müssen, da kann ich mir nur persönliche Gründe vorstellen.</p>
<p>Das hat der Kimmel ja schon gewusst, dass die Familie vom Schroeder aus Mönckersheim gekommen ist. Großmutter oder was. Die haben die Nazis dann, also die echten. Zum Teil. Die anderen sind gerade noch davon gekommen.</p>
<p>Und die Schroeders haben damals ja diese Rahmen-Fabrik gehabt, für die Künstler, damals haben ja alle Bilder noch einen Rahmen gehabt, so aus Gold und mit Verzierungen. Manchmal war da der Rahmen wichtiger als das Bild. Da hat man gutes Geld verdient. Und neben der Rahmen-Fabrik, das war ja auch irgendwie logisch, haben die Schroeders auch einen Kunsthandel gehabt. Und wie es der Teufel will, hat die Familie vom Mueller, also von dem Kulturdezernenten, die Rahmen-Fabrik und den Kunsthandel übernommen. Arisierung hat man das geheißen.</p>
<p>Jetzt hat es dann schon lange so ein Hin und Her gegeben. Von wegen Rückgabe und Entschädigung. Aber das meiste war ja auch im Krieg verloren. Und die Mönckersheimer fanden das auch nicht gut. Einmal muss doch Schluss sein mit der Vergangenheit, und da sieht man es wieder, die Juden wollen immer nur Geld. Das Übliche halt.</p>
<p>Der Müller aber hat das ganz schlau gemacht, anders als das in der Schwulenbar, das war natürlich dumm. Er hat immer gesagt, dass er sich seiner Verantwortung bewusst ist, und dass er sich ganz bestimmt nicht bereichern wollte, dass es aber um die Kunst geht. Und hinten herum haben die Rechtsanwälte verhandelt, mein lieber Schwan.</p>
<p>Jetzt also, wenn der Schroeder hier in Mönckersheim ein Konzert gibt, und wenn er sich da gleich ein paar Tage dafür nimmt, so Besuch in der alten Heimat, versteh’st, dann hat das bestimmt einen Zusammenhang. Dass er sich auch beim Kimmel eine Kunst hat anschauen wollen, das kann ja sein. Aber da ist etwas ganz anderes dahinter gesteckt.</p>
<p>Und wie das alles noch zusammen hängt, das wollte ich dem Kimmel gerade erzählen. Und da hat sein Handy getan. So</p>
<p>Twängdiddeldiddeldüoi.</p>
<p>Weil auch dem Kimmel sein Handy hat Jimi Hendrix gespielt.</p>
<p>Und dann hat der Kimmel das Handy an sein Ohr gehalten. Und er hat zugehört. Und dann ist der Kimmel ganz blass geworden.</p>
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		<title>Charlie Brown in Mönckersheim (II)</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 07:24:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Kriminalroman in unregelmäßigen Fortsetzungen
2
Also, das muss schon ein Anblick gewesen sein, für den Kimmel, mein lieber Schwan. Lucy Brown, aufgedonnert wie geht nicht mehr, keift herum, Charles Brown, den nennen sie aber nur Charlie, versucht sie dauernd zu beruhigen. Und hinter ihnen drei, der Schroeder, so eine Art Elton John, aber nicht so gesund, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein Kriminalroman in unregelmäßigen Fortsetzungen</em></p>
<p style="text-align: center;">2</p>
<p style="text-align: left;">Also, das muss schon ein Anblick gewesen sein, für den Kimmel, mein lieber Schwan. Lucy Brown, aufgedonnert wie geht nicht mehr, keift herum, Charles Brown, den nennen sie aber nur Charlie, versucht sie dauernd zu beruhigen. Und hinter ihnen drei, der Schroeder, so eine Art Elton John, aber nicht so gesund, ziemlich weggetreten. So sind sie aus dem Flugzeug gestiegen.</p>
<p style="text-align: left;">„Lucy, Dear&#8230;“<span id="more-534"></span></p>
<p>„Don’t you dare dear me. Shut fuckin’ up, you lousy son of a loser.“</p>
<p>Charlie Brown hat sich an Kimmel gewandt, der ist nämlich damit beauftragt worden, den großen Künstler namens „Schroeder“ vom Flugzeug abzuholen und mit einer gemieteten Limousine zu uns in die Stadt und zum Hotel zu bringen. Vielleicht hat der Kimmel jetzt nicht so gut ausgeschaut, er macht sich halt nicht so viel aus teuren Anzügen. Bei der Stadt aber hat man schon gedacht, dass was passieren könnte. Sie wollten keine Polizisten schicken, deswegen der Kimmel. Weil in der Stadt hat man schon die Plakate für den Auftritt von Schroeder, der spiel Klavier, wissen Sie ja, im Stadtsaal, überall beschmiert. „Schwule Sau“ und „Judenarsch“ und so. Unser Bürgermeister sagt immer, wir haben keine Neonazis. Immer wenn ein Bürgermeister sagt, dass eine Stadt keine Neonazis hat, dann haben sie schon die halbe Stadt. Und wenn sie dann die ganze Stadt haben, dann sagt der Bürgermeister immer noch, es gibt sie nicht bei uns. Also der Charlie Brown hat sich dem Kimmel gegenüber zu entschuldigen versucht.</p>
<p>„Sie mussten versteh meine Frau ist nicht gut gewohnt das lange Fliegen und Flugzeug sitzen. Und sie geben ihr immer zu trinken.“</p>
<p>„What the fuck are you fuckin’ talking about?“</p>
<p>„Just explain&#8230; Herr Schroeder ist sehr erfreut zu wieder sehen die Heimat seiner Familie. Sie wissen, die Großmutter von Herrn Schroeder ist geboren in Mönckersheim. Und hat gesprochen auch in America immer nur deutsh. So Herr Schroeder spricht sehr gutes Deutsh. Währenddessen mein deutsh ist nix so gut. Aber ich habe gelernt auch in die Familie Schroeder und später in die Army“.</p>
<p>„The Army? That fucking drug suckling troup of losers on their way to mass destruction&#8230;“</p>
<p>Charlie Brown hat einen tiefen Seufzer getan.</p>
<p>„So als Manager von Herr Schroeder.. Darling, would you please mind and stopp smoking that Zigarillo on a german airport; it’s not allowed also over here&#8230; Manager von Herr Schroeder möchte ich mich bedanken, dass Sie uns geben eine Fahrt nach Mönckersheim, Herr&#8230; Kimmel?“</p>
<p>„Kimmel. Als Kimmel. Ja, dann: Auf nach Mönckersheim.“</p>
<p>Der Kimmel war ein bisschen angefressen, das muss ich schon sagen.</p>
<p>„What sort of a crazy fucking name for a town ist that: Mongershime. It even has no website. No celebrity. No stars, no bankers, no ruins. No King Ludwig. No Oktoberfest. Nothing. We’re stranded in the middle of nowhere. A german nowhere, that is.“</p>
<p>Der Charlie Brown hat wieder einen tiefen Seufzer gemacht. „Ich muss auch beten um Verzeihung, weil Herr Schroeder nicht gut sprechen jetzt. Denn hat genommen, wie man sagt, sort of sleeping pills. Um zu beruhigen vor die Angst vor Fliegen. In die States wir touren deshalb immer mit Zug. Please, Schroeder, would you come over an say Hello to Herr Kimmel“.</p>
<p>Der Schroeder hat einmal ein bisschen die Augen aufgemacht, vielleicht war das seine Art von Gruß. Aber sonst hat er während der ganzen seltsamen Begrüßungsszene keine Mine verzogen, und gesagt hat er schon gar nichts. Auch der Kimmel hat nicht viel geredet. Der Schroeder, das muss ich Ihnen noch erzählen, der hat als begabter Konzert-Pianist begonnen. Aber irgendwie hat er nicht den Sprung an die echte Spitze geschafft. Irgendwas fehlt ihm zum musikalischen Genie, und es gibt niemanden auf der Welt, der das so genau weiß, wie Schroeder selbst. Vielleicht schaut er deshalb aus wie jemand, der gerade das Liebste verloren hat, was es für ihn auf der Welt gibt. Dann hat er sich darauf verlegt, Klassik und Pop zu spielen, im Glitzeranzug und mit Streichern im Hintergrund. Und viel Playback. Damit hatte er zwar Erfolg, aber er ist auch immer unglücklicher geworden. „Sleeping Pills“. Dass ich nicht lache. „Um zu beruhigen vor die Angst vor Fliegen“. Wenn Sie mich fragen, der sensible Künstler ist ein Drogenwrack.</p>
<p>Schroeder jedenfalls kümmerte sich um gar nichts. Das einzige, was ihn wirklich zu interessieren schien, das war ein kleines Kinderklavier, das er in einem speziellen Koffer mit sich herumtrug. Das hat er nie aus den Augen verloren. Er hat dann später sogar im Hotelzimmer drauf gespielt. Es war leise genug, dass sich niemand beschwert hat. Es war sein Heiligtum, oder so was.</p>
<p>Der Kimmel hat die drei also in der gemieteten Limousine nach Mönckersheim gefahren. Immerhin eine gute Stunde Fahrtzeit. Mönckersheim hat ja keinen eigenen Flugplatz, aber das wissen Sie ja. Der Kimmel hatte sich dazu bereit erklärt, denn nach der Besichtigung der Stadt seiner Ahnen und nach zwei Konzerten, die er im Stadtsaal geben sollte, ausverkauft waren sie übrigens nicht, beabsichtigte Herr Schroeder beim Kimmel die Bilder eines Malers anzusehen, von dem er in New Yrok gehört hatte, und den der Kimmel seit einem Jahr in seiner Galerie vertreten hat. Durshand. Schon mal gehört? Expressive Remix, hat der Kimmel einmal gesagt. Mir soll es recht sein. Ich glaube, von dem Durshand werden Sie schon noch was hören.</p>
<p>Also, der Kimmel hat gute Gründe gehabt, sich um die Gäste zu kümmern. Auch wenn er sich die Sache wahrscheinlich leichter vorgestellt hatte. Was die Fahrt anbelangt, gab’s jedenfalls nicht viel Abwechslung. Lucy Brown hat geflucht und sich beschwert, wieder mit viel „fucking“ und „loser“, Charlie Brown hat geseufzt, hat versucht, sie zu beruhigen und gleichzeitig ein bisschen höfliche Konversation zu machen.</p>
<p>„Oh, da sind ja die Plakate von Schroeder. Very Good. Sehr schön. But&#8230; wait a minute! What’s that? What a fershluggener&#8230;Svastica! Ein, wie heißt? Hakenkreuz. Da noch eines! Was soll das heißen, Herr Kimmel?</p>
<p>Dem Kimmel war das verdammt peinlich. Aber er hat zugeben müssen, dass es auch im verschlafenen Mönckersheim mehr als eine Bande von Neonazis gibt, eine „Kameradschaft“, wie die das nennen, und sogar einen Nazi-Abgeordneten im Stadtrat haben wir auch. Von den Skinhead-Saufköpfen ganz zu schweigen. Solche Schmierereien sind hier an der Tagesordnung. Erst jetzt ist dem Kimmel aufgefallen, dass sich hier bei uns schon lange niemand mehr groß darüber aufregt. Und jetzt hat er sogar übersetzen müssen, was „schwule Sau“ und „Judenschwein“ auf englisch heißt. Und „Beethoven bleibt doitsch“. Charles und Lucy Brown waren reichlich blass geworden, der Schroeder war aber immer noch mehr oder weniger weggetreten.</p>
<p>„I Don’t get it. The same old Nazi Shit. Why should we come here? Why?“</p>
<p>„Lucy, please&#8230; Es ist in der Tat ein wenig schwierig zu verstehen, Herr Kimmel. Wir haben gedacht an Freiheit und Demokratie, und jetzt, wo es gibt keine Kommunisten mehr&#8230;“</p>
<p>Ich glaube nicht, dass der Kimmel versucht hat, den beiden zu erklären, wie es bei uns zugeht, er hat es ja selber nie so recht verstanden. Der Rest der Fahrt verlief, wie man so sagt, in Totenstille. Nur ab und zu war ein Seufzer von Charlie und ein leises „Fuck! Fuck! Fuck!“ von Lucy zu hören. Und Schroeder schwieg so beharrlich, dass Kimmel sich ab und an durch einen Blick in den Rückspiegel vergewisserte, dass er noch am Leben war. Beim Hotel brachte er es zu einem kleinen Sturz vor der Drehtür, und weil das niemanden weiter zu interessieren schien, legte Lucy Brown wieder los.</p>
<p>„Do you fuckin’ know how to behave with a great artist like that? Where are the flowers? Where ist the fucking press? Where can I get me a drink“.</p>
<p>„Lucy&#8230;“</p>
<p>„What the fuck do you Lucy me? I wanna get me a drink, and I want it fucking now“.</p>
<p>„Herr Schroeder möchte gehen in seine Zimmer gleich und ausruhen für morgige Tag. Aber meine Frau, äh, sie möchte&#8230;“</p>
<p>„Ja kommen Sie, ist mir ein Vergnügen“.</p>
<p>Das war eine faustdicke Lüge vom Kimmel.</p>
<p>„Wir können in die Hotelbar gehen. Dann können wir auch gleich alles Nötige besprechen. Und, Herr Schroeder, wir sehen uns morgen, ja? Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in unserer Stadt“.</p>
<p>Die ganze Reaktion war, dass Schroeder für einen kurzen Augenblick seinen Kopf noch tiefer auf die Brust sinken ließ. Dann schlurfte er, begleitet von Charlie Brown und so einer Art Pagen mit einer Wagenladung voller Koffer, zum Aufzug des Hotels Metropol.</p>
<p>„Come on, sweetheart. What’s your name?“</p>
<p>Lucy Browns Stimmung schien sich durch die Aussicht auf einen Drink sichtlich aufzuhellen.</p>
<p>„Kimmel. Alf Kimmel“.</p>
<p>„Alf? Alfie! Alfie-Boy! Let’s go to that fucking Hotel-Bar“.</p>
<p>An der Theke setzte sich Lucy Brown so auf einen der Sessel, als wäre sie entschlossen, hier so schnell nicht wieder wegzugehen. Sie orderte Gin Tonic.</p>
<p>„You know what? I’m beginning to like you. I’m beginning to like that fucking country. It’s so&#8230; small. Forget about those Nazi-Schmatzi. You know, Schroeder and his family had so much to tell about Doitschland. Whether  we bombed it or not“.</p>
<p>Lucy Brown lachte ein härteres Bomber-Piloten-Lachen. „Another Gin Tonic. Here’s Looking at you, Alfie“.</p>
<p>Als Charlie Brown wieder bei uns auftauchte, hatte Lucy den fünften Drink gekippt  und dem „Alfie“ ihre ganze traurige Lebensgeschichte erzählt. Sie war von Kind auf in den musikalischen Wunderknaben Schroeder verliebt gewesen, obwohl sie mit Musik jenseits der Country &amp; Western-Hitparade wenig anfangen konnte und Beethoven für eine Hunderasse gehalten hätte, wenn ihr nicht einmal eine Gipsbüste des Komponisten im Hause Schroeder auf den Kopf gefallen wäre. Und obwohl Schroeder sie immer zurückwies, war sie felsenfest davon überzeugt, dass sie beide einst heiraten würden, wohlgeratene Kinder bekämen, keine Loser, wie diesen rundköpfigen Charlie Brown, und dass Schroeder Millionen verdienen würde, wenn er erst einmal ein größeres Klavier bekam. Bis sie ihn dann eines Abends überraschte, in den Armen ihres Schulfreundes Franklin. Für Lucy war damals, wie man so sagt, eine Welt zusammengebrochen. Und aus lauter Trotz und Verzweiflung hatte sie dann Charlie Brown geheiratet. Den rundköpfigen Verlierer, genau. Den Sohn eines Friseurs. Den schlechtesten Baseballspieler aller Zeiten.</p>
<p>Naja, als Schroeder selber merkte, dass seine hehre Liebe zur Musik nur zu fünfundsiebzig Prozent erwidert wurde, und er begann mit seiner Pop-Klassik zu tingeln, irgendwie musste er ja leben, seine Jungs bezahlen, seine Mittelchen gegen Flug- und andere Ängste, und die teuren Klamotten, da fragte er Charles, ob er nicht sein Manager werden wollte. Vielleicht kannte Schroeder einfach sonst niemandem, dem er vertrauen konnte. Charlie hatte ja mit seiner Baseball-Mannschaft seine Erfahrungen, und tief in seiner Seele war Schroeder allem Neuen gegenüber misstrauisch. Unglücklich seit dem Tag, an dem er sein Zuhause und seine Freunde Richtung New York verlassen hatte.</p>
<p>Charlie Brown stürzte sich mit Feuereifer in seine neue Aufgabe. (Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt eine alte gab.) Und seitdem geht es kontinuierlich bergab. Aber die drei klebten offensichtlich aneinander. Einen Grund dafür hat Lucy dann nach dem neunten Gin Tonic verraten.</p>
<p>„You know what? I’m still in love with that boyfucking boy“.</p>
<p>Und wissen Sie, was Charles Brown getan hat? Charlie Brown, der beinahe unbemerkt neben mir an der Bar saß und geduldig wartete, bis sich seine Frau ausgekotzt und abgefüllt hätte?</p>
<p>Genau. Charlie Brown hat einen tiefen Seufzer getan.</p>
<p><em>Fortsetzung folgt</em></p>
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		<item>
		<title>Charlie und Brown in Mönckersheim (I)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2010/01/23/charlie-und-brown-in-monckersheim-i/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 23:04:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Alf Kimmel und der Fall Peanuts
Ein Kriminalroman in unregelmäßigen Fortsetzungen
So, den kennen sie gar nicht? Das ist doch der Kimmel. Alf Kimmel. Wissen Sie, was das für einer ist? Das ist ein Privatdetektiv. Nein, nein, nicht einer von der Sorte. Ich meine, der spioniert nicht den Kassenfrauen vom Lidl nach, ob sie auf dem Klo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Alf Kimmel und der Fall Peanuts</strong></p>
<p><em>Ein Kriminalroman in unregelmäßigen Fortsetzungen</em></p>
<p style="text-align: left;">So, den kennen sie gar nicht? Das ist doch der Kimmel. Alf Kimmel. Wissen Sie, was das für einer ist? Das ist ein Privatdetektiv. Nein, nein, nicht einer von der Sorte. Ich meine, der spioniert nicht den Kassenfrauen vom Lidl nach, ob sie auf dem Klo rauchen oder Leergut-Bons einstecken. Und der schnüffelt nicht nach Angestellten, die sich krank gemeldet haben. Das ist nicht einmal so einer, der Eifersuchts- und Ehegeschichten behandelt, so mit Vaterschaft und DNA oder so. Ehrlich, der muss nicht mal sein Geld mit dem Detektivspielen verdienen. Der hat da im Hinterhaus so eine kleine Galerie. Kunst und alte Bücher, so Atlanten und Gedichte und was weiß ich. Es kommen immer mal wieder Leute von weit weg zu ihm, die irgendwas suchen. Nicht grade oft, aber immer mal wieder&#8230;</p>
<p><span id="more-525"></span></p>
<p>Das Haus hat er übrigens von seiner Oma geerbt. Da hat er seine kleine Wohnung, ich weiß gar nicht, ob Sie das jetzt interessiert, also, und dann wohnt oben noch die alte Frau Meisters, die zahlt, glaube ich, gar keine Miete, weil sie schon immer da gewohnt hat, und dann ist da noch Fredy. Ich weiß nicht, wie der mit Nachnamen heißt, es sagen alle nur Fredy zu ihm. Der kennt sich mit Fotografien und Computern und dem Zeug aus. Ich glaube, der zahlt auch keine Miete, aber er muss für den Kimmel immer wieder was erledigen.</p>
<p>Ich lebe für die Kunst, sagt der Kimmel immer. Und Schnüffeln sagt er, Schnüffeln ist auch so eine Art Kunst. Schnüffeln im Leben von Menschen, in dem irgendwas schwer daneben gegangen ist. Ich frag’ ihn immer, in was für einem Leben schon nichts schwer daneben gegangen ist. In meinem vielleicht? Da könnt’ ich Ihnen Sachen erzählen. Na ja, aber jetzt wollte ich ja vom Alf Kimmel reden.</p>
<p>Also, seine Kundschaft empfängt er immer hier im „Schwanen“. Ist ja logisch, es ist ja auch die Schwanstraße. Die hat aber nichts mit Schwänen zu tun, sondern der Schwan war einmal ein Bürgermeister von Mönckersheim. Und weil er die Kunden immer hier empfängt, kriege ich auch alles mit, weil, ich sitze auch immer gern hier im Schwanen. Und manchmal gibt der Kimmel mir auch einen Auftrag oder lässt mich jemanden beschatten, so nennt man das. Er schnüffelt. Der Alf Kimmel. Ich beschatte. Einer der schnüffelt, der weiß, was er sucht, und einer der beschattet weiß es eher nicht. So einfach ist das.</p>
<p>Und hier hat auch die Geschichte mit diesem Schroeder und dem Charles Brown angefangen, oder sie hat ihr Ende gefunden, wie man es nimmt. Dem amerikanischen Klavierspieler und seinem Manager. Da hat der Kimmel die Frau Schmölders von der Mordkommission empfangen, hier im Schwanen. Er hat schon ein, zwei Bier gehabt, der Kimmel, aber immer noch tadellos. So hat er ihr was von sich erzählt, ich habe es genau gehört, weil ich am Tisch daneben gesessen bin.</p>
<p>„Wissen Sie, wer mein großes Vorbild ist?“, hat der Kimmel die Frau gefragt (die hat nur einen Kaffee getrunken damals, später war sie dann nicht mehr so, und schon auch einmal ein Bier mit uns genommen), „Nein, Quatsch, kein Sam Spade oder Nero Wolfe oder Nestor Burma. Mein großes Vorbild ist Alice. Sie wissen schon: Alice im Wunderland. Erinnern Sie sich vielleicht an die Geschichte aus ‚Alice hinter den Spiegeln’, wo Alice und Dideldum und Dideldei den Schwarzen König treffen? Also, der schwarze König“, hat der Kimmel erzählt, „liegt da unter einem Baum und schläft. Und Dideldei fragt, ob Alice weiß, wovon er träumt. ‚Das kann keiner wissen’, sagt Alice. Und Dideldei sagt: ‚Der schwarze König träumt von dir. Und wenn er aufwacht und aufhört zu träumen, wo wärst du dann? Dann wärst du Nirgendwo. Du bist nämlich nur ein Bild aus dem Traum des schwarzen Königs.’ Alice glaubt natürlich diesen ganzen Humbug nicht“, hat der Kimmel weiter erzählt, „Wissen Sie, wenn Alice nicht ein so vernünftiges und skeptisches Mädchen wäre, dann wäre die ganze Geschichte mit dem Wunderland nur halb so spannend. Aber Alice ist eben auch vernünftig genug, bei ihren weiteren Untersuchungen so vorzugehen, dass der schwarze König nicht geweckt wird. Verstehen Sie jetzt, warum Alice mein Vorbild ist“.</p>
<p>Die Frau Schmölders hat geschaut, als wenn es ihr nichts ausgemacht hätte, dass man ihr angesehen hat, dass sie gar nichts verstanden hat, und sie hat in ihrem Kaffee gerührt. Sie war damals halt noch ganz anders als später. Aber der Kimmel hat ungerührt weiter geredet.</p>
<p>„Oft wenn ich einen Fall untersuche“, hat er gesagt, „dann habe ich das Gefühl, dass Alice mich begleitet. Sie sagt mir dann immer, dass ich nicht auf die Geschichte vom schwarzen König hereinfallen soll. Sie warnt mich, aber auch, wenn ich drauf und dran bin, ihn zu wecken. Und glauben Sie mir, der schwarze König, der hat verdammt viele Masken. Die Welt ist voller träumender schwarzer Könige. Und Schnüffeln, das ist die Wahrheit herausfinden, ohne sie zu wecken“.</p>
<p>„Na, wie dem auch sei“. Der Kimmel hat jetzt gemerkt, dass die Frau ihm gar nicht mehr richtig zuhört. „Jedenfalls bin ich weder besonders schmierig noch richtig schäbig. Ich sitze nicht in ledernen Sesseln, züchte keine Orchideen, habe keinen Trenchcoat und besonders hart gesotten bin ich auch nicht. Ich habe eine Knarre in meinem Büro, aber die habe ich noch nie benutzt. Verprügelt werde ich auch nur höchstens alle paar Monate. Ich bin eben kein Privatdetektiv wie in den Filmen und Romanen“.</p>
<p>Jetzt war die Frau Schmölders wenigstens wieder in ihrem Element. Fakten, Fakten, Fakten, wenn Sie mich verstehen. Und dann hat der Kimmel gesagt, okay, er kommt jetzt zur Sache. Und dass er ihre Hilfe braucht. „Aber dazu muss ich Ihnen die Vorgeschichte des Falles erzählen. Keine Sorge. Allzu lange dauert das nicht. Es fing an, als mir Lucy Brown, ihr Ehemann Charles, und der Künstler, der nur ‚Schroeder’ genannt wird, auf dem Flughafen entgegen kamen, und zwar genau in dieser Reihenfolge“. Und dann hat der Kimmel die ganze Geschichte haarklein erzählt.</p>
<p><em>Fortsetzung folgt</em></p>
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