Archiv für die 'Krimi'-Kategorie

Feb 18 2011

Charlie Brown in Mönckersheim (VII)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Krimi.

Und unterdessen, weit zurück in New York: Henry, mit den verträumten Augen, Henry, an der Staffelei, Schweißperlen im Gesicht, kommender Stern, sagen die einen, wohl eher überschätzt, murren die anderen (dabei hat Henry es gerade mal geschafft, von seiner Kunst leben zu können), Henry also, dessen Gedanken einerseits bei seiner Arbeit sind, und andererseits bei seinem Geliebten in Europa, drittens noch ganz woanders, erinnert Ihr Euch an diese Party, wo Schroeder den Flohwalzer als Reggae spielte, und Henry dazu Champagnergläser füllte, aus den unmöglichsten Entfernungen?, Henry mit dem Knackarsch, mit dem er für jede Jeans-Firma der zweiten Liga Reklame hätte machen können, aber so etwas kam Henry nicht in den Sinn, Henry, der Existentialist (mein Gott, wer ist heute noch „Existentialist“?), der sein kleines Nest so liebte, im dritten Stock, zugegeben, nicht gerade die beste Adresse, und der Hausmeister war ein dauerkiffender Nigerianer, der sich nicht die Mühe machte, Interesse für Malerei zu heucheln, aber Henry, der existentialistische Träumer, der sich alle paar Minuten den Schweiß vom Gesicht wischen musste, einfach um zu sehen, hier, dieser Strich war definitiv ohne jeden Anflug von Demut und musste deshalb entfernt werden, aber was heißt schon entfernt?, kein Mensch kann einen Pinselstrich entfernen, so wenig man einen Atemzug zurücknehmen kann, oder eine Liebesgeschichte (und Henry seufzte tief), man kann nur einen anderen Kontext schaffen, Weiterlesen »

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Feb 02 2011

Charlie Brown in Mönckersheim (VI)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Krimi.

Der Künstler namens Schroeder hatte Angst. Das war zwar nicht ungewohntes für ihn, aber diesmal war es entschieden zu viel. Angst war der Begleiter, ach was, der Führer im Leben Schroeders gewesen, so lange er sich zurück erinnern konnte. Angst bei den Erzählungen der Großeltern von Deutschland und den Deutschen, vom Zu-Tode-Arbeiten im Lager, dem Hunger, dem Vergasen und Verbrennen. Von der Flucht aus einer Heimat, die sich in eine Hölle verwandelt hatte. In etwas Schlimmeres als die Hölle. In etwas, was man weder Gott noch den Menschen vergeben kann. Und wofür man sich auch noch schuldig fühlen musste. Weil man es überlebt hatte und jetzt in einer schmucken amerikanischen Vorstadt lebte.

Schroeder hatte gelernt, sich die Angst zum Freund zu machen. Angst bei den Begegnungen mit den rüpeligen Nachbarjungen, aber genau so viel Angst vor der Mutter, die ihn vor ihnen beschützte. Weiterlesen »

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Dez 22 2010

Charlie Brown in Mönckersheim (V)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Krimi.

KAUM ERWARTET! NIE GEWÜNSCHT. Endlich die Fortsetzung der Charlie Brown-Saga!

Der Wäscheschacht war nun entweder wirklich überaus tief, oder aber der Künstler genannt Schroeder fiel ihn sehr langsam hinunter, denn er konnte sich während des Sturzes in aller Ruhe umsehen und überlegen, was mit ihm jetzt wohl geschehen würde. Als erstes spähte er in die Tiefe hinab, um zu erkennen, was ihm dort bevorstand, aber es war vor lauter Wäsche so dunkel, dass man nichts sehen konnte; dann betrachtete er die Seitenwände des Wäscheschachts und bemerkte, dass sie aus lauter Notenregalen und Wandschränken bestanden; hie und da sah er auch Landkarten und Bilder an Haken hängen: Milwaukee, Mönckersheim, Namibia… Cowboys, Indianer, Dinosaurier, Nazis. Aus einem der Regale nahm er im Vorbeisausen ein Töpfchen mit; es trug ein Etikett mit der Aufschrift „Zauerkraut“, aber zu seiner großen Enttäuschung war es leer. Weiterlesen »

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Mrz 24 2010

Charlie Brown in Mönckersheim (IV)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Krimi.

Als der Künstler, genannt Schroeder, in dieser Nacht aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Mumienwesen verwandelt. Er lag auf seinem von Laken und Tüchern umwickelten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten Bauch mit den gefesselten Händen, Weiterlesen »

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Mrz 06 2010

Charlie Brown in Mönckersheim (III)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Krimi.

Kurz nach eins haben Kimmel und Charlie Brown Lucy dann endlich nach oben befördern können. Sie war sturzbetrunken. Aber eben in der Art, Sie wissen schon, wie jemand, der es einfach drauf hat, betrunken zu sein. Charlie seufzte noch ein paar mal, während er tapfer den Anschein wahrte, als wäre alles in bester Ordnung. Und dann ist der Kimmel nach Hause gegangen. Ich meine, wirklich, er ist gegangen, denn die Limousine hatten sie in der Zwischenzeit schon wieder abgeholt. Der Spaziergang machte ihm jedenfalls wieder einen einigermaßen klaren Kopf. Nicht, dass er sich an Lucy Browns alkoholischem Extremsport beteiligt hätte, aber das endlose Gefasel, der kurze Blick in ein reichlich verkorkstes Leben und der ganze lange Tage machten dem Kimmel doch zu schaffen. Weiterlesen »

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Jan 27 2010

Charlie Brown in Mönckersheim (II)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Krimi.

Ein Kriminalroman in unregelmäßigen Fortsetzungen

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Also, das muss schon ein Anblick gewesen sein, für den Kimmel, mein lieber Schwan. Lucy Brown, aufgedonnert wie geht nicht mehr, keift herum, Charles Brown, den nennen sie aber nur Charlie, versucht sie dauernd zu beruhigen. Und hinter ihnen drei, der Schroeder, so eine Art Elton John, aber nicht so gesund, ziemlich weggetreten. So sind sie aus dem Flugzeug gestiegen.

„Lucy, Dear…“ Weiterlesen »

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Jan 23 2010

Charlie und Brown in Mönckersheim (I)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Krimi.

Alf Kimmel und der Fall Peanuts

Ein Kriminalroman in unregelmäßigen Fortsetzungen

So, den kennen sie gar nicht? Das ist doch der Kimmel. Alf Kimmel. Wissen Sie, was das für einer ist? Das ist ein Privatdetektiv. Nein, nein, nicht einer von der Sorte. Ich meine, der spioniert nicht den Kassenfrauen vom Lidl nach, ob sie auf dem Klo rauchen oder Leergut-Bons einstecken. Und der schnüffelt nicht nach Angestellten, die sich krank gemeldet haben. Das ist nicht einmal so einer, der Eifersuchts- und Ehegeschichten behandelt, so mit Vaterschaft und DNA oder so. Ehrlich, der muss nicht mal sein Geld mit dem Detektivspielen verdienen. Der hat da im Hinterhaus so eine kleine Galerie. Kunst und alte Bücher, so Atlanten und Gedichte und was weiß ich. Es kommen immer mal wieder Leute von weit weg zu ihm, die irgendwas suchen. Nicht grade oft, aber immer mal wieder…

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