Archiv für die 'Gesellschaft'-Kategorie

Mai 11 2010

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

Zwei lachende Herren überquerten bei strahlendem Himmel die Ismanninger Straße, was andere Verkehrsteilnehmer zu unerwünschten Hormonausschüttungen und semiotischen Entgleisungen führte.

Was mochte die beiden Herren so erheitert haben?

Vielleicht hatte der eine von ihnen gesagt: „Die Welt ist alles, was der Fall ist“.

Und der andere hatte geantwortet: „Und der kommt bekanntlich immer gleich nach dem Hochmut“.

Vielleicht war es aber auch etwas ganz anderes, was die Herrn Reiner und Kainer amüsierte.

Wie dem auch sei. Strahlendem Himmel und lachenden Herrn ist, wie ein altes Sprichwort weiß, nie zu trauen. Besonders nicht im modernen Straßenverkehr.

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Mai 05 2010

Was die “Rettung von Griechenland” anbelangt…

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Demokratie, Gesellschaft, Krise, Politik.

Komplexreduzierung daily

Was die „Rettung von Griechenland“ anbelangt, bescheißt uns die Regierung gerade wieder nach Strich und Faden; selbst der F.A.Z. fällt auf, dass eine Politik, die ausschließlich im Interesse der Banken funktioniert, gleichsam automatisch eine Politik gegen das eigene Volk sein muss (man sagt es nur nicht so). Und die BILD-Zeitung formuliert das diesbezügliche Unbehagen nach dem Muster seltsam rassistisch anmutender Kampagnen um (als müsste um jeden Preis der Welt verhindert werden, dass die Beschissenen dieser Erde sich solidarisieren).

Die Art, wie demokratische Regierungen die Bevölkerung bescheißen, funktioniert am Ende in der Regel immer, denn sie bedienen sich dabei der Medien, die sie perfekt zu bedienen gelernt haben (wenn auch mal, wie man so sagt, über die Bande). Politiker, die es lernen, mit Medien umzugehen, verlernen zuerst, mit echten Menschen umzugehen, und dann verlieren sie die Fähigkeit, überhaupt noch mit der Wirklichkeit umzugehen. Außer natürlich mit der Wirklichkeit des Kapitals.

Bei jeder solchen Krise, so scheint es, kann auch die demokratische oder eben postdemokratische Herrschaft nachher genau so weiter machen wie bisher. Aber jedes Mal erzeugt sie eine nächste Gruppe von Menschen, die nicht mehr mitmachen, die das alles nichts mehr angeht, die leer gewordene Rituale der Demokratie nicht mehr füllen wollen.

Die Geschichte der Demokratie ist dann zu Ende, wenn die Anzahl jener, die nicht mehr mitmachen, mehr oder weniger identisch mit der Anzahl der Wahlberechtigten in einer Gesellschaft ist (abzüglich von Mafia- und Parteimitgliedern). Lang kann das nicht mehr dauern. Dann muss eine demokratische Regierung wohl tatsächlich Brechts Vorschlag befolgen, das Volk auflösen und sich ein neues wählen. Naja, wenn es noch eines gibt jedenfalls.

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Mai 01 2010

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft.

Ordnungsrufe im Frühling

Erste längere Sonnenstrahlen freuten neben den Solarzellenherstellern und ihren Werbespezialisten auch Passanten und Faulenzer. Es war das große Hocken und Defilieren im wiedererwachten Menschenzoo, Fütterungszeit, Paarungszeit, Schlafzeit. Weißbierzeit für unsere wohlbekannten Herren.

„Ist Ihnen das schon aufgefallen?“, fragte Herr Kainer, „Was einen so verstört, oder auch so langweilt, wie man es nimmt, das ist, dass nichts an einem rechten Ort ist. Alles ist halt da, hier ein Auto mit einem Aufkleber ‚Kleiner Feigling’, dort eine Irokesenfrisur über einer Aktentasche, und da redet einer vor sich hin, vielleicht hat er ein Handy im Kragen, oder er ist verrückt, oder beides, denn das ist ja egal, weil alles verbunden ist aber auch alles nur für sich. Verstehen Sie, was ich meine? Die Dinge sind genau dort miteinander verknüpft, wo man es nicht sieht. Verbunden mit etwas weit entferntem und getrennt vom allernächsten. Alles ist möglich, solange es nur keinen Sinn ergibt.“ Weiterlesen »

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Mrz 21 2010

Lust auf Urlaub

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Kultur, Werbung.

Aus dem Angebot der AZ-Jugendleserreise der Augsburger Zeitung: „Jugend-Sommerferienlager 2010, Italien XXL“:

Grillabend
Unterkunft im Großzelt mit einer Belegung von maximal 8 Personen
„Lichterfahrt“ durch Rom
- Papstaudienz (sofern der Papst zu Hause ist) Weiterlesen »

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Mrz 19 2010

Der Idiot der Familie (4)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Politik.

Versuch über negative Karnevalisierung der Politik

In Wahrheit ist Guido Westerwelle wohl die Wiederkehr von Möllemann in anderer Form. ER hat wohl versucht, mit der karnevalisierten Politik ernst zu machen. Haider hatte Erfolg, Berlusconi hat Erfolg, Dressmänner haben Erfolg, wie viel Erfolg muss ein teutonischer Haider-Berlusconi haben (auch wenn er, two dressmen dressing, gegen seinen Konkurrenten zu Guttenberg als Dressman keine echte Chance hat). Die Karnevalisierung der Politik ist deswegen „nötig“, weil die notwendige Klientel (diejenigen Menschen, die eine FDP nicht aus „Überzeugung“ sondern aus Interesse wählen) und die notwendige Stimmenzahl nicht übereinstimmen. Weiterlesen »

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Mrz 06 2010

Der Idiot der Familie (3)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Politik.

Zu Guido Westerwelle fällt mir nichts mehr ein.

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Feb 15 2010

Der Idiot der Familie (2)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Politik.

Auf dem Weg zur Verhaiderung der FDP, oder Jenseits der Staatsräson (und jenseits des Westerwelle-Bashings als Tagesaufgabe)

Der Liberalismus, so wie ihn Guido Westerwelle vertritt, ist eine am Markt orientierte politische Praxis, die, soweit vernünftig, Regierung auf ein Minimum beschränkt. Wo diese Beschränkung aufhört ist das, was sich in den letzten vierhundert Jahren als „Staatsräson“ herausgebildet hat (ob man’s mag oder nicht). Giovanni Antonio Palazzo schrieb, es war im Venedig des Jahres 1606, in seinem „Discorso del governo e della ragione vera di Stato“, Staatsräson sei „eine Methode oder eine Kunst, die uns einzusehen gestattet, wie man die Herrschaft von Ordnung und Frieden innerhalb der Republik verwirklichen kann“. So alt also ist die Erkenntnis, wie Ordnung, Frieden und Republik miteinander zusammen hängen! Die Staats-’Räson’ ist nichts anderes als eine besondere Form der Vernunft, die angewandt wird, um diese Ziele zu erreichen. Die Kunst der Staatsräson wäre demnach eine Minimalforderung an einen Politiker oder eine Politikerin.

Natürlich „wählen“ wir einen wie Westerwelle nicht mehr mit dem Gedanken daran, ob er der rechte Mensch für die Praxis der Staatsräson wäre. Wir wählen ihn wie eine Figur in einer Soap Opera: Weiterlesen »

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Feb 12 2010

Der Idiot der Familie (1)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Politik.

Guido Westerwelle ist das Clownsgesicht des späten Neoliberalismus. Allerdings sorgt er dafür, dass einem das Lachen immer wieder, wie man so sagt, im Halse stecken bleibt. Und jetzt hat er es wieder getan. Eine rhetorische Lachnummer abgeliefert, die an sozialer Bösartigkeit nichts zu wünschen übrig lässt.

Ab jetzt wird auf diesem Blog dem bösen Clown Westerwelle eine regelmäßige Beobachtung zuteil.

Guido Westerwelle, wie schon gesagt, ist der Idiot der Familie in der schwarzgelben Regierung. (Übrigens: Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, wie hässlich die Farben-Kombination schwarz und gelb ist, wenn man sie so direkt und barbarisch aufeinander streift wie es Herrn Westerwelles Krawatte tut? Crime scene, do not cross!) Jedenfalls scheint er felsenfest entschlossen, diese Rolle nach bestem Vermögen auszufüllen. Nun bringt er gleich wieder alle Blödheiten der politischen Rhetorik des rechtspopulistischen Medienzirkus in wenigen Worte zusammen, das muss ihm erst mal jemand nachmachen. Es beginnt mit der deutsch-gekränkten „Man wird doch in diesem Land noch mal sagen dürfen…“ Als wären überall kommunistische Islamisten mit Verbindungen zur Russenmafia unterwegs, um anständigen Deutschen den Mund zu verbieten. Und dann die Wiederholung des kreuzdoofen Modells von den Arbeitenden, denen es doch besser gehen soll als den Hartz IV-Empfängern. Weiterlesen »

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Feb 03 2010

CONTRA NATURAM, oder Die Weltordnung und das Wunder

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Kultur.

Anmerkungen zum Phantastischen

In der Zeit der Renaissance begann eine verhängnisvolle Zweiteilung der Wahrnehmung, die uns noch heute bestimmt. Die Welt war einerseits jene in sich ruhende Ordnung, von der Aristoteles gesprochen hatte, und die es zu erforschen galt. Jedes Phänomen, das sich vor den eigenen Augen entfaltete, wurde auf ihren Platz innerhalb dieser Ordnung hin untersucht. Unglücklicherweise aber ließen sich nicht alle Phänomene in diese Ordnung der Natur eingliedern, so dass man mit Dingen zu leben lernte, die staunenswerterweise „contra naturam“ waren. Diese Verstöße gegen die Natur konnten nur einerseits religiös erklärt werden (schließlich war auch die Religion ein geordnetes System, das zu dieser Zeit längst nicht mehr darauf gründete, sich stets durch Wunder neu zu erfinden und neu zu legitimieren, sondern im Gegenteil ihre eigene Statik zur übergeordneten Botschaft zu machen), so musste man mit einem Rest dessen leben, was „gegen die  Natur“ war, ein radikal anderes, das seinen Platz in der Wahrnehmung verlangte. Weiterlesen »

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Jan 24 2010

Der Gehirnschrumpf-Skandal, und was die FAZ und Kabel Deutschland dagegen tun

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Allgemeines, Gesellschaft.

Mea Culpa! Da erzähle ich was von „Blödmaschinen“, von halbfaschistischem Politiker-Geblubber, von BILD-Zeitung und Fernsehen, und dabei ist alles ganz anders. Die Blödheit in unserer Gesellschaft kommt nämlich von woanders her, und zwar vom „Vitamin B12-Skandal“, über den mich heute morgen dankenswerter weise der Brief von „Dr. Hittich Gesundheits-Mittel“ aus Aachen aufklärte. Schon auf dem Briefumschlag wird mir klar gemacht, in welchem apokalyptischen Szenario ich mich befinde: „Alarm! Gehirnschrumpfung!“. Weiterlesen »

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