Mrz 06 2010
Der Idiot der Familie (3)
Zu Guido Westerwelle fällt mir nichts mehr ein.
Feb 15 2010
Auf dem Weg zur Verhaiderung der FDP, oder Jenseits der Staatsräson (und jenseits des Westerwelle-Bashings als Tagesaufgabe)
Der Liberalismus, so wie ihn Guido Westerwelle vertritt, ist eine am Markt orientierte politische Praxis, die, soweit vernünftig, Regierung auf ein Minimum beschränkt. Wo diese Beschränkung aufhört ist das, was sich in den letzten vierhundert Jahren als „Staatsräson“ herausgebildet hat (ob man’s mag oder nicht). Giovanni Antonio Palazzo schrieb, es war im Venedig des Jahres 1606, in seinem „Discorso del governo e della ragione vera di Stato“, Staatsräson sei „eine Methode oder eine Kunst, die uns einzusehen gestattet, wie man die Herrschaft von Ordnung und Frieden innerhalb der Republik verwirklichen kann“. So alt also ist die Erkenntnis, wie Ordnung, Frieden und Republik miteinander zusammen hängen! Die Staats-’Räson’ ist nichts anderes als eine besondere Form der Vernunft, die angewandt wird, um diese Ziele zu erreichen. Die Kunst der Staatsräson wäre demnach eine Minimalforderung an einen Politiker oder eine Politikerin.
Natürlich „wählen“ wir einen wie Westerwelle nicht mehr mit dem Gedanken daran, ob er der rechte Mensch für die Praxis der Staatsräson wäre. Wir wählen ihn wie eine Figur in einer Soap Opera: Weiterlesen »
Feb 12 2010
Guido Westerwelle ist das Clownsgesicht des späten Neoliberalismus. Allerdings sorgt er dafür, dass einem das Lachen immer wieder, wie man so sagt, im Halse stecken bleibt. Und jetzt hat er es wieder getan. Eine rhetorische Lachnummer abgeliefert, die an sozialer Bösartigkeit nichts zu wünschen übrig lässt.
Ab jetzt wird auf diesem Blog dem bösen Clown Westerwelle eine regelmäßige Beobachtung zuteil.
Guido Westerwelle, wie schon gesagt, ist der Idiot der Familie in der schwarzgelben Regierung. (Übrigens: Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, wie hässlich die Farben-Kombination schwarz und gelb ist, wenn man sie so direkt und barbarisch aufeinander streift wie es Herrn Westerwelles Krawatte tut? Crime scene, do not cross!) Jedenfalls scheint er felsenfest entschlossen, diese Rolle nach bestem Vermögen auszufüllen. Nun bringt er gleich wieder alle Blödheiten der politischen Rhetorik des rechtspopulistischen Medienzirkus in wenigen Worte zusammen, das muss ihm erst mal jemand nachmachen. Es beginnt mit der deutsch-gekränkten „Man wird doch in diesem Land noch mal sagen dürfen…“ Als wären überall kommunistische Islamisten mit Verbindungen zur Russenmafia unterwegs, um anständigen Deutschen den Mund zu verbieten. Und dann die Wiederholung des kreuzdoofen Modells von den Arbeitenden, denen es doch besser gehen soll als den Hartz IV-Empfängern. Weiterlesen »
Feb 03 2010
Anmerkungen zum Phantastischen
In der Zeit der Renaissance begann eine verhängnisvolle Zweiteilung der Wahrnehmung, die uns noch heute bestimmt. Die Welt war einerseits jene in sich ruhende Ordnung, von der Aristoteles gesprochen hatte, und die es zu erforschen galt. Jedes Phänomen, das sich vor den eigenen Augen entfaltete, wurde auf ihren Platz innerhalb dieser Ordnung hin untersucht. Unglücklicherweise aber ließen sich nicht alle Phänomene in diese Ordnung der Natur eingliedern, so dass man mit Dingen zu leben lernte, die staunenswerterweise „contra naturam“ waren. Diese Verstöße gegen die Natur konnten nur einerseits religiös erklärt werden (schließlich war auch die Religion ein geordnetes System, das zu dieser Zeit längst nicht mehr darauf gründete, sich stets durch Wunder neu zu erfinden und neu zu legitimieren, sondern im Gegenteil ihre eigene Statik zur übergeordneten Botschaft zu machen), so musste man mit einem Rest dessen leben, was „gegen die Natur“ war, ein radikal anderes, das seinen Platz in der Wahrnehmung verlangte. Weiterlesen »
Jan 24 2010
Mea Culpa! Da erzähle ich was von „Blödmaschinen“, von halbfaschistischem Politiker-Geblubber, von BILD-Zeitung und Fernsehen, und dabei ist alles ganz anders. Die Blödheit in unserer Gesellschaft kommt nämlich von woanders her, und zwar vom „Vitamin B12-Skandal“, über den mich heute morgen dankenswerter weise der Brief von „Dr. Hittich Gesundheits-Mittel“ aus Aachen aufklärte. Schon auf dem Briefumschlag wird mir klar gemacht, in welchem apokalyptischen Szenario ich mich befinde: „Alarm! Gehirnschrumpfung!“. Weiterlesen »
Jan 22 2010
Die Dialektik der Dummheit in der spätkapitalistischen Gesellschaft sieht folgendermaßen aus: Es ist eine Dummheit, die nicht aus einem Mangel ersteht, sondern die im Gegenteil aus dem Überfluss produziert wird: Alles, was man bräuchte, um nicht dumm zu sein, ist nicht nur vorhanden, sondern mehr oder weniger auch kostenlos – Information, Lehre, Vorbilder, Anschauungsmaterial, Freizügigkeit, sogar, bis zu einem gewissen Grad: Zensurlosigkeit. Na schön, ich bin erschöpft, na schön, ich hab’ da jetzt keinen Kopf für, na schön, Alltag und Beruf machen mich fix und fertig. Die Sucht nach Unterhaltung entsteht als auf den Kopf gestellter Kapitalismus-Protestantismus: Weil Arbeit so sehr Pflicht, Strafe und Selbstdisziplinierung ist (und natürlich, ein bisschen Spaß muss da doch auch sein: Vor allem Disziplinierung der anderen), weil Arbeit so hundeelend anstrengend ist, muss der Rest des Lebens das Gegenteil von anstrengend sein. Ist aber Thomas Gottschalk, Big Brother oder Traumschiff das Gegenteil von anstrengend? Ist die BILD-Zeitung das Gegenteil von anstrengend, nur weil es keine Nebensätze gibt? Weiterlesen »
Jan 13 2010
Der Charakter ist das Schicksal, das hat der Schauspieler Oskar Werner gesagt; damals probte er gerade seinen „Hamlet“. Mit Francois Truffaut geriet er bei den Dreharbeiten zum „Fahrenheit“-Film in Streit, weil der Regisseur seiner Meinung nach nicht genug betonte, dass sein „Feuerwehrmann“ einen faschistischen Charakter hatte. Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen. Oskar Werner, dem als Deserteur Verfolgten, wäre es weiß der Himmel nicht leicht gefallen, sich in einen Faschisten zu verwandeln, für die Dauer der Dreharbeiten. Trotzdem war er zu dem Opfer eher bereit als dafür, die Beziehung zwischen Charakter und Schicksal zu verwässern, wie es seiner Meinung nach der unentschlossene Menschenfreund Truffaut machte. Weiterlesen »
Dez 29 2009
Bitte unterstützt unsere Kampagne „Nicht in unserem Namen!“
und sendet ein E-Mail mit Eurer Zusage und einer kurzen persönlichen Stellungnahme an:
oder per Fax: 089 – 48 76 73
Am 5. Februar 2010 will Oberbürgermeister Christian Ude die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der „46. Münchner Sicherheitskonferenz“ zu einem festlichen Empfang im Alten Rathaussaal einladen. Dort möchte der OB im Namen der Stadt München Regierungschefs, Militärexperten und Minister, Politiker und Diplomaten der führenden Nato-Staaten, Generäle der Nato und der Bundeswehr sowie Wirtschafts- und Rüstungsmanager begrüßen und damit diese Militärkonferenz im Namen aller Münchner und Münchnerinnen legitimieren. Weiterlesen »
Dez 28 2009
- Is’ doch geiler Schnee, oder? Machen wir einen Schneemann.
- Oder wir machen eine Schneefrau.
- Du Sau!
Dez 10 2009
Weihnachten
Lange hatte Herr Kainer diesmal auf den Herrn Reiner warten müssen. Was ihm sonst nichts ausgemacht hätte, denn Herr Kainer empfand insofern durchaus „afrikanisch“ als er Nichts Tun (und wir meinen Nichts wenn wir Nichts sagen) als Wohltat empfand. Indes ist Nichts Tun in der Vorweihnachtszeit (oder überhaupt) bei Zeit- und Raumgenossen hierzulande nicht sonderlich beliebt, weshalb sie alles unternehmen, um derlei zu unterbinden. Und mag Nichts Tun auch eine Wohltat sein, so ist doch gestörtes Nichts Tun die schiere Plage.
„Nun, Herr Reiner, ich sehe Sie haben Weihnachtseinkäufe gemacht“ meinte Herr Kainer, entschlossen, sich nicht einmal von gestörtem Nichts Tun und vier bis sechs ausgebeulten Plastiktaschen in der Hand seines schwitzenden Freundes aus der Ruhe bringen zu lassen. „Haben Sie alles bekommen?“ Weiterlesen »