Archiv für die 'Gesellschaft'-Kategorie

Nov 22 2014

Unterwegs (5)

Veröffentlicht von + unter Gesellschaft.

In der Bar Europa, unweit der Piazza Gramsci, saß jeden Morgen ein älterer Herr, trank einen Cafe, aß eine Focaccia und las die Zeitungen, die der Barista auf den Tresen gelegt hatte.
Eines Tages im Herbst sah man diesen älteren Herren über seine Zeitung gebeugt plötzlich erschrocken auffahren. Er schüttelte den Kopf. Dann legte er bedächtig die Zeitung zur Seite. „Wovon die da schreiben“, sagte er langsam und mit der Stimme eines Menschen, der ein schwerwiegendes Problem erkannt hat, „das ist nicht meine Welt“.
„Ist nicht mehr deine Welt, Giuseppe, was?“, lachte der Barista mit einer Mischung aus Gutmütigkeit und Herablassung.
„Nein“, sagte der Mann. „Sie ist es nie gewesen.“
Er stand auf und ging. Giuseppe wurde nie wieder in der Bar Europa gesehen.

* 

„Ist es nicht rührend?“, fragte M. und setzte das Weißweinglas ab. Seine Blicke folgten einer alten Frau, die sich angelegentlich mit ihrem kleinen Hund stritt. „Für eine alte Witwe ist ein Hund doch ein idealer Ersatz für den Ehemann, den sie nicht mehr hat.“
„Nun ja“, meinte C. „Für viel mehr Ehefrauen ist wahrscheinlich der alte Ehemann doch eher ein Ersatz für den Hund, den sie noch nicht haben.“
Die alte Frau drehte sich im Sonnenlicht um und erklärte ihrem Hund: „Schau dir diese alten Männer an, Manolo! Keine Frau, keinen Hund. Kein Wunder, dass sie uns so neidisch nachschauen.“ Weiterlesen »

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Nov 19 2014

Krisengerede

Veröffentlicht von + unter Gesellschaft.

Das Sterben des Kapitalismus ist furchtbar. Denn nicht die törichten, zornigen Antikapitalisten tragen ihn zu Grabe, so gern sie’s auch getan hätten. Sondern es sind immer die neuen Kapitalisten, die den alten Kapitalismus beerdigen. Es gibt da so Gerüchte. Einen „natürlichen Tod“ kann man das ja nicht nennen. So begegnen wir ihm überall, dem untoten, dem Zombie-Kapitalismus.

Das Großprojekt zum Beispiel:

Nehmen wir folgendes an: Der Gleichklang, in dem sich ökonomischer und technischer Erfolg einst als „Fortschritt“ entwickelten – Gewinn war, was man erzielte, indem man auf die beste technische Idee setzte und sie dann am besten umsetzen half – sei einigermaßen nachhaltig gestört. Gewiss hat es schon immer Stolperer bei diesem Weg zum Fortschritt gegeben, ohne den sich der Kapitalismus niemals auch für die mittleren und sogar die niedrigeren Stände attraktiv hätte machen können; Weiterlesen »

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Nov 16 2014

JOE UND DER SOHN GOTTES – 2. Buch (IV)

Veröffentlicht von + unter Gesellschaft.

4

„Hey“, sagte die Hexe. „Wenn ihr meine Lebkuchen nicht haben wollt … Wie wär’s dann mit ’nem bisschen Pilzsuppe. Hab’ gerade eine auf dem Feuer.“ Und sie deutete auf einen riesigen Kessel, der über einem Feuer hing.

„Also, wenn ich ihr wärt“, flüsterte Grete, „ich würd’ dankend ablehnen.“

„Ja“, pflichtete Hans bei, „das Zeug hat komische Wirkungen.“

„Echt?“ Murx witterte ein prächtiges High.

„Lass das!“, zischte Matrix. „Du hast genug gekotzt für diese Woche.“

„Na, dann ess’ ich meine Pilze eben allein“, murrte die Hexe. Sie schmeckte genüsslich mit einem Holzlöffel aus dem Kessel ab und warf noch ein paar Kräuter in den kochenden Sud.

„Braucht noch’n bisschen“, beschied sie. „Wollt ihr in der Zwischenzeit meine Geschichte hören?“, fragte sie.

„Nein, danke“, sagte Joe.

„Nein, danke“, sagte Ayse.

„Echt nicht“, sagte Murx und rülpste.

„Ach, wissen Sie…“, sagte Matrix.

„Es ist ja schon spät“, meinte Mississippi.

„Geschichte! Geschichte!“, rief Pablo begeistert.

Der Sohn Gottes sagte gar nichts. Er fühlte ein Kribbeln, das ihn an irgendwas erinnerte.

„Fein“, sagte die Hexe. Ihre Miene hellte sich wieder auf. „Dann hört mal gut zu.“

„Ich hab’s geahnt“, sagte Hans und ließ sich resigniert auf den Boden fallen.

„Immer dasselbe“, stöhnte Grete und setzte sich neben ihn.

„Ihr müsst wissen, dass ich auch mal jung und schön war. Also sehr jung. Und sehr schön.“

Sie tat einen tiefen Seufzer, war aber durch einen liebevollen Blick auf die brodelnde Pilzsuppe rasch wieder besänftigt.

„Ich war die Tochter eines Königs.“ Weiterlesen »

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Nov 11 2014

JOE UND DER SOHN GOTTES – 2. Buch (III)

Veröffentlicht von + unter Gesellschaft.

3

„Verzeihen Sie“, sagte Habermas müde, „ich will mich ja wirklich nicht beschweren. Aber meine Pfoten tun weh. Ich habe Durst. Und einen Happen Schappi-Happy könnte ich auch vertragen. Außerdem ist es heiß. Und die Leute schauen uns so komisch an“.

„Beim Schnurrhaar meiner Großmutter“, grinste Schneeball, „wie sieht das erst aus, wenn Sie sich beschweren wollen!“

„Irgendwas zu unternehmen, was den Geschehnissen eine gewisse Wendung zum Positiven zu geben in der Lage wäre, könnte sich aber als diskutabel herausstellen, oder?“, warf Dionys schüchtern ein.

„Würden Sie bitte etwas weniger geschwollen daherreden“, maulte Balthasar.

Und so trotteten sie weiter durch die Stadt. Der Esel, der Hund, die Katze und der Hahn.

„Also, wie ich schon bemerkt habe“, fing Habermas wieder an, „gibt es da diese Geschichte.“

„Vom Esel“, sagte Balthasar.

„Von der Katze“, sagte Schneeball.

„Vom Hahn“, sagte Dionys.

„Und vom Hund, ganz recht.“ Habermas nickte befriedigt. „Und die, weil etwas Besseres als der Tod doch immer zu finden ist, treten als Akrobaten und Sänger auf und verdienen sich dabei dumm und dämlich.“

„Dumm und dämlich waren wir schon mal“, ätzte Schneeball. „Ich dachte, wir würden uns weiter entwickeln. Ich spüre ein enormes Kunstbedürfnis in mir.“

„Was?“, fragte Balthasar.

„Ein Kunstbedürfnis!“, hackte Dionys nach. „Wenn Ihnen Kunst ein Bedürfnis ist, dann ist es eine Notwendigkeit. Dann sind Sie nicht mehr frei in ihrer Schöpfung. Könnten Sie ebenso gut gleich wieder Pflichten übernehmen.“

„Bin ich Gott oder was?“, fragte Schneeball schnippisch.

„Oder was?“, fragte Balthasar verwirrt.

„Wäre nicht schlecht, erst mal ein paar praktische Fragen zu lösen“, unterbrach Habermas die etwas abgehobene Diskussion. „Ich schlage vor, wir versuchen einmal, es unseren Vorgängern nachzumachen. Mehr als blamieren können wir uns nicht.“

„Ich blamiere mich aber höchst ungern“, warf Dionys ein.

„Hunger haben Sie aber auch, oder nicht?“, schloss Habermas den Disput. „Herr Balthasar. Ich werde jetzt also auf ihren Rücken springen und versuchen, mich da oben einigermaßen in der Balance zu halten. Weiterlesen »

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Nov 06 2014

Aristoteles und der Mittelstand

Veröffentlicht von + unter Gesellschaft.

Bereits für die Staatsidee des Aristoteles war eine Stärkung des Mittelstandes identisch mit einer Vorstellung von Balance und Stabilität: „In allen Staaten gibt es drei Teile, die sehr Reichen, die sehr Armen und die Mittleren. Wenn nun das Maß und die Mitte anerkanntermaßen das Beste sind, so ist auch in Bezug auf den Besitz der mittlere von allen der beste. Denn in solchen Verhältnissen gehorcht man am leichtesten der Vernunft.“

Das Projekt des Nachkriegskapitalismus bestand nun in einer solchen „aristotelischen“ Stärkung des Mittleren: Den Arbeitern wurde versprochen, dass sie durch Fleiß und Wohlverhalten in den Mittelstand aufsteigen konnten, was sich in Form von schmucken Eigenheimen, Glück aus dem Neckermann-Katalog, Automobilen und Reisen auch zu verwirklichen schien. Die Arbeiterklasse hörte auf, als Klasse zu existieren, der soziale Aufstieg hingegen war erkauft durch eine mehr oder weniger radikale Entpolitisierung, die, wie sich später herausstellen sollte, in Wahrheit nicht „Entpolitisierung“ sondern ein „radikales“, im Zweifelsfall militantes Eintreten für den Status quo war. (Gegen diese Korruption der Arbeiterklasse wandten sich in den 1970er Jahren ausgerechnet die linken, rebellischen Studenten in einem höchst fruchtbaren Durcheinander von Impulsen und Interessen. Und in anderen Ländern, wie etwa in Italien, träumten heftigere Linke von einem neuen Zusammenschluss mit einer entstehenden, buchstäblich an die Ränder der Gesellschaft gedrängten Klasse des „Subproletariats“.)

Die in die Mittelklasse aufsteigenden Arbeiter mussten sich entschieden gegen alles wenden, was diesen Aufstieg in Frage stellen würde. Weiterlesen »

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Nov 04 2014

Kleinigkeiten (39)

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Wollten wir nicht immer wissen, was Freiheit ist? „WIR – Die Zeitung für DPD Mitarbeiter, Systempartner und Zusteller“ gibt in ihrer September 2014-Ausgabe einige kluge Antworten:

„Freiheit ist, wenn der Rest des Tages Dir gehört“ (so steht es auf dem Titel).

„Freiheit ist, endlich der ganzen Republik erzählen zu können, dass wir eine starke Marke sind und welche tollen Services wir ab sofort anbieten“  (Verana Hills, Senior Group Manager Marketing Deutschland).

„Freiheit ist, wenn ich durch Predict 1h den Empfängern die Möglichkeit gebe, ihr Paket an einem anderen Ort oder an einem anderen Tag zu bekommen“ (Michael Knaupe, Director Produkte & Services National).

Vielleicht verhält es sich einfach so: „Paketzustellung war gestern, heute erhalten DPD Kunden ein zusätzliches Geschenk: Freiheit“.

Das ist schön, dass man die Freiheit so einfach per Zustellung geschenkt bekommt. Das heißt, geschenkt ist jetzt ein bisschen übertrieben. Weil, umsonst ist nur der Tod, und der ist bekanntlich nicht immer der tollste Ausdruck von Freiheit.

Aber so ganz insgesamt muss man schon sagen: Die Freiheit wird immer billiger. Ein bisschen Geld abdrücken, ein paar Daten abgeben, und schon ist man wieder frei für den Rest des Tages. Wenn man nur wüsste, was man damit anfangen könnte! Vielleicht Pakete bestellen, bei Amazon oder Zalando („Schrei vor Glück!“), damit man wieder ein bisschen Freiheit geschenkt bekommt.

*

Gestern im Fernsehen: Ein Comedian. Das ist ein Mann (es gibt auch Frauen, habe ich mir sagen lassen), der sich hinstellt und lustlos Witzle macht, die irgendwie dem Volk gefallen sollen, was das zum Volk erklärte Publikum dann, eher pflichtschuldig, auch bestätigen muss. Das Problem einer solchen Darbietung sind nicht die allermauesten Pointen, die tausendfach zerkochten Kalauer, das Bestätigen der dumpfmuffigsten Vorurteile, dieses Fischen nach Wiedererkennung um jeden Preis, Weiterlesen »

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Nov 04 2014

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

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Ein ungewöhnlich warmer Novembertag hatte die Herren Reiner und Kainer noch einmal in den Biergarten gelockt.

„So“, sagte Herr Reiner, als das erste Glas Weißbier vor ihm stand und seufzte behaglich. „Jetzt wird es also doch nichts mit der Unabhängigkeit. Kein Schottland, kein Katalonien, kein Padanien. Gerade mal eine Krim vielleicht. Ich hätte es ja schön gefunden: Die Nationen zerfallen in immer kleinere Natiönchen. Bis sie so klein sind, dass sie kein Unheil mehr anrichten können. Ich war immer auch für die Unabhängigkeit.“

„Für die Unabhängigkeit Bayerns?“, fragte Herr Kainer ungläubig.

„Aber nie nicht!“ brauste Herr Reiner auf. „Für unsere Unabhängigkeit von Bayern. Es geht um die endgültige Abspaltung unserer Nation ohne Staat! Weg von München! Freiheit! Identität!“

„Von welcher Nation, bitte, reden Sie denn?“

„Weißbierien! Ich fordere ein Referendum zur Unabhängigkeit von Weißbierien!“

„Und wo soll das bitte sein, dieses Weißbierien?“

„Na hier! Genau hier“, bekundete Herr Reiner und lehnte sich gemütlich zurück. Die Sonne strich ihm über den Bauch, die Kastanie ließ die letzten Blätter fallen, und die Mücken führten ihre letzten Tänze auf.

„Aber wozu?“, fragte Herr Kainer.

„Sehen Sie. In der Unabhängigkeitserklärung der Katalanen steht es. Es geht darum, ‚die Würde als Volk zurückzugewinnen’. Ist das etwa nichts? Wenn wir die Würde in unserem Biergarten zurückgewinnen wollen, dann müssen wir uns gegen die kulturelle Bevormundung durch Jodelbayern zur Wehr setzen: den Trachtenzwang. Die miserablige Blasmusik. Die Heimatkrimis. ‚Dahoam is dahoam’. Lebkuchenherzerl. Postkarten mit saudummen Sprüchen. ‚Wenn’s Arscherl brummt is’ Herzerl g’sund’. Das ist doch nicht mehr zum Aushalten. Wo bleibt da unsere Würde? Drum: Eine Freie Republik Weißbierien muss her!“

„Stimmt schon. Die Würde des Biergartens und seiner Bewohner sind schwer angetastet. Man muss nur das Radio hören, mit dem sie uns da beschallen. In Weißbierien wäre so etwas verboten.“

„Genau. Aber Weißbierien hätte nicht nur eine eigene Kultur …“ Weiterlesen »

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Okt 20 2014

JOE UND DER SOHN GOTTES – 2. Buch (II)

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2

„Ich bin was ich bin“, sagte Gott zu sich selbst, als er allein unter dem Baum der Erkenntnis saß. „Aber das ist nicht alles, was ich bin.“ Er war mal wieder ganz uneinig mit sich selbst.

Wie so oft versammelten sich dann die Nerd-Engel um ihn herum und quatschten ihm die alte Hucke voll.

„Du bist einerseits, aber andererseits tust du ja auch was. Du hast einen Willen, und wenn einer was will, dann hat das seinen Grund nur in sich selbst. Über deinen Willen musst du nicht groß nachdenken“, sagte einer von ihnen.

„Nö“, pflichtete ein anderer bei, „das bringt echt nix.“

„Schau dir die alten Götter an. Die griechischen zum Beispiel. Die waren einfach. Die waren Natur. Basta. Keinen Willen, höchstens irgendwelche ferkeligen Absichten, hier und da.“

„Genau, die konnten machen, was sie wollten. Sie waren alles Gute und alles Schlechte, Tag und Nacht. Jessas, und da hatten die Menschen viel mehr Freiheiten gegenüber ihren Göttern.“

Der Baum der Erkenntnis spendete einen angenehmen Schatten, und Gott war drauf und dran, seinen vielen Sorgen den Hintern zu zeigen und einfach sanft zu entschlummern. Wenn nur diese Nerd-Engel nicht wären.

„Du aber, du musst alles allein erledigen. Du musst die Welt erschaffen, regieren, deinen Willen durchsetzen, die Menschen erlösen, und am Ende auch noch so ein gewaltiges Gericht abhalten.“

„Deswegen brauchst du auch unbedingt einen Sohn. Nicht nur wegen der Erlösung. Du bist einfach überfordert.“

„Vielleicht habt ihr ja recht. Ich sollte einfach mal ein bisschen Urlaub …“

„Nichts da“, meinte ein Nerd-Engel. „Damit machst du die Sache nur noch schlimmer.“ Weiterlesen »

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Okt 20 2014

Eine Agamben-Ableitung nebst einer Umdeutung des Marktgeschehens (Skizzen)

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Was ist „ökonomisch“?

Ökonomisch ist die Wirtschaft und das Wirtschaftliche; alles was geschieht zwischen einem Bedarf der Menschen, der einzelnen wie der kollektiven, und der Deckung des Bedarfs. Auf einer tieferen Ebene ist die oikonomia nichts anderes als eine „Verwaltung des Hauses“. Zunächst also ist die Ökonomie – nach Aristoteles – von der Politik zu unterscheiden; die Verwaltung eines Hauses (eines erweiterten familiären Zusammenhangs) wie die eines Haushaltes in einer Gemeinschaft gegen die territoriale, diplomatische und am Ende militärische Führung einer Politik. Die Unterscheidung von Ökonomie und Politik, könnte man wohl sagen, ist eine Grundlage des Staatsgedankens.

Den „oikos“ („das Haus“ – im Gegensatz zur „Polis“ – Stadt und Staat) definiert Aristoteles durch drei Formen der Beziehungen: durch das Herr-Knecht-Verhältnis, durch das Eltern-Kind-Verhältnis, und durch Liebes- und Eheverhältnisse. Entscheidend scheint für diese Philosophie, dass sich die Ökonomie aus solchen Verhältnissen und nicht aus Regeln bildet, und dass sie entsprechend nicht durch wissenschaftliche Sätze beschrieben werden kann. Vielmehr scheint es sich um eine durchaus subjektive, angemessene Kunst der Verwaltung zu handeln.

Es geht darum, die Dinge, die gebraucht werden, herzustellen bzw. zu besorgen, zu verteilen und, nicht zuletzt, zu ordnen und zu bewahren. „Ökonomisch“ in diesem Sinne verhält sich also jemand, der die Dinge seiner lebenden Gemeinschaft pfleglich, ordentlich und gerecht behandelt, der sie, zum Beispiel, so anordnet, dass sie sich beim Gebrauch nicht gegenseitig stören, dass sie nicht Zeit verschwenden lassen, dass sie keinen Schaden nehmen.

Diese Ökonomie ist nicht möglich ohne Kontrollen. Und so beschreibt Xenophon in „Oeconomicus (Gespräch über die Haushaltsführung)“, einem Dialog mit Sokrates und einem (vielleicht fiktiven) Kritobulos, ein „ökonomisiertes Haus“:
„Alle Geräte scheinen einen Chor zu bilden, und der Raum in der Mitte all dieser Geräte sieht schön aus, wenn jedes an seinem Platz ist. Wie auch ein kreisförmiger Chor nicht nur selbst ein schöner Anblick ist, sondern auch der Raum in seiner Mitte schön und klar aussieht“. Weiterlesen »

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Okt 16 2014

Die F.A.Z. hat es wieder getan! Ein tolles neues Wort erfunden, aus dem Wörterbuch des … naja, des F.A.Z.-Lesers eben. Das Wort lautet: „ZWANGSBEGRÜNUNG“

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Dabei geht es um einen Gesetzesentwurf der grün-roten Landesregierung in Stuttgart, die möchte, dass Häuser, die keinen Garten haben, wenigstens an der Fassade oder auf dem Dach ein paar Pflanzen anlegen, und außerdem sollte es wettergeschützte und diebstahlsichere Parkplätze für Fahrräder geben. Brrr, wie sozialistisch! Da lobt sich die F.A.Z. doch die CDU-FDP-Koalition, die in Hessen den genau entgegengesetzten Weg gegangen ist, und den Gemeinden und Städten schlicht die Verordnung von ökologischen Bau-Auflagen (Wachstumsbremsen) verboten hat.

Und noch was Schreckliches aus Stuttgart: „In Häusern mit mehr als zwei Wohnungen sollten die Wohnungen eines Geschosses barrierefrei erreichbar und die Wohn- und Schlafräume sowie Bad und Küche mit dem Rollstuhl zugänglich sein“. Das soll wohl Behinderten- und Altenfreundlich sein, was? Aber es ist absolut grausam gegenüber der Immobilienwirtschaft, es ist nämlich „für Investoren ein ernsthaftes Problem“.

Ach, es geht um mehr! Um die Freiheit! FREIHEIT! „Hier geht es nicht um Niedlichkeiten, sondern um einen Staat, der sich in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen.”

Soll niemand sagen, der Neoliberalismus habe keine Lobbyisten, keine Propagandisten, keine Ideologen, was sage ich, keine Freiheitskämpfer. Weg mit dem Efeu! Freiheit für die Investoren! Keine Fahrradparkplätze für Autoindustrieschädlinge! Beton gegen Zwangsbegrünung! Und auf gar keinen Fall Windräder vor den Häusern. Denn die machen, das weiß die Allgemeine Zeitung für Deutschland: „flapp-flapp-flapp“. SUVs lasst röhren gegen zwangsbegrüntes Flapp-Flapp-Flappland!

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