Archiv für die 'Gesellschaft'-Kategorie

Feb 11 2016

Von der Unmöglichkeit des leichten Denkens an diesem Ort zu dieser Zeit

Veröffentlicht von unter Allgemeines,Gesellschaft.

Schön, sehr schön wäre es gewesen, wenn auch in Deutschland sich hätte Französisches ereignen können. Mit solch poetischer Leichtigkeit zu denken wie Roland Barthes, so unabgelenkt wie Claude Lévi-Strauss, so luftig wie Gilles Deleuze. Das Leichte aber konnte nicht gelingen, weil man ja für diese Zeit oder die Ewigkeit, aber nichts dazwischen dachte. Nur Hans Blumenberg konnte einen immer wieder mit Leichtigkeit auf Pfade des Denkens locken, die nicht von den Elefanten der deutschen Geistesgeschichte breit getrampelt worden waren.

Da war und ist diese Unmöglichkeit, über etwas zu reden und von etwas anderem zu schweigen.

Jetzt geht uns die verpasste Chance einer Leichtigkeit des Denkens ab, wo wir bemerken, wie das Schwerdenken geradezu prädestiniert scheint, in Windeseile nach rechts hinüber zu schwenken, wo selbst das Leichtgewichtigste sich schwer macht.

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Ach die deutschen Medien. Die Hochburgen des Liberalismus und der kritischen Nüchternheit! Jahrzehntelang haben sie sich gegenüber jeder Kritik von links als resistent erwiesen. Ignorieren war noch die respektvollste Art damit umzugehen.

Und nun, da die Kritik von rechts kommt, Lügenpresse und so weiter, da ist man Schockschwerenot aufgeschreckt und braucht Legitimation und Verteidigung; keiner, der da irgendwas mit Medien an irgendwas Universitärem treibt, bleibt unbefragt und unaufgerufen, die freie Presse zu verteidigen.

Da sehen wir eine Sau, die sich selbst durchs Dorf jagt. Weiterlesen »

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Feb 11 2016

DEMOCRACY FIRST, oder WIE PESSIMISTISCH DARF (ODER MUSS) MAN SEIN?

Veröffentlicht von unter Gesellschaft.

Angesichts des an allen Ecken und Enden aufsprießenden Halb- und Ganzfaschismus in unserer Gesellschaft, dem Begräbnis der Hoffnungen auf ein nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch (demokratisch) und kulturell geeinigtes Europa, angesichts der hässlichen Machtkämpfe, die unsere politische Klasse ausruft, statt ihrer humanistischen und zivilisatorischen Pflicht zu folgen, angesichts einer Intelligenz, die verzweifelt oder lieber gleich zu den Halbnazis wechselt, einer von allen Seiten bedrohten, und doch tapfer sich wehrenden Zivilgesellschaft, die schon eine Minderheit im eigenen Land bildet, angesichts eines offenbar unabwendbaren „Handelsabkommens“ TTIP, das die Welt, so wie sie ist und mit allem drum und dran, den Weltkonzernen zum Fraß vorwirft und in Geheimverhandlungen die Entmachtung der parlamentarischen Demokratie, der kritischen Öffentlichkeit und der unabhängigen Justiz beschließt, angesichts der Unfähigkeit und des Unwillens wenigstens Minimalziele zur Erhaltung von Umwelt und Klima zu erreichen, angesichts aber auch der alltäglichen Erfahrung von Gleichgültigkeit, Roheit und Verblödung der Mitmenschen – wie viel Optimismus kann man sich da noch gönnen ohne diesen Gesichtsausdruck, den schon ein Kind durchschauen kann: Das glaubt der/die doch selber nicht!

Aber halt! Ist das nicht „Jammern“? Und sind, jedenfalls im richtigen Leben, nicht Menschen, die jammern schon hinreichend als lästig, langweilig und kontraproduktiv erkannt? Jammern ist die Waffe der Feiglinge. Richtig? Und weil man sich schon so schön an das „Fremdschämen“ gewöhnt hat… (Ach, wenn wir doch jedesmal einen Euro bekämen, wenn jemand „Fremdschämen“ sagt, der sich weder für sich selber noch für irgendjemand anderen noch zu schämen in der Lage ist!) Wie wäre es nun mit „Fremdjammern“?

Weil mir niemand mehr zuhören will, wenn ich über meinen eigenen Zustand jammere, dann jammere ich eben über den Zustand der Gesellschaft, des Staates, der Welt. Weiterlesen »

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Jan 22 2016

Winzigkeiten (4)

Veröffentlicht von unter Gesellschaft.

MAINSTREAM IST BESSER ALS DEIN STREAM!: Die 32 reichsten Menschen der Welt haben ein Vermögen, das größer ist als das aller anderen Menschen zusammen.

Adeles Album „25“ verkauft sich besser als alle anderen CDs auf der Chartliste zusammen.

Der neue Asterix verkauft sich besser als alle anderen auf der französischen Bestsellerliste des Jahres versammelten Bücher zusammen.

Bevor der Science Fiction-Alptraum Wirklichkeit wird, in dem nur noch zwei, drei Konzerne die Weltmacht teilen haben Kapital und Pop die totale Reduktion bereits vorweg genommen.

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Die Apokalypse kommt, das wissen die Menschen seit es sie gibt. Aber dass sie aussehen wird wie Sigmar Gabriel, Ursula von der Leyen oder Uli Hoeneß, das hätte kein noch so verzweifelter Prophet sich vorauszusagen getraut. Nicht dass sie irgendwie schlimmer wären als ihre Vorgänger bei den apokalyptischen Reitern der politischen und kulturellen Vulgarität. Es ist ihre Entgrenztheit, die sie so furchtbar macht. Von einem Franz Beckenbauer konnte man noch sagen: So einer bin ich nicht, so einer will ich nicht werden. Ja, man konnte gar eine gewisse Einzelhandelsfiliale meiden – wegen der Franz Beckenbauerhaftigkeit ihres Filialleiters. Einer Uli Hoeneßhaftigkeit dagegen ist nicht zu entkommen. So wie es bei Ursula von der Leyen kein „so“ gibt, was man nicht sein und nicht werden wollen könnte. Und Sigmar Gabriel drückt schlicht nichts anderes aus als den Umstand, dass wirklich alles egal ist.

Und trotzdem werden die Hoeneßleyengabriels das alte Mädchen, unsere Bundeskanzlerin, das verblassende Gesicht Deutschlands, zwischenbeerben (bevor die noch Schlimmeren kommen, die wir uns hinter den Bildzeitungszäunen vorstellen). Weiterlesen »

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Dez 31 2015

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND VOM HERRN KAINER UND VOM HERRN N’BEMBÉ (32)

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Die Dunkelheit senkte sich über die Stadt wie eine alte Zeitung über einen Dreckhaufen. Was das gnädigste war, das ihr an diesem Tag passierte. Aber unsere Freunde, der Herr Reiner und der Herr Kainer, saßen im Wirtshaus ihres Vertrauens und betrachteten andächtig ihre Weißbiergläser, aus denen die ersten Schlucke schon genommen waren. Und sie warteten auf ihren gemeinsamen Freund, den Herrn N’Bembé, der sich ein wenig zu verspäten schien.

„Manchmal“, sagte Herr Reiner bedächtig, „beschleicht mich ein sonderbares Gefühl.“

„Was mich anbelangt“, warf Herr Kaiser obenhin ein, „brauchen die sonderbaren Gefühle gar nicht zu schleichen.“

Wieder folgte eine längere Pause, in der draußen die große Zeitung mit dem genau so großen Dreckhaufen kämpfte, und drinnen die Ecken in ein andächtiges Halbdunkel versanken, weil, zuviel putzen ist auch nicht gesund.

Dann kehrte Herr Reiner zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen zurück und sagte entschieden: „Ich mein’ ja nur.“

„Ja, genau“, pflichtete ihm sein Freund bei.

Und dann war es auch schon Zeit, das nächste Weißbier bei der Kellnerin zu bestellen, die nur eines nicht vertragen konnte: Wenn man sie „Zenzi“ rief. Und jemand, der sich gar zu „Zenzi, Zahlen!“ verstieg, durfte manchmal lang warten. Sehr lang. Aber weder Herr Reiner noch Herr Kainer noch Herr N’Bembé hatte die Kellnerin jemals „Zenzi“ gerufen.

Nach dem ersten Schluck aus dem zweiten Glas, soviel Realismus muss sein, kam der Herr Reiner doch noch damit heraus: „Der Herr N’Bembé, so ein netter, humorvoller, verständiger und bei alledem so unaufgeregter Mensch – manchmal hab’ ich eben diesen Verdacht.“

„Was für einen Verdacht?“, fragte Herr Kainer ruhig. Weiterlesen »

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Dez 12 2015

Unterwegs (11)

Veröffentlicht von unter Gesellschaft.

 Lektüren in Frühstücksräumen und Hotellobbies

 

Ein Hotel ist eine Welt für sich, manchmal ein safe space. Erst wenn man dort einmal länger warten muss erkennt man es. Wer nicht gerade kommt oder nicht gerade geht ist ein Gespenst. Die Hölle ist ein Hotel, und der Himmel natürlich auch. In diese Gespensterwelt, die man nur wahrnimmt, wenn man nun eben gerade nichts macht, und schon gar nicht kommt oder nicht geht (man könnte sich vielleicht ein bisschen wichtigmachen, um zu prüfen, ob man überhaupt noch unter den Lebenden weilt) reichen Druckwaren aus deutschen Landen um es besonders gespenstich zu machen.

 

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Wo lernen die eigentlich dieses Haifischgrinsen? Da denkt man nichts böses und gabelt dann so etwas zum Frühstück: „Top 100 – Die attraktivsten Arbeitgeber Deutschlands 2015“. Da gibt es einerseits ganz viele Frauen und Männer in Business-Klamotten, gern auch mal bei Sport und in der Freizeit, und sie alle (wirklich alle) haben dieses Grinsen, das so gar nichts freundliches an sich hat, sondern einfach Raubtiere zeigt, die bereit sind, sich den besten Teil aus der Beute zu reissen. Dann gibt es auch „die Universum Top 100 Rankings“ als „ideale Arbeitgeber“. Die ersten Plätze belegen übrigens BMW, Audi, Porsche, Google, Volkswagen, Daimler / Benz, Lufthansa und so weiter beim „Business“-Sektor. Im „Bereich Engineering“ sind es dagegen Audi, BMW, Porsche, Volkswagen, Daimler / Benz, Siemens, Lufthansa. Und so geht das weiter, Seite um Seite. Vielleicht ist das eine Art Karrieristen-Porno?

Alles für die entsprechenden Typen nach dem „Persönlichkeitsprofil“ wie „Harmoniser“, „Karrierist“, „Leader“ oder „Hunter“. Weiterlesen »

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Nov 12 2015

Winzigkeiten (3)

Veröffentlicht von unter Allgemeines,Gesellschaft.

Friedrich Schorlemmer hat ein Buch mit 768 Seiten herausgegeben, das der Verlag so bewirbt:

„Mit einem Wort in den Tag hineingehen. Den Tag mit einem Wort ausklingen lassen. Fünf Minuten innehalten“.

Da halte ich mit:

Guten Morgen. Scheißampel. Gute Nacht.

Gern geschehen.

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Geldanlage 2016. Der Münchner Bankengipfel. Das ist eine „Sonderveröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung“. Das ist schon ohnehin Realsatire, wie man so sagt. Aber das Titelblatt ist echt eine Wucht: Zwölf Männer in Anzug und Schlips fummeln mehr oder doch eher weniger, sehr viel weniger fachgerecht an Steuer, Tauen und Kurbeln einer Yacht herum: „Kurs halten. Weiterlesen »

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Nov 05 2015

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER UND VOM HERRN N’BEMBÉ (31)

Veröffentlicht von unter Gesellschaft.

„Wissen Sie“, frug Herr N’Bembé, als sich die Herrn Reiner und Kainer zu ihm gesetzt und stumm der Kellnerin das Weißbier-Signal gegeben hatten, „was mich an den Eingeborenen hier immer wieder verblüfft?“

Die Herrn Reiner und Kainer schwiegen erwartungsvoll.

„Diese Fröhlichkeit. Alles wird mit einem Lachen gemacht. Und die Lautstärke dazu. Es ist eben noch ein kindliches, unverdorbenes Volk.“

Die Herrn Reiner und Kainer sahen Herrn N’Bembé so verblüfft an, dass sie beinahe vergaßen, den magischen ersten Schluck zu nehmen. Herr N’Bembé legte daher eine rücksichtsvolle Pause ein. Dann fuhr er fort: „Sehen Sie sich etwa den Herrn Seehofer an. Immer lachen. Immer grinsen. Der kann die fürchterlichsten Dinge machen oder sagen, aber er grinst dabei. So sind die Eingeborenen hier. Sie lassen sich nie die gute Laune verderben.“

„Ja“, sagte Herr Reiner, „da haben Sie vielleicht recht. Wir haben ja früher den Verdacht gehabt, man habe ihm das Grinsen einoperiert. Aber vielleicht sind wir wirklich einfach ein grinsendes Volk.“

„Aber bestimmt.“ Herr N’Bembé sah versonnen aus dem Fenster auf den herbstlich ruhenden Biergarten hinaus. „Sehen Sie: wir Afrikaner. Wir kommen in dieses Land. Und was wollen wir? Arbeiten. Etwas Aufbauen. Demokratie. Und denken gar nicht daran, wie wir damit die Eingeborenen überfordern. Aber die lassen sich ja ihre Fröhlichkeit nicht nehmen. Weiterlesen »

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Nov 04 2015

Eins auf die Presse, mein Herzblatt (47)

Veröffentlicht von unter Gesellschaft.

Das hätte ich auch nicht gedacht, dass ich in meinem Leben noch einmal das ZDF verteidigen müsste. Aber ausgerechnet in der F.A.Z. von einem Pegida-reifen Artikel auf der Medienseite mit dem Titel „Kopflos“ angegangen zu werden, weil man in der „Flüchtlingskrise“ zu soft sei und etwa einen Facebook-Post der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern zitiere, nach dem es „angesichts des Flüchtlingszuzugs nicht mehr Kriminalität“ gebe, aber eine Sonderkommission in Braunschweig nicht erwähne, die Kriminalität unter Flüchtlingen untersucht, das hat nicht einmal das ZDF verdient.

Also, erst einmal die Fakten. Sonderkommission Braunschweig. Jaja: Die Polizei hatte im Laufe des Jahres einen – so berichtete FOCUS –  „bemerkenswerten Anstieg von Straftaten verzeichnet, bei denen Asylbewerber unter Tatverdacht standen, wie ein Sprecher sagte.“, so berichtete der Focus. Sagen wir mal so: Diese Kommission hat sich unter dem bemerkenswerten Namen „Soko Asyl“ gegründet. Und was man in der selben Zeitung, der F.A.Z nämlich, an anderem Ort hätte erfahren können, wird auch nicht erwähnt: Unter dem Strich, sagt nämlich Kriminaldirektor Küch da, würden ihn die Ergebnisse der Braunschweiger Soko nicht überraschen. „Ich bin seit 41 Jahren bei der Kriminalpolizei. Es ist ganz normal, dass bei so vielen Menschen auch Kriminelle dabei sind, so wie es auch niemand erstaunt, dass bei 80.000 Leuten im Stadion ein paar Idioten dabei sind.“ Weiterlesen »

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Nov 03 2015

ALLES WISSEN. Abschweifung über die Bibliothek

Veröffentlicht von unter Gesellschaft.

Eine Bibliothek ist der Versuch, das Wissen zu veräumlichen. Selbst wenn man kein Buch lesen kann, ist eine Bibliothek ein Anblick des geordneten Wissens. Man weiß, dass eine Bibliothek Wissen bedeutet. Ein wenig so, wie man weiß, dass Geld Reichtum bedeutet. Nämlich etwas, das nicht allein durch eine Handhabung, sondern durch einen umfassenderen Gebrauch sein Potential entfaltet. Man muss das Buch lesen und auf eine oder andere Art verstehen, um es in Wissen zu verwandeln. Wer nicht lesen kann, der kann noch so viele Bücher haben, und hat doch kein Wissen davon, vielmehr hat er eine besonders unsinnige Art von Dekoration.

Bibliothek wird eine Ansammlung von Büchern erst, wenn sie mehr Bücher enthält, als ein einzelner Mensch lesen und verstehen kann. Es müssen sich subjektive Beziehungen und objektive Ordnungsprinzipen treffen. In der Ordnung seiner Bibliothek drückt ein Mensch seine Persönlichkeit aus.

Wann wird aus einer Ansammlung von Büchern eine Bibliothek? Offensichtlich müssen die Bücher den Raum erfassen. Eine Bibliothek ist nicht nur Dokumentation vergangener Lese-Erfahrungen, sondern auch Verheißung kommender. Schon deshalb müssen Bibliotheken wachsen. Sie wachsen gelegentlich über die Menschen, die sie angelegt haben, hinaus.

So wird die Bibliothek auch zu einem unheimlichen Ort. Es gibt Bibliotheken, in denen Menschen nur ermordet werden können. Es ist das Privileg einer vergangenen Bürgerlichkeit, in einer Bibliothek ermordet zu werden.

Die digitale Organisation des Wissens ist zugleich Fortsetzung und Ergänzung als auch Widerspruch zur Bibliothek. Durch die Digitalisierung des Wissens und der Texte wird die Bibliothek natürlich zu einem Ort des Luxus. Sie wird nicht wirklich gebraucht, und doch ertrüge man die Welt nicht ohne sie. Weiterlesen »

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Nov 03 2015

Die Abschaffung des Luxus

Veröffentlicht von unter Allgemeines,Gesellschaft.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Protz, Prunk und Luxus. Sie ähneln einander im äußerlichen so sehr wie sie im Inneren voneinander geschieden sind. Der Protz (den man eindeutig negativ konnotiert hat) ist eine reine Imponiergeste. Man zeigt den anderen, über welche Kaufkraft man verfügt, was man sich leisten kann (einschließlich geschmacklicher Abweichung), und vor allem, wie unterschieden man von ihnen ist. Der Prunk ist schon eine Sache des guten Geschmacks. Prunk adelt nicht nur den Besitzer, sondern auch den Ort. Ein protziges Haus ist kein angenehmer Anblick, ein prunkvolles kann es durchaus sein. Es kann schön sein über die Masken und Spiegeln des Besitzers hinaus. Vollends entrückt ist der Luxus, der nicht nur eines materiellen sondern auch eines sozialen Nutzens enthoben ist. Luxus kann einen Aspekt des Prunks haben, im Extremfall sogar einen Aspekt des Protzes, sein Wesen tangiert das aber nicht. Luxus kann etwas sein, das keine Berührung mit der Außenwelt hat, keinerlei performatives Element, sondern reine „unvernünftige“ Schönheit.

Nehmen wir als Beispiel das Schloß Neuschwanstein des späten „Märchenkönigs“ Ludwig II. in Bayern. Natürlich könnte man es zunächst als „protzig“ ansehen, schließlich samplet es ja Zeichen von Macht, Reichtum und Verschwendung. Aber dazu ist es, bei näherem Hinsehen, viel zu sehr schon aus seiner Zeit gefallen, es ist zu introvertiert, zu „krank“. Und damit eignet es sich letzten Endes auch nicht zum Prunk. Wirklich guten Geschmack wird diesem seltsamen Märchenschloss niemand zubilligen, Weiterlesen »

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