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	<title>Das Schönste an Deutschland ist die Autobahn &#187; Filmkritik</title>
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	<description>Das Georg-Seeßlen-Blog</description>
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		<title>DIE SCHÖNE SORGE: NOTIZEN ZUR FILMKRITIK</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Jul 2009 09:51:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Filmkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Filmwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Semiotik]]></category>

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		<description><![CDATA[„Einige wollten den Roman als eine Art kinematographisches défilé der Dinge. Diese Vorstellung war absurd“. So schrieb Marcel Proust. Einige andere aber wollten das Kino als eine Art romanesken Reigen der Dinge. Diese Vorstellung war genau so absurd.  
Sherlock Holmes und das Denkverbot: Man kam überein, das Richtige nur dadurch zu erhalten, dass das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Einige wollten den Roman als eine Art kinematographisches défilé der Dinge. Diese Vorstellung war absurd“. So schrieb Marcel Proust. Einige andere aber wollten das Kino als eine Art romanesken Reigen der Dinge. Diese Vorstellung war genau so absurd.  </p>
<p>Sherlock Holmes und das Denkverbot: Man kam überein, das Richtige nur dadurch zu erhalten, dass das Falsche ausgeschlossen wurde. Schritt für Schritt werden alle Alternativen beiseite gelegt, und was am Ende übrig bleibt, das wäre, nun ja, die Wahrheit. Die Welt ist das sorgsam geschiedene Material, das erschöpfend behandelt wird. So wurde die Sherlock-Holmes-Wissenschaft zum Todfeind intellektueller Offenheit: Die Widersprüche sind nicht nur zwischen den Dingen, sondern in den Dingen zu beschreiben. <span id="more-157"></span></p>
<p>Doch schon, wenn man die Welt als Bild betrachtet, ist es aus mit der Sherlock-Holmes-Methode. In einem Bild kann man weder etwas ausschließen noch Richtiges von Falschem unterscheiden. Paradoxerweise gibt es in einem Bild keine eindeutigen Indizien. Das Falsche im Bild ist nur zu beschreiben in Bezug auf etwas, das außerhalb des Bildes ist. Zum Beispiel hält man Teile eines Bildes in Bezug auf ein abgebildetes für „falsch“, etwa wenn ein armseliger Maler aus Versehen menschliche Gliedmaßen unproportional wiedergibt oder den Lichteinfall falsch berechnet. Im autonomen Bild dagegen gibt es nichts Falsches. </p>
<p>Das kinematographische défilé, von dem Marcel Proust sprach, gibt es daher nicht. Das Bild selber steht im Widerspruch zum défilé. Das Bestreben nach Autonomie des einen widerspricht der Ordnung des anderen. Umgekehrt möchten Text-Dimensionen autonom werden, ohne ihren défilé -Charakter überwinden zu können. Nur weil wir im Kopf den Roman sehen und den Film lesen, sind diese Geschichten der Widersprüche nicht verschwunden. </p>
<p>Wir „verstehen“, indem wir Elemente, die sich mehr oder weniger genau beschreiben lassen, miteinander in logische Beziehung setzen. Die Beziehung, nicht die Beschreibung, ist der „Sinn“. Logische Beziehungen wiederum sind Elemente, die sich miteinander in Beziehung setzen lassen. Und so weiter. Wissenschaft geht zurück auf die beschreibbaren Elemente, Kritik dagegen fügt den Beziehungen weitere hinzu. Mehr oder weniger logische Beziehungen zwischen Systemen, zum Beispiel dem System eines Films und dem System eines Wahrnehmungscodes. (Oder zwischen einem Bild und einer Regierung.)</p>
<p>Das défilé ist eine Illusion der Auswahl. Ein défilé der Waren, ein défilé der Körper, ein défilé der Thesen. Film ist die Auflösung des défilés. So dass auch der Kritiker fehl geht, wenn er glaubt, auswählen zu können, als säße er vor einer Nummernrevue. </p>
<p>Je komplizierter „Film“ wird, desto einfacher soll Kritik werden, als sei ihre Aufgabe vor allem die „Komplexreduzierung“. Das ist entweder Irrtum oder Korruption. </p>
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