Aug
01
2010
Kommunikation im Internet? Es ist wie wenn ein Mensch auf einer einsamen Insel eine Flaschenpost ins Meer wirft. Nur besteht der Ozean nicht aus Wasser, sondern aus lauter anderen Flaschen, dicke, dünne, leichte, schwere, durchsichtige, trübe, eigenartige oder gleichförmige Flaschen. Niemand „surft“ hier; alle sind mit Flaschensammeln beschäftigt. Die Botschaften von den anderen einsamen Inseln erzählen in der Regel davon, wie verrückt man auf einsamen Inseln ist, die man über das Flaschenmeer nicht verlassen kann. Man kann es sich nicht einmal vorstellen. Und die Flaschen vom Festland? Sie verhöhnen und bedrohen den Insulaner. Nein, sie errichten eine Brücke, sieh doch. Geh wieder hin wo alle sind. Deine Reise war nur ein Trug, deine Insel nichts als Mangel.
Kein Meer mehr, nirgends.
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Was erzählt da Eva Herman? Die Loveparade, das sei eine Party gewesen, die „symbolisch für den kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft stehe“, und: „Wer sich betrunken und mit Drogen vollgedröhnt die Kleider vom Leib reißt, wer die letzten Anstandsnormen feiernd und tanzend einstürzen lässt, der ist nicht weit vom Abgrund entfernt“. Die Frage ist nun nicht, ob diese Frau, wie man so sagt, eine Meise unterm Pony hat. Die Frage ist auch nicht, ob ihre Mischung aus bigotter Evangelikalsauerkeit und handfestem deutschen Faschismus irgend symptomatisch sei. Die Frage ist, was unsere Medien bewegt, einen solchen neidisch-hämischen Wahnsinn zu drucken.
Jul
31
2010
Wenn man sagt: Der Sinn des Lebens ist das Leben (und fast alle nicken bedächtig und verständig mit dem Kopf), so macht man sich den Abgrund nicht recht klar zwischen dem Satz: “Selbstverständlich lebe ich.” und der Frage: “Wie verständlich lebe ich?” (Für mich und für die anderen.) Mehr als selbstverständlich, und zugleich weniger, nämlich verständlich zu leben, dürfte einem alten Griechen, auch wenn er nicht allzu großen philosophischen Ehrgeiz besaß, als erstrebenswert erschienen sein. Vor dem Anspruch verständlich zu leben flüchten wir Heutigen uns lieber, wenn auch in die unterschiedlichsten Richtungen.
Was uns auf die schmerzhafte Frage bringt: Warum eigentlich waren diese alten Griechen so klug? Und warum sind wir so hemmungslos blöde?
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Als Angela Merkel eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Bett zu einer ungeheuren Birne verwandelt.
Die Birne als politische Metapher entstammt einerseits einer gewissen Kopfform von Herrschern, etwa der des französischen „Bürgerkönig“, der übrigens sowohl den verbliebenen Adel als auch etwas geistreichere Bürger in das trieb, was damals zum ersten Mal so genannt wurde, nämlich eine „innere Emigration“, oder der des deutschen Kanzlers vor dem Agenda-G. Schröder. Weiterlesen »
Mai
25
2010
Die offene Kritik
Wenn man die Dinge kritisiert, wie sie sind, müsste man es im Namen einer besseren Möglichkeit oder gar im Namen der offenen Zukunft machen. Was aber, wenn es keine Zukunft gibt? (Und unendlich viele Möglichkeiten, die sich nicht als „richtig“ und „falsch“ ausweisen können.)
No Future – nicht in der Form, dass es kein Morgen gibt. Keine Entwicklung mehr, keine Geschichte. Sondern in der Form, dass es keine lineare Entwicklung, kein Projekt, in Wahrheit nicht einmal eine Hoffnung gibt. (Auf diesen Teil der philosophischen Grundfragen, „Was darf ich hoffen?“, fällt uns derzeit nicht wirklich etwas ein.) Weiterlesen »
Mai
19
2010
Man kann nicht auf vernünftige Art vernünftig sein. Wenn man nämlich die Vernunft vernünftig gebrauchen wollte, so gebrauchte man sie besser überhaupt nicht. Wer unvernünftig genug ist, seine Vernunft zu gebrauchen, wird mit politischem Arbeitsverbot bestraft. Außerdem sind vernünftige Menschen unsympathisch. Es ist vermutlich richtig, zu behaupten, vernünftig zu sein bedeute eine besondere Form von Verrücktheit. Umgekehrt ist jede Verrücktheit vernünftig, so lange es nur eine allgemeine Verrücktheit ist.
Ist es nicht merkwürdig, mit wie viel Applaus wir Menschen bedenken, die öffentlich bekennen, bei der Ausübung von Politik, Kunst oder Ökonomie weniger den Kopf als den Bauch zu befragen? Möglicherweise denkt diese Gesellschaft ja tatsächlich mit dem Bauch.
Interessanterweise nun kann eine Gesellschaft oder ein Mensch, der mit dem Bauch denkt, den Bauch selber nicht denken. So ist ebenso, wie es unvernünftig ist, vernünftig zu sein, der Gefühlsmensch zugleich ein gefühlsloser.
So hat unsere Gesellschaft, mit einer scheinbar so einfachen Beziehung, das Kunststück fertig gebracht, sowohl das Denken als auch das Fühlen abzuschaffen.