Archiv für die 'Denken'-Kategorie

Dez 26 2015

SPLITTER: Fragen über Fragen

Veröffentlicht von unter Allgemeines,Denken.

Bevor man eine Frage stellt, muss man sich fragen, was sie bedeutet (ob sie von Bedeutung ist/wohin sie führt). Wie vieles, zum Beispiel, kann die Frage bedeuten:

Was gibt es heute abend zu essen?

Sie kann das eine oder das andere aussagen (denn jede Frage bezieht sich auf eine Aussage, so wie die Frage „Wer bin ich?“ nur Sinn macht in Bezug auf die Aussage „Ich bin“). Die Frage „Was gibt es heute abend zu essen?“ kann zum Beispiel bedeuten: Ich habe Hunger. Sie kann bedeuten: Mir ist langweilig. Sie kann bedeuten: Ich interessiere mich für den kulinarischen Diskurs.

Als Ableitung kann sie verstanden werden als „Wann gibt es endlich etwas zu essen?“ oder aber auch „Heute gibt es hoffentlich etwas anderes als gestern“.

In der Alltagspraxis wissen wir, dass die Frage

„Was gibt es heute abend zu essen?“

kolossalen Sprengstoff enthält und manch ein schwer einzudämmender Streit mit ihr begann. Es ist aber auch ebenso empirisch nachweisbar, dass die selbe Frage zu hoch interessanten Gesprächen, die Zubereitung von, sagen wir, Risotto, führen kann.

Man kann sich aber auch eine Frage vornehmen wie

Ist der Marxismus eine Wissenschaft?

Und schon sind wir wieder bei Foucault.

Jetzt kommen wir nämlich nicht mehr darum herum, die Frage zu beantworten: Warum ist es eigentlich wichtig, zu unterscheiden, ob Marxismus eine Wissenschaft ist oder nicht? Weiterlesen »

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Okt 30 2015

Das Geld und die Freiheit als Tauschobjekt

Veröffentlicht von unter Denken.

Onkel Dagobert lebt hier nicht mehr

Das Wesen des Geldes ist es, mehrere Wesen zu haben bzw. zu sein. Diese Wesen können sich durchaus widersprüchlich zueinander verhalten, so dass eine Theorie des Geldes ohne weiteres neben einer anderen bestehen kann, die etwas ganz anderes besagt. Die interessantesten Terrains sind natürlich jene, in denen sich die Felder unterschiedlicher Geld-Theorien überschneiden.

Wäre das Geld etwas, dann hätten die Menschen es wahrscheinlich schon längst wieder abgeschafft. Jede Utopie beinhaltet die Abschaffung des Geldes. Jedes historische Projekt zerbricht letztlich an der Unabschaffbarkeit des Geldes. Denn das Geld ist nicht nur etwas, sondern immer auch etwas anderes.

Eine Theorie, eine der kleineren, besagt, dass das Geld als Potential, als Wahlmöglichkeit im Waren- und Dienstleistungskreislauf dem Konsum(gut) gegenüberstehen würde. Geld ist also eine Form von Freiheit. Diese Freiheit (natürlich eine besondere und beschränkte Form der Freiheit auf dem Markt) wird gegen das Konsumgut eingetauscht, welches sich inszeniert hat als die Erfüllung eines Wunsches.

Es ist also verständlich, dass ich bei jedem Kauf-Akt Freiheit gegen Wunscherfüllung tausche. (Unnötig zu sagen, dass auch der Wunsch etwas sehr kompliziertes ist, in einer Linie zwischen Notwendigkeit, Begehren und Paranoia.) Je weniger Geld ich habe, desto größer ist der Verlust an Freiheit, den ich für eine Wunscherfüllung in Kauf nehmen muss. Viele Menschen wollen mehr Geld verdienen, als sie eigentlich brauchen, weil sie dies als Freiheit empfinden. Weiterlesen »

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Okt 27 2015

Poem über die Freiheit

Veröffentlicht von unter Denken,Gesellschaft.

Wenn alles in der Natur vernünftig ist, und der Mensch ein Teil der Natur ist, dann gibt es für ihn keine Freiheit.

 

Wenn es für den Menschen Freiheit gibt, dann ist er entweder kein Teil der Natur, oder die Natur ist nicht vernünftig.

 

Ist die Natur halb vernünftig und halb unvernünftig und der Mensch Teil der Natur, dann ist er wohl auch halb frei und halb unfrei.

 

Kultur ist unter anderem die Verwandlung von Frei-Sein (was nicht zu ertragen ist) in Freiheiten-Haben.

 

Wie aber kann der Mensch vernünftig sein, wenn die Natur nicht vernünftig ist und er Teil der Natur ist?

 

So benutzte er seine Freiheit, um der unvernünftigen Natur (einschließlich der unvernünftigen Natur in sich selbst) seine Vernunft aufzudrängen. Weiterlesen »

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Apr 02 2015

Beute und Gespenst – Eine Skizze

Veröffentlicht von unter Demokratie,Denken,Gesellschaft.

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Kapitalisierung ist, seit dem, was wir uns eher mythisch als „ursprüngliche Akkumulation“ (nämlich den Gewaltakt der Entwendung und der Versklavung) vorstellen, ein unabgeschlossener und unabschließbarer Vorgang. Der Kapitalismus braucht etwas, das er „erobern“ kann. In jedem Jahrhundert seines Bestehens und in jeder seiner Erscheinungsformen scheint das etwas anderes zu sein: Ländereien, Rohstoffe, Arbeitskräfte, Ideen schließlich. In dem Stadium, in dem wir uns befinden, der Peak des „Finanzkapitalismus“, spielt die „innere Landnahme“, von der schon Rosa Luxemburg sprach, eine wichtige Rolle. Kapitalisierung greift nach den „Naturkapitalien“, wie Luft, Wasser, Bewegung etc. Nach den inneren „Werten“, der Phantasie, den Träumen, der Kunst, der Information und so weiter und zugleich übernimmt die Ökonomie, vollständiger als je, auch das Feld der Kunst. Kapitalisierung, mit einem Wort, betrifft nun nicht mehr allein das, was man umfassend genug „Gesellschaft“ nennt, sondern noch mehr das, was man früher „Seele“ nannte.

Das Nicht-Eroberte ist dem Kapitalismus zugleich Beute und Gespenst. Genau gesagt nicht Beute und Gespenst nacheinander oder gleichzeitig, sondern Gespenst als Beute, und Beute als Gespenst.

Alles Eroberte lebt als Gespenst und Beute weiter, von der Magie bis zum Kommunismus. Daher ist der Kapitalismus auch als ein gewaltiges Spukhaus zu beschreiben. Genauer gesagt, er beschreibt sich selber als solches. Er nennt das seine „Kultur“.

Diese Kultur produziert industriell, und dann postindustriell (digital) Bilder, Begriffe und Erzählungen, die von Beute und Gespenst in allen Dingen sprechen. Wenn man Beute und Gespenst denkt, „versteht“ man nahezu alles, was an Bildern, Begriffen und Erzählungen im Kapitalismus produziert werden kann. Allerdings: Das Geheimnis besteht in der Unzahl der Beute / Gespenst-Beziehungen.

Die „Arbeit“ des Kapitals besteht darin, das Gespenst in der Beute einzumauern; jede Revolte (gleichwohl sie stets wieder eingefangen und zur Produktion neuer Terrains für die innere Landnahme missbraucht werden wird) versucht, das Gespenst aus der Beute zu befreien. Dabei entstehen neue Gespenster, und damit entsteht neue Beute.

Geld ist „reine Beute“, „reines Gespenst“ und „reine Beziehung“, das heißt das zu Transformierende, die Transformation und das Transformierte, immer in neuer Gestalt (und immer in der alten: Das Geld von heute ist Beute und Gespenst des Geldes von gestern).

(Beute und Gespenst sind die  Motoren der Geschichte. Wird ihr Verhältnis prekär, so wird die Geschichte suspendiert. Geschichtslosigkeit ist ein Wesenszug des Finanzkapitalismus. Sie zu überwinden ist wohl nicht automatisch, wie man hier und da erhofft, die Überwindung auch des Kapitalismus’, sondern kann ebenso auch nur nächste Transformation bedeuten.)

Dass wir aus Angst und Lust zusammengesetzte Wahrnehmungsmuster pflegen, die wir wahlweise „freisetzen“ und zu „kontrollieren“ versuchen, in einer Form des Managements, ist der natürliche Rohstoff des Beute / Gespenst-Schemas, in dem die Lust des Seins zum Fetisch des Habens, und die Furcht vor der wirklichen Welt zur Angst vor der Unwirklichkeit in allem geworden ist. Anders als Lust und Angst ist Beute und Gespenst über-individuell zu managen. Der Beute-Aspekt und der Gespenst-Aspekt eines Dings trifft auf ein Wir, ein Ich und ein Es gleichermaßen. Zwar nimmt am Ende einer die Beute, doch haben „wir“ vordem das Ding durch seine Beutehaftigkeit identifiziert und gezähmt bzw. gelähmt. Das Ding, das auf diese Weise zur Beute geworden ist, ist für das Leben verloren. Beides, Beute und Gespenst, sind „untot“. Weiterlesen »

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Sep 15 2014

Die drei großen Leugnungen. Kleines Statement zur Lage der Dinge

Veröffentlicht von unter Demokratie,Denken,Gesellschaft.

Der große Konsens, in dem wir in einer Gesellschaft wie der unseren allenfalls um Akzentverschiebungen oder Geschmacksfragen streiten dürfen, basiert auf der mehr oder weniger radikalen, religiösen und psychotischen Verdrängung von drei historischen Ereignissen, deren Symptome zugleich so deutlich sind, dass diese Verdrängungsarbeit soziale und subjektive Krankheit auslöst.

Finanzkapitalismus und Postdemokratie, im Verbund mit der digitalen Umwandlung der Kommunikations-, Waffen- und Überwachungstechnologie, verändern Wirtschaften, Regieren, Ordnen, Kommunizieren etc. auf eine so drastische Art, dass wir von einem Diskurs- und Systemwechsel sprechen müssen. Der Vorschein der neuen Diskurse und Systeme verheißt nichts Gutes.

Die asymmetrischen, dezentralen, unübersichtlichen und „schmutzigen“ Kriege dieser Zeit bilden, wagte man nur, sie zusammenzudenken, das Muster eines Dritten Weltkrieges, in dem wir uns befinden und der dazu tendiert, die beiden vorhergegangenen an Dauer, an Opfern und an nachhaltigen Zerstörungen zu übertreffen. Nahezu alles, was uns aus diesem unerklärten, dezentralen dritten Weltkrieg erreicht, entspricht in Form und Inhalt der Propaganda.

Eine Folge von beidem ist eine ebenso untergründige wie offenbar unaufhaltsame Faschisierung der Gesellschaften, wobei es kein Widerspruch ist, dass sich die verschiedenen Faschismen und Partialfaschismen gegenseitig kulturell und blutig bekämpfen.

Dass diese drei Ereignisse tatsächlich stattfinden ist im Detail evident, und wird durch die auf Evidenz fixierten Medien auch entsprechend vermittelt. Zugleich aber dürfen sie nicht sein. Das Zersplitterte der Nachrichten ist vielleicht nicht nur einer Unübersichtlichkeit der Verhältnisse zu verdanken, sondern einer eingebauten („eingepflanzten“) Unfähigkeit der Rezeption. Nicht die Welt wird unlesbar, sondern das Lesen der Welt wird unmöglich. Weiterlesen »

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Sep 12 2014

Die zwei Seiten der Sprache

Veröffentlicht von unter Denken,Gesellschaft.

Die Sprache ist ein Medium, das einer beständigen Neuverteilung unterliegt. Der eine Impuls in ihr ist die Selbsterhaltung und Stabilität; eine Sprache will sich durch die Praxis des Sprechens reproduzieren und kanonisieren. Der andere Impuls in ihr ist die Anpassung und Mobilität; eine Sprache will sich durch die Praxis des Sprechens entwickeln und verändern. Es liegt nur allzu nahe, diese beiden Impulse der Sprache zurück zu projizieren auf andere Elemente der Gesellschaft, die „konservative“, „rebellische“ oder „fortschrittliche“ Aspekte aufweisen (zum Beispiel der Code der Ernährung oder die Verteilung der Macht). Und was Sprache als Kunst anbelangt, die Literatur, da sind wir in aller Regel eher auf Seiten der Erneuerer und der Revolutionäre gar.

Allerdings ist weder das Erhalten noch das Zerstören von Sprach-Elementen (Wortschatz, Grammatik, Stil und Reflexion) ein Wert an sich. Neben der Sprache selbst gilt es demnach nicht allein ihre Veränderung nebst ihren Bedingungen  zu untersuchen, sondern auch die Macht und das Interesse, das sich darin ausdrückt.

Eine erste, sehr einfache Art der Sprachzerstörung ist die „Nachlässigkeit“ gegenüber den kanonisierten Elementen. Man spricht bzw. schreibt „schlecht“, „falsch“ oder ungenau aus schierer Faulheit und Anmaßung. Die Frage ist nun einerseits, wie viel von dieser schlechten, falschen oder ungenauen Sprache sich eine durch eben diese Sprache (mit) gebildete soziale Situation gefallen lässt, und welche Schlüsse sie daraus zieht.

Eine allseits anerkannte Institution, die ein „richtiges“, „gutes“ und genaues Sprachen vorgeben könnte, gibt es nicht (mehr); die Macht des Duden (usw.) ist ausgesprochen abstrakt (nicht mehr und nicht weniger als eine Schiedsrichterfunktion für einen Sport, den es offensichtlich in einer Straßen- wie einer Hochleistungsversion gibt). Diese Macht wird immer konzentrierter in einem geschlossenen Raum und immer wirkungsloser in einer Gesellschaft. Weiterlesen »

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Sep 11 2014

Was ist eigentlich „etwas Neues“?

Veröffentlicht von unter Denken,Gesellschaft.

Der Fortschritt, ohne den unserer Wirtschaftsform das Wachstum nicht möglich scheint (und ohne dieses nicht das Überleben), ist seinerseits nicht möglich ohne das Prinzip der „Innovation“. In aller Regel handelt es sich bei „Innovationen“ um euphemistische Beschreibungen von Variationen, Kombinationen und, nun ja, Verbesserungen. Die Frage, was nun eigentlich jeweils das Neue sei, wird höchst vage beantwortet: Das Ding ist so wie vorher keines war gestaltet, man kann etwas damit machen, was man vorher nicht machen konnte, es gibt eine soziale Praxis, die sich unter dem Einfluss des Dings und seines Gebrauches, sagen wir einer Kaffeemaschine mit „neuartigem“ Dosierungsmechanismus, verändert. Die eigentliche Innovation im Warenzyklus freilich bleibt meistens unsichtbar, sie betrifft die Herstellung der Ware, vom Gewinn der Rohstoffe über die Maschinen bis hin zur Organisation der Arbeit. Gewinner ist, wer etwas Altes neu erscheinen lassen kann, und dabei neue Produktionsmittel einsetzt, welche mehr Profit für weniger „Einsatz“ versprechen. Das gilt nicht nur für die gewöhnliche Waren-Produktion, sondern auch für die Herstellung von Nachrichten oder von „Wissen“. Eine Neuigkeit, die eigentlich das Alte ist (das Wiederkehrende), die Nachricht, die eigentlich die Aktualisierung des Mythos ist, ein Wissen, das uns hilft, uns nicht zu verändern – kurz: Die Neuigkeit, die als wesentlichen Inhalt die Verhinderung des Neuen hat.

Wir sprechen von einer Innovation, die eigentlich nur die Erfüllung von Projektionen ist, die eher Lücken schließt als ins Offene zu führen. Als das Neue nämlich, so definiert es Umberto Eco, können wir uns ein Faktum vorstellen, „für das die schon existierenden Rechtfertigungen nicht hinreichen und das darum die Revision der abstrakten Definitionen, die es zu erfassen behaupten, erfordert“. Weiterlesen »

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Sep 05 2014

Das Einfache und die Vereinfachung

Veröffentlicht von unter Denken.

Um es mit den Worten von Pete Seeger zu sagen: „Jeder Volldepp kann etwas kompliziert machen. Man braucht Genie, um etwas einfach zu machen“.

Aber was ist das, „einfach machen“? Das ist nun wieder kompliziert.

Das Einfache liegt in den Dingen. Aber es liegt in ihnen verborgen. Wenn man das Einfache einfach behauptet, ist es auch schon verschwunden.

Dann nämlich ist das Einfache in den Dingen nicht etwa gefunden, sondern im Gegenteil, die Vereinfachung drückt nur noch die komplizierten Machtverhältnisse aus, die sie ermöglichten. Vereinfachen können Diktatoren, Dogmatiker, Populisten, Trickbetrüger und Autoverkäufer. Jeder weiß (oder sollte es wissen), dass dies die falsche Form von Einfachheit ist.

Der Weg zur Einfachheit ist so kompliziert, dass auch einem wie Pete Seeger dazu nur das Wort „genius“ einfällt. Ein Wort, das so kompliziert ist, dass man es gar nicht genauer ansehen möchte, aus lauter Angst, es könnte genau so zurück sehen.

Man muss verstehen, dass das Einfache jenseits des Wirklichen liegt. Es ist Utopie oder Transzendenz, je nachdem.

Man kann das Einfache deswegen weder haben noch sein. Aber sein Vor-Schein wird nicht nur in der Kunst, sondern auch im Denken immer wieder „erarbeitet“.

Wer glaubt, dass man das Einfache ohne das Komplizierte erlangen kann, hat weder das eine noch das andere verdient. Das Einfache ist nicht die Leugnung, sondern die Überwindung des Komplizierten. Weiterlesen »

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Sep 02 2014

Politik erzählen

Veröffentlicht von unter Denken.

Wieder so eine Skizze

Jede politische Idee funktioniert wie eine Erzählung, oder sie tut es nicht. Was man braucht: Sätze und Kapitel. Eine Perspektive. Protagonisten. Schauplätze.
Und Sprache. Sie ist in uns und außer uns, das ist ihr Job.
All das kann in Frage gestellt, multipliziert oder gebrochen werden. Mit einem völligen Fehlen oder einer radikalen Leugnung aber bricht die Erzählung, und damit die politische Idee zusammen.

Eine politische Idee (nur zum Beispiel: Links-Sein, An den Markt glauben, Die Nation wollen, einen Feind definieren) setzt sich aus Ideogrammen, aus Mythen, aus Dogmen, aus Projektionen usw. zusammen, die für sich genommen noch nicht unbedingt erzählen, doch erst durch den Vorgang des Erzählens werden sie miteinander verbunden. Durch den Vorgang einer solchen Erzählkonstruktion werden sie aus dem Status des „Spukens“ (Wie viel Faschismus spukt in einem deutschen Gehirn?) in den einer „Überzeugung“, aus dem von Splittern in den eines Mosaiks gerückt. Weiterlesen »

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Mai 04 2014

Der Abdruck des Subjekts, die Ware als Antwort und der fundamentale Konformismus

Veröffentlicht von unter Denken.

„Bekämpft“, sagen Adorno und Horkheimer in der „Dialektik der Aufklärung“, „wird der Feind, der bereits geschlagen ist, das denkende Subjekt“. Der Kampf gegen das denkende Subjekt, so scheint es, ist in die Endphase der Hysterisierung gelangt. Für die Gesellschaft der marktkonformen Demokratie ist es als Feindbild der Nachfolger des „Kommunisten“ (nicht, dass man nicht auch noch auf dieses tote Pferd einprügeln könnte). Doch wer nicht denkt wie alle anderen, den soll nicht so sehr der Hass treffen, als vielmehr die Verachtung. Wir leben in einer Kultur der Verachtung, und noch vor dem Lesen und Denken lernt der Insasse dieser Kultur das taktische und strategische Verachten. Unter den Objekten der Verachtung befindet sich an prominenter Stelle, und nur scheinbar paradox, das denkende Subjekt. Mainstream-Medien in dieser Kultur haben vor allem als heißen Kern ihrer Botschaften-Knäuel die Verachtung des denkenden Subjekts.

Aber warum ist es „bereits geschlagen“? Und warum muss es so vehement „bekämpft“ werden? Vielleicht hilft ein kleiner Rückgriff.

Der Aufklärung schon kam das Ich in die Quere; kein Ding, musste Kant zugeben, ohne die Begleitung „meiner Vorstellung“. Was wahrgenommen werden kann, das muss durch ein Subjekt wahrgenommen sein. Wir müssen das Ich an jedem Objekt mitdenken, so weit so gut.

Verändert dies aber nur die Wahrnehmung des Dings, oder auch das Ding selbst? Hat es eine Spur des Subjekts in sich, einen Abdruck des Gesehenwordenseins? Gewiss, einem Baum sieht man es nicht an, ob ich ihn gesehen habe oder nicht, ob ein Ich ihn gesehen hat oder nicht. Es sei denn, ich beginne ihn zu bearbeiten. Dann wird zum Beispiel ein Tisch daraus und ein Stuhl, oder der Baum wird zum Träger eines Zeichens, aber es wird auch Geld und „Ordnung“ daraus. Weiterlesen »

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