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	<title>Das Schönste an Deutschland ist die Autobahn &#187; Demokratie</title>
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	<description>Das Georg-Seeßlen-Blog</description>
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		<title>Ist es reaktionär, komisch zu sein?</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jun 2010 06:20:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Komische, na klar, hat einerseits einen unbezweifelbar therapeutischen Zweck (wer sich krank lacht, will sich in Wahrheit gesund lachen); es hilft dem Unterdrückten (was Sexualität, Politik, Religion, Mamma und den Polizisten anbelangt) zum hinterrücksen Ausdruck. Aber genau da haben wir es schon. Die komische Umgehung der Zensur ist immer auch ihre Bestätigung.
Unsere mediale Lachkultur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Komische, na klar, hat einerseits einen unbezweifelbar therapeutischen Zweck (wer sich krank lacht, will sich in Wahrheit gesund lachen); es hilft dem Unterdrückten (was Sexualität, Politik, Religion, Mamma und den Polizisten anbelangt) zum hinterrücksen Ausdruck. Aber genau da haben wir es schon. Die komische Umgehung der Zensur ist immer auch ihre Bestätigung.</p>
<p>Unsere mediale Lachkultur freilich (und sie geht einer nicht unerheblichen Anzahl von Menschen zunehmend auf die Nerven) leidet erst einmal unter einem sehr erheblichen Mangel an Zensur. Das widerspricht dem ollen Sigmund Freud doch fundamental, der behauptet hat, auch diesbezüglich sei das Komische vor allem eine Antwort auf die Repression. Nun sehen wir, dass in einer Gesellschaft, in der was Sexualität, das Bild und den Text dazu, anbelangt, eigentlich beinahe nichts verboten ist, alle Welt in Zoten, Obszönitäten und lustspielhaften Umkreisungen der Geschmacklosigkeit schwelgt.<span id="more-698"></span> Erinnern wir uns an Freud, der behauptete, die Zote sei ein sexuelles Gespräch mit einem abwesenden Gegenüber (das war zu seiner Zeit in der Regel so, dass Männer Zoten erzählten, während Frauen woanders waren). Ebenso, nehmen wir an, funktionierten, zweischneidig, die entsprechenden Zoten um Homosexualität: Man spricht nicht nur mit dem Abwesenden, man spricht auch die Abwesenheit. Anwesenheit und Abwesenheit in unserer Gesellschaft sind freilich nicht mehr durch geschlossene Türen in der Wohnung der Bel Etage zu definieren.</p>
<p>Und ähnlich wie mit der Sexualität geht es mit der Politik. Wenn man „politische Satire“ betreibt, dann spricht man mit dem abwesenden Herrscher und zugleich spricht man die Abwesenheit des Herrschers aus. Die ambivalente Form dieses Witzes funktioniert nur, wenn ein Schutzmann oder ein Vertreter von Horch &amp; Guck um die Ecke lauert. Zwanghafte Witzigkeit oder die Politik in einer einzigen Vorstellbarkeit, nämlich als Satire, spricht etwas anderes. Man versichert sich wechselseitig des Unernstes in der Entzweiung.</p>
<p>Natürlich lacht auch der Herrscher, und er lacht vor allem über die Dummheit des beherrschten Volkes. So bleibt auch die erste Aufforderung an uns, und zwar die, über uns selber lachen zu können, zweischneidig. Einerseits macht es uns im Umgang mit den anderen sympathischer; man kann einfach besser umgehen mit Leuten, die sich nicht so tierisch ernst nehmen (wir unterstellen, übrigens durchaus nicht immer gerechtfertigt, dass solche Personen sich nicht über die anderen erhöhen, ihre Ziele nicht mit „blutiger“ Konsequenz verfolgen würden). Andrerseits versetzt uns der Lachzwang aber auch in die gespenstische Position, mit dem Ausgelacht-werden einverstanden zu sein. Im endlosen Gelächter der medialen Spaßkultur lachen uns die Verhältnisse aus. Und die Kollegen, diese Schweine, lachen mit.</p>
<p>Die Satire bezeichnet, eher paradox, eine Situation, die dringend geändert werden müsste (Heuchelei, Korruption, Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Bürokratie, Despotismus etc.), und zugleich bezeichnet sie, da man diese und keine andere Form der Darstellung benutzt, auch ihre Unveränderbarkeit. Erst im Hingenommenen werden Machtverhältnisse zum Witz, so wie sie im Witz zu Hingenommenem werden.</p>
<p>Als in den sechziger Jahren für die demokratischen Politiker Pflicht wurde, etwa zu den Vorstellungen der Münchner Lach- und Schießgesellschaft zu erscheinen, um sich dort – „gute Miene zum bösen Spiel“ &#8211; ein paar verbale Ohrfeigen einzufangen, sah man dem Pflicht-Lachen der Politikerinnen, Wirtschaftsbossen und, nun ja, Kulturschaffenden noch ein wenig von den Schmerzen an, die das bereitete. Mittlerweile ist diese rituelle Form der Anwesenheit jenes Abwesenden, dem die satirische Zote gilt, populistischer Alltag (auch wenn er gelegentlich durch Spielverderber der Art von Guido Westerwelle durchbrochen ist: der Mann ist sich selber Witz genug). Die lachende Peinigung als Spiel des öffentlichen (Hin-) Richtens ist nun Alltag geworden. Und solche Karnevalisierung hat die Politik offensichtlich in den letzten Jahren nicht daran gehindert, schlimmeres zu betreiben als die Satiriker ausdenken konnten. Mit anderen Worten: Nicht nur der Gehalt an Aufklärung sondern auch der an kritischer Erziehung ist höchst zweifelhaft. (Wahrscheinlich erkennen die Politiker in der medialen Spaßkultur, dass das Volk es ohnehin nicht ernst meint, und noch weniger, wenn man ihm Grund zur guten Laune gibt.)</p>
<p>Und doch wieder: Sollte uns das Lachen vergehen, so gefährdeten wir nicht nur die Herrschaft, sondern auch uns selbst. Denn natürlich ist das politische Witzemachen auch ein Archiv und eine Sprache unseres Wissens von der Herrschaft. Dampf ablassen (um dann weiter zu funktionieren) ist das eine, das andere ist es, zu sagen, was längst in den „ernsthaften“ Kanälen der Information und der Kritik nicht mehr gesagt werden kann. Nicht weil es ein despotischer Herrscher verböte (dem wir dann mit einer Verfeinerung der satirischen Mittel begegnen könnten), sondern weil die Spaßkultur ein lukrativer Markt ist.</p>
<p>In der Satire wird die Welt indes unbeschreiblich (dumm). Und im Gelächter erklären wir uns einverstanden mit Verhältnissen, die man nicht einmal ernsthaft darstellen kann. Unseren aufklärerischen Vorfahren war die Satire immer ein Mittel unter vielen, uns Heutigen scheint sie dagegen das Endlager aller vergeblichen Hoffnungen und kritischer Energie. Dabei ist die Illusion, in der Satire wenigstens hätten wir eine Teilhabe, die wir im demokratischen Prozedere längst nicht mehr real haben, so oft vor unseren Augen zerplatzt, und die Macht, die wir, nach Brechts Worten, in der Karikatur „zur Kenntlichkeit entstellen“ könnten, beweglicher als unser Witz. Das ist eine der Metapointen unserer Spaßkultur: Das Kabarett, das alles darf und nur wenig fürchten müsste, hinkt der politischen und ökonomischen Wirklichkeit hoffnungslos hinterher.</p>
<p>Unter anderem, weil die Damen und Herren Kabarettisten auf die Lacher aus dem Publikum warten müssen. Man will ja nicht arrogant, elitär oder insiderisch sein, nicht wahr. Deswegen sehen wir Kabarettisten derzeit bei ihrer zähen Arbeit zu, das Publikum aus der Mitte „abzuholen“. Selbst die kritischsten unter ihnen, so viele gibt es da nicht mehr, bedienen und füttern es, bis sie selber nicht mehr wissen, ob das Bedienen und Füttern (für ein Lachen, das sie selber, wir sehen es ihnen gelegentlich an, als Ausdruck bösen und falschen Bewusstseins erkennen müssen) nicht zum Hauptzweck geworden ist. Nicht mehr über die kenntlich gemachte Herrschaft und nicht mehr „über sich selbst“ lacht dieses Publikum dann, sondern über alle, die vermeintlich noch ärmer dran, noch blöder gemacht, noch hilf- und geschmackloser sind.</p>
<p>Der Satire entzieht sich also nicht nur das Objekt, geschmeidig wie postdemokratisch-neoliberale Herrschaft nun mal ist, auch das Subjekt, der empörte oder skeptische Bürger, scheint zu verschwinden. Das Werk aber ist getan: Zwischen der Herrschaft und den Beherrschten, so unscharf ihre Trennung sein mag, jedenfalls wenn man keinen Einblick in Bankkonten hat, ist ein medialer „Freiraum“ der schieren Beliebigkeit entstanden, in den der Bürger zwecks Amüsemang und der Herrscher zwecks Beliebtheit gehen kann. Dieser Freiraum schafft Illusionen von Partizipation und Freiheit unter der Voraussetzung, dass sie außerhalb nicht eingefordert werden. Satire darf dies und jenes (<em>alles</em> ganz bestimmt nicht), aber sie darf ihren medial, politisch und ökonomisch geformten Raum nicht verlassen. So ist sie, wie die Zote in der neuen sexuellen Ökonomie, die auf eine Vulgarisierung der sozialen Beziehungen hinausläuft (um ihnen die politischen Impulse zu nehmen, unter anderem, um sich als voyeuristisches Objekt dem medialen Zugriff zu unterwerfen: Big Brother, das sind die anderen, die darauf warten, dass du die genau richtige Version von Obszönität ablieferst), ist auch die politische Satire zum Instrument der Mikrophysik der Macht geworden. Jetzt lachen wir uns wirklich krank.</p>
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		<title>Was die &#8220;Rettung von Griechenland&#8221; anbelangt&#8230;</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 18:36:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Komplexreduzierung daily
Was die „Rettung von Griechenland“ anbelangt, bescheißt uns die Regierung gerade wieder nach Strich und Faden; selbst der F.A.Z. fällt auf, dass eine Politik, die ausschließlich im Interesse der Banken funktioniert, gleichsam automatisch eine Politik gegen das eigene Volk sein muss (man sagt es nur nicht so). Und die BILD-Zeitung formuliert das diesbezügliche Unbehagen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Komplexreduzierung daily</strong></p>
<p>Was die „Rettung von Griechenland“ anbelangt, bescheißt uns die Regierung gerade wieder nach Strich und Faden; selbst der F.A.Z. fällt auf, dass eine Politik, die ausschließlich im Interesse der Banken funktioniert, gleichsam automatisch eine Politik gegen das eigene Volk sein muss (man sagt es nur nicht so). Und die BILD-Zeitung formuliert das diesbezügliche Unbehagen nach dem Muster seltsam rassistisch anmutender Kampagnen um (als müsste um jeden Preis der Welt verhindert werden, dass die Beschissenen dieser Erde sich solidarisieren).</p>
<p>Die Art, wie demokratische Regierungen die Bevölkerung bescheißen, funktioniert am Ende in der Regel immer, denn sie bedienen sich dabei der Medien, die sie perfekt zu bedienen gelernt haben (wenn auch mal, wie man so sagt, über die Bande). Politiker, die es lernen, mit Medien umzugehen, verlernen zuerst, mit echten Menschen umzugehen, und dann verlieren sie die Fähigkeit, überhaupt noch mit der Wirklichkeit umzugehen. Außer natürlich mit der Wirklichkeit des Kapitals.</p>
<p>Bei jeder solchen Krise, so scheint es, kann auch die demokratische oder eben postdemokratische Herrschaft nachher genau so weiter machen wie bisher. Aber jedes Mal erzeugt sie eine nächste Gruppe von Menschen, die nicht mehr mitmachen, die das alles nichts mehr angeht, die leer gewordene Rituale der Demokratie nicht mehr füllen wollen.</p>
<p>Die Geschichte der Demokratie ist dann zu Ende, wenn die Anzahl jener, die nicht mehr mitmachen, mehr oder weniger identisch mit der Anzahl der Wahlberechtigten in einer Gesellschaft ist (abzüglich von Mafia- und Parteimitgliedern). Lang kann das nicht mehr dauern. Dann muss eine demokratische Regierung wohl tatsächlich Brechts Vorschlag befolgen, das Volk auflösen und sich ein neues wählen. Naja, wenn es noch eines gibt jedenfalls.</p>
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		<title>„Nicht in unserem Namen!“</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 08:56:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Bitte unterstützt unsere Kampagne „Nicht in unserem Namen!“
und sendet ein E-Mail mit Eurer Zusage und einer kurzen persönlichen Stellungnahme an:
nicht-mit-mir@oeku-buero.de
oder per Fax: 089 &#8211; 48 76 73
Am 5. Februar 2010 will Oberbürgermeister Christian Ude die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der „46. Münchner Sicherheitskonferenz“ zu einem festlichen Empfang im Alten Rathaussaal einladen. Dort möchte der OB im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bitte unterstützt unsere Kampagne „Nicht in unserem Namen!“</p>
<p>und sendet ein E-Mail mit Eurer Zusage und einer kurzen persönlichen Stellungnahme an:</p>
<p><a href="mailto:nicht-mit-mir@oeku-buero.de">nicht-mit-mir@oeku-buero.de</a></p>
<p>oder per Fax: 089 &#8211; 48 76 73</p>
<p>Am 5. Februar 2010 will Oberbürgermeister Christian Ude die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der „46. Münchner Sicherheitskonferenz“ zu einem festlichen Empfang im Alten Rathaussaal einladen. Dort möchte der OB im Namen der Stadt München Regierungschefs, Militärexperten und Minister, Politiker und Diplomaten der führenden Nato-Staaten, Generäle der Nato und der Bundeswehr sowie Wirtschafts- und Rüstungsmanager begrüßen und damit diese Militärkonferenz im Namen aller Münchner und Münchnerinnen legitimieren.<span id="more-490"></span></p>
<p>Dazu erklären wir: Das geschieht nicht in unserem Namen!</p>
<p>Bitte unterstützt unsere Kampagne „Nicht in unserem Namen!“ und sendet ein E-Mail mit Eurer Zusage und einer kurzen persönlichen Stellungnahme an:</p>
<p><a href="mailto:nicht-mit-mir@oeku-buero.de">nicht-mit-mir@oeku-buero.de</a></p>
<p>oder Fax: 089 &#8211; 48 76 73</p>
<p>Postanschrift:</p>
<p>Ökumenisches Büro e.V.</p>
<p>Pariser Straße 13</p>
<p>81667  München</p>
<p>Liste der ErstunterzeichnerInnen (Stand 7.12.2009):</p>
<p><em>Martin Löwenberg</em>, Überlebender des KZ Flossenbürg und der KZ-Außenlager Longwy-Villerupt und Leitmeritz, Mitglied im Landesvorstand der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) in Bayern</p>
<p><em>Konstantin Wecker</em>, Sänger, Musiker und Autor</p>
<p><em>Ecco Meineke</em>, Kabarettist, Musiker und Ensemblemitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft</p>
<p><em>Ernst Grube</em>, Überlebender des KZ Theresienstadt, Landessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten (VVN/BdA) in Bayern</p>
<p><em>Prof. Dr. Bernhard Gil</em>l, Dozent am Institut für Soziologie der LMU München</p>
<p><em>Ingrid Scherf</em>, Übersetzerin und Buchhändlerin, seit 25 Jahren Mitglied der Gewerkschaft ver.di</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p><strong>Zur Information:</strong></p>
<p>Am Freitag, 5. Februar 2010 ab 17 Uhr findet eine Antikriegs-Kundgebung auf dem Marienplatz statt.</p>
<p>Am Samstag, 6. Februar, 13 Uhr Marienplatz, die bundesweite Großdemonstration gegen die Münchner Kriegstagung.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p><strong>Erklärung zum Ziel der Initiative:</strong></p>
<p>Eine breite gesellschaftliche Debatte gegen die Militarisierung der Gesellschaft und die Normalisierung von weltweiten Kriegseinsätzen auslösen. Es soll eine Kampagne von Einzelpersonen sein &#8211; bekannten und unbekannten -, die mit ihren Argumenten an die Öffentlichkeit treten.</p>
<p>- in Form von Pressemitteilungen und Plakatwänden</p>
<p>- in Form von Pressekonferenzen</p>
<p>- auf einer eigenen Webseite</p>
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		<title>MACHT OHNE SOUVERÄN</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Nov 2009 12:33:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[oder: Was geschieht eigentlich beim Zerfall des demokratischen Fürsten?
Wir verstehen, meint Foucault, zu wenig von der Macht, wenn wir sie auf das Problem des „Souverän“ reduzieren. (Das Denken der Macht in der Demokratie leitet sich offensichtlich immer noch vom „Fürsten“ ab.) Da die Macht in der Demokratie sich als mehr oder weniger gerecht, jedenfalls vernünftig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>oder: Was geschieht eigentlich beim Zerfall des demokratischen Fürsten?</strong></p>
<p>Wir verstehen, meint Foucault, zu wenig von der Macht, wenn wir sie auf das Problem des „Souverän“ reduzieren. (Das Denken der Macht in der Demokratie leitet sich offensichtlich immer noch vom „Fürsten“ ab.) Da die Macht in der Demokratie sich als mehr oder weniger gerecht, jedenfalls vernünftig verteilt wähnt, stellt sie sich kurzerhand „das Volk“ als Souverän vor. Der „demokratische Fürst“ ist daher eine virtuelle Einheit des vom Volk als Souverän ermächtigten „Regierenden“ und eben dieses Volks. Da es das Volk aber (wir erinnern uns) nicht „gibt“, es vielmehr allenfalls geschieht oder erzeugt wird, entbehrt diese Vorstellung nicht der Groteske. Die Macht in der Demokratie „löst sich auf“ in den Beziehungen. Sie ist so sehr wie sie Wille und Interesse ist, auch Ordnung und Masse, was unter anderem heißt: Die Macht, die der demokratische Fürst einmal erzeugt und gesammelt hat, wird er so schnell nicht wieder los. (Natürlich will er es in der Regel auch gar nicht.) Nicht nur, weil sie Gesetz und Gewohnheit wurde, sondern auch weil jede Form der Macht auch die Ohnmacht erzeugt, sich gegen sie zu entscheiden. Daher ist es das Bestreben jeder Macht, sich einerseits oben zu konzentrieren, andererseits unten aber noch jede noch so kleine Verzweigung zu besetzen.<span id="more-439"></span> Der demokratische Fürst macht das nur sehr eingeschränkt mit den traditionellen Mitteln von Terror, Bespitzelung und Unterdrückung, er macht es vor allem durch sein Personal. Er erzeugt eine Klasse von Macht-Menschen, die man zwar (durch eine Wahl zum Beispiel) aus dem Zentrum vertreiben kann, die aber dann, mitsamt akkumulierter wie benötigter Macht, irgendwo in dieser Gesellschaft hin müssen. So bilden sie einen Mittelbau, und strahlen zunehmend in die Mikrophysik der Macht (bis in das, was der „Souverän“ Volk mit seinen Körpern macht). Aber eine Vorstellung vom Volk als Souverän (als Kollektiv-Fürst) verhindert weitgehend eine allgemeine Auseinandersetzung mit der Mikrophysik der Macht.</p>
<p>So scheint eine Wahl ein Vorgang, in dem entweder eine Macht bestätigt wird, oder aber Gruppen und Individuen „entmachtet“ werden, und die Macht „in andere Hände übergeht“. Was aber geschieht mit den „Entmachteten“? Den Abgewählten, Unterlegenen, Zurücktretenden oder Entlassenen? Verwandeln sie sich etwa über Nacht von Mächtigen in Machtlose, tritt etwa der temporäre Fürst ins Volk zurück? Natürlich nicht. Die Macht, die im Zentrum nicht mehr wirken kann, sucht sich einen Ort an den Peripherien. Wir kennen das: Nach jeder Wahl drängen die Verlierer, die, wie man so sagt, ihre Schreibtische räumen müssen, in die Positionen der zweiten Reihe der Verwaltung, der Wirtschaft, der Vereine. Der große Machtwechsel hat einen langen Schwanz, am Ende führt eine Bundestagswahl zum „Stühlerücken“ im Verschönerungsverein von Kleinkleckersdorf. Erst dort freilich kommt als Posse an, was ein Umbau der Macht-Pyramide in der ganzen Gesellschaft ist. Die Macht verklumpt sich oben und zerbröselt langsam nach unten, aber sie verschwindet eben nicht. Darum ist jede Gesellschaft, der es nicht gelingt, sich einer permanenten Demokratisierung zu widmen, dazu verdammt, an der sich zersetzenden, sich verklumpenden Macht zugrunde zu gehen, mit der sie sich anreichert.</p>
<p>So erzeugt paradoxerweise jeder demokratische Vorgang ein solches zerfaserndes Anreichern der Macht; denjenigen, die von unten an die Macht streben, fallen (oder strömen) von oben jene entgegen, die vom verklumpten Zentrum in die bröseligen Peripherien streben. Unentwegt werden bei diesen gegenläufigen Strömungen neue Machtpositionen geschaffen. (Man muss ja irgendwohin mit diesem doppelten Angebot der Aufsteiger und der Absteiger.) Der Alltag wird spürbar mit Macht überdüngt. Es wächst mehr Macht nach als auf natürlichem oder eben demokratischem Wege abgebaut wird.</p>
<p>Zwischen jedem Menschen und jedem anderen entwickeln sich Machtbeziehungen. Unter dem Druck der unendlich zerfallenden Macht des demokratischen Fürsten von oben zersetzen, maskieren und privatisieren sich auch diese Machtbeziehungen. Die Macht von Vereinsvorsitzenden, Filialleitern oder Abteilungschefs saugt sich an dieser Mikrophysik der Macht voll. Immer mehr Bereiche der Gesellschaft, die von den Partikeln der Zersetzung des demokratischen Fürsten besetzt werden, entziehen sich der „demokratischen Kontrolle“, weil sie gleichsam intime Räume bilden. Intim, wohlgemerkt, für die Entfaltung der Macht.</p>
<p>Die beiden derzeitigen Lieblings-Apokalypsen der gefühlten Demokratie, die ungebremste, unkontrollierte, unaufgeklärte Macht einer kleinen Schicht der ökonomischen „Player“ einerseits, ein terroristischer, feudalistischer Zugriff der Konzerne auf ihre Mitarbeiter, die nach und nach in den Zustand temporärer Sklaverei zurück gestuft werden, haben mit diesen Bewegungen der Macht durch die Gesellschaft und ihren Alltag zu tun. Die Bonuszahlung für den Manager und die elektronische Überwachung der Lidl-Kassiererin sind die beiden (symbolischen) Endpunkte einer Bewegung des Machtflusses, den der endlose Zerfall des demokratischen Fürsten auslöst.</p>
<p>Auch die Macht des Staates löst sich immer weiter in der Mikrophysik auf. Was uns wirklich betrifft, wird nicht durch den „Machtkampf“, sondern durch die Lobby-Arbeit entschieden. Die aufgelöste Macht flockt beständig an verschiedenen, geeigneten Orten wieder aus. Die Bestimmung dieser Orte geschieht durch Geld. Deshalb muss das Kapital, um sich Macht zu verschaffen, gar nicht direkt eingreifen. Es genügt, die Auflösungsprodukte des demokratischen Fürsten aufzufangen. Dass Gerhard Schröder nach seiner Abwahl, wie sagt man: bei Gasprom „untergekommen“ ist, bot hier nur das öffentliche Bild. (Aber wie denn? Soll Gerhard Schröder zum Angeln gehen? Platon neu übersetzen? Rosen züchten auf den Gütern? Wir sehen: gerade der sozialdemokratische Fürst muss die Mikrophysik der Macht festigen.)</p>
<p>So ist es um so notwendiger, das Augenmerk vom doppelten Souverän (dem demokratischen Fürsten und dem souveränen „Wahlvolk“) auf die unsichtbareren Formen der Macht zu richten, die, um noch einmal Foucault zu zitieren, weder durch den Willen noch durch das Interesse allein zu erklären sind. (Nicht, dass Willen und Interesse noch in der kleinsten Einheit von Macht fehlen würden.) So ist, unter anderem, neben die primäre Frage – „Wie wird der demokratische Fürst gebildet?“ – eine zweite zu stellen: „Was geschieht mit der Macht beim Zerfall des demokratischen Fürsten?“.</p>
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