Jun
08
2010
Das Komische, na klar, hat einerseits einen unbezweifelbar therapeutischen Zweck (wer sich krank lacht, will sich in Wahrheit gesund lachen); es hilft dem Unterdrückten (was Sexualität, Politik, Religion, Mamma und den Polizisten anbelangt) zum hinterrücksen Ausdruck. Aber genau da haben wir es schon. Die komische Umgehung der Zensur ist immer auch ihre Bestätigung.
Unsere mediale Lachkultur freilich (und sie geht einer nicht unerheblichen Anzahl von Menschen zunehmend auf die Nerven) leidet erst einmal unter einem sehr erheblichen Mangel an Zensur. Das widerspricht dem ollen Sigmund Freud doch fundamental, der behauptet hat, auch diesbezüglich sei das Komische vor allem eine Antwort auf die Repression. Nun sehen wir, dass in einer Gesellschaft, in der was Sexualität, das Bild und den Text dazu, anbelangt, eigentlich beinahe nichts verboten ist, alle Welt in Zoten, Obszönitäten und lustspielhaften Umkreisungen der Geschmacklosigkeit schwelgt. Weiterlesen »
Mai
05
2010
Komplexreduzierung daily
Was die „Rettung von Griechenland“ anbelangt, bescheißt uns die Regierung gerade wieder nach Strich und Faden; selbst der F.A.Z. fällt auf, dass eine Politik, die ausschließlich im Interesse der Banken funktioniert, gleichsam automatisch eine Politik gegen das eigene Volk sein muss (man sagt es nur nicht so). Und die BILD-Zeitung formuliert das diesbezügliche Unbehagen nach dem Muster seltsam rassistisch anmutender Kampagnen um (als müsste um jeden Preis der Welt verhindert werden, dass die Beschissenen dieser Erde sich solidarisieren).
Die Art, wie demokratische Regierungen die Bevölkerung bescheißen, funktioniert am Ende in der Regel immer, denn sie bedienen sich dabei der Medien, die sie perfekt zu bedienen gelernt haben (wenn auch mal, wie man so sagt, über die Bande). Politiker, die es lernen, mit Medien umzugehen, verlernen zuerst, mit echten Menschen umzugehen, und dann verlieren sie die Fähigkeit, überhaupt noch mit der Wirklichkeit umzugehen. Außer natürlich mit der Wirklichkeit des Kapitals.
Bei jeder solchen Krise, so scheint es, kann auch die demokratische oder eben postdemokratische Herrschaft nachher genau so weiter machen wie bisher. Aber jedes Mal erzeugt sie eine nächste Gruppe von Menschen, die nicht mehr mitmachen, die das alles nichts mehr angeht, die leer gewordene Rituale der Demokratie nicht mehr füllen wollen.
Die Geschichte der Demokratie ist dann zu Ende, wenn die Anzahl jener, die nicht mehr mitmachen, mehr oder weniger identisch mit der Anzahl der Wahlberechtigten in einer Gesellschaft ist (abzüglich von Mafia- und Parteimitgliedern). Lang kann das nicht mehr dauern. Dann muss eine demokratische Regierung wohl tatsächlich Brechts Vorschlag befolgen, das Volk auflösen und sich ein neues wählen. Naja, wenn es noch eines gibt jedenfalls.
Dez
29
2009
Bitte unterstützt unsere Kampagne „Nicht in unserem Namen!“
und sendet ein E-Mail mit Eurer Zusage und einer kurzen persönlichen Stellungnahme an:
nicht-mit-mir@oeku-buero.de
oder per Fax: 089 – 48 76 73
Am 5. Februar 2010 will Oberbürgermeister Christian Ude die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der „46. Münchner Sicherheitskonferenz“ zu einem festlichen Empfang im Alten Rathaussaal einladen. Dort möchte der OB im Namen der Stadt München Regierungschefs, Militärexperten und Minister, Politiker und Diplomaten der führenden Nato-Staaten, Generäle der Nato und der Bundeswehr sowie Wirtschafts- und Rüstungsmanager begrüßen und damit diese Militärkonferenz im Namen aller Münchner und Münchnerinnen legitimieren. Weiterlesen »
Nov
09
2009
oder: Was geschieht eigentlich beim Zerfall des demokratischen Fürsten?
Wir verstehen, meint Foucault, zu wenig von der Macht, wenn wir sie auf das Problem des „Souverän“ reduzieren. (Das Denken der Macht in der Demokratie leitet sich offensichtlich immer noch vom „Fürsten“ ab.) Da die Macht in der Demokratie sich als mehr oder weniger gerecht, jedenfalls vernünftig verteilt wähnt, stellt sie sich kurzerhand „das Volk“ als Souverän vor. Der „demokratische Fürst“ ist daher eine virtuelle Einheit des vom Volk als Souverän ermächtigten „Regierenden“ und eben dieses Volks. Da es das Volk aber (wir erinnern uns) nicht „gibt“, es vielmehr allenfalls geschieht oder erzeugt wird, entbehrt diese Vorstellung nicht der Groteske. Die Macht in der Demokratie „löst sich auf“ in den Beziehungen. Sie ist so sehr wie sie Wille und Interesse ist, auch Ordnung und Masse, was unter anderem heißt: Die Macht, die der demokratische Fürst einmal erzeugt und gesammelt hat, wird er so schnell nicht wieder los. (Natürlich will er es in der Regel auch gar nicht.) Nicht nur, weil sie Gesetz und Gewohnheit wurde, sondern auch weil jede Form der Macht auch die Ohnmacht erzeugt, sich gegen sie zu entscheiden. Daher ist es das Bestreben jeder Macht, sich einerseits oben zu konzentrieren, andererseits unten aber noch jede noch so kleine Verzweigung zu besetzen. Weiterlesen »