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	<title>Das Schönste an Deutschland ist die Autobahn &#187; Arbeit</title>
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	<description>Das Georg-Seeßlen-Blog</description>
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		<title>Meist ruft die Bafin nur an</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Sep 2010 10:49:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) macht bei Verstößen, so steht es im Bogen „Finanzmarkt“ in der F.A.Z. vom 7.9., und zwar in 101 von 105 Fällen, etwas ganz böses: Sie ruft bei Verletzungen von Pflichten wie etwa der, „Geschäfte von Führungspersonen mit Aktien des eigenen Unternehmens zu veröffentlichen (directors’ dealings)“ nur kurz mal an. Dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) macht bei Verstößen, so steht es im Bogen „Finanzmarkt“ in der F.A.Z. vom 7.9., und zwar in 101 von 105 Fällen, etwas ganz böses: Sie ruft bei Verletzungen von Pflichten wie etwa der, „Geschäfte von Führungspersonen mit Aktien des eigenen Unternehmens zu veröffentlichen (directors’ dealings)“ nur kurz mal an. Dann ist aber auch gut. Dieses „unbürokratische Vorgehen“, so erfahren wir weiter, „spiegele sich in der geringen Rate von Bußgeldern wider“.</p>
<p>Das wird die nächste Discounter-Kassiererin freuen, die wegen eines Pfand-Bons entlassen wird. Auch in unbürokratischem Vorgehen.</p>
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		<title>Kleinigkeiten (4)</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 06:09:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Es mag ja sein, dass die Wahrheit immer einfach und konkret ist. Wer weiß das schon, hat sie doch noch niemand gehabt, gesehen oder gehört. Egal. Wenn die Wahrheit auch einfach wäre, so ist es der Weg dorthin doch niemals. Aufgabe der Kritik ist es nicht nur, einfache Wahrheiten in Aussicht zu stellen, sondern auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es mag ja sein, dass die Wahrheit immer einfach und konkret ist. Wer weiß das schon, hat sie doch noch niemand gehabt, gesehen oder gehört. Egal. Wenn die Wahrheit auch einfach wäre, so ist es der Weg dorthin doch niemals. Aufgabe der Kritik ist es nicht nur, einfache Wahrheiten in Aussicht zu stellen, sondern auch den schwierigen Weg dorthin zu beschreiben. Der Versuch, einen schwierigen Gedanken in einfachen Worten auszudrücken, ist eine mindere Form der Lüge. Aber umgekehrt ist es natürlich auch nicht besser.</p>
<p align="center">######</p>
<p>Wir Bayern, Angehörige eines tückischen kleinen Bergvolkes, verzeihen einem betrügerischen Gewaltmenschen schon gerne einmal mit dem bei Preußens gern zitierten Spruch: „Aber ein Hund ist er schon“.</p>
<p>Aber jetzt haben wir einen Horst Seehofer, und der wäre gern so einer, von dem man das sagt.</p>
<p>Er ist aber kein Hund, sondern nur ein Opportunist. Ein Hund wird man so leicht nicht, und schon gar nicht bloß, weil man es gern werden will. Und wenn man sich dann auch noch beim Hund-Sein von Krawattenbürscherln aus dem hohen Norden beraten lassen muss: Aus ist es, Horst, sag’ ich. Zefix! Das reicht ja noch nicht einmal für einen Dackel.</p>
<p style="text-align: center;">######</p>
<p>Arbeit im Spätkapitalismus ist ein Witz. Kein guter.<span id="more-804"></span> Eine postdemokratische Regierung, die stolz verkündet, wie nun wieder – war da was von Krise? – die „Arbeitslosenzahlen“ sinken, und die Nachrichten verkünden das Mantra, macht es ihren ökonomischen Arbeitgebern nach und verkauft den Abbau als Leistung. Denn wenn von solchen Zahlen die Rede ist, schweigt man konsequent von der Qualität dieser Arbeit. Vom kulturellen und menschlichen Wert der Arbeit sowieso, aber natürlich auch vom ökonomischen Wert. Nur einer der besonderen Finsterlinge des Neoliberalismus sagt aus Versehen wieder einmal die Wahrheit, wenn er dagegen protestiert, die Renten nicht zu kürzen, wenn doch die Löhne gekürzt werden. Aha! Die postdemokratische Regierung ist sich also dessen durchaus bewusst, dass in der Zeit, da Comerzbanken und Kollegen wieder Milliardengewinne einfahren die Löhne gekürzt werden. Für das Wort „Lohnkürzung“ gibt es nur ein anderes: Ausbeutung. Klingt altmodisch, nicht wahr?  Und wieder hält man uns eine Kündigung wegen einer Flasche Orangensaft vor Augen (damit wir im Witz bleiben, erledigt das gleich das menschenfreundliche Rote Kreuz): Die Macht der „Arbeitgeber“ und die Ohnmacht der „Arbeitnehmer“ steigen ins Groteske. Wer so froh sein muss, dass er überhaupt noch arbeiten darf, und wem mit der Hartz 4-Drohung nicht nur der ökonomische Abstieg ins Haus steht, sondern auch der Eintritt in eine politisch und medial erzeugte „Neue Unterschicht“, der fragt nicht mehr, ob seine Arbeit Menschen-wert und von ethischer Substanz ist. So wie die Dinge stehen muss man einer Regierung, die (bekennenderweise) „für die Wirtschaft“ ist, attestieren, dass sie zugleich gegen die Menschen ist. Im Lehrbuch der Politik ist soziale Gerechtigkeit eine Grundvoraussetzung der Demokratie. Dafür wiederum wären faire Verhältnisse auf dem Markt, und eben auch auf dem Arbeitsmarkt eine Voraussetzung, und zu der wiederum wäre ein Wille der demokratischen Regierungen eine Voraussetzung, für ihre Einhaltung zu sorgen und, sehr einfach, die Rechte der Schwächeren zu stärken. Für faire Verhältnisse auf dem Markt sorgt dieser Staat nicht einmal, wenn es darum geht, die so genannten Verbraucher gegen Willkür und Kriminalität zu schützen.</p>
<p>Die „Verhältnisse“ haben sich radikal vom Bewusstsein und vom Interesse des einzelnen entfernt, der nun freilich dafür narzisstisch genug gefüttert wird, und weil, je schlechter es einem in den Verhältnissen geht, der Hunger nach narzisstischer Fütterung um so größer wird, so entsteht eben auch die „Neue Unterschicht“ als Masse narzisstisch gestörter Wesen. Diese narzisstisch gestörten Wesen, von Fernsehen, BILD und Schnäppchen-Konsum verfestigt, haben weder Möglichkeit noch Interesse, sich dem konstanten Aushandeln der Aufgaben und Grenzen politischen Handelns zu widmen. Ein Mensch, der wegen einer Bagatelle seinen Arbeitsplatz verliert, ist für die Demokratie verloren, nein, umgekehrt: die Demokratie geht an den tausenden von Fällen, bei denen Regierung und Recht sich so eindeutig auf die Seite der Ökonomie gegen den Menschen stellen, verloren. Bleibt die Frage, ob es genau das ist, worauf „die politische Klasse“ hinaus will.</p>
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		<title>Der Mensch als Instrument</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Jun 2010 16:24:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Was soll der Mensch in der Welt, wenn er nicht arbeiten kann? Arbeiten und Leben ist so aufeinander bezogen, dass selbst die Alternativen – Ausruhen, Faulenzen, Dolce Far Niente – darauf bezogen sind. Die Welt bearbeiten mit immer besseren Werkzeugen, Natur unendlich zu verwandeln, bis, nach der Vorstellung von Karl Marx sie vollends menschlich geworden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Was soll der Mensch in der Welt, wenn er nicht arbeiten kann? Arbeiten und Leben ist so aufeinander bezogen, dass selbst die Alternativen – Ausruhen, Faulenzen, Dolce Far Niente – darauf bezogen sind. Die Welt bearbeiten mit immer besseren Werkzeugen, Natur unendlich zu verwandeln, bis, nach der Vorstellung von Karl Marx sie vollends menschlich geworden ist, oder bis sie, nach den Vorstellungen des Dagobert Duck-Kapitalisten alles Profit bringt, auch am Hindukusch.</p>
<p>Menschen, eben deswegen, haben nicht nur Instrumente, sie sind auch welche. Einer (der Reichere und Mächtigere) bedient sich des anderen (des Ärmeren und Ohnmächtigeren), und um das zu erreichen muss er zwei Dinge tun: den anderen unterwerfen und den anderen „effizient“ machen. Ein Sklave muss mehr einbringen als er an Nahrung und Kleidung kostet, sonst könnte man ihn ja gleich freilassen (bzw. in einen Lohnarbeiter verwandeln, der genau dann entlassen werden kann, wenn diese Rechnung nicht mehr aufgeht, und wieder eingestellt, wenn sich die Verhältnisse ändern). Deshalb kamen Sklavenhalter schon früh auf die Idee, ihre menschlichen Arbeitsinstrumente nicht nur zu rauben, sondern auch zu „züchten“.<span id="more-702"></span> (Mandingo nannte man das im amerikanischen Süden des neunzehnten Jahrhunderts, und wir haben die entsprechenden Phantasien dazu.) Lohnarbeiter haben in der Regel für ihre Effizienz selber zu sorgen, sie können sich durch Sport, gesunde Lebensführung und Geschicklichkeitstraining an ihren Instrumenten für den „Arbeitsmarkt“ verbessern.</p>
<p>Das Instrument wurde zur Maschine, die Maschine zum Roboter, der Roboter zum denkenden und handelnden System, das den Lohnarbeiter ergänzt und ersetzt. Während das Instrument immer menschlicher wird, wird der Mensch immer instrumentaler. Seine Überlebenschance, soweit wir bei der Gleichung von Leben und Arbeit bleiben, besteht darin, zu einer Einheit mit der Maschine zu werden. Wir „kleben“ an unseren Computern, das sagt sich so, und ist doch eine genauer besehen unheimliche Wahrheit.</p>
<p>Die Phantasien der Sklavenhalter indes kehren ständig wieder. Im Jahr 1983, nur zum Beispiel, prophezeite der Leiter der Humangenetischen Beratungsstelle in Bremen, Dr. Werner Schloot, im Deutschen Ärzteblatt, dass man im Jahr 2000 in der Lage sei, Mischwesen aus Tieren und Menschen herzustellen, die man dann „zur Verrichtung einfacher Arbeiten“ einsetzen könnte. Ganz so schnell ging es nicht. Das größte Problem aber scheint auf Dauer nicht die Erzeugung des neuen Sklaven-Wesens, sondern eher seine Art – Mensch/Maschine, Mensch/Tier oder Super-Mensch – bzw. die Suche nach eben jener „einfachen Arbeit“, die der Sklave der Zukunft verrichten sollte.</p>
<p>Schon in der Zeit des Ersten Weltkrieges arbeiteten Wissenschaftler und Mediziner bei der „Wiederherstellung“ der verwundeten und verkrüppelten Soldaten daran, ihre Prothesen so zu fertigen, dass sie ausschließlich für die Interaktion mit bestimmten Maschinen geeignet waren. Statt also wieder zum „ganzen Menschen“ gemacht zu werden, sah sich dieser Soldat in einen Teil der Maschine (praktischerweise in der Rüstungsindustrie) verwandelt.</p>
<p>Die ethische Auseinandersetzung um „post-humane“ und „trans-humane“ Lebensformen konzentriert sich auf erschreckte „Darf man das“ im Schatten religiöser und wissenschaftlicher Großerzählungen, Schöpfungsgeschichte und Evolution. Indes ist das eigentlich Grauenhafte an einer maschinell-organischen Parallelschöpfung, einem Blechkumpel, Zombie oder Androiden, nicht seine Erscheinung, sondern der Gedanke daran, wem er „gehört“, was er „bringen“ soll, und wo er eingesetzt wird. Die Probleme mit dem Posthumanen liegen nicht in der Zukunft sondern sie liegen in der Gegenwart.</p>
<p>Was dieses Grauen anbelangt, so werden wir durch unsere populären Mythen besser aufgeklärt als durch Staat, Wirtschaft und Wissenschaft selber. Der posthumane, äh, Arbeitnehmer ist ein Sprung wie der zwischen Sklave und Lohnarbeiter, ein Wesen, dessen Effizienz „beliebig“ gesteigert werden kann, dessen „Bewusstsein“ Streik und Revolution nicht umfasst, und das bei entsprechenden Verhältnissen entweder einfach abgeschaltet oder in eine „effiziente“ Kriegs- oder Polizeimaschine verwandelt werden kann.</p>
<p>So wird verständlich, warum in einer Gesellschaft, der die Arbeit ausgeht, so fieberhaft an posthumanen Arbeitssklaven gebastelt wird: Sie sind gedacht als die Verlängerung der derzeitig herrschenden politischen Ökonomie in die Zukunft. Als möglichst endgültige Verwandlung des Menschen in eine Vielzahl von Instrumenten und eine „Elite“ der Nutzer. Dass bei so etwas, auch dafür haben wir unsere Science Fiction-Phantasien, eine ganze Menge schief gehen kann (und, nur zum Beispiel, eine in unserem Sinne denkende Maschine früher oder später auch ihre eigene Entrechtung und Unterdrückung denken müsste und daher seinen Schöpfern an den Kragen ginge) ist so evident wie die destruktiven und selbstdestruktiven Kräfte der kapitalistischen Konkurrenz.</p>
<p>Gemacht wird, sagte Stanislav Lem, was man sich vorstellen kann und was sich technisch realisieren lässt. Wir müssen dem etwas hinzufügen: Gemacht wird, was sich verkaufen lässt. Wenn die Herstellung von Monstern Profit verspricht, dann werden Monster hergestellt. (Monster, nicht wie im Kino, sondern unglückliche Wesen, deren Leben sich in der Arbeit erschöpft. Also so, wie wir alle, nur ohne Hoffnung und ohne Zorn.)</p>
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