Die Rückkehr der Braut des Sohnes des Merz-Hasen!

Ich hatte sie ja schon lange aufgegeben, die Suche nach dem Merz-Hasen. Aber ich habe es geahnt: Man muss den Familiensonntag nur mit anderen Augen sehen. Und schon ist er da.

Von: BERLINISCHE GALERIE Newsletter<berlinischegalerie-bounce@berlin.kulturkurier.de>
Datum: 24. März 2016 um 19:08:31 MEZ

Betreff: NEWSLETTER 26.03.-01.04.2016

 

INHALT

ÖFFNUNGSZEITEN ZU OSTERN
FÜHRUNGEN
FAMILIENSONNTAG: MIT ANDEREN AUGEN
BENEFIZ-KUNSTAUKTION VON TERRE DE FEMMES
ÖFFNUNGSZEITEN ZU OSTERN

Unser Haus ist an allen Ostertagen zu den üblichen Zeiten geöffnet.
Wir wünschen bunte und sonnige Tage und freuen uns auf Ihren Besuch:
Karfreitag, Samstag, Ostersonntag, Ostermontag von 10:00 bis 18:00 Uhr!
Auch unser Café Dix begrüßt Sie gerne zu Kaffee und Kuchen.

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AUS DEM LYRISCHEN GESAMTWERK VON EDGAR P. KUCHENSUCHER (10)

NEUES AUS DER KUCHENSUCHER-FORSCHUNG

Wieder einmal konnte die Jahrestagung der Edgar P. Kuchensucher-Gesellschaft im Seitentrackt des alten Schlosses von Mönckersheim mit einer „kleinen Sensation“ aufwarten. Genauer gesagt handelt es sich um den zufälligen Fund eines Dokumentes, das ein wenig Licht in die am wenigsten erforschten Lebensjahre des postsituationistischen Poeten bringt, freilich nicht ohne gleich wieder neue Fragen aufzuwerfen.

Bei dem Fund handelt es sich um eine Postkarte (mit Drachenbaum-Motiv) an eine gewisse Hedwig Schmidt, deren Neffe sie beim Entrümpeln des Hauses in einer Schuhschachtel fand. Der Text, so einfach wie vielsagend.

„Liebe Hedwig,

mir geht es eigentlich ganz gut.

Dein

Edgar“

Entscheidend für die Kuchensucher-Forschung ist zweierlei. Einerseits der Nachweis, dass sich Kuchensucher zu dieser Zeit tatsächlich (und nicht nur im Geiste, wie früher angenommen) in Lateinamerika aufhielt. Und andrerseits die Beziehung zu eben jener Hedwig Schmidt, von der bis dahin nichts bekannt war. War sie eine Geliebte des Dichters? Oder nur eine flüchtige Bekannte, gar eine Gönnerin? Wir wissen es nicht. Die Kuchensucher-Forschung, so viel ist sicher, hat noch sehr viel Arbeit vor sich.

Beinahe noch interessanter aber war die Nachschrift. Weiterlesen

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 7/15: Der Tod des Merz-Hasen

Derzeit fällt es, jenseits von Geheimdiensten und Universitäten, schwer, ein System zu finden, das so panzerfest, unbeirrbar und kritikresistent den neoliberalen Mantras folgt wie der Kunstbetrieb. Und das meint nicht nur den presse-üblichen „verrückten Kunstmarkt“ der Spitzen-Auktionen, es hat die mittleren Galerien so sehr erfasst wie die staatlichen Museen und Sammlungen, die Kunstwissenschaft wie die Kritik. Sobald sich das Unbehagen, das es weiß der Kunsthimmel genügend gibt, irgendwo zu artikulieren droht, und geschehe es in noch so moderater Form, schließen sich die Reihen, verschließen sich Ohren und Geist, verknoten sich die Netzwerke. Auch da ist der Kunstbetrieb nur noch perfektes Abbild des Neoliberalismus als apokalyptisch-geile Weltanschauung. Man weiß, dass das System an die Wand fährt, aber man hofft, vorher noch ein Karriere- oder Besitz-Schnäppchen zu machen. Wir haben keine Alternative, es war schon immer so, was wollt ihr denn, uns geht’s doch gut…Blahblahblah.

Dieser Betrieb ist zu keiner Geste der Selbstaufklärung, ja nicht einmal zu einer der Selbstironisierung mehr in der Lage. Man kann ihn, mit den bescheidenen Mitteln von Kritik und Satire, nicht aus der bleiernen Mechanik bringen, denn hier wird schon längst über alles gelacht, nur nicht über sich selbst.

Stellen wir uns vor, es ginge in der Kunst, vielleicht nicht allein aber doch vorrangig, um Kontingenz. Das heißt um Vorgänge von Produktion, Performance und Kommunikation, die nicht vorgegeben, nicht abgeschlossen, nicht berechenbar sind. Man beträte den Raum der Kunst mit einem Hochgefühl: Alles kann geschehen. Von stiller Ergriffenheit über eigene Phantasietätigkeit bis hin zu energetischer Explosion. Oder zu etwas, für das wir gar keinen Begriff haben. Wo sich dieses (Alles) Mögliche ereignet, ob im Werk selbst, zwischen Werk und Adressat, im Raum oder in der Zeit. Das ist lange nicht so wesentlich, wie es die unentwegte Methodendiskussion erscheinen lässt, sondern viel mehr abhängig von einer Grundverfassung zwischen Kunst und Gesellschaft. Denn was nutzte eine Kunst des Möglichen in einer Gesellschaft der Unmöglichkeiten? Was könnte das Stück Kontingenz in einer Überwachungs- und Manipulationsgesellschaft anders als Beute sein? Die Macht des Besitzes, als Individuum wie als Betrieb, bedeutet, der Kunst die Kontingenz für alle auszutreiben und sie sich privat anzueignen. Mir, sagt ein Kauf, ist alles möglich, weil ich es den anderen unmöglich mache. Weiterlesen

Eins auf die Presse, mein Herzblatt (37)

Wozu braucht man eine EU-Kommission? In der FAZ (4. April 2015) erfährt man es. Die Kommission nämlich weiß jetzt (Erfahrungen lehrten es), „dass zwischen Erzeuger- und Konsumentenpreisen nicht zwingend ein Zusammenhang besteht.“ Echt, oder? So dass sich am Ende des Tages eine Europäische Kommission auch nicht mehr wundert, dass, was die Milch auf unserem Frühstückstisch anbelangt, „der Preis, der den Bauern gezahlt wurde, in der zweiten Jahreshälfte 2014 um 11,7 Prozent fiel, während gleichzeitig der Endverbraucher vier Prozent mehr für sein Milchprodukt berappen musste.“ Natürlich kann man sich noch weniger wundern, wenn brasilianische Kaffeebauern immer weniger für ihren Kaffee bekommen und deutsche Kaffeetrinker dafür immer mehr bezahlen müssen. Aber nicht ärgern, investieren! „Für Privatanleger gibt es börsengehandelte Fonds oder Zertifikate auf Indizes oder Körbe aus mehreren Rohstoffen und Waren, Auch in einzelne Rohstoffe wie Zucker oder Kaffee können sie investierten. Banken bieten Fonds, Zertifikate oder Derivate für spekulativere Anlegernaturen auf viele Rohstoffe an, vor alle auf diejenigen, die an Börsen gehandelt werden.“ So der Ratschlag, den die FAZ ihren gierigeren Lesernaturen erteilt. Der einzige Weg, von dem Geld, das zwischen dem Weniger der Hersteller und Mehr der Verbraucher, gemacht wird, etwas abzubringen, führt zur Bank Deines … – jetzt hätte ich beinahe „Vertrauens“ geschrieben.

*

Aber es gibt das Gute doch auch, sogar in der FAZ, oder etwa nicht? Zum Beispiel in Gestalt von Tanja Gönner, Weiterlesen

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER (29)

Schwerer Regen klatschte gegen die Scheiben, die sich in vergängliche Meisterwerke des abstrakten Expressionismus verwandelten. Aber natürlich guckte kein Schwein, alles stierte auf die Biergläser auf den Tischen oder in den ganz persönlichen Abgrund.

„Ich könnte so viel machen“, sagte Herr Reiner, wie aus schweren Träumen erwachend. „Am liebsten würde ich alles machen.“

„Ich würde am liebsten gar nichts machen“, antwortete Herr Kainer nach geraumer Zeit.

Herr Reiner nahm einen Schluck aus seinem Weißbierglas. Dann sagte er bedächtig: „Das geht natürlich auch.“ Bevor er sich wieder seinen Träumen zuwandte. So schwer waren sie, genau besehen, dann auch wieder nicht.

Und dann schauten sie doch noch kurz auf die Glasscheiben mit den wundersamen Linien und Punkten. Und dachten an das Alles und das Nichts. Natürlich ohne sich dabei allzu sehr anzustrengen. Soviel ist klar.

Und der Regen trommelte dadadidong, oder war es doch dadidadong?

Titelschutz (19)

In meiner Lieblingsrubrik „titelschutz“ im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels entdecke ich folgendes Projekt des Lampe Verlags in Leipzig:

Johannes der Verkäufer – Ein wildes Verkaufsbuch

Johannes der Verkäufer, hm? Das lässt sich ausbauen:

Wie wäre es mit

Jesaia der Prospektverteiler – Ein besonders wildes Verteilerbuch

Noahs Verarsche – Ein wildes Anlageberatungsbuch

Adams Ripperl – Ein wildes Schweinezucht-Buch

Moses’ zehn Sonderangebote – ein wildes Soll-Buch

Der Kreuzweg – Ein wildes Wahlbuch

Oder

Maria, Mutter des Lottos – Ein wildes Annahmestellenbuch?

Und, aufgemerkt! – jetzt wird wieder etwas gelernt! Der Koha-Verlag wird das Buch

„Resilienz in Zeiten extremer Veränderung“ herausbringen.

Was zum Teufel ist „Resilienz“? Bin ich aber wieder ein ungebildeter Dödel, ne? Weiterlesen

Der Bildraum, die Kamera, die Angst und die Grenze

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Eine Kamera ist eine Maschine, die Bilder macht und dabei zugleich einen Bildraum, eine Grenze dieses Bildraums und ein Außerhalb schafft, das unendlich suggestiv, gefährlich und verlockend ist. Eine Kamera bestimmt, wie jede Technik des Bildermachens, ein Bild und zugleich ein Nicht-Bild. Was die Grenze bestimmt, ist eine Form von Rahmen oder Format. Aber anders als bei den vorherigen Techniken des Bildermachens ist die Grenze zwischen Bild und Nicht-Bild beweglich. Was gerade noch Nicht-Bild war ist in einem Bruchteil einer Sekunde (in einer 24tel Sekunde, in unserer konventionellen Art) zum Bild geworden, und was gerade noch sichtbar war, ist im selben Rhythmus unsichtbar geworden. Diese Maschine also, sie kann nicht anders, spricht von Allmacht und Angst.

Während sie über eine Grenze schaut, baut die Kamera neue Grenzen auf. Wo eine Kamera ist, da ist auch eine Grenze. Aber je mehr wir der Macht der Kamera verfallen, aus Angst, unter anderem, desto mehr gilt auch das Gegenteil: Wo eine Grenze ist, da ist auch eine Kamera. An der Grenze zwischen dem Kosmos und der Erde, an der Grenze zwischen den Staaten, an der Grenze zwischen den Klassen, an den Grenzen zwischen Innen und Außen. An der Grenze zwischen den Körpern und an den Grenzen zwischen der wundervollen Welt der Dinge und der hässlichen Welt der wirklichen Menschen.

Wo eine Kamera ist, kann das Verbotene nur geschehen. Und wir erkennen es als ein Verschwindendes. Weiterlesen

Geld verdienen mit …

In meiner Lieblingsrubrik im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel“, nämlich dem „titelschutz“ (kleingeschrieben, da seht Ihr mal, wie modern der deutsche Buchhandel noch ist), finden sich, neben den unzähligen Erbauungsschriften für den Christenmenschen (Ich sag’ mal: ein todsicheres Geschäft) und schöner konkreter Titel-Poesie („Gattin aus Holzabfällen“, „Bewusstseinsdiamanten“, „Märchen-Pärchen“) auch das Passende zur Krise: „Unter Hinweis auf §§5, 15 MarkenG nehmen wir Titelschutz in Anspruch für „Geld verdienen mit…“, „Geld machen mit…“, „Reich werden mit…“ in allen Kombinationen , Darstellungsformen, Schreibweisen und Medien; insb. in Verbindung mit Sammel- und Wertobjekten wie Briefmarken, Münzen, Ansichtskarten, Kunst, Edelsteinen etc.“ Versuchen Sie es also gar nicht erst mit „Geld verdienen mit Überraschungseiern“, „Geld machen mit Promi-Schamhaaren“ oder „Reich werden mit Datenschrott“. Da werden schon andere im deutschen Buchhandel mit reich.

Gibt es eigentlich schon das Buch „Geld machen mit bescheuerten Buchtiteln“?  Wir bleiben dran.

Der Gehirnschrumpf-Skandal, und was die FAZ und Kabel Deutschland dagegen tun

Mea Culpa! Da erzähle ich was von „Blödmaschinen“, von halbfaschistischem Politiker-Geblubber, von BILD-Zeitung und Fernsehen, und dabei ist alles ganz anders. Die Blödheit in unserer Gesellschaft kommt nämlich von woanders her, und zwar vom „Vitamin B12-Skandal“, über den mich heute morgen dankenswerter weise der Brief von „Dr. Hittich Gesundheits-Mittel“ aus Aachen aufklärte. Schon auf dem Briefumschlag wird mir klar gemacht, in welchem apokalyptischen Szenario ich mich befinde: „Alarm! Gehirnschrumpfung!“. Weiterlesen

SCHÖNE LANDSCHAFT, ALTE HEIMAT

Was meine Heimatzeitung am Freitag besonders wertvoll macht ist eine Beilage aus dem Deutschen Supplementverlag (Nürnberg) namens „rtv – Das Fernsehmagazin Ihrer Zeitung“, der man entnehmen kann, was man sich in der kommenden Fernsehwoche alles ersparen kann.

Glaubt man den Anzeigen in „rtv“, und was sollte glaubwürdiger sein als Anzeigen, so wird diese Fernsehbeilage vor allem von Menschen gelesen, die Probleme mit dem Gehen haben (18 Anzeigen unterschiedlicher Größe preisen Treppenlifte, Wannenheber und Elektromobile), die sich gern selbst medikamentieren (Beine, Potenz, Nagelpilz, Schmerzsalbe und Bluthochdruck) und ganz wild auf Tageshoroskope sind, die man unter 0900-Nummern bekommen kann.

Und außerdem, so ist zu vermuten, gehen diese Menschen gern auf Reisen Weiterlesen