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	<title>Das Schönste an Deutschland ist die Autobahn &#187; Georg Seeßlen</title>
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	<description>Das Georg-Seeßlen-Blog</description>
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		<title>Verblödung</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 07:38:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn das, was Thilo Sarrazin angestoßen hat, eine „Debatte“ ist, dann ist Dieter Bohlen der Hegel von heute. Anders gesagt: Die Verblödung einer Gesellschaft hat nichts mit Genen zu tun, sondern mit ihrer Medien-Kultur. Und nur in einer ziemlich fortgeschritten verblödeten Gesellschaft kann jemand wie Sarrazin so viel publizistische Energie an sich binden, die man besser dazu verwenden könnte, Wege aus der medialen und pädagogischen Verblödung zu finden. Aber vielleicht ist das ja auch der End-Trick der ganzen Kampagne: Dass man lernt, nur noch auf die allerblödeste Art über Intelligenz zu reden.</p>
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		<title>Auf den Punkt</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Sep 2010 07:35:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Denken]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Punkt, auf den man ein Problem gefälligst bringen soll, ist die gemeinsame Illusion seines Verschwindens. Ehrliche Menschen sind daher schon froh, wenn sie es zu einem Komma bringen.</p>
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		<title>Für ein Hynkel-Soziologie-Seminar in Berlin</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 17:23:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[„Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln“, schreibt Necla Kelek in der F.A.Z. Na, Bravo! Vielleicht sollte man auch noch mal die Ansprachen eines gewissen Hynkel, alias Charles Chaplin aus „The Great Dictator“ (Sie erinnern sich: „Sauerkraut mit de Wiener Schnitzel. Und de Jüden! Ah, de [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln“, schreibt Necla Kelek in der F.A.Z. Na, Bravo! Vielleicht sollte man auch noch mal die Ansprachen eines gewissen Hynkel, alias Charles Chaplin aus „The Great Dictator“ (Sie erinnern sich: „Sauerkraut mit de Wiener Schnitzel. Und de Jüden! Ah, de Jüden!“) dahingehend befragen, ob man sie nicht diskutieren müsse, statt darüber zu lachen. Und die BILD, scheinheilig wie immer: „Alle gegen Sarrazin!“. Das ist gemein! Alle gegen Hynkel, auch gemein. „Der Eindruck drängt sich auf, hier solle eine überfällige Debatte mit den bewährten Begriffen wie Rassismus und Populismus kontaminiert werden“. Schreibt Frau Kelek, die eine Soziologin in Berlin ist. Vielleicht möchte sie ein Sauerkraut-und-Wiener- Schnitzel-Seminar einrichten, um zu beweisen, dass man Rassismus und Populismus ganz übel kontaminiert, wenn man sie bewährterweise „Rassismus“ und „Populismus“ nennt. Oder Sauerkraut „Sauerkraut“.</p>
<p>Heil Hynkel, Frau Kelek, und frohes Schaffen noch, wenn Sie mit Thilo Sarrazin „die Diskussion um Armut aus der materiellen Abhängigkeit befreien“ möchten. Wo die Armut doch eindeutig in den Genen liegt.</p>
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		<title>Gott in Oberammergau (Deutschland)</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Aug 2010 10:49:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA[In der jüngsten F.A.Z. eröffnet Thomas Gottschalk, genau der, das Feuilleton mit einem Erweckungsbericht aus Oberammergau („Nicht sehen und doch glauben: Wer als Zweifelnder kommt, geht im Innersten berührt.“) und ob das nun eine gute Idee ist oder nicht, jedenfalls erinnern wir uns spätestens beim letzten Satz wieder daran, wo wir hier gelandet sind: „Ich wünsche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der jüngsten F.A.Z. eröffnet Thomas Gottschalk, genau der, das Feuilleton mit einem Erweckungsbericht aus Oberammergau („Nicht sehen und doch glauben: Wer als Zweifelnder kommt, geht im Innersten berührt.“) und ob das nun eine gute Idee ist oder nicht, jedenfalls erinnern wir uns spätestens beim letzten Satz wieder daran, wo wir hier gelandet sind: „Ich wünsche mir nur“, heißt es da, „dass die anderen Hilfstruppen des lieben Gottes ihre Sache ebenso gut vertreten würden wie seine Kinder aus Oberammergau“.</p>
<p>Schauen wir mal nach, was die Wikipedia über „Hilfstruppen“ zu sagen hat: „Hilfstruppen, oft auch, vor allem in der Antike, nach dem lateinischen Namen Auxilia genannt, werden Truppenverbände genannt, die aufgrund ihrer Bewaffnung und Rüstung nur unterstützende Funktionen ausüben, z. B. um die Schlachtlinie zu verlängern. Sie werden häufig aus ausländischen Söldner rekrutiert. Historische Beispiele sind die Auxiliartruppen der römischen Legionen, aber auch die Askari der deutschen Kolonialtruppen in Deutsch-Ostafrika (Tangajika).&#8221;</p>
<p>Tja. Um es mal so zu sagen: Selig ist, wer nicht glaubt, dass Gott ein Deutscher ist und ein Bamberger Fernsehstar sein Prophet.</p>
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		<title>Schon wieder: Sitten- und Sinnverfall der intellektuellen Debatte</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Aug 2010 00:35:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[„Die Linke, die sich zu verlieren drohte, rückt gegen den gefährlichen Indianer da draußen zusammen. Aber vielleicht wollte Sloterdijk genau das, uns den reaktionären Reduktionismus einer überlebten geistigen Formation, einer Schwund-Linken vor Augen führen“, so endet eine, nun ja, Rezension des Bändchens „Angriff der Leistungsträger?“ Das Buch zur Sloterdijk-Debatte in der F.A.Z., in der der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Die Linke, die sich zu verlieren drohte, rückt gegen den gefährlichen Indianer da draußen zusammen. Aber vielleicht wollte Sloterdijk genau das, uns den reaktionären Reduktionismus einer überlebten geistigen Formation, einer Schwund-Linken vor Augen führen“, so endet eine, nun ja, Rezension des Bändchens „Angriff der Leistungsträger?“ Das Buch zur Sloterdijk-Debatte in der F.A.Z., in der der Autor, Wolfgang Kersting, mir, der ich das Buch noch nicht gelesen habe, konsequent verweigert, eines der Argumente darin, die es ihm offensichtlich zu zerfetzen Herzensangelegenheit ist, einmal vorzustellen. Schreibt man jetzt so? Behauptet man einfach, „nahezu alle Texte unterbieten das Niveau ihres Anlasses eklatant“ ohne diesen Texten die Chance zur Selbstverteidigung zu geben? Oder gilt nicht nach wie vor, dass man jemandem, der Blödsinn schreibt den Blödsinn auch nachweist, bevor man es Blödsinn nennt?  Und gälte es nicht sowieso, durch einen Zeitungsartikel, nur zum Beispiel, Feuer und Vergnügen in eine Debatte zu bringen, statt bloß ein Weltbild zu rahmen?<span id="more-835"></span> Und ganz nebenbei: Man kann von Sloterdijk ja halten was man mag, aber wenn er seine doch nicht unbeträchtlichen Textmengen produzierte, um irgend jemand den reaktionären Reduktionismus der Schwund-Linken vor Augen zu führen, dann, ja dann hätte man doch lieber ein paar Bäume geschont, die der Papiergewinnung zum Opfer fielen.</p>
<p>Der Opportunismus, hat Oskar Negt gesagt, ist die Geisteskrankheit der Intellektuellen. Es gibt noch eine zweite. Es ist diese fade Respektlosigkeit voreinander, dieser eklatante Mangel an Neugier aufeinander, diese eigentliche Unlust am Disput.</p>
<p>Gegen seine Feinde, da kann er sich ja wehren, der Sloterdijk, auch nicht gerade mit den sympathischsten und anregendsten Mitteln, wie mir scheint. Aber an seinen „Freunden“, da erstickt man leicht.</p>
<p>So wie die Politiker durch ihr Verhalten an der von ihnen beklagten „Politikverdrossenheit“ schuld sein können, so können die Intellektuellen am Anti-Intellektualismus schuld sein. Denn es geht ja nur einerseits darum, das richtige zu sagen, wenigstens das vorläufig richtige, wenigstens das interessante oder eigenwillige, das kritische und widerständige; zum anderen aber geht es darum, zu zeigen, wie man miteinander redet, wie man miteinander umgeht, wie man, zum Beispiel während man gerade entgegengesetzte Positionen vertritt, einem gemeinsamen Ziel verpflichtet wäre, der Suche nach der Wahrheit – von der wir wissen, dass niemand sie „haben“ kann. Dass es eine Schönheit des geistigen Streits geben kann, das kann man doch nicht mit einer Mischung aus Bildungshuberei und Besserwisserei vermitteln, das kann man nur, wenn man sich gegenseitig ernst nimmt, und wie bei einem Boxkampf alter Schule (ist ja leider auch nicht mehr, was es einmal war), edle Regeln einhält.</p>
<p>Ich gebe ja zu: Die „Schwund-Linke“ wird ihre Gegner durch gnadenlose Höflichkeit kaum eines besseren belehren können. Sie möchten halt zu gerne beides: Dass das Pferd tot ist, und dass sie es trotzdem noch schlagen dürfen. Merkwürdigerweise geben sie gerade durch diese doppelte Verneinung zu erkennen, wie wenig sicher sie sich ihrer Sache sind.</p>
<p>Wonach ich mich als Schwund-Linker gelegentlich sehne: nach ehrbaren Gegnern.</p>
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		<title>Früher war alles besser</title>
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		<pubDate>Mon, 16 Aug 2010 10:06:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn coole Leute Kritik hören, die sie nicht hören wollen, dann setzen sie eine Sonnenbrille und ein überlegenes Grinsen auf und sagen: „Ja, ja! Früher war alles besser!“. Sie unterschlagen damit den Gegenstand der Kritik (egal auf welchem Niveau und aus welcher Perspektive), nämlich dass es (was immer es ist) seit früher nicht im versprochenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn coole Leute Kritik hören, die sie nicht hören wollen, dann setzen sie eine Sonnenbrille und ein überlegenes Grinsen auf und sagen: „Ja, ja! Früher war alles besser!“. Sie unterschlagen damit den Gegenstand der Kritik (egal auf welchem Niveau und aus welcher Perspektive), nämlich dass es (was immer es ist) seit früher nicht im versprochenen bzw. möglichen Maße besser geworden ist. Denn früher war in der Tat insofern immer alles besser, als ja noch mehr Möglichkeit, noch mehr „Zukunft“ war.<span id="more-826"></span></p>
<p>Die sarkastische Wendung restauriert den ansonsten glücklicherweise nicht mehr so einfach zu setzenden Fortschrittsglauben in der Negation, ganz so als wäre alle Kritik, die sich historisch verortet, notwendig schon konservativ, wenn nicht gar reaktionär.</p>
<p>Von der Philosophie hat Max Horkheimer einmal gesagt, sie sei die gedankliche Anstrengung, sich nicht dumm machen zu lassen. Er trennte also ein philosophisches Subjekt von der Kraft des Dumm-Machens. Ja, da scheint in der Tat früher etwas besser gewesen zu sein.</p>
<p>Die Dummheit hat sich nicht nur immer tiefer in den Körper der Gesellschaft sondern auch in den Einzelnen gefressen; offensichtlich ersetzt diese allgemeine Dummheit (von der speziellen wollen wir gar nicht reden, jedenfalls nicht in diesem Zusammenhang) den Gesellschaftsvertrag: Demokratie scheint derzeit nichts anderes zu bedeuten als dass wir mehr oder weniger alle gleich dumm sind.</p>
<p>Die Philosophie derzeit also muss zugleich tiefer ansetzen und radikaler sein. Sie fragt nach den inneren und äußeren Kräften des Dumm-Machens (ohne archimedischen Punkt, natürlich).  Es ist die Frage, die sich offensichtlich früher besser stellen ließ (oder gab es einfach nur bessere Antworten?): Nämlich, ob Menschen so weit dumm gemacht werden können, dass sie nicht nur die Freiheit, sondern die „Freiheitsfähigkeit“ selber verlieren.</p>
<p>So ist Philosophie ganz entschieden zu wichtig, um sie den Philosophen zu überlassen. Sie gehört auch nicht dem Überschuss an, sie ist kein Freizeitvergnügen und keine Unterhaltung (dazu ist sie, unter anderem, auch zu schön), sondern Teil des alltäglichen Kampfes um die Freiheit, die man zwar nicht abschaffen kann, wohl aber unnütz machen. Der vom Markt geregelte Mensch hat einerseits genau die Freiheit, die er nicht anwendet. Sie ist ein gesellschaftlicher Schatz, der nicht angerührt werden darf. Er muss zwangsläufig die Freiheit des Marktes mit der Freiheit des Menschen verwechseln; er hält sich für frei genug, zwischen Dutzenden von Fernsehprogrammen und einem halben Dutzend von „Parteien“ zu wählen.</p>
<p>Es gibt zwei Bruchstellen in der Gesellschaft des Dumm-Machens. Die eine ist die wachsende soziale Ungerechtigkeit. Niemand vermag zu sagen, wo die Mischung von Apathie und sektorialer Gewalt (Kriminalität und Schattenherrschaft) in den Bürgerkrieg umschlägt. Die andere aber ist der permanente Versuch der Ökonomie und der Regierung, das Dumm-Machen über jenen Punkt hinaus zu treiben, da die Kantsche Verpflichtung des Menschen zur Freiheit auf dem Spiel steht.</p>
<p>Eben hier treffen sich die soziale und die philosophische Erhebung. Es ist die Philosophie (Kritik, Theorie und Diskurs), welche allein verhindern könnte, dass sich der Aufstand gegen die soziale Ungerechtigkeit als schierer Terror ereignet, und dass sich die Postdemokratie gleichsam nahtlos in eine neue Form der Diktator fortsetzt (wir müssen nicht weit sehen, um zu beobachten wie das geht). Das Dumm-Machen muss als eine Form der Gewalt erkannt werden, die eine menschliche, humane und aufgeklärte Gesellschaft nicht dulden kann.</p>
<p>Früher war alles besser? Vielleicht insofern sich das Dumm-Sein vom Dumm-Gemacht-Werden unterscheidet, und dieses vom Dumm-Gemacht-Werden-Wollen.</p>
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		<title>Was ist ein realistischer Film?</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Aug 2010 17:12:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Filmwissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Realismus muss man mindestens fünf mal behandeln:
- Als eine besonders gelungene Illusionserzeugung (mit technischen Mitteln) („realistische“ Stunts, „realistische“ Special Effects).
- Als eine weitgehende Annäherung an das Körperliche, Organische, Schmerzhafte und Zerstörbare („realistische“ Darstellung der Enthauptung eines Zombie).
- Als eine direkte Wiedergabe historisch-sozialer Verhältnisse und der Situationen der Menschen in ihnen (eine „realistische“ Darstellung des Zweiten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Realismus muss man mindestens fünf mal behandeln:</em></p>
<p>- Als eine besonders gelungene Illusionserzeugung (mit technischen Mitteln) („realistische“ Stunts, „realistische“ Special Effects).</p>
<p>- Als eine weitgehende Annäherung an das Körperliche, Organische, Schmerzhafte und Zerstörbare („realistische“ Darstellung der Enthauptung eines Zombie).</p>
<p>- Als eine direkte Wiedergabe historisch-sozialer Verhältnisse und der Situationen der Menschen in ihnen (eine „realistische“ Darstellung des Zweiten Weltkrieges, der Lebensbedingungen im Ghetto).<span id="more-829"></span></p>
<p>- Als eine logische und erfahrungs-kompatible Bewegung des Subjekts in Raum und Zeit (der Realismus des linearen Codes).</p>
<p>- Als eine harmonisch-logische Anordnung der Dinge im Raum („auf der Leinwand“) (der Realismus des visuellen Codes).</p>
<p>Eine besondere, durchaus reaktionäre Anschauung verlangt eine Gleichzeitigkeit (mehr oder weniger) aller fünf Merkmale eines „realistischen“ Films (mit „erlaubten“ Überschreitungen in die Tiefen des Traumes oder die Höhen der Vision).</p>
<p>In der Regel wird der eine Realismus erzielt, indem man auf einen anderen mehr oder weniger großzügig verzichtet.</p>
<p>Realismus hat nichts mit Wahrheit zu tun.</p>
<p>Auch mit der Wirklichkeit nicht, wenn man unter Wirklichkeit die Beziehung von menschlichen Subjekten mit der Natur versteht, als Gesamtheit der beobachtbaren Dinge und ihrer Beziehungen.</p>
<p>Der „psychologische Realismus“ behauptet, er würde Menschen so darstellen, wie sie auch in der Wirklichkeit erscheinen und handeln würden.</p>
<p>Eine Beziehung der verschiedenen „Realismen“ gibt „Diskurse“. Film beginnt jenseits des Realismus.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Hilf dir selbst</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Aug 2010 05:53:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Regierung, die darauf verzichtet, ihrem Kapitalismus „Manieren beizubringen“, erzeugt nicht nur neue Klassen, sondern vor allem einsame Menschen. Betrachtet man die einschlägigen Sendungen unseres Fernsehens, in denen sich das Medium als beherzter großer Bruder von Geschädigten, Betrogenen und Bedrängten inszeniert (dieser „große Bruder“ hilft indessen nur, während er die Skandale entpolitisiert), fällt vor allem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Regierung, die darauf verzichtet, ihrem Kapitalismus „Manieren beizubringen“, erzeugt nicht nur neue Klassen, sondern vor allem einsame Menschen. Betrachtet man die einschlägigen Sendungen unseres Fernsehens, in denen sich das Medium als beherzter großer Bruder von Geschädigten, Betrogenen und Bedrängten inszeniert (dieser „große Bruder“ hilft indessen nur, während er die Skandale entpolitisiert), fällt vor allem die Fassungslosigkeit der Betroffenen auf, mit der sie zur Kenntnis nehmen, mit welcher Gleichgültigkeit sie von ihrer Regierung, ihrem Staat, ihrem Rechtssystem, den Geschäftemachern und Bürokraten geopfert werden.</p>
<p>Hilf dir selbst, grinst der postdemokratische Staat, nachdem er dem Einzelnen alle Instrumente weggenommen hat, sich zu helfen.<span id="more-817"></span></p>
<p>Hilf dir selbst, sagt er, und gibt den Banken die Macht, sich an den verzweifelten Vorsorge-Bemühungen zu bereichern.</p>
<p>Hilf dir selbst, und außerdem müssen wir Afghanistan helfen, mit Panzern und Polizisten.</p>
<p>Die Regierungsgeschäfte gehen indessen gut.</p>
<p>Die Bevölkerung nimmt regen Anteil daran, dass ein Bürgermeister nicht zurücktreten kann, obschon noch die Reste von politischer Moral das erfordern würden, weil er dann auf Versorgungsleistungen verzichten müsste. Das rechnen unsere Zeitungen auf Euro und Cent durch. Und das verstehen wir gut: Bei Versorgungslücken hört die Verantwortung auf.</p>
<p>Hilf dir selbst, sagt der postdemokratische Staat. Und seine Repräsentanten helfen sich selbst. Soll niemand sagen, wir hätten keine Vorbilder mehr.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Lieber Gott</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Aug 2010 16:22:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>

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		<description><![CDATA[Wollen Sie einmal einen „christlichen Witz“ lesen, von der Seite „2Jesus.de“?
Bitte sehr:
Klein Achmed kommt in den Himmel, als er an der Pforte steht sagt er zu Petrus:
&#8220;Ey Alder isch suche Allah, weiß Du?!&#8221;
&#8220;Der ist weiter oben, nimm dort die Treppe&#8221;, antwortet Petrus
Achmed istm erstautn und geht die Treppe hoch &#8211; dann steht er vor Erzengel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wollen Sie einmal einen „christlichen Witz“ lesen, von der Seite „2Jesus.de“?</p>
<p>Bitte sehr:</p>
<p><em>Klein Achmed kommt in den Himmel, als er an der Pforte steht sagt er zu Petrus:</em></p>
<p><em>&#8220;Ey Alder isch suche Allah, weiß Du?!&#8221;</em></p>
<p><em>&#8220;Der ist weiter oben, nimm dort die Treppe&#8221;, antwortet Petrus</em></p>
<p><em>Achmed istm erstautn und geht die Treppe hoch &#8211; dann steht er vor Erzengel Gabriel:</em></p>
<p><em>&#8220;Ey, isch suche Allah, weiß Du?!&#8221;</em></p>
<p><em>&#8220;Da musst du mal eine Etage höher gehen &#8211; der ist nicht hier. Nimm die Treppe dort&#8221;</em></p>
<p><em>Endlich steht er vor Gott:&#8221;Ey, isch suche Allah wei&#8230; &#8211; .&#8221;</em></p>
<p><em>&#8220;Jaja, ich weiß&#8221; antwortet Gott, &#8220;der ist eine Etage höher &#8211; Moment&#8230;&#8221;, wendet sich um und ruft die Treppe hoch: &#8220;Ey Allah, bring mal zwei Kaffee, aber zack zack!&#8221;</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>So sind sie wohl, die Deutschen. Sogar bei ihrem Gott reicht es ihnen nicht, dass er Rassist und Pascha ist. Nein, auch beim Gott der Deutschen muss es „Zack zack“ gehen. Selig ist, wer in diesen Himmel weder will noch muss.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Kleinigkeiten (4)</title>
		<link>http://www.seesslen-blog.de/2010/08/09/kleinigkeiten-4/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Aug 2010 06:09:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Georg Seeßlen</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Bayern]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Es mag ja sein, dass die Wahrheit immer einfach und konkret ist. Wer weiß das schon, hat sie doch noch niemand gehabt, gesehen oder gehört. Egal. Wenn die Wahrheit auch einfach wäre, so ist es der Weg dorthin doch niemals. Aufgabe der Kritik ist es nicht nur, einfache Wahrheiten in Aussicht zu stellen, sondern auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es mag ja sein, dass die Wahrheit immer einfach und konkret ist. Wer weiß das schon, hat sie doch noch niemand gehabt, gesehen oder gehört. Egal. Wenn die Wahrheit auch einfach wäre, so ist es der Weg dorthin doch niemals. Aufgabe der Kritik ist es nicht nur, einfache Wahrheiten in Aussicht zu stellen, sondern auch den schwierigen Weg dorthin zu beschreiben. Der Versuch, einen schwierigen Gedanken in einfachen Worten auszudrücken, ist eine mindere Form der Lüge. Aber umgekehrt ist es natürlich auch nicht besser.</p>
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<p>Wir Bayern, Angehörige eines tückischen kleinen Bergvolkes, verzeihen einem betrügerischen Gewaltmenschen schon gerne einmal mit dem bei Preußens gern zitierten Spruch: „Aber ein Hund ist er schon“.</p>
<p>Aber jetzt haben wir einen Horst Seehofer, und der wäre gern so einer, von dem man das sagt.</p>
<p>Er ist aber kein Hund, sondern nur ein Opportunist. Ein Hund wird man so leicht nicht, und schon gar nicht bloß, weil man es gern werden will. Und wenn man sich dann auch noch beim Hund-Sein von Krawattenbürscherln aus dem hohen Norden beraten lassen muss: Aus ist es, Horst, sag’ ich. Zefix! Das reicht ja noch nicht einmal für einen Dackel.</p>
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<p>Arbeit im Spätkapitalismus ist ein Witz. Kein guter.<span id="more-804"></span> Eine postdemokratische Regierung, die stolz verkündet, wie nun wieder – war da was von Krise? – die „Arbeitslosenzahlen“ sinken, und die Nachrichten verkünden das Mantra, macht es ihren ökonomischen Arbeitgebern nach und verkauft den Abbau als Leistung. Denn wenn von solchen Zahlen die Rede ist, schweigt man konsequent von der Qualität dieser Arbeit. Vom kulturellen und menschlichen Wert der Arbeit sowieso, aber natürlich auch vom ökonomischen Wert. Nur einer der besonderen Finsterlinge des Neoliberalismus sagt aus Versehen wieder einmal die Wahrheit, wenn er dagegen protestiert, die Renten nicht zu kürzen, wenn doch die Löhne gekürzt werden. Aha! Die postdemokratische Regierung ist sich also dessen durchaus bewusst, dass in der Zeit, da Comerzbanken und Kollegen wieder Milliardengewinne einfahren die Löhne gekürzt werden. Für das Wort „Lohnkürzung“ gibt es nur ein anderes: Ausbeutung. Klingt altmodisch, nicht wahr?  Und wieder hält man uns eine Kündigung wegen einer Flasche Orangensaft vor Augen (damit wir im Witz bleiben, erledigt das gleich das menschenfreundliche Rote Kreuz): Die Macht der „Arbeitgeber“ und die Ohnmacht der „Arbeitnehmer“ steigen ins Groteske. Wer so froh sein muss, dass er überhaupt noch arbeiten darf, und wem mit der Hartz 4-Drohung nicht nur der ökonomische Abstieg ins Haus steht, sondern auch der Eintritt in eine politisch und medial erzeugte „Neue Unterschicht“, der fragt nicht mehr, ob seine Arbeit Menschen-wert und von ethischer Substanz ist. So wie die Dinge stehen muss man einer Regierung, die (bekennenderweise) „für die Wirtschaft“ ist, attestieren, dass sie zugleich gegen die Menschen ist. Im Lehrbuch der Politik ist soziale Gerechtigkeit eine Grundvoraussetzung der Demokratie. Dafür wiederum wären faire Verhältnisse auf dem Markt, und eben auch auf dem Arbeitsmarkt eine Voraussetzung, und zu der wiederum wäre ein Wille der demokratischen Regierungen eine Voraussetzung, für ihre Einhaltung zu sorgen und, sehr einfach, die Rechte der Schwächeren zu stärken. Für faire Verhältnisse auf dem Markt sorgt dieser Staat nicht einmal, wenn es darum geht, die so genannten Verbraucher gegen Willkür und Kriminalität zu schützen.</p>
<p>Die „Verhältnisse“ haben sich radikal vom Bewusstsein und vom Interesse des einzelnen entfernt, der nun freilich dafür narzisstisch genug gefüttert wird, und weil, je schlechter es einem in den Verhältnissen geht, der Hunger nach narzisstischer Fütterung um so größer wird, so entsteht eben auch die „Neue Unterschicht“ als Masse narzisstisch gestörter Wesen. Diese narzisstisch gestörten Wesen, von Fernsehen, BILD und Schnäppchen-Konsum verfestigt, haben weder Möglichkeit noch Interesse, sich dem konstanten Aushandeln der Aufgaben und Grenzen politischen Handelns zu widmen. Ein Mensch, der wegen einer Bagatelle seinen Arbeitsplatz verliert, ist für die Demokratie verloren, nein, umgekehrt: die Demokratie geht an den tausenden von Fällen, bei denen Regierung und Recht sich so eindeutig auf die Seite der Ökonomie gegen den Menschen stellen, verloren. Bleibt die Frage, ob es genau das ist, worauf „die politische Klasse“ hinaus will.</p>
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