Unterwegs (13)

In einem kleinen Straßencafé unweit der Stadt S. P. beobachtete ich träge die Passanten, als eine Dame mit einem mittelgroßen Hund vorbeikam. Beim zweiten Hinsehen erkannte ich die Züge von Dilma Rousseff. Da gab es kein Vertun, das musste sie sein, die Ähnlichkeit war einfach zu groß. Und doch war das unmöglich, denn sie betraf nicht die Dame, sondern ihren Hund. Ich empfand meine Beobachtung mehr als ungalant, schon eher sexistisch, wenn nicht gar gänzlich unmöglich. Ein Hund kann nicht aussehen wie Dilma Rousseff, weil Dilma Rousseff nicht die geringste Ähnlichkeit mit einem Hund hat. Aus lauter Scham über mich selbst bestellte ich noch ein Bier. Es war eisgekühlt, perlte wunderbar und bildete eine gute Grundlage zur Versöhnung mit mir.

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„Ein herrlicher Blick, nicht wahr? Sehen sie den großen Turm dort drüben?“
„Nein.“
„Sonderbar. Sie sind heute schon der dritte.“

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Der Sinn des Woandersseins liegt im Anderssein. Wenn ich woanders nicht anders wäre, könnte ich doch gleich daheim bleiben. Na, was heißt schon daheim.

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Die Fähigkeit von Menschen bewundern, die so tun, als wüssten sie nicht, von wem sie regiert werden.

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER UND VOM HERRN N’BEMBÉ (34)

Eine frühe Abendsonne, wie Robert Musil sie zu beschreiben vergessen hat, brach durch die noch grünen Blätter des Kastanienbaums, der nur zu bald, wie alle die Biertrinker und Philosophen in seinem Schatten wussten, unter dem Einfluss der Miniermotten in wesentlich unansehnlicheren Farben dastehen würde. Doch mit diesem Kastanienbaum hatte es eine ganz besondere Bewandtnis.

Es brütete nämlich in ihrem mächtigen Geäst eine Ente, und das schon seit mindestens drei Jahren. Die Ente im Kastanienbaum war eine Sensation im ganzen Viertel. Man sprach über sie, sehr viel lieber als über das Wetter, den Fußball oder die Gefahren international operierender Terrororganisationen. Und wenn die Sonne schien war der Biergarten ihres Vertrauens auch für die Herren Reiner und Kainer daher um eine Attraktion reicher.

Es ist vollkommen klar, dass eine Ente bzw. ein Erpel (denn man schien sich hier in der Brutpflege durchaus abzuwechseln) von der Natur nicht allzu günstig ausgestattet wurde, was Start- und Landevorgänge in einem Kastanienbaum anbelangt. Weiterlesen