Von der Unmöglichkeit des leichten Denkens an diesem Ort zu dieser Zeit

Schön, sehr schön wäre es gewesen, wenn auch in Deutschland sich hätte Französisches ereignen können. Mit solch poetischer Leichtigkeit zu denken wie Roland Barthes, so unabgelenkt wie Claude Lévi-Strauss, so luftig wie Gilles Deleuze. Das Leichte aber konnte nicht gelingen, weil man ja für diese Zeit oder die Ewigkeit, aber nichts dazwischen dachte. Nur Hans Blumenberg konnte einen immer wieder mit Leichtigkeit auf Pfade des Denkens locken, die nicht von den Elefanten der deutschen Geistesgeschichte breit getrampelt worden waren.

Da war und ist diese Unmöglichkeit, über etwas zu reden und von etwas anderem zu schweigen.

Jetzt geht uns die verpasste Chance einer Leichtigkeit des Denkens ab, wo wir bemerken, wie das Schwerdenken geradezu prädestiniert scheint, in Windeseile nach rechts hinüber zu schwenken, wo selbst das Leichtgewichtigste sich schwer macht.

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Ach die deutschen Medien. Die Hochburgen des Liberalismus und der kritischen Nüchternheit! Jahrzehntelang haben sie sich gegenüber jeder Kritik von links als resistent erwiesen. Ignorieren war noch die respektvollste Art damit umzugehen.

Und nun, da die Kritik von rechts kommt, Lügenpresse und so weiter, da ist man Schockschwerenot aufgeschreckt und braucht Legitimation und Verteidigung; keiner, der da irgendwas mit Medien an irgendwas Universitärem treibt, bleibt unbefragt und unaufgerufen, die freie Presse zu verteidigen.

Da sehen wir eine Sau, die sich selbst durchs Dorf jagt. Weiterlesen

DEMOCRACY FIRST, oder WIE PESSIMISTISCH DARF (ODER MUSS) MAN SEIN?

Angesichts des an allen Ecken und Enden aufsprießenden Halb- und Ganzfaschismus in unserer Gesellschaft, dem Begräbnis der Hoffnungen auf ein nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch (demokratisch) und kulturell geeinigtes Europa, angesichts der hässlichen Machtkämpfe, die unsere politische Klasse ausruft, statt ihrer humanistischen und zivilisatorischen Pflicht zu folgen, angesichts einer Intelligenz, die verzweifelt oder lieber gleich zu den Halbnazis wechselt, einer von allen Seiten bedrohten, und doch tapfer sich wehrenden Zivilgesellschaft, die schon eine Minderheit im eigenen Land bildet, angesichts eines offenbar unabwendbaren „Handelsabkommens“ TTIP, das die Welt, so wie sie ist und mit allem drum und dran, den Weltkonzernen zum Fraß vorwirft und in Geheimverhandlungen die Entmachtung der parlamentarischen Demokratie, der kritischen Öffentlichkeit und der unabhängigen Justiz beschließt, angesichts der Unfähigkeit und des Unwillens wenigstens Minimalziele zur Erhaltung von Umwelt und Klima zu erreichen, angesichts aber auch der alltäglichen Erfahrung von Gleichgültigkeit, Roheit und Verblödung der Mitmenschen – wie viel Optimismus kann man sich da noch gönnen ohne diesen Gesichtsausdruck, den schon ein Kind durchschauen kann: Das glaubt der/die doch selber nicht!

Aber halt! Ist das nicht „Jammern“? Und sind, jedenfalls im richtigen Leben, nicht Menschen, die jammern schon hinreichend als lästig, langweilig und kontraproduktiv erkannt? Jammern ist die Waffe der Feiglinge. Richtig? Und weil man sich schon so schön an das „Fremdschämen“ gewöhnt hat… (Ach, wenn wir doch jedesmal einen Euro bekämen, wenn jemand „Fremdschämen“ sagt, der sich weder für sich selber noch für irgendjemand anderen noch zu schämen in der Lage ist!) Wie wäre es nun mit „Fremdjammern“?

Weil mir niemand mehr zuhören will, wenn ich über meinen eigenen Zustand jammere, dann jammere ich eben über den Zustand der Gesellschaft, des Staates, der Welt. Weiterlesen