Dispositiv II: Unterworfenes, verarbeitetes und aufgelöstes Wissen

Eine längere Fußnote zu „Das deutsche Dispositiv“

Wir stellen uns seit geraumer Zeit das Wissen nicht mehr als eine „objektive“ oder auch nur konsistente Sache vor, welche „die Menschheit“ erwirbt und damit sich selber verändert. Wissen mag mehr oder weniger modellhaft ein unumkehrbares und (mehr oder weniger) unleugbares narratives Gut sein – die „Tatsache“ (der Begriff selbst ist eine Praxis des Wissens vom Wissen), dass die Erde rund ist und sich um die Sonne dreht, ist nicht mehr zu leugnen (außer von Paranoikern oder Schriftstellern, die etwa, wie Terry Pratchett eine „Scheibenwelt“ erfinden), ansonsten aber gilt es, so wie die alten Griechen zwischen dem Leben an sich, und dem gelebten Leben (bios) unterschieden, zwischen einem Wissen an sich (das, wie das Leben an sich eher transzendental zu verstehen ist) und dem wirkenden Wissen zu unterscheiden, das sich in einem unentwegten Anwendungs- und Transformationsprozess befindet.

Wissen – eine Funktion der Macht

Dieses Wissen ist weder an bestimmte Diskurse noch an bestimmte Sprachen noch an bestimmte Medien gebunden, wohl aber an Interessen, an Hegemonien und Strukturen. Das Wissen, mit einem Wort, ist in erster Linie eine Funktion der Macht. Dadurch unterwirft sich nicht nur sein „Inhalt“, sondern auch seine „Gestalt“. Nicht zuletzt wird, wenn es um die Realisierung von Macht geht, aus dem diskursiven Wissen das Bild oder das Narrativ. Und umgekehrt wird auch das unterdrückte und „verbotene“ Wissen in die Form von Bildern, Erzählungen, Riten usw. gebracht. Man kann dabei, zumindest als Sonderfall, mit Michel Foucault von „unterworfenem Wissen“ sprechen. Weiterlesen