Kleinigkeiten (37)

„Wir wollen mehr Hannah Arendt wagen“, so der Titel eines Artikels im Feuilleton der F.A.Z. Und ein anderer, zu einer Satire-Sendung im Medien-Teil lautet: „Sie wollen weniger Merkel wagen“. Meine persönliche Fortsetzung: „Ich will weniger Elfriede Mayer wagen“. Jetzt wissen Sie natürlich nicht, wer Elfriede Mayer ist. Glauben Sie mir: Das wollen Sie gar nicht wissen.

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Im „Münchner Feuilleton“ antwortet Dieter Reiter (SPD), Wirtschaftsreferent der Stadt, auf die Frage „Was liegt Ihnen mehr: Giesinger Bastelgruppe oder Staatsoper?“:

„Man kann durchaus nachmittags basteln und abends in die Oper gehen“.

Das ist doch die Lösung, ihr Dummies!, für alle ökonomischen und kulturellen Fragen: Nachmittags Basteln und abends in die Oper.

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„Europas Aktien ziehen Dividendenjäger an“, heißt es in der F.A.Z. Auwehzwick! Jetzt kommen auch noch die Dividendenjäger. Nach den Gewinnmitnehmern, den Leerverkäufern, den Heuschrecken und den Steuerhinterziehern, nach Sanierern, Konkursverwaltern, Absahnern, Experten, Rating Agenturen, Schnäppchenjägern und Insidern, jetzt also: der gemeine Dividendenjäger. Ja sind denn die armen europäischen Aktien nicht schon gestraft genug? Weiterlesen

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER (26)

Herr Reiner und Herr Kainer saßen in dem Wirtshaus, das, mehr recht als schlecht, ihnen das alte ersetzt hatte, und sie grübelten über den Tod.

„Ein jeder muss einmal gehen“, sagte Herr Kainer.

„Ja, aber der Horst, der hätte doch noch ein bissel bleiben können“, meinte nach einer kurzen Pause Herr Reiner.

„Freilich, den hätten wir schon noch gebraucht.“

„Aber da kannst du nichts machen.“

„Ich weiß aber, was wir jetzt machen“, sagte Herr Kainer.

„Und zwar was?“, fragte sein Freund.

„Wir gehen hinaus und bieseln seinen Namen in den Schnee.“

„Mit einem Kreuz dahinter?“

„Nein, der Horst, der braucht kein Kreuz. Der krieg ein Ausrufezeichen.“

„Aber ein Kreuz bieselt sich leichter“, gab Herr Reiner zu bedenken.

„Nichts da“, beschloss Herr Kainer.

„Und!“, wandte Herr Reiner weiter ein. „Horst Tomayer – Ausrufezeichen! Das packen wird doch gar nicht mehr. In unserem Alter.“ Weiterlesen

Kleinigkeiten (36)

Es gibt Worte, die nur von denen benutzt werden, die mit ihnen eine Zumutung von sich weisen wollen. „Politisch korrekt“ zum Beispiel. Ein Begriff, den fast nur Leute benutzen, die liebend gern eine rassistische oder sexistische Sauerei loswerden wollen, sich aber nicht getrauen würden, wenn man nicht eine Instanz verachten könnte, die es einem verbieten würde. Das selbe gilt für „Gutmenschen“. Auf „Gutmenschen“ schimpfen vor allem Leute, die echt keinen Bock haben, sich beim Kauf von T-Shirts die gute Laune durch Hinweise auf Kinderarbeit und Ausbeutung verderben zu lassen. Und natürlich geht „Tugendterror“ von jenen aus, die lieber ein paar weniger Waffenexporte an korrupte Diktaturen hätten oder frecherweise fordern, man könnte vielleicht auch Asylbewerber als Menschen behandeln. Idiotischerweise haben es sich auch genügend „Linke“ zur Gewohnheit gemacht, über das politisch Korrekte, die Gutmenschen und den Tugendterror zu feixen. Als wollten sie nicht bemerken, dass damit gar nicht bloß die paar Eiferer und Rechthaber gemeint sind, die auch uns den Tag verderben können, sondern sie selber. Der politisch korrekte, tugendterroristische Gutmensch ist nichts anderes als die Stürmer-Karikatur des Linken. Und wer lacht da am lautesten?

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„Der ukrainische Markt ist einfach zu vielversprechend, um nicht zu versuchen, seine Ausrichtung zu ändern“, so sagt der stellvertretende russische Ministerpräsident Igor Schuwalow, laut der Wochenzeitung DIE ZEIT, „über die Interessen Russlands in der Ukraine“. Da sind wir aber froh, dass die Interessen Europas in der Ukraine nur in der Verwirklichung der Menschen- und Bürgerrechte, einer so toll wie bei uns funktionierenden Demokratie und in der Pressefreiheit bestehen. Der ukrainische Markt interessiert uns dagegen so wenig, dass hierzulande für die Ukrainer die Demonstrationsrechte gefordert werden, die bei uns selber schon längst abgeschafft sind. So demokratisch sind wir. Weiterlesen