Heimatfilm neu definiert

Der fremde Blick – Neue Ansichten zum Heimatfilm

Wir haben es im folgenden mit zwei ziemlich komplizierten Begriffen zu tun, nämlich mit dem der Heimat und dem des Dokumentarischen im Film. Zwei komplizierte Dinge haben meistens auch eine komplizierte Beziehung zueinander. Und um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, wollen wir uns nicht bloß mit diesen Begriffen beschäftigen, sondern auch noch mit deren Veränderungen. Das erstaunliche bei der Suche nach der komplizierten Beziehung von Heimat und Film ist, dass man dabei auch auf ziemlich einfache Wahrheiten stößt.

Was also ist Heimat? Die einfachste Antwort ist: Heimat ist für jeden Menschen etwas anderes, ein Element in der Konstruktion einer Biographie, beim einen stärker, bei der anderen eher schwächer ausgeprägt. Offensichtlich geht es dabei um eine Beziehung zwischen dem eigenen Leben und dem Territorium, der Sprache und der Gesellschaft, in der sich prägende Teile davon abspielen. Und auch die Grammatik der Heimat scheint erst einmal ziemlich einfach: Man kann nämlich Heimat suchen

Dort, wo man herkommt
Dort, wo man hinwill, oder einfach
Dort, wo man gerade ist. Hier und jetzt.
Die zweiteinfachste Antwort hat die hundertjährige Resl gegeben, als man sie nach ihrer Beziehung zur Heimat fragte:

Heimat ist da, wo ich ein Dach über dem Kopf habe, wo ich ein eigenes Bett hab’, wo ich zu essen und zu trinken hab’, wo es mir gefällt und wo sich Leute um mich kümmern und ich mich um die Leute kümmern kann.

Ich denke, dies ist die schönste und klarste Definition von Heimat, weit entfernt von aller Blut und Boden-Mythologie, weit entfernt aber auch von jener nostalgischen Schwärmerei, die in unserer Kultur scheinbar in Form wuchtiger Wellen von Dirndlmoden, Landärztinnen und Heimatkitsch den fleißigen städtischen Mittelstand ergreift. Weiterlesen