Newsletter (6) zur Kuchensucher-Forschung

Im Gegensatz zur äußerst regen „Deutschen Gesellschaft für Eichenweich-Forschung“ ist der „Freundeskreis Edgar P. Kuchensucher“ nie in der großen Öffentlichkeit des Kulturbetriebs aufgetreten. Auch fehlen ihm die Mittel, Tiefenforschung und Quellensuche zu betreiben, so dass die Zusammenkünfte des Freundeskreises in aller Regel auf das Rezitieren von Kuchensucher-Gedichten und ordentlichen, in Memorium-Genuss von Weißbier bestand. So scheint sich die Rivalität der beiden postsituationistischen Dichter noch nach ihrem Tod fortzusetzen, und wiederum mit enormen, wenn auch, unserer bescheidenen Meinung nach unverdienten Vorteilen für Eichenweich.

Um so erfreulicher mag ein zufälliger Fund bei einer der üblichen Gentrifizierungsmaßnahmen für die Freunde des Dichters sein: Auf einem Dachboden wurden einige der so genannten Kindergegengedichte gefunden, Weiterlesen

Eins auf die Presse, mein Herzblatt! (19)

Heute kam der neue „film dienst“, die Zeitschrift, die von der Katholischen Filmkommission für Deutschland herausgegeben wird und lange Zeit ein wichtiger Begleiter für Cineasten war, wegen der Sorgfalt und Vollständigkeit, manchmal gab es auch interessante Ideen, doch, doch. Und jetzt hat es wieder einmal einen „Relaunch“ gegeben. Die Zeitschrift sieht jetzt aus wie die Apothekenrundschau, bloß mit mehr Bildern, kürzeren Texten und wirrerem Layout. Es scheint so, als hätte man Angst, dass Lesern von Filmzeitschriften das geistige Aufnehmen von längeren, zusammenhängenden Texten enorme Schwierigkeiten bereitet. Der Niedergang der Filmkultur ist an vielen Stellen zu beobachten und offenbar nicht mehr aufzuhalten. Aber wenigstens kann man sich nun die Abo-Gebühren sparen und dafür das eine oder andere Buch erstehen. Zum Beispiel Robert Bressons schöne kleine Arbeit zum Kinematographen. Oder Kracauers Gesammelte Werke, na ja, jedenfalls einen oder zwei Bände davon.

Kleinigkeiten 27 (aus dem Arsenal der Zeitungsabschaffung)

Aufmacher des „FINANZMARKT“-Bogens der F.A.Z. (13. Februar 2013):

„Unternehmer wissen nicht, wohin mit dem Geld“

Und wir erfahren, dass „allein die 26 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen (ohne Banken und Versicherer) im Dax nach Daten der Commerzbank 6 Milliarden Euro in der Kasse und in schnell veräußerbaren Wertpapieren“ halten. Dieses liquide Kapital weiß irgendwie nicht mehr weiter, so holt sich womöglich der Finanzmarkt eine Darmverschlingung. Dafür aber wissen die Sparkassen was mit dem Geld weiter unten geschieht: „Einkaufen wird immer schneller“. Und deshalb brauchen wir hier unten auch dringend neue Geldkarten, und zwar genau 30 Millionen, wie wir aus dieser Zeitung ebenfalls erfahren (einmal Umblättern genügt). Damit kann man, man staune, „kontaktlos“ einkaufen.

Was soll das? Wenn wir ihnen unser Geld immer schneller in den Rachen schieben und die Unternehmer nicht wissen wohin damit, weil ihnen nirgends die Rendite reicht und in die Zukunft „investieren“ ja so was von old school ist?

Man nennt so etwas wohl mästen.

*

Früher galt es als Kritiker, seine Büldung unter Beweis zu stellen. Nach der allerdings abgeschlagenen Revolte der Pop-Kritik blieb als Befähigung des Kritikers zur Zeit eine simulierte Form der „Street Credibility“. Er oder sie sollte zwingend Worte wie „geil“ gebrauchen, auf eigenen Drogenkonsum anspielen oder Vergleiche wie in einem amerikanischen Trash-Roman ziehen. Er oder sie sollte „sich als Fan outen“ oder biographische Anekdoten einstreuen. Er oder sie sollte von den Ideen ablenken und die Emotionen betonen. Er oder sie sollte es doch bitte den Leserinnen und Lesern nicht zu schwer machen. Weiterlesen

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER (23)

Der Schnee hatte die Stadt friedlich überwältigt. Und wie behaglich dampften Kamine und Automobil-Auspuffe! Alle Weichen der Bahn waren hart gefroren. Die Herren Reiner und Kainer hatten im Wirtshaus ihres Vertrauens Platz genommen. Die Gaststube war wohl ein wenig überheizt, die niedere Zimmerdecke hätte einen Anstrich gut gebrauchen können, und aus den Fenstern waren nur wenige Passanten zu sehen, die dem Winter fluchten, der sie daran hinderte, nach der Mittagspause rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Die Herren Reiner und Kainer sahen mit großer Freude ihr Weißbier kommen, ließen die Gläser aneinander klingen und nahmen einen tiefen Schluck. Dann sagte Herr Reiner:

„Gestern Nacht ist mir Gott begegnet“.

Nach einer Weile antwortete Herr Kainer mit moderatem theologischen Interesse:

„Und?“

„Sie ist der albernste Kerl, den ich kenne“, versetzte Herr Reiner gleichmütig.

„Wie das?“ erkundigte sich Herr Kainer.

„Nun ja, ich habe Gott erzählt, dass bei uns die Bischöfe so traurig darüber sind, dass Kirche und Religion mit Füßen getreten werden. Und sie antwortete: ‚Tja, das habt ihr jetzt davon’. Und ich, gerade so wie Sie gerade, versetze: ‚Wie das?’. Und Gott antwortete: ‚Der Papst tritt zurück!’“. Weiterlesen

Titelschutz (16)

Aus meiner Lieblingsrubrik „titelschutz“ im Börsenblatt des deutschen Buchhandels entnehme ich, dass im Lundi-lernen-Verlag demnächst das gewiss sehr lehrreiche Buch

Fick disch, Alte!

erscheinen wird.

Und bei Cross-Culture wird erscheinen

Frankreich in Frankfurt

China in Frankfurt

Die USA in Frankfurt

Brasilien in Frankfurt

usw. usf. „und alle gleichartigen Titel für Frankfurt und andere deutsche Großstädte, wie Berlin City“

Und was ist mit Uigurien in Kaufbeuren? Die Innere Mongolei in Neustadt? Alaska in Bad Tölz? Hat Lücken, das System des Titelschutzes.

Und dann gibt es noch Weiterlesen

Eins auf die Presse, mein Herzblatt! (19)

„Brown verbüßte nach dem Übergriff auf Rihanna im Februar 2009 weiterhin eine Bewährungsstrafe“.

So schreibt die F.A.Z. (1. Februar) über den prügelnden Rapper Chris Brown, verschweigt aber, wie man das macht, eine Bewährungsstrafe verbüßen. Das wäre wohl eine schöne Anregung für den Strafvollzug hierzulande.

*

Und da wird er böse, der F.A.Z.-Kommentator (am 2. Februar), nämlich wenn die Linke fordert, dass niemand mehr als 40 mal so viel verdienen soll wie das gesellschaftliche Minimum. „Was die Linke“, so der Kommentator Holger Steltzner, „die Nachfolgepartei der DDR-Kaderpartei SED“ – Kaderpartei! DDR! Ohne Anführungszeichen. Geifertropf! – „wirklich will“  – Kommunisten wollen immer irgendwas „wirklich“, was man ihnen nachweisen muss, im unermüdlichen Kampf für Marktwirtschaft und Managergehälter -, „hat die Parteivorsitzende Katja Kipping schon vergangenen Sommer klargemacht, als sie sagte: „Ab 40 000 Euro im Monat gibt es kein Mehr an Lebensgenuss“. Einen solchen „Genussdeckel“ (Steltzner) kann die F.A.Z. nicht zulassen, genau genommen ist es ein „Genussdeckel der Linkspartei“. Weiterlesen

Eins auf die Presse, mein Herzblatt! (18)

Die Griechen sind faul? Na, der deutsche Arbeitnehmer und die deutsche Arbeitnehmerin sind aber auch nicht schlecht, wie man dem Wirtschaftsteil der F.A.Z. unschwer entnehmen kann. „Etwa jeder zweite Deutsche geht früher in den Ruhestand als es nötig wäre“. Damit entziehen er oder sie völlig unbotmäßig dem Unternehmen Arbeitskraft, das ist skandalös, die könnten sich ohne weiteres noch an ihren Arbeitsplatz schleppen. „Scheinbar könnten es sich viele Ältere leisten, früher in Rente zu gehen“, zitiert die Zeitung die Bundesarbeitsministerin von der Leyen. Was sagt uns das? Erstens. Entweder kennt die Bundesarbeitsministerin oder die Zeitung, hinter der irgendwann mal kluge Köpfe gesteckt haben sollen, den Unterschied zwischen anscheinend und scheinbar nicht, oder aber dahinter steckt statt eines klugen ein niederträchtiger Kopf, der Rentner zu Scheinrentnern machen möchte. Zweitens. Denen geht es ja immer noch viel zu gut. Und dann wird auch noch ein besonders kluger Kopf zitiert, nämlich ein Ökonom mit Namen Bernd Raffelhüschen: „Viele nehmen die finanziellen Nachteile hin, weil sie geerbt haben“.

Und jetzt aber ab nach Teneriffa und die soziale Hängematte aufgestellt! Immerhin müssen Ministerin und Ex-Wirtschaftsweiser Bernd Rürop zugestehen, dass es keine wissenschaftliche Untersuchungen darüber gebe, aber man ist sich schon mal sicher: „Der Tenor vieler auf Mitleid abzielenden Berichte ist daher fragwürdig“. Mitleid mit diesen kaputtgearbeiteten Faulpelz-Erben? Wo kämen wir denn da hin.

Und überhaupt, am schlimmsten sind ja wieder mal die Frauen, vor allem wenn Rentnerin und Rentner ihre Renten zusammenwerfen: „Da der Mann in diesen Ehen oft der Hauptverdiener ist, hören die Frauen dann mit auf, weil sie gemeinsam den Ruhestand genießen wollen“.

Aber in Wirklichkeit sind diese alten Genießer ja doch nicht die Mehrheit des tüchtigen deutschen Volkes. „Seit 2000 ist das tatsächliche Renteneintrittsalter von von 62,3 auf 63,5 Jahre gestiegen“. Weiterlesen