Skizze über das Interesse

Das Interesse ist ein Begriff, den wir im allgemeinen situativ verwenden; was er bedeutet ist eine Frage des Zusammenhangs. Ganz allgemeinen könnte man es, der Herkunft des Wortes vom lateinischen „inter esse“, also dazwischen sein oder dabei sein, folgend, als den Wunsch des Ich begreifen, einen Teil der Welt für sich zu haben bzw. ein Teil der Welt zu sein. (Im Interesse scheint sich der Widerspruch zwischen dem Sein und dem Haben, den sich die Küchen-Philosophie gern leicht macht, in ein komplizierteres Geschehen aufzulösen.) Interesse ist ein Wort für die Beziehung zwischen dem Subjekt und der Welt

Es gibt mein Interesse an einer Sache, die irgendwo und irgendwie zum Erwerb steht, in diesem Fall scheint mein Interesse (das ich übrigens so weit als möglich aus ökonomischen und kulturellen Gründen verberge) ein Impuls des Haben-Wollens. Es gibt mein Interesse an den Ideen einer bestimmten Autorin, den Gebrauch von Zeichen betreffend, und in diesem Fall scheint mein Interesse ein Impuls des Wissen-Wollens, der Neugier und des Erkenntnisdrangs. (Vermutlich haben wir hier einen Anknüpfungspunkt zu Foucaults „Willen zur Wahrheit“ im Diskurs.) Eine Unternehmung, ein Handel, ein Geschäft kann für mich interessant scheinen (und „interesse“ – Mehrzahl – bedeutet im italienischen Banksprech nichts anderes als „Zinsen“). In diesem Fall scheint mein Interesse ein Impuls des Nutzens und der Nützlichkeit. Und schließlich kann ich Interesse an einem anderen Menschen haben (oder, altmodischer, „nehmen“ – bezeichnender Wandel!), das heißt mein Interesse ist ein Impuls der Emotion, Sexualität, Sympathie, Solidarität.

Wie der Diskurs, so wird auch das Interesse also von vier Elementen bestimmt, die einander zugleich ergänzen, verstärken und widersprechen. Es geht um Besitz/Eigentum (was nicht das gleiche ist), Erkenntnis, Nutzen und Beziehungen. Weiterlesen

Der Bildraum, die Kamera, die Angst und die Grenze

1

Eine Kamera ist eine Maschine, die Bilder macht und dabei zugleich einen Bildraum, eine Grenze dieses Bildraums und ein Außerhalb schafft, das unendlich suggestiv, gefährlich und verlockend ist. Eine Kamera bestimmt, wie jede Technik des Bildermachens, ein Bild und zugleich ein Nicht-Bild. Was die Grenze bestimmt, ist eine Form von Rahmen oder Format. Aber anders als bei den vorherigen Techniken des Bildermachens ist die Grenze zwischen Bild und Nicht-Bild beweglich. Was gerade noch Nicht-Bild war ist in einem Bruchteil einer Sekunde (in einer 24tel Sekunde, in unserer konventionellen Art) zum Bild geworden, und was gerade noch sichtbar war, ist im selben Rhythmus unsichtbar geworden. Diese Maschine also, sie kann nicht anders, spricht von Allmacht und Angst.

Während sie über eine Grenze schaut, baut die Kamera neue Grenzen auf. Wo eine Kamera ist, da ist auch eine Grenze. Aber je mehr wir der Macht der Kamera verfallen, aus Angst, unter anderem, desto mehr gilt auch das Gegenteil: Wo eine Grenze ist, da ist auch eine Kamera. An der Grenze zwischen dem Kosmos und der Erde, an der Grenze zwischen den Staaten, an der Grenze zwischen den Klassen, an den Grenzen zwischen Innen und Außen. An der Grenze zwischen den Körpern und an den Grenzen zwischen der wundervollen Welt der Dinge und der hässlichen Welt der wirklichen Menschen.

Wo eine Kamera ist, kann das Verbotene nur geschehen. Und wir erkennen es als ein Verschwindendes. Weiterlesen

Kleinigkeiten (26)

Und was liest man in Deutschland so, wenn kein neuer Sarrazin auf den Markt kommt und „Mein Kampf“ noch auf die Veröffentlichung wartet? Zum Beispiel: „Rote Lügen in grünem Gewand: Der kommunistische Hintergrund der Öko-Bewegung [Gebundene Ausgabe].“ Darin belegt ein gewisser Torsten Mann etwa folgendes, laut PR-Text: dass die „Klimakatastrophe“ genau so eine Lüge ist wie zuvor schon das „Waldsterben“ und das „Ozonloch“. Der grünen Politik liegen nicht etwa ökologische Absichten zugrunde, sondern rein ideologische Motive, die ausschließlich darauf abzielen, die Marktwirtschaft der westlichen Nationalstaaten in den Ruin zu treiben. An ihrer Stelle soll ein globaler Umverteilungsstaat nach dem Vorbild der Sowjetunion errichtet werden, der von einer zur Weltregierung ausgebauten UNO planwirtschaftlich kontrolliert wird.

Die Nationalstaaten sollen immer enger in die Zwangsjacke überstaatlicher Gebilde eingebunden werden. Von der Öffentlichkeit unbemerkt, befinden wir uns auf dem Weg in eine ökosozialistische Diktatur, die jedem einzelnen Menschen vorzuschreiben gedenkt, wie er zu leben und zu arbeiten hat.

Dieses Buch reißt den Protagonisten der Ökobewegung die Maske vom Gesicht. Es dokumentiert ihre Herkunft, ihre politischen Anschauungen und die verblüffenden Ähnlichkeiten zwischen den Planungen der einst sowjetischen Kommunisten und was kein Widerspruch ist der US-amerikanischen Hochfinanz anhand von zahlreichen Zitaten und Quellen. Unter dem Deckmantel des Umwelt- und Klimaschutzes droht die größte Umverteilung von Wohlstand in der Geschichte der Menschheit und eine Neue Weltordnung, die die Freiheit des Einzelnen nach den Prinzipien des Sozialismus massiv beschränken will.

Das haben wir uns doch gedacht, dass die Kommunisten dahinter stecken, wenn wir viel zu kleine Autos bauen, überall Bäume im Weg stehen und die Weltmeere voller Walfische sind. Vielleicht wollen die Kommunisten uns ja auch vergiften, mit Bio-Joghurt und linksdrehendem Schimmelkäse! Weiterlesen

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 1/13

Um ein Bild zu verstehen, muss man zwei Dinge gleichzeitig tun: Die Dinge auseinanderhalten – sie unter-scheiden – und sie „zusammen sehen“. So gibt es also keine Trennung zwischen „Lesen“ und „Sehen“. In der Praxis. Wohingegen es sehr große Unterschiede macht, wie über das Bild gesprochen werden kann. Die Lesbarkeit des Bildes (seine Dechiffrierung) und die Sichtbarkeit (seine Gegenwart) bilden eine gespannte Einheit. So gibt es Bilder, die so lesbar sind, dass sie unsichtbar werden, und (nicht nur in der Kunst) Bilder, die so gegenwärtig sind, dass sie undechiffrierbar sind. Da hätten wir an den Enden „Information“ und „Erhabenheit“, meinetwegen, doch die Sache wird komplizierter, wenn wir sie unter bestimmten Aspekten betrachten. Nehmen wir das soziale Signal. Oder „die Propaganda“. Weiterlesen

LEITKULTUR! Oder Neueste Kleinigkeiten

Da lacht Deutschland!  Aus der Rubrik der beliebtesten Witze in der Internet-Seite „Willis Witze“:

Zwei Polizisten fischen einen toten Polen aus der Donau, der einen Knebel im Mund hat, eine schwere Eisenkette um den Körper geschlungen und die Füße in einem Zementblock eingeschlossen. „Typisch“, sagt der eine zu seinem Kollegen, „klauen immer mehr, als sie tragen können…“ Weiterlesen