Weitermachen weiter machen

Und der Nordwind macht weiter und

Die Mehrwertsteuer macht weiter

Und die Polizisten machen weiter und

Die Bildzeitung macht weiter

Und die Regierung macht weiter und

Die Tools machen weiter

Die Toasts machen weiter

Die Tanzbären machen weiter

Nur

Der Bote machte nicht weiter

Das Leben machte nicht weiter

Die Idee machte nicht weiter Weiterlesen

Was zum Teufel ist eigentlich Geschmack?

Aus dem lateinischen „intelligentia“ kann man neben „Verständnis“ und „Kennerschaft“ tatsächlich auch „Geschmack“ herausübersetzen. Intelligenz und Geschmack scheinen jedenfalls einst eine gewisse Einheit gebildet zu haben. Beides, die Intelligenz wie der Geschmack, haben lange Geschichten der Profanierung hinter sich; die Intelligenz wurde zum quantifizierbaren Wert kognitiver Fähigkeiten, bisweilen einfach nur zum Euphemismus für weitergegebene Nachrichten (wie in der „Central Intelligence Agency“), der Geschmack, neben dem nutrialen und kulinarischen Maßstab, zu einem vagen emotionalen Bezug zur Umwelt. Jeder hat Intelligenz, jeder hat Geschmack, die eine mehr, der andere weniger. Die anderen haben immer weniger davon als ich.

Erst im neunzehnten Jahrhundert wurden Intelligenz und Geschmack näheren, auch wissenschaftlichen Untersuchungen unterzogen. Es wurden im Laufe der Zeit nicht nur Expertisen über Intelligenz und Geschmack abgeliefert, sondern auch Experten für Intelligenz und Geschmack gebildet. Systeme der Intelligenz und Systeme des Geschmacks wurden entwickelt, man unterscheidet zwischen motorischer und logischer Intelligenz, zwischen dem „gustatorischen“ und dem ästhetischen Geschmack usw. Geschmack ist so wenig Geschmack wie Intelligenz Intelligenz ist. Weiterlesen

Kleinigkeiten (25)

Das Projekt der Linken, wie immer sich diese selber definiert, ist nach wie vor in einer einfachen Aussage zusammenzufassen: Die Befreiung der Menschen von ungerechter, unterdrückender und ausbeuterischer Macht. Die Veränderung dieser Macht bzw. dieser Mächte verändert auch die Linke. Die Ungerechtigkeit, die Unterdrückung und die Ausbeutung sind vergleichbar konstant (da der Mensch als Objekt einigermaßen konstant bleibt und nicht, zum Beispiel, auf einmal fliegen oder gar mit einem Schlag „gut“ geworden sein kann); die Nutznießer von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung wechseln Form und Methodik. Was man von der Macht sagen kann, bevor man ins einzelne geht: Die Macht ist immer auf der Höhe der Zeit. (Oder sie verschwindet.)

Daher hat Byung-chul Han natürlich vollkommen recht, wenn er sagt, die Macht sei beinahe perfekt, wenn sie gar nicht mehr bemerkt werde, und umgekehrt sei die Gewalt noch stets ein Anzeichen der Schwäche, nicht der Stärke der Macht. Die Macht ist demnach am perfektesten, die den Menschen ausbeutet, weil er ausgebeutet werden will, und die ungerecht ist, weil seine Adressaten Ungerechtigkeiten wollen, und  die unterdrückt, weil die Unterdrückten Geschmack an der Unterdrückung haben.

Wie kann man gegen die Ausbeutung eines Menschen sein, der ausgebeutet werden will (weil, zum Beispiel, die Ausbeutung Teil seines Weltbildes ist, seiner Ordnung, seiner religiösen Gewissheit, oder weil er die eigene Ausbeutung als ersten Schritt in einer Prozess-Kette sieht, in der er selber zum Ausbeuter werden darf)? Wie kann man eine Gerechtigkeit fordern, die denen, denen sie verwehrt wurde, als abscheulich, langweilig oder hinderlich erscheint? Es scheint ein leichtes, dem und der Linken einen Widerspruch zur Freiheit zu unterstellen. Wenn es ein Gutes war, was die Linke einmal gewollt haben mag, so wird sie, mindestens, zum Schlechten, im Zweifelsfall zum Bösen, wenn man Ausbeutung, Ungerechtigkeit und Unterdrücker gegen den Willen der Betroffenen abschaffen wollte. Oder gar mit Gewalt. Weiterlesen

Eins auf die Presse, mein Herzblatt! (17)

Wer zum Teufel hat nur diese unsägliche Rückblickerei erfunden, mit der unsere Medien mindestens einen Monat lang langweilen? Jahresrückblicke sind wahrscheinlich die letzten Zeit-Anker einer Gesellschaft, die sich die Erinnerung abtrainiert.

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Endlich gibt es eine Zeitschrift, die alle Unarten des deutschen Zwischen-Feuilletonismus versammelt: Kolumnismus, Humorismus, Drittverwertungsismus, Auftrieb üblicher Verdächtiger, gepflegter Schmunzelismus usw. Der einzige Witz dabei: Diese Zeitschrift heißt „Pardon“.

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Wissen Sie, was die „ganz große Frage“ ist? Für den Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG ist „Die ganz große Frage: Gelingt es uns, die Zeitung vom Papier zu trennen?“. Es gelingt, wenn man die Leute dazu bringt, im Netz genau so viel für eine gute Zeitung zu zahlen wie am Kiosk. Bloß, wer zum Teufel macht eine gute Zeitung?

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„Dabei kann der Kapitalmarkt herzlich wenig dafür, wenn mit Nutzen stiftenden Instrumenten wie einer Aktie Schindluder getrieben wird“. So endet der F.A.Z.-Kommentar über die Betrügereien des First Quotation Board. Der Wald kann ja auch nichts dafür, dass er voller Bäume steht.

Was ist eigentlich Kritik, und warum steht es derzeit bei uns so schlecht damit?

Wenn wir uns ein reiches und erfülltes Leben in einer demokratischen Zivilgesellschaft vorstellen – und augenblicklich scheint dies das Schönste, was wir uns auf Erden vorzustellen vermögen – dann spielt Kultur dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Ein Zusammenspiel von Kunst, Alltagsleben und Wissenschaft. Kultur besteht einerseits aus schönen, interessanten, provozierenden und neuen Dingen und Ideen, die auf verschiedenste, nie ganz erklärbare Weise hervorgebracht werden, und andrerseits aus Menschen, die auf diese neuen Dinge und Ideen reagieren. Mit Wohlgefallen, Widerspruch oder Skepsis. Aber noch etwas gehört zur Kultur. Etwas, das zwischen beidem vermittelt, etwas, das beidem eine gemeinsame Sprache gibt, etwas, das aus vielen individuellen Begegnungen einen gesellschaftlichen Diskurs macht. Nennen wir es: die Kritik.

Im richtigen Leben ist Kritik etwas eher Lästiges, echt wahr. Man kann Leute nicht ausstehen, die dauernd an etwas herumzukritisieren haben. Ehepaare und Familien werden unausstehlich, wenn man einander permanent kritisiert. Und Erziehung, diese notwendige Traumatisierung – besteht sie nicht aus einer vollkommen ungleichen Verteilung des Rechtes auf Kritik und der Pflicht, sich ihr zu unterwerfen? Nichts ist am Ende demütigender, als öffentlich zur (politischen) Selbstkritik gezwungen zu werden.

Wenn sich jemand gar die Kritik als Beruf wählt, dann dürfen sie oder er nicht gerade mit einem Sympathie-Bonus rechnen. Und was haben wir für Bilder von Kritikern! Ignorante Stümper, deren Anmaßung im umgekehrten Verhältnis zu ihrer Sachkenntnis steht. Sadistische Besserwisser, denen nichts solch großes Vergnügen bereitet wie die „Vernichtung“ eines Kunstwerkes durch das tückisch geschliffene Wort. Wichtigtuer und Wechsler in den Tempeln der Kultur. Weiterlesen

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 7/12

Nehmen wir einmal an, das Verhältnis zwischen Kunst und Gesellschaft sei eine moralische Frage. Dann muss es, wie Roland Barthes in seinem Text „Ist die Malerei eine Sprache?“ vorschlägt, eine „gedämpfte“ Antwort geben, denn jede moralische Frage führt, früher oder später und bei ernsthafter Untersuchung, in ein Dilemma.

Moralisch wird die Frage nach dieser Beziehung durch den Umweg über das „Verstehen“ eines Kunstwerks. Verstehen könnte man (aus seiner Gesellschaft heraus) das Kunstwerk entweder als das, was außerhalb des Diskurses steht, als das, was im Inneren des Diskurses verborgen blieb, oder/und als das, was vom Diskurs (noch) nicht erreicht wurde, obwohl es ersehnt war.

Sobald wir von Kunst sprechen, machen wir genau die Unterscheidungen von wahr/gelogen, gut/schlecht, gut/böse, wohltuend/geschmacklos, tief/flach undsoweiter, von denen die Kunst uns für ein paar Augenblicke absehen ließ.

Verstehen kann nur geschehen durch die Texte, die das Bild erzeugen und diejenigen, die durch das Bild erzeugt werden („Ein Gemälde ist immer nur seine eigene vielfältige Beschreibung“ – sagt Roland Barthes), Verstehen kann nur geschehen durch ein gesellschaftliches Abgleichen dieser Texte.

Kunst muss ja gar nicht verstanden werden. Es sei denn, sie wollte hinaus in die Gesellschaft. Das ist für manche so furchtbar wie es für den armen Cardillac war, seine Schmuckstücke an die falschen Hälse verkaufen zu müssen. Weiterlesen

LEITKULTUR!

Aus der wundervollen Welt der Käsetheke des V-Marktes:

Hinterholzer Bio-Hornkäse. würzig, laktosefrei, 50% Fett i.Tr., aus Milch von Kühen, die ihre Hörner mit Stolz tragen dürfen.

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Aus der wundervollen Welt des Fernsehens:

Das ARD-Programm vom Samstag, 1. Dezember 2012:

09:05 Nord. Komb: Skispringen

09:40 Ski alpin: Abfahrt (D) Weiterlesen