Nachschrift zu den „BLÖDMASCHINEN“ (8)

DER DOPPELCHARAKTER DER KULTUR UND DIE ERZEUGUNG VON TRASH

Zum einen erscheint „Kultur“, nach einem bekannten anthropologischen Modell, die Art des Menschen, nicht nur die „vererbten“, sondern auch frisch erworbene Informationen zu bewahren und weiterzugeben. Zum anderen aber ist Kultur auch eine Form der Ordnung, die „Herden“ zusammenzuhalten oder zu bewegen, „Diskurse“ zu entfalten, in denen man sich darüber einigt, was als „richtig“, „vernünftig“ oder „angenehm“ empfunden wird, und was nicht.

Beide Funktionen indes sind nicht einfach „für die Menschen“ da, sondern werden nach Machtverhältnissen verwaltet und verteilt.

Nehmen wir nun an, mehrere Klassen oder auch eine wachsende Anzahl von einzelnen werde zugleich unter einen extremen Druck der Ordnungen gesetzt, und zur gleichen Zeit von der Archivierung und Informationsweitergabe ausgeschlossen. Das hat einerseits äußere Gründe, nämlich den strukturellen Ausschluss von Menschen von „Bildung“ im allgemeinen, aber auch von Diskursen, politischer, moralischer und ästhetischer Art. Weiterlesen

Kleinigkeiten (17)

CHINAS VERSICHERUNGSMARKT WÄCHST DYNAMISCH. Das Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft sieht rosigen Zeiten entgegen.

So lautet eine Schlagzeile der Neuen Zürcher Zeitung (Internationale Ausgabe) vom 23. März 2012. Und auf einem Bild sehen wir Menschen, die bei einem Hochwasser möglicherweise Haus, Heimat und Arbeit verloren haben.

Wenigstens wird gar nicht mehr versucht, zu vertuschen, dass Profit mit dem Elend der anderen gemacht wird. Manchmal, zweifellos, zeigt uns das Econotainment nichts als die pure Wahrheit.

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Hans  Heinrich Driftmann, Kölln-Flocken-Unternehmer und Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags beugt, im Interview mit der F.A.Z. (23. März) schon mal vor. Auf die Frage: „Was würden Sie tun, wenn, wie von Oskar Lafontaine vorgeschlagen, der Spitzensteuersatz auf 75 Prozent stiege?“ antwortet er: „Ich würde mir was einfallen lassen. Da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Die Politik ist europäisiert, die Wirtschaft globalisiert. Da gibt es viele Wege“. Noch deutlicher kann man es ja nun wirklich nicht sagen: Es ist vollkommen wurst, was eine Regierung unter solchen Unternehmern und Präsidenten macht, deren Geld kriegt sie eh nicht.

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ANGST IST DER SCHLÜSSEL

Die amerikanische Angst ist externalisiert, die europäsiche internalisiert; die amerikanische Angst ist topographisch, die europäische Angst ist chronographisch; die amerikanische Angst beginnt immer an einer Grenze, und sei’s die Grenze des eigenen Gartens, der eigenen Wohnung, der eigenen Haut; die europäische Angst beginnt immer im Jetzt-und-schon-zu-spät. Oder fast. Weiterlesen

AUS DEM LYRISCHEN GESAMTWERK VON EDGAR P. KUCHENSUCHER (8)

Was, so fragen wir uns, hätte der postsituationistische Lyriker Edgar P. Kuchensucher zur Wahl von Joachim Gauck zum Präsidenten der BRD gesagt?

Vielleicht dies:

Üch loch mür önön Ost

Und höng müch doron ouf

Dann schaue ich nach West

Das ist des Lebens Life

Zugegeben. Es ist fast unmöglich, den authentischen Furor eines postsituationistischen Lyrikers zu imitieren. Aber war es nicht der Wahlspruch dieser Bewegung: Das Unmögliche suchen und es tun!? Weiterlesen

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 2/12

In Betrachtung von Velazquez’ „Las Meninas“ (Die Hoffräulein), diesem tückischen Diskurs-Sprengbild aus dem Jahr 1656, schreibt Michel Foucault: „In dem Augenblick, in dem die Augen des Malers den Betrachter in ihr Blickfeld stellen, erfassen sie ihn, zwingen ihn zum Eindringen in das Bild, weisen ihm einen zugleich privilegierten und obligatorischen Platz zu, entnehmen ihm seine lichtvolle und sichtbare Art und werfen sie auf die unzugängliche Oberfläche der Leinwand“. Nun aber ist entscheidend, und die Beobachtung seiner selbst oder anderer beim Betrachten von „Las Meninas“ scheint es zu bestätigen, dass das Eindringen zugleich mit einem Draußenbleiben verbunden ist. Der Blick wird unbehaglich, da er sich beobachtet fühlt, man könnte sogar sagen, der Maler drohe damit ihn, den Betrachter zu „malen“ (zu unterwerfen).

In der populären Kultur, im Comic, im Film, im Konzert, ist der Pakt nicht minder zentral: das Bild soll zwar alles aber niemals „etwas“ sehen. Dogma, von tückischen Meistern der Diskurs-Sprengung gebrochen: Du sollst als „Dargestellter“ niemals in die Kamera schauen. Weiterlesen

Nachrichten aus dem Buchland

Diesmal nicht aus meiner Lieblingsrubrik, sondern aus der Bestseller-Liste des Börsenblattes des Deutschen Buchhandels, auf dem auf Platz 3, gleich nach dem Alzheimer-Buch von Rudi Assauer, Joachim Gauck mit dem Titel „Freiheit“ gelandet ist. Schön für ihn, weil nämlich mit der ganzen Bundespräsidentenchose sich auch das alte Buch als „Wiedereintritt“ auf Platz 14 geschoben hat: „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“. Also das mit den Jahreszeiten, das muss sich unser famoser Bundespräsident noch mal einprägen, schon aus protokollarischen Gründen: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Darauf haben sich Mensch und Natur irgendwie geeinigt, und daran sollte sich auch ein deutscher Bundespräsident halten!

Übrigens hat der erste deutsche Verlag Titelschutz für das neue Wort „Wulffen“ angemeldet. Das wird ein Buch!

Frau Küpper von der Zeitung für Deutschland

In der F.A.Z. gibt es heute einen Artikel über die Präsidentschaftskandidatur von Beate Klarsfeld unter dem Titel „Das Missverständnis“, der in seiner depperten Propaganda-Absicht schon wieder zur Kenntlichkeit vordringt: „Heute wirkt die Vorstellung, wie eine junge Frau sich mit einem Umzug nach Paris und einer Hochzeit mit einem Mann, dessen Vater in Auschwitz ermordet wurde, radikal auf die Seite der Opfer schlägt und ‚eine exemplarische Deutsche’ sein will, fast ein wenig drollig“.

Wirklich: Da wird in einem Satz von der Ermordung eines Menschen in Auschwitz und „drollig“ gesprochen! Was man an Niedertracht doch alles in einen einzigen Satz packen kann! Da ist der Werdegang der Autorin, Mechthild Küpper, durchaus interessant, und so steht er im faz net: „Geboren 1954 in Beverungen an der Weser. 1972 Abitur, Studium der Geschichte und der Germanistik an der Freien Universität Berlin. 1982 bis 1988 Redakteurin der „tageszeitung“, von 1988 bis 1993 Redakteurin beim „Tagesspiegel“ und von 1993 an bei der „Wochenpost“. 1997 Wechsel zur „Süddeutschen Zeitung“. Seit 1999 Korrespondentin für Berlin, zunächst bei den Berliner Seiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dazu kam 2004 das Land Brandenburg; seit 2005 ist sie auch für die Linkspartei zuständig“.

So also sieht es aus, wenn jemand in der F.A.Z. für die Linkspartei „zuständig“ ist: „Linke-Politiker, die heute eine dicke Verfassungsschutzakte als erstrebenswertes Accessoire für Linke ansehen“ – so ein Satz muss einem erst einmal einfallen!). Anders als der Linkspartei und deren Mitgliedern, denen Frau Küpper offensichtlich in einer persönlichen Fehde gegenübersteht, bringt diese Autorin dem, nun ja, Autor Thilo Sarrazin etwas entgegen, was man in blogs, in denen  man Sarrazin „als tapferen Kämpfer“ bezeichnet, „gutmeinendes Verstehen“ nennt. Karrieren! Weiterlesen