Anmerkung zum Bewegungsbild als möglichem Schlüssel für einen Diskurswechsel der Kunst

Die Kunstwissenschaft tut sich schwer damit, das Bild in Bewegung zu sehen. Bewegung im Bild, Bewegung des Bildes und Bewegung zwischen (bewegten) Bildern. Film ist nur eine besondere technische Weise, das Bewegungsbild zu generieren, wurde aber gleichwohl zu einer kanonisierten Weise des Umgangs mit Bewegung & Bild, vermutlich weil hier noch eindeutige Spielregeln auszumachen sind, Geschichte, Gattungen, Genes, Stile, Autorenfilme etc. waren Instrumente, Kino und Kunst zusammen zu bringen, im Sinne eines hierarchisierten Gedächtnisses.
Doch das Bewegungsbild ist mehr als Film. Zunächst darf man sich beziehen auf andere Formen der ästhetischen Bewegung, zum Beispiel den Tanz, oder das Theater. Es geht dabei stets um die paradoxe Beziehung zwischen dem Einmaligen und dem Wiederholten. Eine Choreographie bedeutet eine Bewegung nach Vorschriften oder „Spielregeln“. Weiterlesen

SCHEISSFRIEDEN!

„Der größte europäische Waffenhersteller BAE Systems bekommt die Kürzungen in den Rüstungsetats der Vereinigten Staaten und Großbritannien zu spüren. Im vergangenen Jahr schrumpften die Erlöse des britischen Konzerns um 14 Prozent auf 19,154 Milliarden Pfund (rund 23 Milliarden Euro). Der Nettogewinn sank um 10 Prozent auf 1,260 Milliarden Pfund. Für 2012 sei mit ‚kaum Umsatzwachstum’ und einem ‚bescheidenen Zuwachs’ des operativen Gewinns zu rechnen“. (F.A.Z. 17. Februar)

Was sind das nur für Zeiten, wo ein ordentlicher Waffenhersteller nicht mal mehr ganz 1,52 Milliarden Euro Nettogewinne machen darf – also nicht viel mehr als den zehnfachen Betrag des Sozialhaushalts der Bundesrepublik Deutschland (141.485 Mio €)?

Kleinigkeiten (16)

Dialektik der Vernunft

Was der Vernunft unterworfen wird, ist ihr verloren. Denn nicht nur das Unterworfene wird durch die Unterwerfung unvernünftig, sondern auch das Unterwerfende.

Der Trick ist, das mit Vernunft betrachtete vom Rationalisierten zu trennen. Rationalisieren, bemerkenswerterweise, bekommt seine negative Konnotation von der Sexualität und von der Arbeit. Das verbotene Begehren und die damit zusammengehörende Schuld werden „rationalisiert“; Arbeitsplätze und Menschenschicksale in der Fabrik wegrationalisiert.

Beim Lastwagen-Bauer MAN lief es, erfährt man aus der Münchner Abendzeitung, dieses Jahr trotz Krise großartig. „Der Umsatz erreichte eine Rekordmarke von 16,5 Milliarden Euro. Sondereffekte trübten aber das Ergebnis, so dass nur 247 Millionen Euro Gewinn zusammenkamen. (Finanzvorstand) Lutz kann selbst diesem Umstand noch etwas Positives abgewinnen: Kostspielige Aufräumarbeiten wie im vergangenen Jahr ‚muss man sich auch leisten können’, sagt er im freundlichsten Schwäbisch.

‚Geleistet’ hat sich MAN die Kalamitäten um den Industriedienstleister Ferrostaal. Er wurde nach Abu Dhabi verkauft, musste dann aber wegen des Schmiergeldskandals zurückgenommen und mit 434 Millionen Euro Verlust an einen Investor weitergereicht werden. Weiterlesen

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 1/12

Das Kunstwerk als Fetisch

Kunst und gesellschaftliches Leben waren noch vor zwei, drei Jahrhunderten selbstverständlich miteinander verknüpft. Sie wird autonomer und „reiner“, spricht das „interesselose Wohlgefallen“ des Ästhetischen an. Dies entspricht den Tendenzen der Privatisierung des bürgerlichen Subjekts, der Innerlichkeit. Die Geschichte der Verbürgerlichung der Kunst ist die von Entfremdung und Heiligung: Nur als Fetisch konnte das Kunstwerk seine Entfernung von der sozialen Praxis überleben.

Auch der Geschmack in der Kunst war „Privatsache“ geworden. „Das Subjekt drückt sich im ästhetischen Urteil ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Werte und Zielsetzungen aus. Im ästhetischen Verhalten entäußert der Mensch sich gleichsam seiner Funktionen als Mitglied der Gesellschaft und reagiert als das isolierte Individuum, zu dem er geworden ist“ (Max Horkheimer) [1]

Die Autonomie der Kunst ist also nichts anderes als ein Instrument zur Herstellung des autonomen Individuums. Dieses ist zweierlei (miteinander verbunden und untereinander in Konkurrenz): Ein (am Ende unerreichbares) Ideal, und ein Privileg.

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Nachschrift zu den „BLÖDMASCHINEN“ (7)

Das Buch „Blödmaschinen“, ein „Riesenessay“ (konkret) und weniger eine „Untersuchung“, ist eine Montage aus Nahaufnahmen und panoramatischen „Einstellungen“; das hat Vor- und Nachteile, gewiss. Was, der Möglichkeit einer diskontinuierlichen Lektüre folgend, dabei von einigen Lesern übersehen wurde, ist die Mehrdeutigkeit und kulturgeschichtliche Fülle von populärer Kultur, die eine Kritik der Blödmaschinen erst mit politischer Energie auflädt. Genau darum, sich mit kulturpessimistischer Pose von den bösen dummen Medien abzuwenden, ging es eben nicht. Vielmehr wurde zu zeigen versucht, wie ein sich „von unten“ bildendes Instrument „von oben“ umgewendet wurde, wie Medien der Beherrschten zu Medien der Beherrschung wurden, Instrumente der Erkenntnis zu Instrumenten der Verblendung, wie sich Information mit Kontrolle vermischt und so weiter. Die Blödmaschinen können nur funktionieren, weil sie so viel von uns enthalten, auch von unserer Sehnsucht nach Erkenntnis, nach Freiheit, nach Gerechtigkeit, nach Kooperation. Weiterlesen