Kleinigkeiten (15)

In „chrismon – Das evangelische Magazin“, das kostenlos zum Beispiel der F.A.Z. beiliegt, gibt es zu Beginn eine Rubrik „Geschichten aus der Welt der Paten“, in der die Patin Klocki Klockenbusch (61) von ihrem Patenkind Tim Steinbeck (12) schwärmt: „Tim ist ein so fröhlicher Junge, der mit viel Zuneigung, Urvertrauen und Wortwitz mein Leben reicher macht. Unvergessen: Nach dem 11. September bauten Tim und Max ein Gefängnis aus Legos – für Bin Laden“.

Sind sie nicht süß, unsere kleinen Patenkinder? Im nächsten Jahr bauen sie Guantanamo mit Playmobil. Ken und Barbie werden Spezialisten für robuste Befragungen. Undsoweiter.

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Jede Handlung – nehmen wir einen Film-Plot, nehmen wir einen „politischen Prozess“ – wird von uns normalerweise in eine Kette von Ursache und Wirkung aufgelöst: Auf Ereignis A folgt Ereignis B, was wiederum nur Ereignis C nach sich ziehen kann. Wie wäre es, wenn wir stattdessen einmal statt solcher Folgen jene Strukturen betrachteten, wie sie Claude Lévy-Strauss für die Mythen vorgeschlagen hat. Dann beginnen wir damit, dass wir zunächst Elemente einer „Erzählung“ unter der Vorgabe sammeln: A,B,C… „kommt vor“. So kommen wir auf ganz andere Beziehungen als die der bloßen Folgerichtigkeit eines „Narrativs“: Zum Beispiel A verhält sich zu B wie C zu D. Oder: A löst den Widerspruch zwischen B und C.

Nehmen wir nun die mehr oder weniger politische Erzählung von unserem Bundespräsidenten. Und fragen nicht, wie sich eines aus dem anderen ergibt, sondern vielmehr welche Elemente die „Erzählung“ enthält, und welche Beziehungen sie zueinander und zu Elementen anderer „Erzählungen“ haben. So könnten wir beginnen, eine Struktur zu erkennen. Und wesentlich mehr zu erschrecken, als wir über „Skandalgeschichten“ erschrecken! Weiterlesen