Nachschriften zu den „BLÖDMASCHINEN“ (2)

I. FUSSNOTEN ZUR PRODUKTION DES KLEINBÜRGERTUMS

„Der Kleinbürger“, schreibt Roland Barthes in den „Mythen des Alltags“, „ist ein Mensch, der unfähig ist, sich den Anderen vorzustellen“.  So ist er, in der Geschichte und in der Biographie, geworden. Um – ökonomisch und sozial – als Kleinbürger zu überleben, als Mensch, der nicht allein seine „nackte“ Arbeitskraft zu Markte trägt, sondern auch mit Bildung, Tradition, ein wenig Besitz, ein wenig Distinktion aufwarten kann, musste man also, es mag im 18. Jahrhundert begonnen haben, eben dieser Fähigkeit, sich den Anderen vorzustellen, nach und nach entledigen. Möglicherweise entstand das dadurch, dass man sich verbieten musste „nach oben“ zu schauen (in die Welt von „denen da oben“, die nicht nur unerreichbar sondern auch moralisch inakzeptabel war), und zugleich verbieten musste nach unten zu schauen, in den Abgrund der niederen Klassen, in die man durch Unglück oder Fehlverhalten hinunter fallen könnte (und möglicherweise ohne als gefallener Kleinbürger vom Proletariat aufgefangen zu werden). Sich den Anderen unvorstellbar zu machen gehörte gleichsam zur Sicherung der Klassenerhalts im Kleinbürgertum. Weiterlesen

Alptraum S 21

Ich hatte letzte Nacht einen schweren Traum. Die Deutsche Bahn setzt ihre Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof fort, nicht obwohl, sondern gerade weil zu erwarten ist, dass der „Stresstest“ negativ ausfallen wird. „Realistisch betrachtet“, erklärte schließlich vor kurzem der Physiker Christoph M. Engelhardt, wäre dieser Stresstest „selbst mit zehn Bahngleisen nicht zu bestehen“. Man kann zugleich davon ausgehen, dass die Kosten mittlerweile in solch schwindelerregende Höhen geklettert sind (wir kennen das etwa vom Transrapid-Projekt), dass es darin weder politische noch ökonomische Vernunft mehr zu bewahren gibt. Dann wäre die brutale Wiederaufnahme der Bauarbeiten nichts anderes als ein Erpressungsversuch, durch den die Kosten für den Ausstieg in die Höhe getrieben und neu verteilt werden. Weiterlesen

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 2/11

HEINRICH KLEY: EIN BILDPRODUZENT DES BEGINNENDEN 20. JAHRHUNDERTS IST ZU ENTDECKEN

Was sind das für Zeiten, in denen der Besuch einer Kunstausstellung ein Verbrechen geheißen werden müsste, weil er das Absehen von so vielen Dingen beinhaltet? Aber so, wie jedes Gespräch über Bäume nun immer auch ein politisches Gespräch ist, so ist auch der Besuch einer Kunstausstellung sehr häufig ein Versuch, die Augen anders als von der Medienherrschaft erhofft, zu öffnen. Und wenn man die Bilder von Heinrich Kley, ausgestellt im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover (vom 22. Mai bis 21. August 2011) betrachtet, die in den ersten beiden Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts entstanden, kann man sich des Eindrucks eines Déja Vu nicht erwehren: Krisen, Katastrophen und Korruptionen des Jahres 1911 ähneln wahrhaft verteufelt den Krisen, Katastrophen und Korruptionen des Jahres 2011. Und wir könnten ebenso verteufelt gut den einen oder anderen Heinrich Kley unter unseren Bilderproduzenten brauchen. (Teufel sind, nebenbei gesagt, etwas, das Heinrich Kley einfach gern gemalt und gezeichnet hat.) Weiterlesen

Der Polizist als „Kinderschänder“?

Die Geschichte geht so: Ein Demonstrant an jenem schwarzen Donnerstag in Stuttgart, dem 30. September 2010, sieht sich und seine Freunde, darunter Kinder und Rentner, dem Angriff von vermummten und hoch gerüsteten Polizisten ausgesetzt, die die Menschen mit Schlagstöcken und Pfeffersprays maltraitieren. In seiner Empörung ruft er diesen Polizisten zu: „Ihr Arschlöcher!“ Mag schon sein: ein kleiner Fall von „Beamtenbeleidigung“, und den Richter oder die Richterin in Deutschland wollen wir sehen, der oder die in seinem bzw. ihrem Urteil zu dem Ergebnis käme, dass sich Beamte und Beamtinnen an jenem schwarzen Donnerstag tatsächlich wie Arschlöcher aufgeführt hätten. („Arschloch“ ist, politisch gesehen, leider ein sehr unscharfer Begriff.)

Aber die Geschichte geht weiter. In der Version des Angeklagten habe ein Freund ihn besänftigend umarmt und aus der Konfliktzone am Stahlgitter weggeführt. Und das war’s. In der Geschichte des beleidigten Beamten indes geht es weiter: Der Angeklagte sei noch einmal ans Stahlgitter zurück gekehrt, und nun habe er es nicht mehr mit einem „Arschloch“ bewenden lassen, sondern ein noch viel schlimmeres Schimpfwort benutzt: „Kinderschänder“.

Oha!

Der Angeklagte bestreitet dieses Wort benutzt zu haben, ihm wäre der Zusammenhang zwischen prügelnden Polizisten und sexuellen Straftätern auch gar nicht recht eingängig. Schließlich ist nicht jeder Mensch, der zornig ist, auch ein Idiot, im Gegenteil. Weiterlesen

Titelschutz (8)

Glauben wir etwa, zum Thema Kochen sei alles gesagt, und man könnte für den Rest des Tages den „Fernsehköchen“ die publizistischen Geldmaschinen überlassen? Weit gefehlt! Denn nach dem Titelschutz-Register im Börsenblatt des deutschen Buchhandels haben wir in nächster Zeit folgendes zu erwarten:

„Anständig kochen“

aber auch

„Braten mit Potentaten – Das Kochbuch für den angehenden Diktator“.

So werden wohl in absehbarer Zeit Gutmenschen und Terroristen um die Wette kochen, was, wie wir zugeben müssen, ein Riesenschritt in Richtung menschlicher Welt wäre. (Es sei denn, die Potentaten mischen Anthrax in den Braten Weiterlesen

AUFRUF! – AN ALLE DEMOKRATEN, FREISCHWIMMER UND WASSERRATZEN IN BAYERN!

Liebe Freunde der Demokratie und des Wassersports!

Es ist soweit.

Die Verhandlungen des Vereins Das andere Bayern“ mit dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds,dem Landratsamt Starnberg und der örtlichen Polizei haben ergeben, dass wir unsere staatsbürgerlich wertvolle, aber auch witzige Veranstaltung „Bayern geht Baden“ am

13. Juni, Pfingstmontag, Weiterlesen