Nachschriften zu den „BLÖDMASCHINEN“ (1)

In unserem Buch „Blödmaschinen – Die Fabrikation der Stupidität“ haben Markus Metz und ich versucht, eine neue Herrschaftsform in Postdemokratie und Finanzkapitalismus zu beschreiben, die offensichtlich vor nichts und niemandem halt macht. Ab nun wollen wir in unregelmäßiger Folge neue Indizien und Methoden der kapitalen Verblödung unserer Gesellschaft hinzufügen.

Leserinnen und Leser dieses Blogs sind herzlich eingeladen, sich an dieser Materialsammlung zu beteiligen.


Die „Guttenberg-Universitäten“

Das ist die Crux an einem Buch wie „Die Blödmaschinen“. Da beschreibt man die schleichende Verwandlung der deutschen Universitäten in prächtig funktionierende Blödmaschinen, für die ihre Opfer auch noch gefälligst Eintritt zahlen sollen (denn man lernt hier zwar nicht mehr viel fürs Leben und das Denken, für die Karriere aber braucht man den Unfug doch noch: man lernt hier, wie man nach oben kommt, ohne sich anzustrengen – und wie man sich anstrengt, ohne nach oben zu kommen – wir sollten große Teile unseres akademischen Betriebes ehrlicherweise gleich „Guttenberg-Universitäten“ nennen). Und dann geht alles noch viel schneller, viel drastischer, und, nun ja, viel blöder. Weiterlesen

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER (18)

Ist Dylan Gott?

Herr Kainer und Herr Reiner spazierten gemächlich die Isar entlang in Richtung auf den Biergarten ihres Vertrauens. Der Regen gestern war warm und weich gewesen, und die Frauen mit dem „Wachturm“ versuchten gute Miene zum blutigen Spiel ihres Herrn auf allen Spuren zu machen. Der Wind in den Bäumen hatte die Fragen vergessen zu den Antworten, die von ihm erwartet wurden. Im Untergrund war von Heimweh die Rede, und die Isar flüsterte von Steinen gegen die Einsamkeit.

„Tja“, sagte Herr Kainer. „Jetzt wird er also auch schon siebzig.“

„Wer?“ fragte Herr Reiner, der die Gedankensprünge seines Freundes kannte. (Denn gerade hatten sie noch von unsachgemäßen Füllungen von Waschmaschinen gesprochen.)

„Dylan. Bob Dylan.“

„Ach, der!  Der ist eigentlich ganz in Ordnung, finden Sie nicht?“ Weiterlesen

Scola

Ettore Scola, ein wundervoller Regisseur, wird diese Woche achtzig Jahre alt. Das deutsche Feuilleton gratuliert pflichteifrig. Scola war ja auch hierzulande nicht gerade ein Unbekannter. Wenigstens seine Filme mit Mastroianni, Troisi, Gassman, mit Sophia Loren, Ornella Muti, Monica Vitti… Welche Filme zeigt das deutsche Fernsehen zu diesem Anlass? Hm. Was ist auf dem deutschen DVD-Markt von Scolas Filmen zu haben? Tja. Was kann man in deutschen Arthouse-Kinos sehen? Äh.

Che vergogna!

Kleinigkeiten (7)

Ein Friedhof wäre ein so wundervoller Ort, wenn da nur nicht so viele Tote herumliegen würden.

Kunst ist, was du machst, Kultur ist, was mit dir gemacht wird. Nur, dass es so fataler- wie glücklicherweise Kunst weder ohne Kultur gibt, noch Kultur ohne Kunst.

Der dümmste Gedanke der Welt ist derjenige, der behauptet, man sei nach etwas angestrengtem Nachdenken wieder genau da, wo man vorher war.

Titelschutz (7)

Natürlich gibt es unter den zu schützenden Titeln in der „Titelschutz“-Liste im Börsenblatt des deutschen Buchhandels solche, denen man insofern nur dankbar sein kann, da sie einem Menschen mit gesundem Menschenverstand signalisieren, was er getrost ungelesen sein lassen kann. Das reicht von

„Der Hund in deinem Kopf“

über

„Das geheime Wissen der Yoga-Hunde“

„Katzen. Französische Landsitze und ihre Bewohner“

„Gebrauchsanleitung Gast – Gäste begeistern, geschickt verkaufen“

„Gott kann alles“ (auch Mercedes-Benz? Flachbildfernseher?)

„Meine Zukunft in Listen“

bis zu

„Herzlichen Glückwunsch, mit Wünschen die von Herzen kommen“ (ich denk’ aus’m Buch?).

Allerdings gibt es auch Titel, die einen wirklich neugierig machen. Doch doch.

Zum Beispiel:

„Liebling, wo hast du die Eier versteckt?“

Also, hinter so einem Titel muss doch irgendwas stecken. Und sei’s die Erkenntnis, dass die Beknacktheit auf dem Gebiet deutscher Druckwaren immer noch nicht an ihre Grenzen gestoßen ist.

Einen hab’ ich noch:

„Wie kam die Katze auf das Sofa?“

Weitere Bemerkungen über das Schöne

Schönheit entsteht aus einer Diskrepanz zwischen Aufwand und Wirkung. Daher mögen wir die „anstrengungslose“ Schönheit ebenso bewundern wie die „überanstrengte“. Anstrengungslos, also mit einem Minimum von Aufwand erzeugte Schönheit erscheint uns als die „natürliche“ (und in der „Natur“ kommt schließlich selbst eine mögliche Absichtslosigkeit hinzu). Die angestrengte Schönheit dagegen ist ein Werk der Kultur und wird gern auch als „Kunst“ bezeichnet.

Da wir der Natur gerne eine umfassende Vernunft unterstellen (weiß der Teufel warum) sind wir der Meinung, Schönheit könne nur im Blick des Menschen (der nicht vollständig Natur sei) entstehen, während sie innerhalb der Natur nichts anderes als nützlich (bei der Fortpflanzung und ihren Wahlmechanismen zum Beispiel) sei: „Schöne“ Blumen, sollen Bienen anlocken, die Schönheit des Pfauenrades oder des Hirschgeweihs die jeweiligen „Weibchen“ beeindrucken. Weiterlesen