Gerechtigkeit und Frühstück

Manchmal, wenn man gut geschlafen und gut gefrühstückt hat, kommt man auf die Idee, die Demokratie wäre vielleicht noch zu retten. So schlecht war sie doch gar nicht, oder? Aber dann beginnt man sich die Frage zu stellen, wer zum Teufel denn so viel Interesse an dieser Rettung hätte, dass er oder sie etwas dafür tun würde. Es fällt einem auf Anhieb niemand ein.

Nur die Verkommenheit unserer „freien Presse“ kommt einem in den Sinn. Und die absurde immer schneller wachsende Ungleichheit in einer „freien Gesellschaft“. Dabei war es für beinahe alle Denker des Liberalismus und der Demokratie immer klar, dass diese beiden Elemente Voraussetzungen für das Funktionieren einer jeden Demokratie wären: Eine wahrhaft freie Information und eine Basis der sozialen und kulturellen Gerechtigkeit. Weiterlesen

Etwas vom Roten Stier, gedruckt

Wenn man wissen will, wie sich der Konsumgüter-Markt eine gaanz, gaanz tolle Zukunft vorstellt, muss man ab und an einen Blick in das „Red Bulletin“ werfen, das so intelligenten Zeitungen wie der F.A.Z. beigelegt ist, damit die dicker aussieht, wenigstens am Wochenende. Es nennt sich ein „fast unabhängiges Monatsmagazin“, wird von, logisch, dem Getränkehersteller Red Bull herausgegeben und handelt, ja, verflixt, wovon handelt das Ding eigentlich? Ich glaube, es handelt irgendwie von Extrem- und Trendsportarten, von Leuten, die echt nichts anderes zu tun haben als möglichst teuren Blödsinn möglichst überall in der Welt zu treiben, oder „Sport, Kunst, …, Abenteuer. Der lebhafte Mix über alle thematischen Grenzen hinweg“, so heißt das im Impressum; man könnte aber auch sagen, es handele sich um ein Magazin, dem es gelingt, sehr elegant, sehr teuer und einigermaßen aufgedreht unterhalb dessen zu bleiben, was man ein Thema nennen könnte. Weiterlesen

TRASH – Eine Liebeserklärung in zehn Kriterien

Trash ist eine Art von Pop-Produktion, die ökonomisch, „kulturell“ und sozial am unteren Ende der Skala angesiedelt ist (A-Film, B-Film, C-Film, Trash Movie) und dort unten die Möglichkeit hat, sich so viele Freiheiten herauszunehmen, dass man die ganze Hierarchie auf den Kopf stellt: Trash ist daher meistens an Kunst näher als an „guter Unterhaltung“.

Aber nicht jedes  Pop-Produkt, Film, Literatur, Comics etc. das am Ende der Produktions- und Handwerksskala angesiedelt ist, darf sich gleich mit dem Ehrentitel „Trash“ schmücken, und auch eine ganze Genre-Bezeichnung in einem Medium wie, sagen wir, Trash-Fernsehen oder Trash-Metal, ist ganz und gar keine Garantie, echten, guten Trash zu erhalten.

Daher also zehn Kriterien, um guten Trash von Pseudo-Trash zu unterscheiden:

1. Trash wird mit Leidenschaft gemacht; Berechnung (sexploitation z.B.), Low oder No Budget, handwerkliche Limitierung, „schlechter Geschmack“ und Bekenntnis zum guilty pleasure sind also allein noch nicht ausschlaggebend. Weiterlesen

Ratgeber

Von den 25 meistverkauften „Ratgeber Hardcover“ laut Börsenblatt des deutschen Buchhandels beschäftigen sich  zehn mit Methoden des Schlankwerdens und zwar je weniger Anstrengung dabei desto Besserseller. „Schlank im Schlaf“ in allen Varianten ist wohl der nachhaltigste Versprechungstitel. Sechs Ratgeber-Bestseller wiederum handeln von schmackhafter, reichhaltiger, hier und da angeberischer Nahrungsmittelzubereitung. Dass sich merkwürdigerweise auch die Erlebnisberichte eines Rettungssanitäters mit dem Titel „Schauen Sie sich diese Sauerei an“ (übrigens so benannt nach dem entsetzten Ausruf einer Frau zu der Art und Weise, wie sich ihr Ehemann aus dem Leben befördert hat) unter der Rubrik „Ratgeber“ befinden, sei nur am Rande erwähnt. Weiterlesen

Geburtstagsausgabe

Neulich, in einem zügigen Bahnhof irgendwo in der deutschen Provinz, fasste ich einen verhängnisvollen Entschluss. Der „Focus“ bot eine „Geburtstagsausgabe“ für nur 1.- Euro an, sie zeigte, na was denn sonst, Thilo Sarrazin und seine pädagogische Ehefrau auf dem Titelbild. Aber für den Gegenwert von einmal Wasserlassen bei „McLean“ griff ich zu, um die gewöhnliche Zugverspätungszeit zu füllen. Meiner geistigen Gesundheit hat das nicht gut getan.

Da gibt es zum Beispiel, ehrlich wahr, einen „Tendenz-O-Meter“. Es passiert ja gelegentlich, dass die kulturelle Realität schlimmer ist als ihre Satire, aber eine kulturelle Realität, die schlimmer ist als die Satire von vor ca. 20 Jahren (wir erinnern uns nur zum Beispiel an die vielen –O-Meters in Douglas Adams’ „Per Anhalter durch die Galaxis“) ist echt nicht zu toppen: Warum nur doof sein, wenn man auch doof und altbacken zugleich sein kann! Weiterlesen

Die Abenteuer von Trix Ibsen & Pete O’Resc: Der Weg durch die Galaxien (2)

 

was vorher geschah

können Sie hier lesen: Die Abenteuer von Trix Ibsen & Pete O’Resc: Der Weg durch die Galaxien (1)

Fortsetzung: Der Weg durch die Galaxien (2)

In diesem Augenblick meldete sich G.O.T.T. zu Wort. „Lieber Pete, es gibt 23 Antworten auf die Frage wie die Exkremente der ausgestorbenen Gattung namens ‚Kuh’ auf die oberste Bedeckung einer architektonischen Einheit der noch nicht ganz ausgestorben Gattung „Mensch“ gelangen könnte. Die meisten davon haben etwas mit dem vierdimensionalen Raum/Zeit-Kontinuum zu tun und könnten von mir weder in der Sprache der Gattung ‚Kuh’ noch in der der Gattung ‚Mensch’ einigermaßen verständlich wiedergegeben werden. Ich bitte dies auf keinen Fall als abschätzige Bemerkung gegenüber den Sprachen von Kühen und Menschen zu verstehen, vielmehr muss ich einmal mehr die Grenzen meiner semiotischen Module erkennen. Ein Seitenprogramm zu seiner Verbesserung steht mir derzeit leider nicht zur Verfügung. Möchten Sie die möglichen Antworten auf Ihre Frage trotzdem hören? Sie werden voraussichtlich etwa 7 einhalb Jahre der Menschenzeit dafür benötigen. Wenn ich, lieber Pete, nicht innerhalb von zehn Sekunden Menschenzeit einen gegenteiligen Auftrag von Ihnen erhalte, setze ich Ihr Einverständnis voraus, mit der Projektion vierdimensionaler Raum/Zeit-Modelle zu beginnen. Eins, zwei…“

„Mein Gott, G.O.T.T.“, schrie Trix. „Kannst Du nicht einmal vernünftige Prioritäten setzen?“. Weiterlesen

Wurstsalat (II)

Ach ja, vielleicht sollte man diese Politik unseres zweitjüngsten Ministerpräsidenten noch erwähnen, aus der selben F.A.Z.-Ausgabe:

„Die Verlängerung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde für baden-württembergische Landesbeamte mittleren Alters soll nun doch nur auf freiwilliger Basis eingeführt werden. Darauf verständigten sich Ministerpräsident Mappus (CDU) und die Landtagsfraktion auf einer Klausursitzung in Heidelberg. Beamte sollen mit einem ‚differenzierten Lebensarbeitszeitkonto’ zu freiwilliger Mehrarbeit motiviert werden. Das Modell soll 2012 überprüft und nur beibehalten werden, wenn hiermit 2011 etwa 20 Millionen Euro gespart werden können“.

Tja, auf so viel tolle Politik dürfen schon mal Wurstsalat, Bauernbrot und badischer Wein folgen.

Interessanterweise sind beide, nun ja, „Meldungen“ mit dem selben Autorenkürzel versehen, nämlich rso. Und was sagt uns das nun wieder?

Wurstsalat, bürgerlich

Und so menschelt die F.A.Z.:

„Stefan Mappus, mit 44 Jahren Deutschlands zweitjüngster Ministerpräsident, hat Probleme, sein Gewicht zu halten. Er gehöre zu den Menschen, die schon dicker würden, wenn sie das Essen nur sähen, sagte der CDU-Politiker der ‚Bunten’. Mappus schätzt die bodenständige schwäbische Küche. So bewirtet er seine Gäste gern mit Wurstsalat, Bauernbrot und einem guten badischen Wein – oftmals vom Bodensee“.

Früher waren mehr Seeschlangen. Aber was will uns die Zeitung für Deutschland mit dieser „kurzen Meldung“ eigentlich verkaufen? Die für ihre intellektuelle Tiefe, interessanten Themen und journalistische Sorgfalt berühmte Zeitschrift „Bunte“? Badischen Wein mittlerer Güte (zu Bauernbrot und Wurstsalat passend)? Oder doch einfach nur einen Politiker, der noch seine Gewichtsprobleme dazu benutzt, von seiner Politik abzulenken? Wir wissen es nicht. Uns fällt nur eins ein: Törrrööö!

Long Tail Selly

Irgend jemand schrieb kürzlich, ich hätte wohl die Geschichte mit dem „Long Tail“ gründlich missverstanden. Das wiederum würde so manches erklären, in meinem Hirn und außerhalb. Versuche ich eben noch einmal eine Zusammenfassung (correct me when I’m wrong).

Im klassischen Handel insbesondere für Kulturwaren wie Musik und Bücher gibt es offensichtlich einen Punkt, wo die Kosten und Nebenkosten für ein Produkt, also zum Beispiel Lagerhaltung, Werbung, Verwaltung etc. den tatsächlichen oder erwarteten Ertrag um so vieles übersteigt, dass man es auch als Nischenprodukt mit vergleichsweise berechenbarer Absatzzahl nicht mehr einsetzen mag. Die Kosten des langen Schwanzes der weniger oder kaum verkäuflichen Dinge sind in keinem ökonomisch interessanten Verhältnis mehr zum Ertrag des Kopfes, der Best- oder Longseller. (Ganz ohne Schwanz freilich geht es meistens auch nicht, weil es ja auch um das Austesten, die Suche und nicht zuletzt die Illusion eines „reichen Angebots“ geht.)

Der „Long Tail“ in der Grafik der Verkaufsstatistik wird also zu etwas, was man mehr und mehr mit Mühe mitschleppen muss – und wenn der Schwanz zu lang wird, dann wird das ganze Unternehmen unbeweglich, Weiterlesen

Titelschutz (5)

Und was erfahre ich heute aus meiner Lieblungsrubrik „Titelschutz“ im „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“?  Drei Bücher werden im nächsten Jahr meine Tauchversuche in den Abgründen des Seins begleiten (oder auch nicht):

„Gelassene Bewusstheit“

Zugleich aber auch

„Bewusste Gelassenheit“

Denn merke:

„Dem Leben sind deine Visionen egal“