Okt 04 2010

Gut lachen

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Neues von der Bildbetrachtung der F.A.Z.

4.Oktober 2010, Seite 1:
“Feiertag – Dass am Sonntag in Bremen eine lachende Kanzlerin aus den Farben Schwarz-Rot-Gold blickte, konnte man auch persönlich nehmen: Ohne die Wiedervereinigung vor zwanzig Jahren hätte sie nie eine Chance auf ihren heutigen Job gehabt.”

Echt jetzt? Na, wie dem auch sei, die tägliche Bildbetrachtung der F.A.Z. gibt eine Vorschau aufs Innere des Blattes: “Um die Fähigkeit, sowohl vor als auch nach der Wiedervereinigung zu lachen, schließlich geht es auf Seite 10.”

Also mal sehen, was es auf Seite 10 zu lachen gibt: “Kein Atomkrieg wegen der deutschen Einheit.” Ist das komisch? Oder vielleicht der Artikel über Christina Wulff: “Dem Bundespräsidenten mangelt es an der Möglichkeit, mit demonstrativer Härte Kritiker zu kritisieren. Er darf, wegen der Würde des Amtes, nicht einmal auf simple Weise für sich werben.” Ist das jetzt komisch. Schon vor der Wiedervereinigung? Oder der Kommentar – “Fremde Federn: Gábor Iklódy. Neue Herausforderungen für die Nato. Nur wenn die militärischen Fähigkeiten des Bündnisses durch ein Netzwerk von Beziehungen mit anderen Akteuren flankiert werden, kann das Atlantische Bündnis seiner Rolle als Garant von Sicherheit in einer globalisierten Welt gerecht werden.” Vielleicht soll der Titel des Gastkommentators unsere Fähigkeit, vor und nach der Wiedervereinigung zu lachen, ansprechen: “Beigeordneter Nato-Generalsekretär für Neue Sicherheitsherausforderungen.” Sowohl vor als auch nach… nein, ist nicht komisch. Bleiben noch drei kleine Kommentara auf Seite 10. In einem heißt es unter der Überschrift “Macht und Moral: Anderthalb Millionen Wilders-Wähler sollte niemand beschimpfen. Ist das die versprochene Lach-Munition? Oder, unter “Fahrlässig: Trotz vielfacher Warnungen waren Feuerwehr und Sanitäter über den Überraschungseinsatz der Polizei unzureichend informiert.” Ist das jetzt lustig? Der letzte Text geht über die Wahlen in Lettland, wo der Sieger “ein Sparprogramm von unglaublicher Härte” vertritt.

Wenn irgend etwas von diesen Texten zum Lachen sein soll, dann versteh’ ich diese Art von Humor nicht. Vielleicht ist es aber auch ein Hinweis auf die Anzeige auf dieser Seite. „Heimstärke. Deutschland geht stärker als andere europäische Länder aus der Krise hervor. Innovationskraft und Produktqualität sind im Ausland angesehener denn je, und der traditionell starke Export profitiert auch vom derzeit schwächeren Eurokurs. Setzen Sie deshalb auf den DWS Deutschland“. Gern, möchte man antworten, nehmen Sie zwei von meinen drei letzten Hartz IV-Euros dafür.

Vielleicht meinen die Bildbetrachter von Seite 1 mit ihrem Lach-Versprechen auf Seite 10 aber auch die Zeichnung von Ivan Steiger. Panzer als Musik-Noten, die letzte Note ist eine Friedenstaube. Nett. Aber die Fähigkeit zu Lachen und zwar sowohl vor als auch nach der Wiedervereinigung?

Es ist nicht leicht, die F.A.Z. als Witzblatt zu lesen. Aber es geht.

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