DEUTSCH SPRECHEN

In den Kreisen der deutschen Reaktion (also in unserer „Leitkultur“) gilt es als ausgemacht: „Integration“ (was immer das sonst auch sein mag) ist zuförderst eine Frage der Sprache (und von fernher klingt gar die absurde Forderung, der Migrant möge die Sprache seiner neuen Heimat „akzentfrei“ sprechen). Umgekehrt herrscht die Furcht vor, die ach so identische deutsche Sprache sei gefährdet durch Impulse von kreolischer Auflösung und Neuordnung.

Diese Sprache, in deren Namen man spricht (wiederum in einer Sprache, die der ersten nicht im mindesten entsprechen kann), hat es nie gegeben. Nicht nur, weil eine lebendige Sprache sich immer zugleich aus sich selbst heraus und durch Einflüsse von außen wandelt, Weiterlesen

Projekt der Selbstauflösung des guten Bürgertums in Deutschland

Das Projekt der Selbstauflösung des guten Bürgertums in Deutschland ist auch an scheinbaren Kleinigkeiten abzulesen. Manche von ihnen lösen indes dieses „Man fasst es einfach nicht“-Gefühl aus, Da druckt die Süddeutsche Zeitung doch glatt eine Anzeige der „Jungen Freiheit“, dem publizistischen U-Boot der Rechtsextremen, und als engagierte Menschen in einem Brief dagegen protestieren, wird das einfach ignoriert. Ja, hören denn Demokratie und Humanismus jetzt schon bei so wenig Geld auf?

Dass bei Amazon.de der Thilo Sarrazin die Verkaufsliste anführt, das wundert nicht so sehr. Aber man reibt sich doch die Augen, wenn 62 % der taz-Leser der Meinung sind, Horst Seehofer habe recht. Weiterlesen

Gut lachen

Neues von der Bildbetrachtung der F.A.Z.

4.Oktober 2010, Seite 1:
„Feiertag – Dass am Sonntag in Bremen eine lachende Kanzlerin aus den Farben Schwarz-Rot-Gold blickte, konnte man auch persönlich nehmen: Ohne die Wiedervereinigung vor zwanzig Jahren hätte sie nie eine Chance auf ihren heutigen Job gehabt.“

Echt jetzt? Na, wie dem auch sei, die tägliche Bildbetrachtung der F.A.Z. gibt eine Vorschau aufs Innere des Blattes: „Um die Fähigkeit, sowohl vor als auch nach der Wiedervereinigung zu lachen, schließlich geht es auf Seite 10.“

Also mal sehen, was es auf Seite 10 zu lachen gibt: „Kein Atomkrieg wegen der deutschen Einheit.“ Ist das komisch? Oder vielleicht der Artikel über Christina Wulff: „Dem Bundespräsidenten mangelt es an der Möglichkeit, mit demonstrativer Härte Kritiker zu kritisieren. Er darf, wegen der Würde des Amtes, nicht einmal auf simple Weise für sich werben.“ Ist das jetzt komisch. Weiterlesen