Aug 31 2010
Für ein Hynkel-Soziologie-Seminar in Berlin
„Die Thesen von Thilo Sarrazin zu Bildung und Zuwanderung sollte man diskutieren, nicht den Autor verteufeln“, schreibt Necla Kelek in der F.A.Z. Na, Bravo! Vielleicht sollte man auch noch mal die Ansprachen eines gewissen Hynkel, alias Charles Chaplin aus „The Great Dictator“ (Sie erinnern sich: „Sauerkraut mit de Wiener Schnitzel. Und de Jüden! Ah, de Jüden!“) dahingehend befragen, ob man sie nicht diskutieren müsse, statt darüber zu lachen. Und die BILD, scheinheilig wie immer: „Alle gegen Sarrazin!“. Das ist gemein! Alle gegen Hynkel, auch gemein. „Der Eindruck drängt sich auf, hier solle eine überfällige Debatte mit den bewährten Begriffen wie Rassismus und Populismus kontaminiert werden“. Schreibt Frau Kelek, die eine Soziologin in Berlin ist. Vielleicht möchte sie ein Sauerkraut-und-Wiener- Schnitzel-Seminar einrichten, um zu beweisen, dass man Rassismus und Populismus ganz übel kontaminiert, wenn man sie bewährterweise „Rassismus“ und „Populismus“ nennt. Oder Sauerkraut „Sauerkraut“.
Heil Hynkel, Frau Kelek, und frohes Schaffen noch, wenn Sie mit Thilo Sarrazin „die Diskussion um Armut aus der materiellen Abhängigkeit befreien“ möchten. Wo die Armut doch eindeutig in den Genen liegt.


das trifft den nagel! danke!
dabei fällt mir ein
es gibt berliner in berlin, die jeder, der dort arbeitet, kennenlernt.
sehr konservativ, sehr rechthaberisch, sehr berlinerisch. um es mal positiv auszudrücken. es fielen einem auch noch andere adjektive ein. das betrifft nicht nur in berlin geborene, sondern auch zugereiste, die sich regelrecht verbiegen oder,
wenn man will, endlich nicht mehr verbiegen müssen.
kommen sie in den medien vor? naja. ab und an. man gibt sich lieber zeitgeistig, liberal, offen.
man will ja die touris nicht vergrätzen.
und in den neunzigern feierte diese freundlichkeit eine tolle stadt zu tage, was
vor allem einem umstand zu verdanken war:
keiner blickte durch und war irgendwie unschuldig.
und die umgezogenen politiker entdeckten
nach wolfgang koeppens dunkler weinstube in bonn die discos, die kunst, den underground, die leuchtenden krawatten, das schicki-micki und
die tatsächlich langen nächte.
was für eine provinzfreie erleuchtung! und was für eine werbung in eigener lässigkeit!
18 % anyone?
der schein trügte natürlich und jetzt erleben wir schon seit einigen jahren die rückkehr
zur erstarrten anpasserei. die stimmung ist dahin. seilschaften wohin das auge reicht.
insofern ist der hype um das buch, das ich nicht lesen werde, nicht sonderlich erstaunlich. was früher die
loveparade war, ist heute eben das.
wer allerdings mal einen sonntag abend (einer im winter reicht) in charlottenburg verbracht hat, der weiss, dass man keine
bauten oder ideen braucht, um dort nochmal ’spiel mir das lied vom tod’ zu drehen. depression pur.
da hilft nur resentiment, denkt sich der erzkonservative berliner besserwisser und passt sich an.
und wie er in sexy kreuzberg gelernt hat, kommt das besser mit der aura des aufopfernden aussenseiters.
verblüffend ist, dass die medien in erregtem stechschritt folgen.
entschuldigung. nein. es ist nicht verblüffend, es ist sexlos obszön.
der rest wäre ja arbeit, recherche, lebenslust, fun, frechheit.
schöne grüsse anton