Aug 07 2010

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 5/10

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Kunst.

„Kunst ist eine Form des Tuns, nicht des Denkens“, behauptete der französische Autor, der sich nur „Alain“ nannte, am Beginn des Jahrhunderts. Tatsächlich spricht (und denkt) die Kritik nicht die Kunst, sondern „Kunst und Gesellschaft“. (Eben das, was Kunst nicht denken kann; was der Künstler denkt, ist dagegen seine eigene Sache.)

Kunst „drückt“ nichts „aus“, das Entschlüsseln (ein soziales Geschehen) führt nicht zum Zentrum des Kunstwerkes, sondern schafft ein Umfeld, eben jene Zone, in der sich Kunst und Gesellschaft begegnen können (demütig voreinander, und stolz zugleich).

Sorgfaltspflicht hingegen herrscht vor der Wirklichkeit des Kunstwerks.Der präzise Blick und seine Beschreibung müssen deutlich machen, wo der Text das Kunstwerk meint (das man ja immer erst einmal in den Text einschreiben muss), und wo man sich, „freier“, in der Zone um es, zwischen ihm und der Gesellschaft, bewegt.

Das Tun der Kunst kann der Text nie enthalten, aber sie hat „Geschichten“ dazu zu erzählen. Gute und nicht so gute.

Die „Bewertung“ eines Kunstwerkes (so unwichtig wie unverzichtbar in der Praxis) ist die kürzeste Durchquerung der Zone um das Kunstwerk zur Gesellschaft hin. Kann sie mitbestimmen, wie groß und wie produktiv diese Zone ist? Gelegentlich, so scheint es, nimmt man die Dienste eines Führers oder einer Führerin durch diese Zone ganz gern in Anspruch, auch wenn beide, Kunst wie Gesellschaft, nicht ohne Berechtigung, und vorschnell zumeist, behaupten können, man brauche die Kritik eigentlich nicht.

Genau da, wo man sie eigentlich nicht braucht, ist die Kritik am besten.

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