Aug 01 2010

Kleinigkeiten (3)

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Denken, Gesellschaft.

Kommunikation im Internet? Es ist wie wenn ein Mensch auf einer einsamen Insel eine Flaschenpost ins Meer wirft. Nur besteht der Ozean nicht aus Wasser, sondern aus lauter anderen Flaschen, dicke, dünne, leichte, schwere, durchsichtige, trübe, eigenartige oder gleichförmige Flaschen. Niemand „surft“ hier; alle sind mit Flaschensammeln beschäftigt. Die Botschaften von den anderen einsamen Inseln erzählen in der Regel davon, wie verrückt man auf einsamen Inseln ist, die man über das Flaschenmeer nicht verlassen kann. Man kann es sich nicht einmal vorstellen. Und die Flaschen vom Festland? Sie verhöhnen und bedrohen den Insulaner. Nein, sie errichten eine Brücke, sieh doch. Geh wieder hin wo alle sind. Deine Reise war nur ein Trug, deine Insel nichts als Mangel.

Kein Meer mehr, nirgends.

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Was erzählt da Eva Herman? Die Loveparade, das sei eine Party gewesen, die „symbolisch für den kulturellen und geistigen Absturz einer ganzen Gesellschaft stehe“, und: „Wer sich betrunken und mit Drogen vollgedröhnt die Kleider vom Leib reißt, wer die letzten Anstandsnormen feiernd und tanzend einstürzen lässt, der ist nicht weit vom Abgrund entfernt“. Die Frage ist nun nicht, ob diese Frau, wie man so sagt, eine Meise unterm Pony hat. Die Frage ist auch nicht, ob ihre Mischung aus bigotter Evangelikalsauerkeit und handfestem deutschen Faschismus irgend symptomatisch sei. Die Frage ist, was unsere Medien bewegt, einen solchen neidisch-hämischen Wahnsinn zu drucken.

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