Jul 09 2010
Kleinigkeiten (1)
Etwas aus der Mode gekommen ist der biblische Gedanke vom Menschen, der „verdirbt“. Vielleicht spielt die bürgerliche Umdeutung in moralischem Sinn dabei eine Rolle. Vielleicht haben wir nur andere Bezugspunkte: Der Mensch geht kaputt (mechanisch), er baut ab (Zirkus), er gibt den Löffel ab (sarkastisch-kulinarisch-sozialstaatlich), er verfällt (architektonisch), er lässt nach (sportlich). Dabei scheint mir das Verderben immer noch das genaueste Bild. Menschen, die durch äußere Einflüsse das wesentliche verlieren: genießbar zu sein. Nahrung für die anderen und die kommenden. Der verdorbene Mensch muss im Angesicht des Todes Angst vor seinem zurückliegenden Leben haben.
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Warum besiegt Asterix die Römer (und warum tut er das, obschon so offensichtlich zur Spaß-Gewalt tendierend, auf so sympathische Weise)? Unter anderem, weil die Römer auf Gehorsam, die Gallier aber auf Vertrauen setzen. Darum denken die Einwohner des bekannten kleinen Dorfes nicht im Traum daran, ihren Widerstand etwa auf weitere Dörfer auszudehnen, während umgekehrt die Römer über die Welt expandieren müssen. Gehorsam ist grenzenlos, Vertrauen sehr beschränkt. Im Grunde könnten wir Asterix und seinen Dorfgenossen den Vorwurf nicht ersparen, höchst selbsttich zu sein. Warum geben sie den anderen Galliern nicht von ihrem Zaubertrank ab und jagen die Römer aus dem Land. Gibt es in der Kultur des (streitsüchtigen) Vertrauens denn keine Solidarität? Wir ahnen Fürchterliches: Die Gallier unseres Dorfes brauchen, um ihre Kultur des Vertrauens aufrecht zu erhalten, die Römer ringsumher so sehr, wie die Römer, um immer neue Formen von Effizienz, Korruption und Technologie zu entwickeln, diese Gallier brauchen.
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Wenn es Natur gibt, kann es kein Bild der Natur geben. Gibt es ein Bild der Natur, so ist unser Begriff davon falsch. Was zwischen dem Blick und der Natur vermitteln kann, ist einzig der Mythos. Bewege dich ganz natürlich, sagt der Regisseur zum Schauspieler. Und wie er das tut, das schafft seinen Mythos.
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„Heimat ist da, wo ich meinen Hut aufhänge“, sagt der Cowboy. Wenn wir einen Western genau ansehen, erkennen wir, dass es sehr viel leichter ist, ein paar Menschen totzuschießen, als irgendwo seinen Hut aufzuhängen. Es handelt sich also um einen tragischen Satz.

