Kleinigkeiten (2)

Wenn man sagt: Der Sinn des Lebens ist das Leben (und fast alle nicken bedächtig und verständig mit dem Kopf), so macht man sich den Abgrund nicht recht klar zwischen dem Satz: „Selbstverständlich lebe ich.“ und der Frage: „Wie verständlich lebe ich?“ (Für mich und für die anderen.) Mehr als selbstverständlich, und zugleich weniger, nämlich verständlich zu leben, dürfte einem alten Griechen, auch wenn er nicht allzu großen philosophischen Ehrgeiz besaß, als erstrebenswert erschienen sein. Vor dem Anspruch verständlich zu leben flüchten wir Heutigen uns lieber, wenn auch in die unterschiedlichsten Richtungen.

Was uns auf die schmerzhafte Frage bringt: Warum eigentlich waren diese alten Griechen so klug? Und warum sind wir so hemmungslos blöde?

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Als Angela Merkel eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand sie sich in ihrem Bett zu einer ungeheuren Birne verwandelt.

Die Birne als politische Metapher entstammt einerseits einer gewissen Kopfform von Herrschern, etwa der des französischen „Bürgerkönig“, der übrigens sowohl den verbliebenen Adel als auch etwas geistreichere Bürger in das trieb, was damals zum ersten Mal so genannt wurde, nämlich eine „innere Emigration“, oder der des deutschen Kanzlers vor dem Agenda-G. Schröder. Weiterlesen

Marktwirtschaft für Afghanistan!

Der, nun ja, FDP-Haushaltspolitiker Koppelin erkannte angesichts der Lage in Afghanistan, die nun auch noch leckt, butterflymesserscharf: „Wir haben zu viel Planwirtschaft in der Bundeswehr“. Endlich begehrt mal jemand gegen diese verborgene Form des geistigen Sozialismus bei unserer Verteidigung der Freiheit am Hindukusch auf! Auch für den Krieg muss nämlich gelten: Das regelt der Markt! Was verballert wird, schafft Nachfrage. Das Schlachtfeld ist auch nur ein Markplatz, wenn auch ein etwas riskanter Bereich. Es gilt den Markt zu pflegen, wenn es sein muss, mit kleinen Waffen-Geschenken. Ein Bonus-System muss her für wirtschaftlich geführte Massaker. Wenn der Krieg schon eine PR-Veranstaltung der Rüstungsindustrie ist, dann sollen auch die richtigen Leute daran verdienen, unsere neoliberalen Herzchen zuerst. Und sozial ist, was Profit, quatsch, was Arbeit schafft. Schafft also ein, zwei viele Afghanistan, macht das Militär marktfähig (hey, vielleicht gehen wir demnächst damit an die Börse!) und lasst endlich, nun ja, FDP-Haushaltspolitiker den Wehr-Etat verteilen!

Vom Ficken reden

Es war ein Seitenprojekt der Aufklärung, auch dem Körperlichen, Geschlechtlichen und Lustvollen eine Sprache zu geben, gegen die Heuchelei und das Verbergen vor einer gewaltigen „moralischen“ Instanz, der christlichen Kirche.

Eine Kirche ist der Ausdruck dessen, was an einer Religion nicht stimmt (und „Fundamentalismus“ wiederum ist der Ausdruck dessen, was an einer Kirche nicht stimmt). Drückte die Kirche also Augustinische Leibfeindlichkeit und Frauenfurcht aus, oder hatte sie vielmehr das Machtpotential einer Hysterisierung des Körpers erkannt? Weiterlesen

Kleinigkeiten (1)

Etwas aus der Mode gekommen ist der biblische Gedanke vom Menschen, der „verdirbt“. Vielleicht spielt die bürgerliche Umdeutung in moralischem Sinn dabei eine Rolle. Vielleicht haben wir nur andere Bezugspunkte: Der Mensch geht kaputt (mechanisch), er baut ab (Zirkus), er gibt den Löffel ab (sarkastisch-kulinarisch-sozialstaatlich), er verfällt (architektonisch), er lässt nach (sportlich). Dabei scheint mir das Verderben immer noch das genaueste Bild. Menschen, die durch äußere Einflüsse das wesentliche verlieren: genießbar zu sein. Nahrung für die anderen und die kommenden. Der verdorbene Mensch muss im Angesicht des Todes Angst vor seinem zurückliegenden Leben haben. Weiterlesen