Titelschutz (2)

Meiner Lieblingsrubrik „Titelschutz“ im „Börsenblatt des deutschen Buchhandels“ entnehme ich, dass endlich, endlich auch die „Lesekultur“ auf den deutschen Nationalsport eingeht. So wird Titelschutz beansprucht für

eine Reihe mit dem Titel „Grillen wie in…“ (ich freue mich auf „Grillen wie in Darmstadt“; das wird ein Knüller; von „Grillen wie in Afghanistan“ rate ich ab).

Desweiteren wird es voraussichtlich geben: Weiterlesen

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 4/10

Egal was es ist, wenn es Kunst ist, muss es besprochen werden in einer Art, in der man weiß, dass es nie zu Ende besprochen ist. Eine Kritik, die behauptet, sie hätte so etwas wie ein endgültiges Urteil parat, kann man ohne weiteres in die Mülltonne klopfen. Alle dreißig bis vierzig Jahre, sagt man, gibt es ein große Revision, ein Neubewerten und Verstehen. Dann geht die Sache wieder von vorne los.

Doch die zyklische Neu-Entdeckung und Neu-Interpretation bedeutet nicht, dass es keine nachhaltigen Diskurswechsel in der Kunst und ihrer Theorie (mehr) geben könne. Weiterlesen

DIE SANDKASTEN-PROTOKOLLE (VI)

–       Nicht das Fähnchen so in den Dreck, Peterle!

–       Das gibt man ja auch eigentlich keinem Kind zum Spielen. So eine Deutschlandfahne. Das ist für Fußball oder für Politik.

–       Ja mei, was soll ich machen. Wir haben ja so viel. Sogar da in der Micky Maus war eine drin, oder so was. Deutschlandfahne mein ich. Und mein     Schwiegersohn hat doch schon alles so mit Fahnen. Die Autos, vor dem Fenster, sogar im Wohnzimmer und auf die Fernseher. Ich sag Ihnen, ich kann’s schon bald nicht mehr sehen.

–       Also das dürfen Sie jetzt nicht sagen. Aber schon wahr: Mein Schwiegersohn hat sie auch überall.

–       So, ist das auch ein Fußballfan?

–       Nein, ich glaub, der hat einfach so gern Fahnen. Der sieht sie halt gern flattern, da fühlt er sich immer gleich besser, hat er gesagt.

–       Jetzt tust aber das Fähnchen einmal aus dem Dreck, gell!

–       Ich sag’s ja: Nicht einmal beim Hitler ham wir so viel Fahnen gehabt. Weiterlesen

Der Mensch als Instrument

Was soll der Mensch in der Welt, wenn er nicht arbeiten kann? Arbeiten und Leben ist so aufeinander bezogen, dass selbst die Alternativen – Ausruhen, Faulenzen, Dolce Far Niente – darauf bezogen sind. Die Welt bearbeiten mit immer besseren Werkzeugen, Natur unendlich zu verwandeln, bis, nach der Vorstellung von Karl Marx sie vollends menschlich geworden ist, oder bis sie, nach den Vorstellungen des Dagobert Duck-Kapitalisten alles Profit bringt, auch am Hindukusch.

Menschen, eben deswegen, haben nicht nur Instrumente, sie sind auch welche. Einer (der Reichere und Mächtigere) bedient sich des anderen (des Ärmeren und Ohnmächtigeren), und um das zu erreichen muss er zwei Dinge tun: den anderen unterwerfen und den anderen „effizient“ machen. Ein Sklave muss mehr einbringen als er an Nahrung und Kleidung kostet, sonst könnte man ihn ja gleich freilassen (bzw. in einen Lohnarbeiter verwandeln, der genau dann entlassen werden kann, wenn diese Rechnung nicht mehr aufgeht, und wieder eingestellt, wenn sich die Verhältnisse ändern). Deshalb kamen Sklavenhalter schon früh auf die Idee, ihre menschlichen Arbeitsinstrumente nicht nur zu rauben, sondern auch zu „züchten“. Weiterlesen

Ist es reaktionär, komisch zu sein?

Das Komische, na klar, hat einerseits einen unbezweifelbar therapeutischen Zweck (wer sich krank lacht, will sich in Wahrheit gesund lachen); es hilft dem Unterdrückten (was Sexualität, Politik, Religion, Mamma und den Polizisten anbelangt) zum hinterrücksen Ausdruck. Aber genau da haben wir es schon. Die komische Umgehung der Zensur ist immer auch ihre Bestätigung.

Unsere mediale Lachkultur freilich (und sie geht einer nicht unerheblichen Anzahl von Menschen zunehmend auf die Nerven) leidet erst einmal unter einem sehr erheblichen Mangel an Zensur. Das widerspricht dem ollen Sigmund Freud doch fundamental, der behauptet hat, auch diesbezüglich sei das Komische vor allem eine Antwort auf die Repression. Nun sehen wir, dass in einer Gesellschaft, in der was Sexualität, das Bild und den Text dazu, anbelangt, eigentlich beinahe nichts verboten ist, alle Welt in Zoten, Obszönitäten und lustspielhaften Umkreisungen der Geschmacklosigkeit schwelgt. Weiterlesen