Jan 13 2010
Der Charakter ist das Schicksal
Der Charakter ist das Schicksal, das hat der Schauspieler Oskar Werner gesagt; damals probte er gerade seinen „Hamlet“. Mit Francois Truffaut geriet er bei den Dreharbeiten zum „Fahrenheit“-Film in Streit, weil der Regisseur seiner Meinung nach nicht genug betonte, dass sein „Feuerwehrmann“ einen faschistischen Charakter hatte. Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen. Oskar Werner, dem als Deserteur Verfolgten, wäre es weiß der Himmel nicht leicht gefallen, sich in einen Faschisten zu verwandeln, für die Dauer der Dreharbeiten. Trotzdem war er zu dem Opfer eher bereit als dafür, die Beziehung zwischen Charakter und Schicksal zu verwässern, wie es seiner Meinung nach der unentschlossene Menschenfreund Truffaut machte.
Der Charakter ist das Schicksal. Kein Medium gibt es, das wie das Kino genau dies zeigen kann: Wie sich Charakter als Schicksal zeigt. Allerdings haben wir uns auch an das Gegenteil gewöhnt. Als bräuchten wir dringend ein Schicksal, um einen Charakter zu formen (oder ihn wenigstens dazu zu zwingen, sich zu offenbaren). Die Formel aber geht nicht so auf, wenn man nämlich an die Stelle von Oskar Werners „ist“ ein „erzeugt“ setzt. Der Charakter aber „erzeugt“ kein Schicksal, und er ist nicht „Schuld“ am Schicksal. Er ist es einfach.
Das, unter anderem, meint „das Bewegungsbild“.

