KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 2/09

Von der Subversion zur parasitären Strategie

Parasiten und alles, was mit solchen ungebetenen und schmarotzenden Wesen am Tisch oder im Körper zu tun hat, haben denkbar schlimme Images, auch und gerade, wenn es um kreative, geistige oder ästhetische Arbeit geht. Mittlerweile, mit ein bisschen Kenntnis von Biologie und Systemtheorie, sickert es auch zur kulturellen Mitte durch, dass parasitäre Lebensformen nicht nur nützlich, manchmal sogar überlebensnotwendig, sondern auch im höchsten Maß selber kreativ sein können. Kreativ im eigenen Sinn, kreativ aber auch, was System oder Organismus anbelangt, die parasitär besetzt sind. Ein System ist auf Dauer ohne Parasiten nicht überlebensfähig. Weiterlesen

IST DAS VOLK DUMM?

Nein, natürlich nicht, sagen die Politiker, Werbefritzen und Fernsehmacher. (Man darf es nur nicht überfordern, man muss es ein bisschen an der Hand nehmen.) Die Vorstellung von einem dummen Volk ist nicht erlaubt, weil es mit einem dummen Volk keine Demokratie geben kann. Ist das Volk also klug? Je nun…

Der einzig wirkliche Vorteil des Volkes ist dieser: Es existiert nicht. Das Volk ist ein Phantasma, egal ob es sich dabei um ein nationales oder ein soziales Konstrukt handelt. Es gibt nur: Leute, die Beziehungen untereinander haben. Zugegeben: Solche Beziehungen neigen gelegentlich dazu, zu klumpen. Dann werden aus Gewohnheiten Überzeugungen und aus Wiederholungen Ideologien. Das Volk existiert nicht, aber es kocht in Blasen aus Alltag und Geschichte immer wieder auf. Weiterlesen

DER DEUTSCHE INTELLEKTUELLE

Wären „Intellektuelle“, meinethalben aufgespalten in traditionelle Intellektuelle und Pop-Intellektuelle, noch in einer benötigten und nutzvollen Position, so lautet die Frage, stellenweise bang gestellt.

Interessant sind Intellektuelle, so scheint es, augenblicklich für Mainstream und Mittelkultur nur, wenn sie sich gegenseitig fetzen. Natürlich sprechen wir nicht von „Debatten“, sondern von persönlichen Beleidigungen, verbalen Entgleisungen und gekränkten Eitelkeiten.

Ein Intellektueller ist ein Mensch, der, wenn er nicht von der Mehrheitsgesellschaft oder dem Staat zum Schweigen gebracht wird, dem Zorn von seinesgleichen anheim fällt. Weiterlesen

KUNST/ZEIT/SCHRIFT NR. 1/09

Wie Kunst zur Kunst wird, oder: Die Kunst der Kunst ist ihr eigenes Überleben

Die schwierigste Frage an die Kunst ist die, ob es sie überhaupt gibt. Sie könnte ebenso gut eine gewaltige Schimäre, ein sich selbst zeugendes, sich selbst kannibalisierendes, ein sich selbst enthaltendes System sein wie, ganz anders, Unterhaltung für besser verdienende, besser gebildet und sich besser wähnende Stände, nebst der erwünschten Erzeugung „kleiner Unterschiede“ als Symptome von Herrschaft.

Tatsächlich wird Kunst zur Kunst weder im Atelier noch in der Galerie, weder im Museum noch beim Sammler, sondern in den Katalogen, Reproduktionen, Rezensionen. Kunst wird zur Kunst erst außerhalb des Kunst-Raumes. Es kann keine bilaterale Verabredung zwischen einem sein, der einen Haifisch in ein Formaldehyd-Becken platziert und einem, der die entstandene Skulptur für einen Millionenpreis ankauft, wenn es nicht zugleich ein Millionenpublikum gibt, von dem, gewiss, eine Mehrheit lieber in ein Event-Aquarium geht als ins Museum, wenn man einen Haifisch sehen will. Weiterlesen

DIE SANDKASTEN-PROTOKOLLE (III)

Die Untoten kommen

Hey, hey, ich bin Wickie. Und das ist mein Wikingerschiff.

Und ich bin Power Rangers. Eins, zwei, drei vier Power Rangers.

Da passen wir nicht zusammen.

Oder meine Power Rangers sollten Zeitsprung können. Dann könnten sie sich zu den Wikingern beamen.

Und wie soll man dann merken, dass sie jetzt bei den Wikingern sind?

Die könnten ja so Helme aufsetzen.

Hey, du spinnst ja. Power Rangers mit Wikinger-Helmen! Sieht doch voll beschissen aus. Weiterlesen