Sep 05 2009
COACH STEINI! CAST ANGELA! RATE OSCAR!
Der Mensch unserer Zeit wird erst gecoacht, dann gecasted und schließlich gerated. Und dann wieder von vorn. (Früher war das Erziehung, Konkurrenz und Erfolg und auch nicht viel besser. Man wusste nur, dass es ungerecht, gewalttätig und demütigend war.) Neben der politischen und der ökonomischen Macht geht das, was wir früher einmal „Definitionsmacht“ nannten, in die Hände jener über, die coachen, casten und raten. Die Macht der Coacher, Caster und Rater entsteht einerseits durch eine populistisch-mediale Rückkopplung, andererseits durch Akte der Selbstermächtigung. Die Antwort auf ökonomische Krisen ist das Anwachsen der Coaching-, Casting- und Rating-Industrie. Man kann nicht nur Menschen coachen, casten und raten, sondern auch Unternehmen, Regierungen und ganze Staaten. Geschichte ist eine Rating Show, im schlimmsten Fall eine militärische Rating Show.
Torsten Hinrichs, Geschäftsführer der Ratingagentur „Standard & Poor’s“ antwortete in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf die Frage, ob die definitiv falsch eingeschätzte Entwicklung auf dem amerikanischen Immobilien- und Hypothekenmarkt ein Versagen der S&P gewesen ist, „Wir haben in diesem Bereich dem Anspruch an uns selbst nicht genügt.“. Der Anspruch von anderen kommt dabei nicht mehr vor.
Coacher, Caster & Rater, im Trash-Fernsehen wie in den Zyklen des Finanzkapitalismus, wachsen seitwärts der traditionellen Macht-Linien. Die Coacher raten die Caster; die Caster coachen die Rater; die Rater casten die Coacher. Wenn die Coacher sich nicht selbst coachen, und die Rater sich nicht selbst raten. Eine Wahl ist besonders lustig, weil sie nämlich alles zugleich ist: Eine Coaching Show, eine Casting Show und eine Rating Show.
Wer hat Sie gecoacht? Wo sind Sie gecasted worden? Wie ist Ihr rating? Gell, da müssen Sie lachen, Herr Westerwelle.

