BILDER/FLÜSSE (1)

Niemand kann zwei Mal in denselben Fluss steigen. So sagte es wohl Heraklit, aber es würde mich nicht wundern, wenn andernorts andere Menschen auf die gleiche Idee gekommen wären. Eine Idee, nebenbei, mit der bei vielen Leuten „das Nachdenken“ (oder einfach: das Philosophieren) begonnen hat. Bei anderen hat es damit aber auch schon wieder aufgehört; das ist das Kreuz mit „wuchtigen Sätzen“. So als wäre damit nämlich sowieso schon alles geklärt und man könnte auf die Frage, wie viel drei mal vier ist ebenso wie auf die Frage nach dem Ursprung des Unrechts antworten: „Niemand kann zwei mal in denselben Fluss steigen“. Weiterlesen

GEGEN TODESSTRAFE-GEGEN STEINIGUNG-GEGEN JEGLICHE MITTELALTERLICHE METHODEN DER BESTRAFUNG !

Liebe Leser, liebe Leserinnen meines Blogs

Bitte beteiligt Euch/bitte beteiligen Sie sich an einer dringend notwendigen Kampagne: GEGEN TODESSTRAFE-GEGEN STEINIGUNG-GEGEN JEGLICHE MITTELALTERLICHE METHODEN DER BESTRAFUNG !

Frau Sakineh Mohammadi Ashtiani, eine aserbaidschanische Mutter von zwei Kindern, wurde in letzter Instanz zum Tode durch STEINIGUNG verurteilt. Weiterlesen

I HIRED A FREMDSCHÄMER

Ist es Ihnen schon aufgefallen? Dieses Wort hat Konjunktur: „Fremdschämen“. Das soll heißen, dass sich jemand geniert, weil jemand anderes so furchtbar peinlich und daneben ist. Sozialpsychologisch gesehen war „Fremdscham“ bislang eher ein Nebenschauplatz. Aber jetzt wird es Mode, Kult, nein, viel mehr, es wird soziale Praxis. Und warum? Weiterlesen

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER (09)

Wahlmüdigkeit

Zwei Herren, nicht eben enthusiastisch, waren damit beschäftigt, Wahlplakate von Laternenpfählen zu entdrahten, auf denen ein gewisser Herr Westerwelle behauptet, Arbeit müsse sich wieder lohnen. Da die beiden mit dem Abdrahten von Wahlplakaten beschäftigten Herrn ziemlich sicher waren, dass sich ihre Arbeit im Leben nicht lohnen würde, vermeinten sie in den Blicken zweier anderer Herren, die auf einer Parkbank saßen und ihnen aufmerksam zusahen, einen gewissen milden Spott zu spüren. Aber den Herren Reiner und Kainer, um niemand anderen handelte es sich bei den beiden Sitzenden, war heute gar nicht nach Spott zumute. Nicht einmal nach mildem.

„Jetzt bin ich extra wählen gegangen“, seufzte Herr Reiner, „und jetzt schauen Sie sich das an. Wir haben eine Wirtschaftskrise und die Leute wählen genau die Partei, die alles das noch mehr machen will, was in die Krise geführt hat. Das versteht doch das gesamte deutsche Feuilleton nicht.“ Weiterlesen

Die Filmkomödie, eine Gattung oder ein Genre?

Die Frage ist aufgetaucht: Ist die Filmkomödie eine Gattung oder ein Genre? Ich kann sie natürlich nicht beantworten, wie es ein Experte tun würde. Aber den einen oder anderen Gedanken dazu kann ich schon beisteuern, zum freien Gebrauch.

1. Verhält es sich möglicherweise so, dass Genre und Gattung als zwei Erklärungsmodelle für einander irgendwie verwandte ästhetische Produkte gar nicht direkt miteinander korrespondieren. So also könnte man weder von einem Genre sprechen, das sich aus dem „Zerfall“ oder der Diversifikation einer Gattung ergeben hätte, noch umgekehrt davon, dass sich eine Gattung aus verschiedenen Genres zusammensetzen würde. Vielmehr würde, zum Beispiel, eine Filmkomödie sehr unterschiedliche Diskurse provozieren, je nachdem, ob ich sie einem Genre oder einer Gattung zuordnen würde. Beide Diskurse wären durchaus sinnvoll, und beide Diskurse hätten ihre Grenzen. Beide Diskurse könnten sich gegenseitig freilich auch durchaus verblüffen – und missverstehen. Weiterlesen

DUMMHEIT & HERRSCHAFT (Ein weiterer Beitrag zur Wahl)

Horst Geyer definierte 1954 in seinem Buch „Über die Dummheit“ eben die Dummheit als „Zustand, bei dem ein normaler, erwachsener, durchschnittlich begabter Mensch Antworten gibt, die sich in der Mitte zwischen Schwachsinn und Unwissenheit befinden und auf unfreiwillige Weise komisch wirken“.

Für Letzteres bedürfte es ein Subjekt, irgendjemand muss sich trauen, eine Mischung aus Schwachsinn und Unwissenheit komisch zu finden, ohne sich dabei als arrogant und überheblich vorzukommen. Wenn der Schwachsinn bei einem durchschnittlich begabten Menschen diagnostiziert wird, dann geht es eben nicht um einen Menschen, der nicht denken kann, sondern um einen, der nicht denken will. Und Unwissenheit in einer Informationsgesellschaft kann nicht mit einem Mangel an Medien und Archiven des Wissens erklärt werden. Weiterlesen

WAHL (II)

„Haben Sie das Fernsehduell zwischen Merkel und Steinmeier gesehen?“

„Nein, aber ich habe ein sehr interessantes Interview mit einem Medien-Coach gehört. Frau Merkel hat nämlich vorher ein bisschen grimmassiert, und dann sich beim Luftholen zu schnell von einem Journalisten unterbrechen lassen, von dem man das ja kennen müsste, wenn man sich richtig vorbereitet hätte, und der Steinmeier, der habe einen ‚Stockfehler’ begangen, als er vom lebendigen Erzählen wieder zum Argumentieren überging. Und so weiter. Und Zögern, Nachdenken und Ehrlich-Sein bezeichnete der Medien-Coach als die schlimmsten Fehler, die ein richtig medien-gecoachter Politiker begehen könne. Wissen Sie was? Wir sollten gleich die Medien-Coachs gegeneinander antreten lassen. Vielleicht hätten dann unsere Politiker ein bisschen mehr Zeit zum Nachdenken. Vom Ehrlich-Sein wollen wir noch gar nicht reden.“

DER META-WÄHLER

Auch diesmal bleibt natürlich alles ganz anders. Denn erstens, das haben wir ja jetzt oft genug gehört: Ab jetzt wird nicht mehr direkt, sondern taktisch gewählt. Man befindet sich in einer Art Koalitions-Toto, wo man nicht nur auf Sieg, sondern auch auf Platz, oder, nach dem Vorbild unserer famosen Finanzmanager, sogar auf Niederlagen setzen kann. Wer, zum Beispiel, noch an die Sozialdemokratie glaubt (doch, so was gibt’s!), der wählt jetzt die FDP um eine Wiederholung der großen Koalition zu verhindern, die das endgültige Verschwinden des sozialdemokratischen Projekts noch einmal deutlich machen würde. Oder ein CDUler wählt die Linke, damit seine Partei endlich aufwacht und wieder auf die antikommunistische Pauke hauen kann. Jedenfalls weiß jede Wählerin und jeder Wähler: Wenn ich die Partei wähle, die ich eigentlich wählen würde, dann kriege ich garantiert nicht die Regierung, die ich eigentlich hätte haben wollen. Wir nennen das jetzt „cross voting“. Weiterlesen

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER (08) – WAHL-SUPER-SPEZIAL!

Schwanenscheiße

Der Verkehr am Mittleren Ring, das tut er gerne, brach einmal wieder zusammen. Die Pflicht ruft, und als letzten Aufschrei der individualistischen Revolte werfen sich die Menschen in ihre Automobile. Der Bus ist nämlich schweinegrippenvoll und kommt auch nicht schneller voran.

Die Herren Reiner und Kainer saßen am Ufer des Kleinhesseloher Sees und genossen den Beginn eines sonnigen Herbsttages, der es sich nicht leicht machte. Weiterlesen

ROTSCHWÄNZCHEN UND DIE BÖSE GROSSE WAHL

Da sitze ich also wieder an meinem Computer, trinke viel zu süßen schwarzen Kaffee und schaue aus dem Fenster. Ein Rotschwänzchen vergnügt sich im Holunderstrauch, wie jeden Morgen. Oder ist es eher Arbeit, Nahrungsmittelbeschaffung, und wo liegen da bei einem Rotschwänzchen die Grenzen?

Na egal, ich werde etwas über die Wahl schreiben. Das ist definitiv Arbeit und kein Vergnügen. Weiterlesen