Aug 13 2009

GESCHICHTEN VOM HERRN REINER UND HERRN KAINER

Veröffentlicht von Georg Seeßlen unter Gesellschaft, Politik.

Hülle und Fülle

„Sagen Sie, Herr Reiner“, meinte Herr Kainer, der seinen Freund versonnen auf eine Abbildung in seiner Zeitung blicken sah, „Was halten Sie denn vom “Busen-Wahlkampf?“.

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„Da gibt es für mich leider nichts zu halten“, entgegnete der.

„Nein, ich meine: Was denken Sie darüber?“

„Ich decke gar nichts darüber“.

„Denken!“

„Wie bitte?“

„Denken. Nicht decken. Was denken Sie darüber?“

„Ich denke, Sie haben recht.“

„Wer?“

„Alle vier.“

„Ach, ich sehe schon: Mit Ihnen kann man nicht über Politik reden“.

„Mit wem?“

„Mit allen vieren.“

Verträumt blickten die Herren Reiner und Kainer um sich. Es war Sommer in der Stadt. Busen sonder Zahl, und die meisten von ihnen ohne jegliche Wahlkampfabsicht. Beim Blick auf ein besonders prächtiges Exemplar ereilte Herrn Kainer eine Erleuchtung:

„Madonna! Jetzt weiß ich endlich, was eine christlich-demokratische Union ist!“

Und Herr Keiner, der stets den Gedankengängen seines Freundes folgte, pflichtete bei: „Der Büstenhalter der politischen Kultur! Wiedervereinigung der Dualitäten! Kirche und Kapital!“

„Kinder und Karriere! Küche und Koks! Konsum und Konkurrenz!“

„Mit Ihnen kann man ja doch über Politik reden“.

„Mit wem?“

„Mit allen vieren.“

Eine vorübergehende Dame fragte sich, ob es sich bei den zwei lachenden Herren um Lüstlinge, Fernsehreporter oder Philosophen handelte und ging, da sie die Frage nicht eindeutig zu beantworten wusste, ihres Weges, ohne wenigstens einem von ihnen eine Ohrfeige zu verpassen.

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