Jul
29
2009
Das Schöne ist in der Welt der Zeichen das, was „Charisma“ in der Welt der Menschen und ihrer Beziehungen ist: Eine Möglichkeit, aus eigener Kraft die Macht der Regeln, der Unterdrückungen, der Ordnungen, der Bürokratien, der Konventionen, der kleinen und großen Unterschiede, der Bildung, der Sprache und so weiter zu überwinden. Die Faszination, die vom Schönen ausgeht, ist stärker als die Macht der etablierten Herrschaft, die sich ausdrückt in einer Ordnung der Zeichen. Weiterlesen »
Jul
27
2009
„Ist schon recht, Klaus-Detlef, Bubi, lass dir nix gefallen. Wenn das Kind dir das Schäufele wegnimmt, dann darfst auch ‚Türkensau’ zu ihm sagen“.
Weiterlesen »
Jul
25
2009
Die bürgerliche Kultur zu retten, ist es vermutlich zu spät
Das Grauen gegenüber den stets neuen Geschmacklosigkeiten und Debilitäten der populären Kultur im Allgemeinen und des vergehenden Leitmediums Fernsehen im Besonderen ist vor allem die andere Seite des Grauens gegenüber dem Verschwinden der bürgerlichen Kultur. Diese wiederum besteht aus nichts anderem als aus Differenzierung: Sie ist entfernt vom Kindischen, Regressiven, Sexuellen, Rohen, Gewalttätigen, Dummen, sie ist, mit einem Wort, vom Körperlichen entfernt. Aber sie differenziert sich nur auf der Ebene der Codes, auf einer tieferen Schicht der ästhetisch-politischen Praxis schließt sie sie nicht aus, sondern umschließt sie auch. Das Lustige und Spannende an der „bürgerlichen Kultur“ ist es, dass genau das, was sie sich äußerlich vom Leibe hält, in ihrem Inneren immer wieder aufbricht. Weshalb sie sich ja auch, ganz zu Recht, selber nicht geheuer ist. Weiterlesen »
Jul
15
2009
Die Bayerische Staatsregierung lockert das Rauchverbot in Wirtshäusern und Festzelten!
Geraucht werden darf ab jetzt wieder:
wenn zum Bier eine zünftige volkstümliche Blasmusik geboten wird,
wenn der Wirt CSU-Mitglied ist,
Weiterlesen »
Jul
14
2009
„Einige wollten den Roman als eine Art kinematographisches défilé der Dinge. Diese Vorstellung war absurd“. So schrieb Marcel Proust. Einige andere aber wollten das Kino als eine Art romanesken Reigen der Dinge. Diese Vorstellung war genau so absurd.
Sherlock Holmes und das Denkverbot: Man kam überein, das Richtige nur dadurch zu erhalten, dass das Falsche ausgeschlossen wurde. Schritt für Schritt werden alle Alternativen beiseite gelegt, und was am Ende übrig bleibt, das wäre, nun ja, die Wahrheit. Die Welt ist das sorgsam geschiedene Material, das erschöpfend behandelt wird. So wurde die Sherlock-Holmes-Wissenschaft zum Todfeind intellektueller Offenheit: Die Widersprüche sind nicht nur zwischen den Dingen, sondern in den Dingen zu beschreiben. Weiterlesen »
Jul
11
2009
Was meine Heimatzeitung am Freitag besonders wertvoll macht ist eine Beilage aus dem Deutschen Supplementverlag (Nürnberg) namens „rtv – Das Fernsehmagazin Ihrer Zeitung“, der man entnehmen kann, was man sich in der kommenden Fernsehwoche alles ersparen kann.
Glaubt man den Anzeigen in „rtv“, und was sollte glaubwürdiger sein als Anzeigen, so wird diese Fernsehbeilage vor allem von Menschen gelesen, die Probleme mit dem Gehen haben (18 Anzeigen unterschiedlicher Größe preisen Treppenlifte, Wannenheber und Elektromobile), die sich gern selbst medikamentieren (Beine, Potenz, Nagelpilz, Schmerzsalbe und Bluthochdruck) und ganz wild auf Tageshoroskope sind, die man unter 0900-Nummern bekommen kann.
Und außerdem, so ist zu vermuten, gehen diese Menschen gern auf Reisen Weiterlesen »
Jul
10
2009
Zweiter Klasse
Es war der schiere Übermut, der Herrn Reiner und Herrn Kainer veranlasste, an einem halbschönen Sommertag einen Ausflug unternehmen zu wollen, und zwar mit der Deutschen Bahn.
„Sehen Sie sich nur diesen Bahnhof an!“, staunte Herr Reiner, der die einstige Schalterhalle nach ihrem Umbau bewunderte. „Was es hier alles zu kaufen gibt! Hier ist ein Spielplatz für Kinder. Dort gibt es Probeabonnements für „Christ und Hund“. Und dort kann man sogar ein Automobil gewinnen“.
„Wie passend“, warf Herr Kainer ein. „Wer Glück hat, muss nicht mehr Eisenbahn fahren“. Weiterlesen »
Jul
09
2009
Aus einem F.A.Z.-Gespräch (30.06.09):
Frage:
Herr Ackermann, entgegen Ihrer ursprünglichen Ankündigung werden Sie die Deutsche Bank nun weitere drei Jahre führen. Das geht mit einer Jagd über alle Kontinente von Termin zu Termin einher, mit ‚faustischer Rastlosigkeit’. Was motiviert Sie? Ist da noch etwas Unerledigtes? Vielleicht sogar noch etwas wiedergutzumachen?
Josef Ackermann:
Nein, ich habe diese Entscheidung vor allem aus Pflichtgefühl getroffen. …
Jul
03
2009
Zwischen Bankpark und Parkbank
Weiß und blau strahlte der Himmel über Bayern. Jedenfalls auf dem riesigen Plakat der Bier-Werbung, unter dem sich Herr Kainer und Herr Rainer auf einer Bank niedergelassen hatten.
„Wissen Sie eigentlich, Herr Reiner“, fragte Herr Kainer, „wie man dort, wo das Geld ist, die Krise nennt?“
„Die nennen die Krise nicht Krise?“, fragte Herr Reiner zurück. Weiterlesen »
Jul
02
2009
Super – Illu, oder was?
Es gilt als ausgemacht: 90% unserer Medien bestehen aus Schwachsinn, Obszönität und schlechtem Geschmack. Und warum? Na, weil es die Leute so wollen. Zwischen der Werbung wollen sie weder Politik noch Kultur, nichts Anstrengendes und nichts Intelligentes. Sondern Schwachsinn, Obszönität und schlechten Geschmack.
Aber irgendwer muss das außer den Leuten ja noch wollen. Denn die Leute wollen ja auch Mindestlöhne, Kindertagesstätten und Lehrmittelfreiheit. Aber kriegen sie das? Natürlich nicht, denn das will eben keiner außer ihnen. Weiterlesen »