Mai 15 2013
Die Kriegsausstellung
In so genannten Friedenszeiten scheint es zu genügen, dem Volk immer wieder die eigenen technischen Kräfte und Bilder aus der heroischen Geschichte zu zeigen, sowie sich mit entsprechenden Glamour-Veranstaltungen (der Manöver-Ball für die höheren Stände, die militärische Werbung auf den Volksfesten für die unteren, so wie sie heute in der Bundesrepublik noch immer hoch populär ist) in das Zivilleben einzuschreiben. In „Kriegszeiten“ dagegen, wird es notwendig, eine engere Teilhabe, eine Verschmelzung zwischen dem militärischen und dem zivilen Sektor der Gesellschaft zu erzeugen. Diesem Zweck diente etwa die große Kriegsausstellung 1916, die sich nicht mehr mit der bloßen Zurschaustellung der eigenen Waffen zufrieden geben konnte, sondern mit der Einladung zu einem Ausflug in einen realistisch nachgebauten Schützengraben oder der Teilhabe bei der Reparatur eines U-Bootes ein gleichsam „totales“ Kriegserlebnis simuliert, wie es zu dieser Zeit auch der Film nicht vermochte, der gleichwohl bereits eine zentrale Stellung in dieser multimedialen Intimisierung des Kriegerischen innehatte. (Vergleichbar funktioniert heute das Angebot, in dem für den Kriegsfilm DAS BOOT hergestellten Unterseeboot herumzugehen; die militärische Intimisierung, die in den großen Museen ein wenig in den Hintergrund treten musste, kommt auf dem Umweg über die Filmkulisse zurück.)
Geändert hat sich im übrigen auch in der Doppelfunktion von Werbung (für den Krieg, für die Filmproduktion) und Einnahmequelle kaum etwas: Die „Intimisierung“ als propagandistisches und als ökonomisches Unternehmen scheint zunächst zwei höchst unterschiedliche Ziele zu verfolgen, nämlich einerseits den Krieg durch die eigene Empfindung denkbar zu machen und so auf ihn vorzubereiten, und andererseits aus dem Krieg eine Unterhaltungsmaschine zu formen, Weiterlesen »
